Lüneburg

Langsam nähert sich die Weihnachtszeit, die immer ambivalent daher kommt mit all dem Talmi und den falschen Bärten. Aber Rennsport ist alle im Moment, und so kann man mal nach Lüneburg fahren, zur Tochter, und beim Italiäner Essen gehen und durch die Altstadt schlendern. Immerhin nicht so aufdringlich beleuchtet wie der Neue Wall mit den ganzen affigen Lampenmännern und Rentieren und dem anderen Schamott, sondern artig aufgeputzt die Altstadt, die mit Abstand die schönste in Norddeutschland ist, noch vor Lübeck. Es gibt die Illmenau, die fließt durch die Stadt, und am Rand der Illmenau gibt es einen alten Hafen mit einem noch älteren Holzkran und einem Wehr, über das es einigermaßen schäumend braust und blubbert, illuminiert in changierend BlauRot, darüber die Brücke mit Lampen und Leuchtern. Das kann man vom Italiäner gegenüber sehr passend betrachten durch die Butzenscheiben oder sagen wir mal Sprossenfenster, und sie servieren Krevetten gebraten und tadellose Nudeln aus den Abruzzen dazu, mit einem etwas spirreligen Namen, den ich vergessen habe, aber mit Tomatensoß und geschnittenen Würsten aus den Abruzzen und geriebenem Pecorino. Dazu gibt es offenen Valpolicella von erstaunlicher Güte und kleinem Preis. La Trattoria, Am Stintmarkt 2. Logieren geht gut im Alten Kaufhaus, welches direkt nebenan in einem alten Prachtbau untergekommen ist, welcher sehr alt ist und der Name Kaufhaus zumindest irreführend, hingegen das Hotel sehr modern. Man muß immer eine Plastikkarte an die Wand halten, wenn man durch eine Tür will oder Aufzug fahren oder Pinkeln gehen oder Frühstücken. Aber es geht, wenn man dran denkt

 

Lüneburg hat auch eine Universität, die Leuphana, was immer das in welcher Sprache auch bedeuten mag. Aber die Universität ist modern und gefragt, und Lüneburg ist nur 60 Kilometer von Hamburg entfernt, also quasi Vorort. Eine sinnvolle Wahl des Studienorts, eigener Herd, aber dicht bei. Göttingen fand ich damals nicht so prickelnd.

 

Auf der Rückfahrt gab es einen Gottesdienst im Deutschlandfunk zu hören, irgendwo aus Sachsen. Ein sehr ernsthafter Mann predigte eindrucksvoll, was der liebe Gott alles Schönes mit uns vor hat, später, wenn der ganze Scheiß zu Ende ist, die Plackerei und die Mühsal und die Wasserknappheit und der Hunger und Vertreibung Folter Mord und Totschlag. Er wartet quasi bereits, alles ist angerichtet, nur warum das alles vorher sein muß, das konnte er auch nicht so recht erläutern. Denn siehe, das gildet auch für alle Nichtchristen und überhaupt für alle Menschen, Gott macht da überhaupt keine Ausnahme, reiner Tisch für alle, zurück auf Los, Alles wird gut. Da kann man fast auf die Idee kommen, es sei im Moment auf Erden eh Wurscht, wozu Gesetze, wozu Moral, kommt am Ende sowieso in einen Topf der großen Vereinigung der Kräfte, ToE, Theory of Everything. Aber wenn es dem Prediger und seinen Zuhörern so gefällt, warum nicht. Nur das Missionieren, das aufdringliche, das wird nicht gern gesehen. Ansonsten, meinetwegen.

 

So kann man ein Wochenende auch ohne Galoppsport verbringen, familiär und mäßig festlich gestimmt und animiert. Lüneburg ist zu empfehlen.

 

Schnell noch was für den Gabentisch empfehlen, nämlich die Bücher von Iain Banks, Genre Science Fiction. Also auch was von Zukunftsvisionen, aber deutlich spannender und witziger als die oben erwähnte Predikt. Banks ist große Klasse, ein Schotte mit enormer Gedankentiefe und ebensolcher Komik, der all diese schönen Raumschiffe der Culture erfunden hat, resp. deren Namen. Mein Favorit heißt nach wie vor "Fine `till you came along" (wie gemalt für Kassandro). In Hamburg existiert in der Grindelalle "Andere Welten", Deutschlands führendes Fachgeschäft für Science Fiction Bedarf. Da kann man Star Wars Schwerter aus Licht und Plastik kaufen, Perry Rhodan Bastelsätze, Raumpatrouille DVD und jede Menge Bücher, die der Inhaber fachkundig zusammensucht und empfiehlt. Es gibt sogar ein Antiquariat und eine englische Originalabteilung, weil vieles nicht übersetzt wird. Das ist schade, aber die englischen Bücher sind auch nicht viel teurer. Iain Banks nimmt einen zentralen Platz in jeder gut sortierten Bibliothek zum Thema. Hier der Link: http://www.anderewelten.de/. Ein Muß für Weihnachten, gerade jetzt.

