Englisches Vollblut aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Englische Vollblut bezeichnet eine speziell für den (Galopp-) Rennsport gezüchtete Pferderasse aus der Gruppe der Vollblüter. In Abstammungspapieren werden Englische Vollblüter zur einfachen Unterscheidung von anderen Pferderassen durch ein »xx« hinter dem Namen gekennzeichnet.

Die Engländer nennen das Galopprennpferd »thoroughbred«, was übersetzt soviel wie "durchgezüchtet" bedeutet, die Franzosen sprechen von »pur sang« (reinem Blut), wenn sie den Vollblüter meinen. Beide Bezeichnungen sind treffender als das deutsche Wort »Vollblut«. Und in der Tat ist der Vollblüter seit ca. 30 Generationen durchgezüchtet. Man kann seinen Stammbaum bis zu den Gründerhengsten aus dem frühen 18. Jahrhundert zurückverfolgen und die Stutenlinien teilweise noch bis in das 17. Jahrhundert. Während die Warmblüter - ausgenommen die Trakehner-Zucht - erst Ende des 19. / Anfang 20. Jahrhunderts mit der Anlage von Stutbüchern begonnen haben, werden diese bei den Vollblütern seit Jahrhunderten geführt.

Englische Vollblüter gelten als die schnellsten Rennpferde der Welt. Auf Auktionen erzielten sie oft Höchstpreise von mehreren Millionen Dollar.

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Zuchtsystem [Bearbeiten]

Zuchtgeschichte [Bearbeiten]

Sie wurden im späten 17. / frühen 18. Jahrhundert in England aus einheimischen leichten Warmblutstuten und drei importierten orientalischen Hengsten gezüchtet. Diese Hengste, Byerley Turk (keine genauen Angaben zur Rasse, Achal-Tekkiner bzw. Turkmene vermutet), Darley Arabian (Arabisches Vollblut) und Godolphin Barb (zuweilen auch Godolphin Arabian, aber vermutlich ein Berberpferd) gelten als die Stammväter des Englischen Vollblutpferdes. Einer neueren Studie zufolge, die auf einer DNA-Analyse basiert, ist Darley Arabian in direkter männlicher Linie über seinen Sohn Eclipse Stammvater von 95% aller heute lebenden Englischen Vollblüter. Zu Beginn der Vollblutzucht bis ca. 1750 wurden ungefähr 100 Araber-Hengste verschiedener Provenienzen eingesetzt. Bis auf die genannten drei Stammväter sind alle in der Hengstlinie nach spätestens 100 Jahren (um 1800) wieder verschwunden. In direkter mütterlicher Linie lassen sich alle heute lebenden Englischen Vollblüter auf ca. 30 sog. »Gründerstuten« (»Stammmütter«) zurückverfolgen, deren heute bedeutendste eine »Old Bald Peg« (* um 1645) genannte Stute ist.

Seit 1793 ist diese Pferderasse über die Eintragungsberechtigung ins »General Stud Book« definiert. Für eine Eintragung müssen Pferde über mindestens acht Generationen nachweisen, dass alle Vorfahren reine Vollblüter waren. Pferde, bei denen diese Bedingung nicht erfüllt ist, gelten entweder als Halbblüter (Vollblutanteil oft 99%) oder werden in Deutschland als sogenannte §4-Pferde (ehemaliger §4 der Dt. Rennordnung) behandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist dieser Fall häufig aufgetreten, weil die Identität mancher Vollblüter nach den Kriegs- und Fluchtwirren nicht eindeutig geklärt werden konnte, sie aber vom äußeren Eindruck mit großer Wahrscheinlichkeit Vollblüter waren. Ebenso kann die Eintragung aus politischen Gründen verweigert werden. Dies war z.B. mit den Nachkommen der Stute Asterblüte des Gestüts Schlenderhan geschehen. Asterblütes Vater Pharis wurde 1940 in Frankreich von deutschen Truppen mit Waffengewalt geraubt. Marcel Boussac, der Züchter und Besitzer von Pharis, setzte nach dem Krieg durch, dass die Nachkommen von Pharis in Deutschland nicht als Vollblüter gelten, sondern als §4-Pferde zu behandeln seien. Erst in den 1980igern wurde in dieser Angelegenheit eine gütliche Einigung herbeigeführt.

