Quälende Unwägbarkeiten

Wenn ich einen spielen würde beim Breeders Cup heute in Santa Anita auf der Grasautobahn im Spätsommer, dann würde ich nach langem Überlegen und Zögern angesichts der schwer zu enträtselnden Formen und natürlichen und synthetischen Handicaps, also dann würde ich trotz erheblicher Bedenken und unter Hintanstellung aller Zweifel und letztlich Unwägbarkeiten des Turfs und des Galoppsports allgemein auf einer höheren Ebene resp. Generalverdachts der heute-so, morgen-so Qualitäten sui generis des Themas, also dann würde ich, wenn es denn unbedingt sein muß und ehe ich mich schlagen ließe, Excelebration spielen.

 

Aber letztlich ist mir das piepegal, weil mir viel viel wichtiger ist, daß es heute Abend, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, Spaghetti gibt oder auch Artischocken auf jüdische Art oder vielleicht etwas Steinpilz oder Lammbraten langsam geschmort. Meinetwegen auch morgen Abend als Alternativprogramm fakultativ. Und wichtig ist dann vorher aufm Platz, wobei die Hoffnung immer eine gute Reise betrifft für die Athleten über Mailand und dann weiter gen Süden im Stiefelland, wie so unnachahmlich köstlich bescheuert immer wieder Galopponline.de schwafelt. Einmal, wir waren an diesem Tag schon da in Rom, mit Baleno, ich glaube 1997, als Oxalagu zweiter zu Taipan im Gran Premio di Roma wurde und wir Dritter im Meilenrennen, noch vor Waky Nao. Damals saß Neil Grant drauf, der später so schwer verunglückte. Morgen reitet Martin Harley, von dem ich sehr viel halte, und der in München schon extrem gut geritten ist, als er ihn in der Geraden nicht nur zusammen gehalten hat, sondern sogar noch mal motivieren konnte für das wichtige zweite Geld. Na ja, man wird sehen was morgen passiert. 1997 konnten wir nachts um 12 noch auf der Straße sitzen, so warm war es da.

 

Artischocken auf den Tischen, soweit das Auge blickt. Gebraten, gesotten, geselcht, gefüllt, trifuliert, gebacken sowieso. Die Kapitale der Artischocke, zudem auch die Kapitale der Porcini Sancta Papa, dortselbst gepflückt in den päbstlichen Auen Stunden zuvor. Dann schneidet man diese edlen Stücke in hauchfeine Stücke und macht einen Rohkost Salad daraus, Selleriestreifen dazu und Kräuter und Zitronensaft und Ölivenöl. Basta. Die anderen haben sich am Ende Rindfleisch gegönnt, geröstet über einem offenen Feuer, und ich habe Kutteln gegessen, was sonst nur die Hunde tun, diese alten Feinschmecker. Auf der Rennbahn stand ein Mann am Ausgang, der röstete Maroni auf einem alten Benzinfaß. 5 Euro eine Portion in einer Papiertüte, gut angelegtes Geld für den Trostpreis nach dem Rennen. Zwischen den Gängen gab es verschiedene Nudeln, Pasta, wie sie da sagen, mit Wildschweinragout oder Porcini oder ganz extravagant, mit einer hellen Creme aus Schweinswurst und Blumenkohl und Pecorino. Dazu Frascati oder Roter aus den Albaner Bergen, nicht aufregend, sondern passend zum Essen. Italien ist der echte Kumpel unter den großen Küchen der Welt, nicht so blasiert und affektiert wie die französische, von der artistischen chinesischen ganz abgesehen. Simpel geradeaus und mit viel Substanz.

 

Die große Enttäuschung war die Rennbahn Capanelle, die Besucherzahl und das Rennen an sich. Gruppe I, Gruppe II, Liste, und gefühlt 1.500 Leute live dabei. Unfaßbar gäääähnende Leere, soweit das Auge blickte, die Tribünen so gut wie unbenutzt, fast nur freie Plätze mit freier Auswahl. Es ritten Peslier, Barzalona, Pasquier, de Souza, Harley, Eddie, dazu die guten Italiener. Der Rennverlauf war ungünstig für Durban Thunder, der ganz außen stand und nicht an die Spitze kam, weil die innen sehr schnell angingen, und man ansonsten Selbstmord begangen hätte. Als dann der von Godolphin in der Geraden sehr früh anfing, war das Rennen für ihn gelaufen. Sehr schnelle Zeit von 2.03+ trotz sehr klebriger Bahn. Er lief nicht schlecht, aber von vorne ist er andere Ware. Dazu reist er nicht gut, und damit ist das Kapitel Auslandsstarts erlederitzt.

