Gilded Age

So schnell bevölkert sich die Bühne, daß die Kulissenschieber nicht mehr mitkommen. Vorgestern war Was, vorvorgestern Frankel, davor war I`ll Have Another, und 2010 war Harbinger mit den King George VI. Wer spricht noch von Sea The Stars? Danedream? Teofilio, New Approach? Kauto Star? Ich, und alle Freunde des großen Sports.

 

Gestern war erst St. Nicholas Abbey, das Comeback Pferd der beiden letzten Jahre, und dann war Camelot. Wir leben im Zeitalter, welches man später als eines der güldenen im Rennsport beschreiben wird, Gilded Age. Am meisten fasziniert, daß Pferde wie Frankel oder Camelot das von zwei auf drei auf vier durchhalten, wobei die Veterinärmedizin ihren Anteil haben wird, aber auch Coolmore/Ballydoyle/O`Brien, wo sie mit penibler Wissenschaft an das Thema gehen. Sie haben Tattenham Corner nachgebaut, für alle Fälle, damit keiner hinterher sagen kann, sie hätten was vergessen. Gestern wieder das Ehrfurcht gebietende Schauspiel des Sattelns mitten im Führring, mit drei Leuten am Pferd, und O`Brien hat zum Schluß noch mal mit der Bürste poliert, damit alles seine Ordnung hat. Als der Schweif dran war, mußte er ein Vorderbein heben, damit er nicht auskeilen konnte. Pfiffige Leute, diese Iren. Camelot erinnert mich in vielen Aspekten an Nijinsky, eine Hypothek, aber auch einzulösen. Der Rennsport auf diesem Niveau ist die Spitze der Freizeitvergnügungen, auch wenn die Segelflieger oder Fliegenfischer das möglicherweise anders sehen. Es gibt nichts Besseres als solche Pferde.  

 

Und Joseph O`Brien reitet, als wenn er seit 19 Jahren reitet, was wahrscheinlich sogar stimmt. Der Junge hat großes Selbstvertrauen, die Pferde haben großes Können, und schon paßt die Chose. Genau wie letztes Jahr im Breeders Cup, ohne Nerven und alles richtig gemacht.

 

Das Rennen war natürlich getrübt durch die Tatsache, daß eigentlich nur ein richtiger Gegner dabei war, Main Sequence aus dem Hause Niarchos. Der andere war für Ballydoyle unterwegs, und der Rest Mitte der Geraden platt. Insofern stellt sich die Frage nach der Qualität des Jahrgangs im Moment nicht, denn der ist auf Mitteldistanzen abgesehen vom Sieger nicht gut, sondern medioker. Heute in Chantilly geht es nur noch über 2.100 Meter, so daß, egal wer und wie er gewinnt, das Rennen keine weiteren Aufschlüsse über die klassische Distanz geben wird. Eher wird das in Hamburg der Fall sein. Amaron ist ein reell gutes Pferd, und mit Glück kann er vorne hin laufen. Bei 20 Stück kann viel passieren unterwegs.

 

Ob Camelot die Kurse für den Arc einlösen kann, die derzeit angeschrieben sind, wage ich zu bezweifeln. Ante Post sind die Quatsch, weil er am Toto nicht viel kürzer stehen wird, dafür aber startet. Wer weiß das heute schon? Fabre&Co. haben immer was in petto, das Rennen ist niemals ein Spaziergang, und wenn Schiergen alles richtig macht, kann Danedream durchaus noch mal vorne hin laufen. Also, es wird im Arc Gegner geben, nicht so wie gestern.

 

Zusammen gefaßt hat mir in den letzten Jahren von allen Glanzlichtern Harbinger in den King George VI am besten gefallen. Junge Junge, was für ein Rennen. Da muß Camelot noch hin.

 

Sehr erfreulich eben der Ritt von young Master Buick in Chantilly auf Lough Out Loud im Prix Sandringham. Sehr locker von vorne, aber wenn man gute Leute da in Ruhe läßt, dann helfen auch keine Kunststücke in der Geraden mehr. Ist immer schön mit anzusehen, wenn der Franzosen einer durch die Lappen geht. Bei Mick Channon ist Form im Stall, gestern mit Martin Harley auch einer in Epsom, Irish Guineas letzte Woche.

