01.06.2008 Bremen

Donna Lavinia (ganz rechts) bei ihrem Start in Bremen
Donna Lavinia (ganz rechts) bei ihrem Start in Bremen

Eine ganz reizenden Reisegefährtin ist unsere Freundin Manuela  Sohl, die ihr Pferd Donna Lavinia in Bremen erleben wollte. Sobald die Tür des Autos zu ist, beginnt Manuela mit allerschönsten Geschichten und Döntjes ihr Unterhaltungsprogramm, so daß die Fahrt nach Bremen im nu erledigt ist, obwohl bereits am Tunneleingang in Othmarschen alles dicht war und wir gezwungen waren, durch die Stadt, den Freihafen, über die Köhlbrandbrücke und durch das Hinterland via Rade die A1 anzufahren. Also die erste Geschichte handelt von einem Pferd mit dem Namen Hidalgo und einem Film, einem  Märchenfilm, wie Manuela erläuterte, und dieses Pferd liegt irgendwie halbtot in der Wüste, und der Reiter will schon zu Fuß weiter, weil er nicht mit der intriganten Tante schlafen wollte, jedenfalls liegt also dieses Pferd Hidalgo schon fast tot da rum, und auf einmal steht es auf und galoppiert mit dem Mann, der keinen Sex haben wollte, davon. Unglaublich! Und damals als wir Ingolf gekauft haben, weil nämlich Andreas Wöhler angerufen hatte, da wär ein guter, und weil der aber von Zampano war, hat damals Eugen Andreas Wahler gemeint, der tauge nichts, aber wie wir ja alle wüssten, taugte der dann doch sehr viel und trat sogar im Fernseh bei Harald  Schmitt auf und später ist er dann mal von der Koppel in Bad Bentheim, wo er jetzt daheim ist, mit einem Kumpel ausgebüchst und zum Schaufensterbummel in die Einkaufspassage nach Bad Bentheim gewandert, wo die beiden dann von Polizisten eingefangen wurden. So geht es atemlos durch hundert Jahre Hamburger Galoppsportgeschichten. Manuela kennt Hinz und Kunz und allerlei Witze, sogar schmutzige, die ja oft die besten sind, obwohl ihr leider so  früh verstorbener Mann, unser nobler Freund Wilfried, möglicherweise noch schmutzigere Witze kannte, z.B. den mit dem Hochzeitstag, wo sich die Frau was wünschen durfte, und sie wünscht sich, einmal in diese kleine Schublade von seinem Nachtkasten sehen zu dürfen, die er immer verschlossen hält. Und als er nun öffnet finden sich in der Schublade achthundert Mark dreißig und 18 Hühnereier. Und auf die Frage nach dem Geld erklärt er verschämt, für jeden Seitensprung in den  Jahren ihrer Ehe habe er als Erinnerung hundert Mark in die Schublade gelegt, was sie natürlich im ersten Moment ganz schrecklich findet und ihn ausschimpft, aber dann denkt sie einen Moment nach, rechnet leise vor sich hin, und dann ergibt sich, daß das alles nicht so schlimm gewesen ist,, und sie vergibt ihm eigentlich.  Was es denn nun aber mit den Eiern auf sich habe, wozu die denn da lägen? „Immer, wenn  tausend Mark voll waren, habe ich ein Ei als Gedächtnisstütze hineingelegt“. So etwa ging dieser Witz, den Wilfried prustend erzählte. Ein echter Schelm und Bonvivant.