Im 19. Jahrhundert hatte man Befürchtungen, dass wegen zu weniger Individuen, die von noch weniger Vorfahren abstammen, die Rasse bald unter Inzucht leiden würde. Deswegen wurden erneut Arabische Vollblüter eingekreuzt. Die Produkte aus diesen Kreuzungen waren aber viel langsamer als die reinrassigen Englischen Vollblüter und so wurde das Experiment nach kurzer Zeit beendet.

Die beiden wichtigsten Rennen für Englische Vollblüter in Deutschland sind das »Derby« (für 3jährige) und der »Große Preis von Baden« (für 3jährige und ältere).

Galopprennen als Pferdeleistungsprüfungen / Zuchtprüfungen [Bearbeiten]

Das Vollblut ist eine internationale Pferderasse, deren Rennleistungen für die Zucht relevant sind, siehe Pferderennen.

Zuchtverfahren [Bearbeiten]

siehe auch Hauptartikel: Pferdezucht.

Als (Vollblut-) Züchter wird üblicherweise der Halter einer Mutterstute bezeichnet. Er wählt für seine Stute in jedem Frühjahr (sog. „Decksaison“, auf der nördlichen Hemisphäre vom 15. Februar bis etwa Mitte Juni) den seiner Kenntnis, Erfahrung, Meinung nach individuell am besten passenden Zuchthengst (Vaterpferd, sog. „Deckhengst“) aus.

Was jeweils passend ist, hängt von seinen Zuchtzielen ab, ob er ein früh- oder spätreifes Pferd, ein antrittsschnelles Pferd für Sprintrennen oder ein ausdauerndes Pferd für Rennen ab 2.200 m Renndistanz züchten will. Neben den gezeigten Rennleistungen der beiden Elterntiere werden ihre Pedigrees (die Ahnenreihe bzw. der Stammbaum) bei den Zuchtdispositionen berücksichtigt.

Anhand der Pedigrees beurteilt der Züchter, ob er durch Inzucht auf bestimmte präpotente Vorfahren deren bekannte Erbmerkmale zu steigern vermag oder ob er durch die Anpaarung von Elterntieren, die in den ersten Ahnenreihen wenige gemeinsame Vorfahren haben, die genetische Variabilität des Nachkommens erhöhen will (sog. „outcross“).

Für die Inanspruchnahme eines Zuchthengstes hat der Züchter dem Halter des Deckhengstes ein Entgelt, die sog. „Decktaxe“ zu zahlen. Die Decktaxe kann bei begehrten, führenden Vaterpferden (siehe Championat der Vaterpferde) durchaus fünf- und sechsstellige Summen ausmachen. Da führende Deckhengste zwischen 60 und 150 Stuten pro Saison decken, sind sie auch finanziell sehr wertvolle „Produktionsmaschinen“.

Die Bedeckung der Mutterstute durch den Deckhengst erfolgt im Natursprung. Durch künstliche Besamung (engl. AI - artificel insamination) gezeugte Vollblüter sind für das Gestütsbuch (GSB) nicht eintragungsberechtigt.

Geschütze Namen von Siegern bedeutender Zuchtrennen [Bearbeiten]

Die Namen aller Sieger nachfolgender Rennen bis 1995 sind international geschützt und nicht wieder vergebbar:

  • Preis der Diana, Deutsches Derby, Preis von Europa (Deutschland)
  • Kentucky Derby, Preakness Stakes, Belmont Stakes, Jockey Club Gold Cup, Breeders’ Cup Turf, Breeders’ Cup Classic (USA)
  • Poule d’Essai des Poulains, Poule d’Essai des Pouliches, Prix du Jockey Club, Prix de Diane, Grand Prix de Paris, Prix Vermeille, Prix de l’Arc de Triomphe (Frankreich)
  • 1000 Guineas, 2000 Guineas, Oaks, Derby, Ascot Gold Cup, King George VI and Queen Elizabeth, St Leger, Grand National (Groß Britannien)
  • Irish 1000 Guineas, 2000 Guineas, Derby, Oaks, Saint Leger (Irland)
  • Premio Regina Elena, Premio Parioli, Derby Italiano, Oaks (Italien)