 

Imperial Monarch, Amaron Platz Sympathie. Undurchsichtig, wie es früher so schön vernebelt hieß.

 

Gestern noch auf hohem Roß, heute durch die Brust geschoß. Wenn man in Frankreich gegen 19 Pferde gewinnen will, muß man eine gute Position haben oder Glück. Beides hat bei Imperial Monarch gefehlt. Klasse hat er genug, aber auch Tollpatschigkeit. Amaron kann 1.800, dann ist Feierabend.

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Kommentare: 10
  • #1

    donvito (Sonntag, 03 Juni 2012 10:15)

    Das mit Harbinger kann man so stehen lassen. Dieses Pferd war auch recht spätreif. Zweijährig gar nicht gelaufen und dreijährig hat man es erstmal ruhiger angehen lassen. Dies ist auch eine Gabe von Stoute, der genau einschätzen kann, wann die Pferde ready to go sind und dementsprechend die Zeit gibt. Man muss dann nur noch Besitzer haben, die das alles mitspielen. Highclere sind ja viele viele viele und die haben auch noch viele viele viele andere laufen. Da ist sowas möglich. Viele viele viele andere Besitzer wollen aber schnell auf die Bahn und am besten schon zweijährig die Kosten einlaufen. Bei frühreifen Pferden kann das ja auch vernünftig sein, hätte man es bei Harbinger versucht, hätten wir die Vorstellung in Ascot wohl nie gesehen.

  • #2

    di (Sonntag, 03 Juni 2012 12:56)

    die nagelprobe für jeden derby sieger kommt gegen ältere, also king george VI oder arc. das st. leger ist normalerweise kein wichtiges rennen mehr, eher schädlich, wegen der annahme, der sieger sei ein plodder. triple crown ist ok, st. leger notgedrungen dabei.

  • #3

    donvito (Sonntag, 03 Juni 2012 13:33)

    Timeform Rating für Camelot 130. Damit hätte er jedes St.Leger der letzten 20 Jahre gewonnen. Auf dem Papier. Ob die im Leger, dann im Arc und dann im Breeders Cup antreten? Ich wage es zu bezweifeln. Imperial Monarch heute könnte interessant sein. Der ist letztes Mal 100 Meter mehr als alles anderen gegangen in Sandown. Vielleicht spielt das Ergebnis von Heute ein Rolle, welchen Weg Camelot einschlägt.

  • #4

    kassandro (Sonntag, 03 Juni 2012 13:47)

    Der enorme Wertverfall des St. Legers ist leider korrekt. Außer in England mußte man das Rennen für älter Pferde und Wallache öffnen, damit man überhaupt noch genügend Starter findet. Das war mal anders. In Deutschland war das St. Leger mal das zweitbedeutendste Rennen für Dreijährige und für ältere Pferde gab es als krönender Abschluß der Saison noch das Gladiatoren-Rennen über dieselbe Distanz.

  • #5

    donvito (Sonntag, 03 Juni 2012 14:07)

    Das hat er aber hübsch aufgesagt. Braver Junge.

  • #6

    kassandro (Sonntag, 03 Juni 2012 14:55)

    Ich KANN mit ihren Meister übereinstimmen, sie MÜSSEN mit ihm übereinstimmen, das ist der Unterschied hier.

  • #7

    donvito (Sonntag, 03 Juni 2012 15:01)

    aber ja, popoklatsch mit anlauf und 3 tage fernsehverbot, wenn nicht. ich bin kein star, holt mich hier raaaaaauuuuuuuuuuuuuuusssssssssssssssss....

  • #8

    im französischen derby (Sonntag, 03 Juni 2012 16:29)

    hat joseph heute gezeigt, dass er doch noch eine menge lernen muss. das am schluss schnellste pferd so innen festzurammeln war keine gute leistung. auf freier bahn hätte das wohl anders ausgesehen.

  • #9

    donvito (Sonntag, 03 Juni 2012 20:54)

    ein schönes geschmacksteilchen hingegen electrelane war, die, wenn auch knapp, ein gutes ding war über lough out loud gerechnet. die 40 fk waren auf jeden fall gut.

  • #10

    donvito (Sonntag, 03 Juni 2012)

    natürlich laugh out loud oder wie netroyal sagen würde. lol