 

Trotzdem, wie immer eine Kultusreise in ein anderes Klima und Ambiente (22 Grad, feucht-schwül-dräuend), antike Kulisse Via Appia nebst alter Villa auf dem Berge und Viaduct Resten, aber leider keine Rom Besichtigung. Dazu waren An- und Abflugtermine von HH aus zu dicht und eng. Das Hotel Capannelle in 3 km Entfernung von der Rennbahn kann man empfehlen, die Trattoria alla Corsa gegenüber der Rennbahn auch. Das ist der Platz mit dem offenen Feuer und den dicken gerösteten Rinderstücken.

 

 

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Kommentare: 30
  • #1

    Wenn sie weiter so viel Geld für Kulinaria ausgeben, (Samstag, 03 November 2012 11:37)

    sitzen Sie 2015 vielleicht auch wieder auf der
    Straße :-)
    Martin Harley hatte einige Siege diese Woche in
    England. Ich wünsche Ihnen, daß er seinen Lauf
    in Rom fortsetzen kann und für heute natürlich
    guten Hunger.

  • #2

    hoppeditz (Samstag, 03 November 2012 15:14)

    hazloche und broche

  • #3

    Godolphin (Samstag, 03 November 2012 17:22)

    OH oh Brien gegen Velazquez aus der 2 für den Toto,
    nein Danke.

  • #4

    Rom (Samstag, 03 November 2012 17:45)

    Wer in Rom ist und keine "bucatini all'amatriciana" isst, ist selber schuld.
    Wünsche einen guten 3. Platz und dass er heil aus dem Rennen kommt.

  • #5

    layman (Sonntag, 04 November 2012 00:16)

    Hals&Bein!

  • #6

    .... (Sonntag, 04 November 2012 00:34)

    Von Big Sur zum Santa Anita Park waren es um die 400 km. Das letzte Stück auf dem Foothill Freeway war dann kein Problem mehr.

  • #7

    Godolphin (Sonntag, 04 November 2012 01:55)

    Auch von mir Hals und Bein!

  • #8

    Viel Glück ... (Sonntag, 04 November 2012 12:48)

    und man freut sich schon auf 2 Berichte: den rennsportlichen und den kulinarischen! Dies wird schönen Lesestoff geben von jemandem, der den Rennsport wirklich lebt! (Und kein Zahlengebrösel)!

  • #9

    Richtig (Sonntag, 04 November 2012 12:59)

    sowas ist uns lieber
    als diese Kritischen Masse Brösel.

  • #10

    ja wirklich, (Sonntag, 04 November 2012 13:31)

    5 Leute im deutschen Turf laabern
    alles runter und machen alles schlecht,
    weil sie depremiert sind oder von der
    Familie verlassen wurden oder sonst was.
    Auch Frau Arnold hat immer ein schlechtes
    Wort parat.

  • #11

    Durban thunder Vierter (Sonntag, 04 November 2012 15:43)

    glaube ich. Hat nicht aufgesteckt.
    Ach da gibts doch auch noch Geld.
    Die Top3 waren nicht angreifbar,
    aber Durby hat nie aufgesteckt und
    noch im Head to Head auf den letzten
    Metern ein Pferd passiert.
    Guter Ritt von Martin, der das Pferd
    leistungsgerecht untergebracht hat.
    So meine ersten Gedanken...

  • #12

    Wenn ich jetzt 1000Euro auf das Pferd (Sonntag, 04 November 2012 15:50)

    gesetzt hätte, wäre ich jetzt natürlich
    traurig,
    aber für den Besitzer gibts knapp 10.000 Euro.
    Also weiter genug Jetons für Kulinaria am Start.
    Herzlichen Glückwunsch.

  • #13

    Durban Thunder war mit seinen 6 Jahren (Sonntag, 04 November 2012)

    auch das älteste Pferd im Feld. Hat nochmal
    viel dazugelernt. Aber nun ist er ein Hans
    und wird wohl bald in die Reproduktion gehen.
    Ich habe vielleicht jedes Rennen von ihm
    gesehen und bin schön in der Welt rumgekommen
    beim Mitverfolgen. Ein Apfel und eine Möhre und
    einen Eimer Hafer für Durban Thunder.

