03.06.2008 Krefelder Rennclub - Renntag der freien Berufe

Krefeld Hauptbahnhof
Krefeld Hauptbahnhof

Nach Krefeld kann man sehr gut über Duisburg fahren, also mit der Bahn. Aber es ist nicht so einfach, eine Fahrkarte zu bezahlen, weil Herr Heimfeld einen Ausweis sehen möchte, oder man soll in Bremen aussteigen, weil die Visa Karte alleine sagt noch gar nichts, es soll daher vorher noch eine Unterschriftenprobe auf dem Zeitungspapier absolviert werden, da ist aber die Karte schon durchgezogen worden und alles sehr im Undurchsichtigen. Dann kommt die Lokführerin und entschuldigt sich, und der Zug rollt durchs Münsterland und durch Dortmund, wo ein 96er Fan zusteigt, der in Essen wieder aussteigt. In Duisburg haben sie im Tunnel einen Imbiss mit Wurst, Buletten und Schnitzel mit Jägersoße. Die Buletten waren sehr schmackhaft, obwohl deutlich bäckerlastig. Der Regionalzug fährt sehr komfortabel über den Rhein, in Uerdingen fallen Felix die Laudrup Brüder ein, Brian und der andere, die dann später bei Bayern und Real Madrid ihr glück gemacht haben. In Krefeld Hbf ist Endstation für Galoppsportfreunde. Der Taxifahrer fährt immer geradeaus und duftet stark nach einem strengen Eau de Toilette. Hie Häuser am Rande sehen fast schon nach Groningen aus, welches in Holland liegt, was auch sehr nah an Krefeld grenzt. Grenzüberschreitende Architektur nach Art des Schengener Geistes.

 

Diese Rennbahn ist ja wirklich eine sehr grüne Angelegenheit, fast zu grün, obwohl das natürlich in Zeiten der Dürre und des weltweiten Wassermangels nicht geht, aber die Sicht von der Tribüne nach gegenüber ist doch stark beeinträchtigt, und im Schlußbogen sogar versperrt. aber sie haben einen Fernseher vorne in der ersten Reihe aufgestellt, da kann man alles sehr gut sehen und beobachten, was sich abspielt auf dem grünen Rasen. Das Ensemble aus Tribüne und Dienstgebäude und Gastronomie steht einzig dar in dieser deutschen Galoppsportwelt. Wunderschön, alles funkelt und blitzt, und im Waagegebäude gibt es sogar einen Umsonstausschank von Wasser und Sekt, obwohl es sich dabei um einen Irrtum handeln könnte, den Herr Blau bei der Bedienung verursacht hat, weil er einfach so tat, als gehöre sich das so. Es war ja auch sehr warm. Draußen war wie vor Jahren sehr viel Kies zwischen den Bereichen des Wettens und Schlemmens gestreut, so dass auch die Besucher einen milden Trainingseffekt erzielten, wenn sie sich da durchkämpften. Der Wurststand hat sehr gute Würste zu verkaufen, aber noch besser sind Herrn Radelmachers Puffer oder Reibekuchen, die sind nämlich alle selbst geraspelt worden, d.h. die Kartoffeln und die Zwiebeln, und dann resch angebraten, wie es sich gehört. Herr Radelmacher hat mir auch ein Zettelchen mit seinen Particulars zugesteckt, das ich aber im Eifer des Gefechts verbaselt habe, denn, aufgepasst!: er möchte während der Derby Woche in Hamburg kochen. so was wäre natürlich sofort die Attraktion des Meetings, also bitte ich an dieser stelle höflich, mir den korrekten Namen und seine Telefonnummer mitzuteilen, damit ich das arrangieren kann.

Absattelring des Krefelder Rennclub
Absattelring des Krefelder Rennclub

 Der vorerwähnte Herr Blau hatte im ersten Rennen bereits zu tun, weil er sein Pferd Last Samurei satteln musste, welches dann auch brav und willig leider das letzte Platzgeld verpasste, aber es sah gut aus für die Zukunft, und das ist ja doch die Hauptsache. der olympische Gedanke soll schließlich nicht vergessen werden bei dieser ganzen Chose. Dann folgte der Sieg von Chiron, gegen den der großmächtige Daily Impact auch mal in Köln gelaufen ist, also Chiron gewann von vorne weg nach einem klug eingeteilten Rennen von Andreas Suborics, während Jozef Boiko am Anfang etwas hinterher bummelte mit Simonas und daher von seinem Chef hinterher ausgeschimpft wurde. Na ja, ob er hingekommen wäre, man weiß es nicht so recht. Jedenfalls konnte dieses Rennen durchaus gefallen. wie auch die nächsten beiden, wo die Pferde Lindner und Gouathemala gewannen. Diese Stute mit dem etwas knarzigen Namen konnte in der Geraden sehr heftig beschleunigen, so daß ihr Reiter Andrasch Starke ganz schnell wieder auf die Bremse trat, wahrscheinlich in Gedanken bereits bei wesentlich besseren Rennen, für die es sich zu schonen galt. In Hamburg gibt es eine Lebensmittelkette Butter Lindner, aber ich glaube nicht, daß der Golan Nachkomme Linder damit verwandt ist.

