29.07.2007 Deauville - Prix d'Astarte

Deauville ist ein französisches Seebad im Département Calvados in der Region Basse-Normandie
Deauville ist ein französisches Seebad im Département Calvados in der Region Basse-Normandie

Deauville und Bad Doberan liegen beide am Wasser, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Während man sich Doberan über Autobahnbrücken nähert, deren Höhe und Länge und Namen am Wegesrand notiert werden, nähert man sich Deauville über die große Seine Brücke von Le Havre und die Felder an der Somme, Plätzen des Grande Guerre von 1914-1918. Erschreckend, was für Horden von deutschen Troglodyten diese Landstriche gleich zweimal verwüstet haben, was für katastrophale Herrenmenschen in diesem glorreichen Land gehaust und geschmaust und gemordet haben. Aber das ist zum Glück vorbei, und zum Ausgleich wird die Hälfte der Porsche Cayenne Produktion von Franzosen gekauft, die alemannische Technik und klobige Rasanz zu schätzen wissen. Ansonsten regiert der Verkehrskreisel das Land, manchmal sogar als veritable 8 ausgebildet, so daß sich beim durchfahren leicht Schwindel und Rammdösigkeit einstellen. Aber man kann das schaffen. Wenn man von Süden nach Deauville fährt, also aus der Bretagne kommt, dann hat man auch den Geruch von Austern in der Nase und den Eindruck unglaublicher Hortensien Konglomerate, mit denen jedes Anwesen verziert und bewehrt ist; was für eine Pracht. Die besten Austern gibt es in Penerf, dazu diese dicken Schnecken und Crevettes rose. Man sollte Vannes besuchen und Aury, woselbst sich 1795 Benjamin Franklin ausgeschifft hat, wenn man der Tafel am gleichnamigen Wirtshaus glauben schenkt. Von den weiter oben beklagten Verwüstungen des Grande Guerre deux zeugt Lorient, eine Ansammlung grotesker Neubauten und trister Alleen. In La Baule, einem Seebad weiter südlich, gibt es eine Rennbahn, womit wir beim Thema sind.

 

Denn in Deauville gibt es sogar zwei, nämlich Clairfontaine und La Toques, und die interessiert uns hier. Deauville muß man sich als eine Mischung von Stratford-upon-Avon und Grömitz und Paris vorstellen, natürlich etwas kleiner, aber der zentrale Platz ist sternförmig ausgebildet und führt den Wandrer in jeder Richtung gleichförmig hinweg. z.b. zum Strand, der kilometerbreit und lang sich hinzieht, die ersten Häuser fast einen Kilometer im Hinterland, damit alle was zum erholen haben, Spielplätze, Grünanlagen, Spazierwege. Bei uns wäre der Rest auch zugebaut, aber den Leuten dort ist dieser Luxus der Weitläufigkeit wichtig. Ansonsten machte es wenig Sinn, in Deauville arm zu sein. Dazu reichen die Ressourcen einfach nicht aus. Neben Bentleys und Porsches und Mercedes machen sich Kleinfahrzeuge nicht besonders erfreulich, also verzichtet man am besten drauf und paßt sich den Preisen geschmeidig an. Ist doch egal, Gott lebt schließlich auch hier. 20 km entfernt wohnte der große Serrault, in Honfleur, einer Stadt von unglaublicher Pittoresque, wo man jederzeit ohne irgendwelche Umbauten Piraten- und Historienfilme drehen kann. Der große Michel Serrault starb am vergangenen Sonntag, ein herber Verlust.

 

Pferderennbahn Deauville-La-Touques
Pferderennbahn Deauville-La-Touques

Am nämlichen Sonntag wurden auf der Rennbahn Le Toques Rennen gelaufen, als Höhepunkt der Prix d`Astarte, Stuten über 1.600 Meter immer geradeaus. Der Parkplatz der Rennbahn liegt sehr erfreulich gut zu erreichen, noch erfreulicher ist die gratui Benutzung, und ganz erfreulich wird es, wenn sich diese Gratitude auch auf den Besuch der Bahn an sich bezieht. Kein Eintritt! Und wie gepflegt das alles ist, wunderhübsches Grün des Geläufs trotz feuchter Witterung, extrem breit und well kept. Da drängt sich mal wieder der Vergleich mit Doberan auf, zumindest was die Qualität anlangt. Innen drin eine Fibersand Bahn, etwas mit gilb behaftet, wo es früher weiß war, wie ein kundiger Patron mitteilte. Die Gebäudlichkeiten entsprechen diesem Standard, Kandelaber eiffelscher Anmutung, Backstein renovierte Tribüne, wiederum umsonst sitzen, Rauchglastüren, und ein herzallerliebstes Ensemble von Waage und Technik am Absattelring, natürlich als Fachwerk ausgeführt, wie es sich gehört. Altbaumbestand, Kieswege, Absattelplatz, aber alles gut beisammen, im Centre der Führring, sehr groß und übersichtlich, und für die Bequemlichkeit der Punter Gartenstühle an der Kopfseite, damit man das Defilee im sitzen genießen kann. Gegenüber der Bahn hat die Auktionsgesellschaft ihr Hauptquartier sowie der Vet, und daneben ein Restaurant mit dem schönen Namen Le Yearling. Das Essen ist in Ordnung, aber nicht aufregend. Auf der Bahn fanden sich doch immerhin 3-4.000 Leute ein, also ordentlich besucht und fast voll. Longchamp ist größer.