Seit 1996 werden automatisch geschützt die Namen der Sieger folgender neun Rennen

  • Gran Premio Carlos Pellegrini, Grande Premio Brazil (Süd-Amerika)
  • Japan Cup (Asien)
  • Melbourne Cup / (2005) Cox Plate (Australien)
  • Prix de l’Arc de Triomphe, King George VI and Queen Elizabeth Stakes, (bis 2004) Queen Elizabeth II Stakes/(seit 2005) Irish Champion (Europa)
  • Breeders’ Cup Classic, Breeders’ Cup Turf (Nord-Amerika)

seit 2005 auch die Sieger in

  • Dubai World Cup
  • Hong Kong Cup

Auf Antrag des 'International Stud Book Comittee' werden die Namen wichtiger Zuchthengste und Zuchtstuten geschützt.

Per 1. Februar 2007 enthielt diese Liste 4438 Namen, die für Vollblüter nicht mehr vergeben werden dürfen.

2007 kamen automatisch neu hinzu

  • Deep Impact (Japan Cup)
  • Delta Blues (Melbourne Cup)
  • Dono da Raia (Grande Premio Brazil)
  • Dylan Thomas (Irish Champion)
  • Electrocutionist (Dubai World Cup)
  • Invasor (Breeders’ Cup Classic)
  • Pride (Hong Kong Cup)
  • Rail Link (Prix de l’Arc de Triomphe)
  • Red Rocks (Breeders’ Cup Turf)

Bereits im Vorjahr verewigten sich

  • Hurricane Run (Prix del'Arc de Triomphe 2006, King George VI and Queen Elizabeth Stakes 2007)
  • Storm Mayor (Gran Premio Carlos Pellegrini 2006, 2007)

Sonstige Einsatzgebiete [Bearbeiten]

Das moderne Reitpferd ist ohne den Einfluss des Englischen Vollblüters in der Landespferdezucht nicht möglich. In allen Landespferdezuchten wurden Vollblüter als Veredler der häufig schweren Warmblutschläge eingesetzt. Die Holsteiner Zucht hat mit Hilfe von Vollblütern aus den ursprünglich eleganten aber schweren Kutschpferden ein modernes Reitpferd geschaffen, das vor allem im Springen oft an der internationalen Weltspitze steht. Bedeutende Vollblut-Vererber in Holstein waren vor allem Marlon (IRE) xx (Fam. 3-c, Züchter H.Kerr, Esq., 1958 v. Tamerlane (GB)-Maralinni (GB) v. Fairford ) und Ladykiller (GB) xx (Fam. 16, Züchter A.L.Adda, 1961 v. Sailing Light (GB) - Lone Bleech (GB) v. Loaningdale). In Hannover war Der Löwe xx (Fam. 3-h Gestüt Röttgen 1944 v. Wahnfried - Lehnsherrin v. Herold) ein wichtiger Vollblutvererber.

Neben ihrer Schnelligkeit sind Englische Vollblüter aber auch gute Reit- und Springpferde. So wird der Weltrekord im Hochsprung mit 2,47 m seit Februar 1947 von dem Englischen Vollblüter Huaso (1933 v. Faithful a.d. Henry Lee (ARG) - Tremula) gehalten[1] und der Hengst Brillant (Fam. 28, Züchter Ferdinand Leisten, 1949 v. Organdy - Bereitschaft v. Athanasius) wurde 1952 Dritter im »Deutschen Galoppderby« und gewann sowohl 1960 als auch 1961 unter Rosemarie Springer die »Deutsche Meisterschaft Dressur der Damen« und war mit Willi Schultheis im Sattel Sieger im »Deutschen Dressurderby« in Hamburg.

Quellen [Bearbeiten]

  1. Weltrekord im Hochsprung

Siehe auch [Bearbeiten]

 Commons: Thoroughbred – Bilder, Videos und Audiodateien

Weblinks [Bearbeiten]

Datenbanken [Bearbeiten]