Sodann sind wir mit dem Photographen Herrn Nolting zum Wettpartner Leip gegangen, zu sehen was es sonst noch so gab auf den Rennbahnen dieser Welt, z.b. in Newmarket, wo sie die 2000 Guineas veranstalteten. Bei Leip machen sie Festkurse, aber nur sehr vorsichtig, damit nix schief geht, denn Verluste möchte der Buchmacher Leip nicht machen, so daß es z.b. für den Favoriten im Ausgleich. III fest 16:10 gab, am Toto hingegen 18. Herr Leip hat also die risikolose Wetterei erfunden, denn er verdient 2 fürs schreiben. So soll es sein, buchmachen der modernen Art, gern auch für Rentner und Hausfrauen für zuhause nach Feierabend geeignet. Im Führring residiert Hein Bollow, dem sie unter dem Schirm einen Stuhl hingestellt haben, damit dieser große Pferdemann die Parade im sitzen abnehmen kann. Es funktioniert hervorragend, und wie alle anderen begibt sich Herr Bollow danach zur Tribüne und dann zum Absattelplatz, alles korrekt und charmant und lebhaft und sachverständig. Pures gold. Eddie war auch da, mit attraktiver Goldkette um den Hals und gebrochenem Schlüsselbein, aber alles halb so wild, es geht schon sehr gut mit der Besserung. Insofern ein Schlachtenbummler des Stalles, der sich dann an einem beherzten Ritt seines Kollegen Jozef Bojko erfreuen konnte, der seine Sache sehr gut gemacht und das Handicap sicher gewann. Wenn auch mit etwas Anlauf in der Geraden. Aber weil Hein Bollow vor dem Rennen meinte, ein Dreijähriger, der so was gewänne, müsse ein guter sein, soll das so hingenommen werden. Hein Bollow muß es schließlich wissen. Der Züchter des Siegers wies darauf hin, daß der zweitplatzierte von Giant`s Causeway abstamme und bestimmt ne Viertelmillion gekostet habe. Der Sieger war jedenfalls preiswerter.

Earl of Winds nach seinem Sieg in Krefeld
Earl of Winds nach seinem Sieg in Krefeld

Die Siegerehrungen in Krefeld können für sich einnehmen, weil nämlich sich jetzt herausstellte, warum die Getränke zuvor umsonst waren; wir waren am Siegerehrungsstand gelandet, und da muß man nix bezahlen in Krefeld! Es gab Sekt als Preis und ein sehr schönes Kellnermesser nebst poliertem Stahlzapfen für den Weinfreund, alles sehr gediegen und geschmackvoll aufeinander abgestimmt, dazu animierte Unterhaltung und frohes Wetter. Dann heißt es aber Abschiednehmen, denn die Bahnfahrt dauert zurück auch viereinhalb Stunden, und man möchte schließlich irgendwann zu Bette gehen nach dem langen Tag. In Duisburg gibt es neben dem Imbiß auch einen Trinkkiosk, wo sie König Pilsener verkaufen, kleine 0,2 Gebinde für den raschen Durst zwischendurch. Damit die eiligen Reisenden nicht ungebührlich lange auf ihr Getränk warten müssen, fällt das Bier fast ohne Druck ins Glas und ist im nu servierbereit und ausgetrunken. Der Zug nach Altona überrascht sodann mit einer absoluten Pretiose: einem Buffet Wagen der schweizerischen Bahngesellschaft, der aus Basel kommend ganz unter eidgenössischer Leitung steht. Wie auch das Angebot an Speisen und Getränken aus der Schweiz stammt, also schweizer Weine, schweizer Wurst und Schinken Spezialitäten, schweizer Käse und Brot, und die gute Emmi Butter. Große Tische mit bequeeeemen Drehstühlen, und eine aufmerksame und kompetente Bedienung, die sogar noch Gläser ohne Zapfengeld beistellte, damit der gewonnene Sekt mit zwei reizenden Damen vom Nebentisch ordentlich verzehrt werden konnte. Dazu rauschen die Rapsfelder knattergelb zwischen den grünen weiden vorbei, milde beschienen von der Abendsonne. Was will man mehr.