 

Aber wie in Longchamp wird auf die Minute pünktlich gestartet, also mal wieder der Beweis, daß es mit der sprichwörtlichen deutschen Pünktlichkeit ein Beschiß ist, hingegen das für Frankreich sehr wohl einschlägig ist. Zum aufwärmen zwei Verkaufsrennen auf der Sandbahn, erst für Mädchen, dann für Jungs. 1.500 Meter als Kontrastprogramm zu Neuss und Dortmund, eine andere Veranstaltung, was Optik und Mechanik anlangt. Kein Geackere, kein Deckaufspritzen, kein schwuchteliges Geiere auf den Perden, sondern sauber und stramm gelaufene Rennen mit echtem Endkampf wie im richtigen Leben. Es machten viele Stifte mit, aber am Ende waren die Geldränge von den alten Säcken besetzt, Hamel, Boeuf, Lemaire, Peslier. Der zeigte im zweiten Rennen, wie man so was von vorn gewinnt, Frontrennen mit Kunstpausen und Beschleunigungsphasen, und dann im dritten Rennen, wie man einen Zweijährigen sauber nach hause reitet. Überhaupt, dieses Zweijährigen Rennen, der Prix de Cabourg III, hatte es in sich. Der Sieger Alexandros, ein Maktoum Pferd, sah aus, als wenn er von einem sehr teuren Beschäler abstammte und von einem sehr guten Trainer trainiert würde, und sieh an, Vater Kingmambo und Trainer A.Fabre. Sein deutscher Kollege seufzte nach dem absatteln: "von denen hat der 30 stück im Stall". und so lief er auch, aber auch die anderen, wie an der Schnur gezogen bis kurz vor dem Ziel, ohne wackeln, nur freundliche Hilfe der geschmeidigen Jockeys, dem Alter des Pferdes angemessen. Nur Kieren Fallon, der alte Haufrauf, ging in die dritte Spur etwas dreschflegeln, es reichte aber nur zum dritten Platz. Jedenfalls der Sieger Alexandros ist ein Guter, wie auch Olivier Peslier. Bei Fallon scheiden sich die Geister, mein Fall ist das nicht. Der Mann sitzt im Führring stoisch auf dem Pferd, abgeschirmt durch eine modische Sonnenbrille, lange Bügel, damit die Beine ordentlich was in die Zange zu nehmen und zu pressen haben am Tier. Der sitz macht sich dann sehr hoch und scheinbar aufrecht, aber egal, die Tiere haben wahrscheinlich soviel Angst und Schmerz, daß sie um ihr Leben laufen. Anders die französischen Jockeys, eine Augenweide an Geschmeidigkeit und Eleganz, immer kontrolliert und trotzdem hochsensibel. Das sind wirklich Sattelkünstler, wie ein elektronisches Rennsportmedium so gern aber oft unangebracht schreibt.

Darjina gewinnt den Prix d'Astarte
Darjina gewinnt den Prix d'Astarte

 

Was uns zu Mi Emma und Michael Kinane und dem Hauptrennen bringt, dem Anlaß dieses Abstechers. Die Stute sah sehr hervorragend aus, etwas aufgepackt und länger, völlig entspannt und die Ruhe selbst. Von daher allerbeste Voraussetzungen für eine gute Leistung, zumal die Gegnerinnen wegen der Absenz von Finsceal Beo überschaubar waren, trotz Darjina und Simply Perfect. Es ritt nicht in diesem rennen Ioritz Mendizabal, obwohl am Platze, was vor dem Hintergrund des folgenden nicht uninteressant erscheint, denn: Kinane ritt sehr sehr schlecht. Aus Box 8 mußte er entweder sehr schnell antreten, um rüber zum Zaun zu kommen, oder mit Druck stracks geradeaus, aber nicht hin und her und mit abwarten und nicht durch und dann doch versuchen und Gewackele und Geeiere. That was a stinker, oder he blew it. So ging vorne am Zaun die Post ab, und Mi Emma kasperte irgendwo im Niemannsland und pullend hin und her. Sehr schade, aber zumindest nicht anstrengend, denn wie woanders schon geschrieben, die Stute kam staubtrocken und relaxed zurück. Der Trainer hat dann sehr sehr sauer gekuckt und dies und das zum Reiter gesagt, wie meine Frau genau beobachtet hat. Der Besitzer hingegen hat das alles sehr sportlich hingenommen.

 

So daß der Tag in dieser Hinsicht mit einer Antiklimax endete. So ist Pferderennen. Der weg nach Deauville beträgt im übrigen von Hamburg ziemlich genau 1.000 Kilometer, wenngleich die Fahrt durch Holland, Belgien und Frankreich recht kurzweilig ist. Begüterte greifen daher zum Kleinflugzeug, ganz sicher jedenfalls diese märchenhaft reichen Sheiks, die zumindest immer zur Auktion in personam anreisen. Man fragt sich jedoch, was die in Sachen Ernährung machen, denn ein Blick in die Auslage eines durchschnittlichen Charcoutiers sollte ihnen den Brechreiz entfachen: schweinernes, wohin das Auge lüstern blickt! Andouillettes, die kaldaunengefüllten Prachtwürste, Schweinsköpfsülzen, wiederum Kaldaunenpasteten, Schinken gesotten und gebraten, Schweinsfüße dito, Boudins vulgo Blutwürste, Rillettes - das ganze fette und daher herrlich schmeckende Programm. In Jahrhunderten wenn nicht tausenden kultiviert, wie auch der Wein und Käse, so daß die Dreifaltigkeit der ländlichen Genüsse komplett ist. Das macht Frankreich aus, diese unglaubliche Kultur in den wirklich wichtigen Dingen des Lebens.