Magdeburg 23.03.2008

 

Erstmal kann man aber jetzt aus drei spuren Autobahn auswählen, wo früher sich vom Hämelerwald das enge Band von Adolfs Panzerrplatten bis Helmstedt schlängelte, wo dann Schluss war mit lustig. Irgendwo dazwischen hat der beliebte Volksschauspieler Ralf wenn-ich-mich-nicht-irre-hihihi Wolter mal aus Altersfrust sein Fahrzeug gewendet, was dann leider fatale Folgen hatte für einige Nachfolger. Heute sterben vorzugsweise Bussarde den schnöden Verkehrstod, wenn sie sich an frischen Happen laben, aber nicht rechtzeitig starten können. Also stehen überall Kreuze am Wegesrand, und man darf nur 120 fahren. Und sie an, es geht sogar eine Autobahn nach Halle, so dass sofort Herr Schleifenbaum vor dem geistigen Auge erscheint, als Berufsostzonenmann mit Rennsportambitionen, der muss ja förmlich dann auch da sein, könnte fast zu Fuß herlaufen.

 

Aber erstmal grüßt die Ortseinfahrt von Magdeburg wie ewig mit den Plattenbauten und den Mehrraumwohnungen, unausrottbar und unzerstörbar, ein Wahrzeichen gepflegter Häuslichkeit nach zentralistischer Denkart, quadratisch, praktisch, hässlich. Aber die Innenstadt, da hammse echt was gemacht, nur der eine oder andere stalinistische Protzbau steht noch, ansonsten bundesrepublikanischer Innenstadt Standard, gelber Sandstein auf blauem Glase. Mindestens genauso hässlich wie der Plattenbau, nur teurer. Jedoch man sieht, beamteter Architekturgeschmack hat einen Standard allüberall, damit nix unvorhergesehenes passiert und alles leichter abwaschbar ist. Leider fehlen die Menschen in diesen Innenstädten komplett. In Magdeburg ist das so, keiner da, kein Restaurant, kein Döner, kein Letschogemüse mit Goldbreuler, kein asiatische Köstlichkeiten aus der fernöstlichen Spezialitätenküche für unsere Gäste exklusiv. Nur der Herrenkrug. und da geht es österlich banketthaft zu, alle Gäste werden wie stets platziert, aber nur das Buffet mit € 36 knapp kalkuliert aber inkl. einem Heißgetränk. Nein danke. kein Salat, kein Brötchen, keine Wurst, Kein gar nichts im großen Hotel, alles frisst das Osterbankettbuffet und schlürft ergeben das Heißgetränk. Aber die Magnolie auf dem Rondell vor dem Haus verleiht dem ganzen Ensemble etwas fast japanisch gartenhaftes und leichtes, dazu die schönen Pflastersteine, doch, das hat was und kann erfreuen.

Am Eingang steht ein schwarz gewandeter Sicherheitsfachmann starrend ins Auto hinein. Ein störrischer Dialog entspinnt sich: „was kostn das hier? wieso hier solln nur wipps rein aber is doch alles frei ja egal fahnnse.“ Sehr gut, also faahnwa und man platziert sein Fahrzeug unter Eichen oder können auch Buchen sein, nein, das müssen Linden sein, man parkiert natürlich unter den Linden, auch wenn es Ahorne seien sollten. die Gebäudlichkeiten linker Hand und geradeaus sind irgendwie wenig aussagekräftig, und weil die Fontaine noch im Winterschlaf ist, fehlt es an Orientierung, was den Einlass anlangt. Insofern gehen wir falsch geradeaus, aber ist egal, da kann man auch für fünf Euro reingehen und ein sehr schönes Billet erwerben. Und schon ist man da.

Die Anlage besteht im wesentlichen aus 1er Tribüne, einer Wetthalle, einem Führring mit Sattelboxen, einer Jockeystubenebstwaageundrennleitung sowie drei Verköstigungsständen - Wurst und Schierker Feuerstein, Bier und Softdrinks, Eis und Kaffee, Likör, Fischbrötchen. Herr Albers bewohnt ein Zimmer im Erdgeschoß der Tribüne, die ansonsten leer und zugig ist, wie alle diese Konstrukte. Die Gastboxen sind mutmaßlich neueren Datums, aber das meint nicht Kaiserzeit, sondern sozialistische Zeit. Die Rennbahn ist mehr ein Trapez mit runden Ecken als ein Oval, und Herr Faust versieht seinen Job im Freien. Herr Barth auch, und beide werden vorbildlich ergänzt von Herrn Sorge jun., der die Bilder macht und Gestern vollkommen richtig mit Neopren Stiefeln und Neopren Sturmhaube gekleidet dem Wetter trotzte, oder sagen wir mal der Kälte, die so Biss und Schnitt. In der Wetthalle geht es auch sehr karg zu, eigentlich fast unheimlich karg, nur die wenigen Monitore verstrahlen so was wie Wärme.

 

Dafür ist auch Tom Petty unter den Gästen und erfreut mit einem Ständchen, aber wenn man genau hinsieht, sind es nur die drei Musikanten vom Trio "Pan", die täuschend echt das Intro von "Learning to fly" intonieren, dann aber der Sänger eindeutig nicht Tom Petty ist, sondern aus Magdeburg kommt. Nur vor dem Rennen wäre diese schöne Nachmittagsunterhaltung fehl am Platze gewesen, wegen der jungen Tiere im Führring, und daher hat "Pan" dann mal eine Sendepause gemacht. Das hat dann auch gut funktioniert. Die Gebäude sind allesamt etwas sehr wurmstichig und erschreckend graumäusig, eigentlich farblos und falb, fast leichengrau und käsig. Nur die grandplatzroten Wege und die grüne Wiese, alles sonst wie unter einer Staubdecke abgetönt. Dafür sehr viele Anoraks in bunten Farben, die Damen wie stets in Ostdeutschland mit mutigem haarbunt, rötlich-bläulich mit einem Stich ins essigsaure. Und unten schneeweiße Skistiefelchen bzw. pelzbesetzte mit Klunkern und funkelndem Straß. Sehr animierend und vorbildlich. Bei den Herren überwiegen hingegen die gedeckten Farben des Waldes mit bläulichgrünlichbräunlich sowie Mauve.