Panoramansicht der Bremer Rennbahn
Panoramansicht der Bremer Rennbahn

In Bremen ist es auch sehr heiß, und nach dem Matthiessenschen Gesetz sind  folglich alle im Schwimmbad, bis auf uns vier und etwa 1.964 andere, die Herr v. Mutius genau hat zählen lassen.  Zuerst kuckten wir beim Buchmacher Albers hinein, um in Düsseldorf das Debut eines Pferdes von Frau Wetzel zu sehen, welches aber noch hinterher machte. Aber eine Fair Breeze reicht auch eigentlich, andere wollen schließlich auch mal gewinnen. Dann gings zu den Pferden. Die stehen alle in den neuen Boxen innerhalb der Trabbahn. Der Rest der Trainingsanlage Bremen ist komplett geschliffen, alles weg und platt. Sehr schade.  Und weil nun der dreijährige Earl of Winds ein Hengst ist und nebenan die Stute Donna Lavinia stand, ging ein lautes Lärmen und animiertes Schreien des Hengstes an, der fast durch die Wand wollte zu dieser aufregenden Stute, und daher mussten wir ihn erstmal ein paar Straßen weiter verfrachten, damit es kein Unglück unter Jugendlichen gab. Auf der Bahn hörte man dann noch ein paar aufgeregte Schreie, das war dann er. Aber irgendwann war Ruhe.  So konnten wir uns dann sehr erholsam in dem netten Gärtchen mit dem Kies und den Tischchen niederlassen, um Pommes Frites und Kuchen und Getränke zu verzehren, denn Rennen macht ja hungrig und durstig. Der junger Herr Suerland hat dann zweimal überraschend konsequent gewonnen, sehr ordentliche Ritte, und dann gewann ein dreijähriger Debutant von Herrn Rau, auf dem sehr von uns sehr geschätzte Herr Norman Richter einen sehr einfachen Ritt absolvierte. Das Pferd heißt Free Minded und wird bestimmt noch öfter gewinnen. Der Röttgener Wedono wird bestimmt auch noch gewinnen, wohingegen der Zweite Captain Camelot eher nicht so schnell gewinnen wird, weil sie mit dem in Frankfurt in einem Gruppe III Rennen angetreten sind, vierter wurden, und zur Belohnung ein GAG von 85 gekriegt haben. Die kann der aber nicht im Leben. Na ja, solche Erfahrungen macht jeder mal.

Earl of Winds bei seinem Sieg in Bremen
Earl of Winds bei seinem Sieg in Bremen

Und dann kam auch schon das sechste Rennen, in dem Donna Lavinia zum ersten Mal mit Scheuklappen und über 2.200 Meter antrat. Fast hätte es auch geklappt, und wir haben unmäßig gebrüllt zum Ziel hin, aber sie war etwas früh vorne, und dann kam von hinten der bereits erwähnte Marvin Suerland mit Zigaro und schwupps war er noch sicher vorbei. Aber Manuela war freudig erregt wegen der deutlichen Formverbesserung von Donna Lavinia, und das ist schließlich die Hauptsache. Und weiter gings sofort mit dem siebenten Rennen, dem Hauptrennen, das aber nur ein Ausgleich 2 war, aber warum nicht. Da kam dann auch der Schreihals endlich zu seinem Recht, denn das schnelle Laufen hat er im Blut, das macht ihm Spaß, und je näher die Sache kommt, desto ruhiger wird er. Herr Gutschow, sein Züchter, konnte das ganze Spektakel leider nur am Fernseh zuhause sehen, weil er noch ein Fohlen erwartet und daher unabkömmlich war, aber so konnte er genau sehen, wie er vor der Maschine wie ein alter Opa schlurfte. Das sieht man gern. Und dann gings los, und Jozef hatte seinen Lieblingsplatz hinter der Pace, und im Einlauf ging er weg wie ein Guter. Jetzt freuten wir uns sehr, und meine Frau verdrückte ein paar Tränchen vor Freude, und Manuela bekam von Frau German deren Blumenstrauß als „moralische Siegerin“, und noch ein geschmackvoller Pokal, und man lud noch ein in die Surumu Bar zum Umtrunk, so daß sich das ganze sehr harmonisch rundete.  Bremen ist einfach eine sehr nette und charmante Veranstaltung, wo man sich wohl fühlt, Bekannte trifft, ordentliche Pommes Frites serviert bekommt und überhaupt alles immer sehr schön ist. Leider sind die Zeiten vorbei, in denen Lirung im Bayeff Rennen lief. Das war der Beste der Besten. Vielleicht kommt ja mal wieder so einer, Bremen und der Rennsport bräuchten so was.