 

Nebenan kann man vietnamesisch essen, im Thang Long. Das schmeckt ganz hervorrangend, ohne Glutamat, welches die anderen Asiaten leider händevoll ins Essen kippen. Nicht so hier. Am besten sitzt man hinten rechts auf der Bank erhöht, mit Überblick auf den ganzen Laden und schnellen Zugriff auf das Logistikzentrum. Die Salate sind die besten der Stadt, 4-6 Euro, die Suppen dito. Mit Einlagen von Büschen frischer Kräuter zum Selberreintun, genauso Limonen und Chillies und Bean Sprouts. Fabelhaft gesund und enorm aufpulvernd, besonders nach einem anstrengenden Wochenende. Man kann dazu den neuen Banks anfangen, oder den Spiegel.  Unsere Tochter geht gern zur Trattoria, oder hier her. Wegen der Orientalik quasi, dieser enormen Exotik, und weil die Staberl aus Holz sind. In Hong Kong waren die aus Plaste, furchtbar rutschig und spießig.  

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Kommentare: 10
  • #1

    Uni search (Sonntag, 18 Dezember 2011 16:49)

    Ich war schon mal in Uelzen.Hab dort aber keine Universität gefunden,nur einen Hundertwasser Bahnhof.
    Bin dann schnell weiter gefahren .

  • #2

    TT (Sonntag, 18 Dezember 2011 17:42)

    ja und ich kannte mal ein Mädchen aus Lüneburg,
    die war sehr hübsch und nicht besonders christlich

  • #3

    kassandro (Sonntag, 18 Dezember 2011 19:05)

    Der Bahnhof in Uelzen ist wenigstens originell und wohl auch in der Welt einmalig, was man nun über die Uni Lüneburg nicht sagen kann. Die hübsche Beamten-Stadt hat so lange gequängelt, bis das Land Niedersachsen sagte: In Gottes Namen, da habt's eure Uni. Ich würde diesem Saftladen das Prädikat besonders schließenswert verleihen, denn es wird dort nichts gescheites gelehrt. Diese Uni über die von Göttingen zu stellen, an der ich selber war, ist wohl nur möglich, wenn man selber eine Ausbildung von Lüneburger Qualtiät hat.

  • #4

    Um Gottes Willen (Sonntag, 18 Dezember 2011 19:57)

    Ich war auch in Göttingen.
    Jeden Tag 2x Mensa Italia. Minimum.
    Später dann noch Abendmensa am
    Wilhelmsplatz. Und dann den Berg hoch.
    Da hat dann nichts angesetzt.
    Im Ratskeller mußte man auch nicht verhungern.
    jaja...

  • #5

    Heissa! (Montag, 19 Dezember 2011 15:17)

    sprach Frau Sauerbrodt, Heissa!!! Kim Jon IL ist tot!

  • #6

    kassandro (Montag, 19 Dezember 2011 16:07)

    Tja das war heuer ein miserables Jahr für Despoten, aber ich bin noch immer da.

  • #7

    di (Montag, 19 Dezember 2011 19:43)

    nun, ob sie den saftladen für schließenswert halten, das mögen die götter walten. hinieden kümmert sich keiner darum, warum auch. das leben spielt sich oft außerhalb des internets ab, besonders oft aber außerhalb des harz`. es sei denn, ich bin in bad harzburg. dann stehen alle fahrradfahrer stramm. und das mit dem despoten, ich fürchte, dazu fehlt ihnen das kaliber. der schmierige charakter mag mit dem des verblichenen lieben führers II konform gehen, aber das allein reicht nicht aus. jedoch, die gute absicht wird gewürdigt!

  • #8

    kassandro (Montag, 19 Dezember 2011 21:51)

    Sie hätten natürlich in obiges Sätzchen viel besser hineingepasst, aber ich weiß ja, wie humorlos unser Löschkönig ist.

  • #9

    di (Dienstag, 20 Dezember 2011 08:57)

    aber immerhin weiß ich ihren humor resp. komik zu schätzen. das ist eigentlich das einzig wichtige an ihnen, die ihnen innewohnende komik, die ganz aus sich selbst heraus schafft. in dieser hinsicht touchieren sie ganz eng die herren parlo/richter und rumstich/blüchovvv, die allerdings die speerspitze des rennsportshumors darstellen. deren gußeiserner humor rangiert an der spitze, mit weitem abstand, und selbst ein lindi hat da keine chance, weil ihm einfach der wille zur kunst völlig fehlt. der fehlt auch ihnen, weil sie zu verbiestert einen fall bearbeiten, statt die dinge einfach laufen zu lassen. entspannen sie sich, trinken sie mal ne anständige pulle, dann geht es noch besser mit dem humor und der komik!

  • #10

    kassandro (Dienstag, 20 Dezember 2011 17:55)

    Wie tief wollen sie denn noch fallen, lieber Schmelz. Frühers haben sie wenigstens von mir abgeschrieben, das hatte noch Stil, aber jetzt schreiben sie sogar das Wiederholungsprogramm ihres donvito ab und brauchen dazu auch noch einen ganzen Tag.