Hannover - Neue Bult

Panoramaansicht der Neuen Bult
Panoramaansicht der Neuen Bult

 

Die neue Bult ist jetzt über 35 Jahre in Betrieb, und man weiß immer noch nicht, was man davon halten soll. Die Alte Bult wirft einen langen Schatten, und die neue wirkt nach wie vor, als wenn man sie einfach aus der Luft ins Gelände geworfen hätte. Dabei hatte man sich viel vorgenommen, und der Anfang war spektakulär, im Mai 1973. Da saß ich bei der Eröffnung am Totalisator und stanzte Wettkarten, richtige Pappen mit einer Maschine mit großen Rädern mit eingravierten Zahlen und Bakelitknöpfen, damit man diese vertikalen zwei Räder richtig schön rauf und runter leiern konnte, wegen der Einläufe hin und zurück und solch feinen Sachen. Die Autos stauten sich an diesem Tag bis zum Silbersee, wie die HAZ anderntags berichtete, Odenwald gewann unter Peter Remmert das erste Rennen, und Raimund Prinzinger mit Alcazar das Hauptrennen (das weiß ich nicht aus der Erinnerung, sondern aus dem Jahrbuch 73). Wo heute der Absattelring und die Chambre separees der Sponsoren funktionieren, waren das früher Führring und Sattelboxen, aber die fürchterliche Betontribüne steht immer noch genauso kahl und leer wie damals, ein Schandfleck der besonders hässlichen Art. Die Bahn wurde zur Eröffnung, was keine Kunst war, als modernste Europas gefeiert, mit überhöhten Kurven und allerlei Firlefanz, aber leider funktioniert die Drainage bis heute nicht richtig, so daß alle Rennen sehr hängend zur Außenseite gelaufen werden, was regelmäßig Platz- und Einsortierschwierigkeiten verursacht. Außerdem versperrt den Sattelplatzbesuchern eine mitten auf dem Sattelplatz installierte Bier- und Wurstbude weite Teile der Sicht auf den Einlauf.  Aber die Qualität der Bratwürste ist wie generell in Hannover hoch, und noch besser schmeckt die Erbsensuppe um die Ecke, wo sie dazu Maggi aus der Großflasche servieren. Ein vorbildlicher Service.

 

Die Bahn kam anfangs gut aus der Maschine, auch wegen der guten Trainingsbedingungen. Nach wie vor nicht die ganz große Klasse, aber immerhin Babant und Vivi und noch ein paar Gute sowie viel solide Mittelklasse sorgten für ordentliche Qualität. Dazu die teilweise erstklassigen Steepler von Steintor, Schwarzwälder, Capo etc. Das konnte sich sehen lassen. Erinnerlich ein erstaunliches Hürdenrennen mit Bream, einem umgeschulten Flieger des Gestüts Nehmten. Der gewann wirklich mit mehr als der halben Bahn. Es gab den Deutschen Stutenpreis, welchen der Autor als einziger Mitbesitzer vor Ort 1999 mit Evil Empire gewann, es gab die Deby Revanche, wiederum gewonnen mit Indikator im Jahr davor, es gab die Hunderttausender Hindernis Serie. Aber es gab immer mehr die Schwierigkeiten der Peripherie und Abgelegenheit vom Westen: zuwenig Besitzer, zuwenig Zuschauer, zuwenig Wetten. Und den kalten Wind, der beständig um die Ecken pfeift, was zwar für den nahe gelegenen Flughafen Langenhagen eine feine Sache ist, nicht aber für die Zuschauer auf der Galopprennbahn. Und so ging es kontinuierlich bergab.

Rennszene auf der "Neuen Bult"
Rennszene auf der "Neuen Bult"

Dann kam ein neuer Präsident, der seine Privatschatulle aufmachte, und den Laden auf Vordermann brachte. Das hat Tradition in Deutschen Sportvereinen, jedoch stellt sich die Frage, ob das wirklich eine dauerhafte Lösung der lokalen und strukturellen Probleme darstellt. Örtliche Sponsoren sollen Gelegenheit zur Darstellung und zum Engagement erhalten, und die logistische Lösung mit den alten Sattelboxen ist vorbildlich; die Sponsoren können  begöschert werden, ohne die Veranstaltung zu stören. So soll es sein. Es macht einfach mehr Spaß, wenn Leute auf der Rennbahn sind, und daher hat es der Präsident unternommen, die örtlichen Gewerbetreibenden und Presseleute und das gemeine Volk zum Besuch der Rennbahn zu animieren. Da kommen jetzt bis zu 20.000, Zahlen, die ansonsten nur in grauer Vorzeit erreicht wurden. Es wird was geboten, Pferderennen, Ritterspiele, Haribo Schnecken, und die Gastronomie am Absattelplatz wird original Italiänisch absolviert, vom lieben Piero vom Hindenburg Classic. Wenn jetzt noch dem Platz Buchmacher Albers untersagt würde, verbotene Wetten anzunehmen, und wenn insofern und ansonsten der Totalisator wieder auskömmlichen Umsatz machte, dann könnte der rührige Präsident seine privaten Gelder einsparen, und alles ginge seinen ordentlichen Gang