  • #14

    # 11 und 12 (Sonntag, 04 November 2012 18:00)

    Was für ein Rennen habt Ihr denn gesehen ? Bei mir war Waldpark 4. und DT leider nur Vorletzter.

  • #15

    @ #11 besser mal bei Fielmann rein (Sonntag, 04 November 2012 18:02)

    Waldpark als Brauner ist eigentlich leicht von einem Fuchs mit viel Weiss + Tinsdal-Dress zu unterscheiden, der dritte BRD-Teilnehmer war im Ziel gar auf Platz 2

  • #16

    hab ich mich verguckt, das Video (Sonntag, 04 November 2012 18:05)

    war nur so groß wie eine Briefmarke.
    Die Equidia hat auch nur ganz spät zugeschaltet,
    ich gucke also die Ergebnisse nach.

  • #17

    ja tatsächlich, ich hatte auch dauernd (Sonntag, 04 November 2012 18:09)

    ein mulmiges Gefühl wegen der Rennfarbe,
    aber der Bildausschnitt war so klein :-),
    Ich hab noch nicht mal wahrgenommen, daß
    Waldpark mitläuft.
    Besuchen Sie uns auch das nächste mal hier
    im Expertentalk.
    Tut mir sehr leid :-(
    Das macht mich traurig.

  • #18

    Die Moral von der Geschichte: (Sonntag, 04 November 2012 18:19)

    Drum prüfe wer sich ewig bindet.
    Und Glauben heißt Nicht Wissen.
    :-(

  • #19

    außerdem kann ich kein französisch, (Sonntag, 04 November 2012 18:24)

    ich glaube der französische
    Rennkommentator hatte sich
    vertan und ich hab das einfach
    übernommen.
    :-)

  • #20

    Durban Thunder sechster (Sonntag, 04 November 2012 18:42)

    von sieben Startern. Zehn Längen zum Sieger, acht Längen zu Feuerblitz auf dem zweiten Platz. Waldpark Vierter.

  • #21

    kassandro (Montag, 05 November 2012 01:10)

    Ich hab heute deutlich mehr erwartet, wieder einen 2. Platz, um es genauer zu sagen. Kein guter Abgang für Durban Thunder. Starke Leistung von Feuerblitz, zum driten mal Gruppe I Zweiter und zum ersten mal auf kurzer Distanz.

  • #22

    aha, (Montag, 05 November 2012 08:34)

    kurze distanz.

  • #23

    kassandro (Montag, 05 November 2012 09:05)

    Man mußallerdings hinzufügen, daß das Godolphin-Pferd eine Klasse besser als der Rest war. Der ist zum Schluß so schräg gelaufen, daß er nur dank der Außenrails das Ziel "getroffen" hat.

  • #24

    glückskecks (Dienstag, 06 November 2012 17:23)

    Zum Glück gibt's dieses Forum, wo zumindest hin und wieder ein bemerkenswerter Beitrag erstellt wird, der eine eigenständige intellektuelle Leistung seines Verfassers erkennen lässt

  • #25

    sollte das (Dienstag, 06 November 2012 17:59)

    keks oder klecks sein?

  • #26

    Achen`r Printen (Dienstag, 06 November 2012 18:20)

    Doch stattdessen spöttelt ein Jeder nach besten Kräften den geliebten Sport zugrunde. Ob wahrer, unwahrer oder schlicht verlogener Turffreund, ob halb dumm, einfach nur dumm oder völlig dummm-dummm-dummm-duummmmm.

  • #27

    wenn (Dienstag, 06 November 2012 18:48)

    meine Gattin manchmal fragt, warum ich so unmäßig lache, dann sage ich: Ich lese Parlo!

  • #28

    Lieber oder nicht lieber Herr Di, (Dienstag, 06 November 2012 21:31)

    sollen wir Ihnen jetzt ein Weihnachtspaket
    schnüren oder kommen sie auch mit Tiefkühl-
    hühnerfricassee über die Runden ?
    In der Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot :-)

  • #29

    gibt (Donnerstag, 08 November 2012 00:02)

    es sonst nichts Neues???????????????????

  • #30

    Angelo (Donnerstag, 08 November 2012 10:34)

    "Dazu waren An- und Abflugtermine von HH aus zu dicht und eng."

    Ach, komm Di, die Hose drückt schon,
    hast den Gürtel nicht zubkommen nach den HappiHäppchen.