Auswärtige Angelegenheiten

Alle Jahre wieder erhebt sich machtvoll die Erkenntnis, daß die Qualität der deutschen Pferde in keinem Verhältnis zu den Ertragschancen im deutschen Rennsystems steht. Das ist nicht neu, aber trotzdem beklagenswert. Es betrifft die Rennpreise, und es betrifft die Erlöse auf den Auktionen. Turf-Times zitiert Bill Oppenheim, der in dieses Horn tutet, und man dankt verbindlich für die Anteilnahme und die kritische Solidarität dieses erwiesenen Fachmanns. Jedoch, die Forderung, die Züchter müssten endlich den Weg aus der Krise weisen, ist insofern wohlfeil, weil sie leider nicht begreift, wie der deutsche Rennsport verfasst ist. Gleiches Unvermögen zeichnet die Masse der Journalisten aus, die je nach Stimmung mal diese mal jene Teile des Puzzles verantwortlich machen, aber in der Regel nicht den legalen Rahmen verstehen, der das Ganze regelt. Dieser Rahmen wird aus föderalistischen und zentralen Gesetzen gesponnen, dazu europäischen. Er ist fadenscheinig und löchrig, unsystematisch und konkurrierend, und von vielen Interessen gewoben, die gegenläufig sind. Er speist sich aus 150 Jahren tatsächlicher Geschichte, und 90 Jahren legalistischer, und alle politischen Wechselfälle dieser Epochen haben ihre Spuren hinterlassen. Als Zeitvertreib adliger und vermögender Zeitgenossen hat das angefangen, und darauf wird es wieder zurück geworfen. Ein Hobby, nicht mehr. Wer sich das leisten will, bitte schön.

 

Aber so ist deutsche Wertarbeit immerhin im Züchterischen zu finden. Sie firmiert als Made in Germany, sie ist Wert an sich, Detail versessen, penibel, effizient. Man möchte fast sagen wissenschaftlich. Wir haben das unschätzbare Glück, ein Resultat dieser Arbeitsauffassung zu besitzen, und womöglich weitere. Das kommt nicht von ungefähr. Danedream, Lomitas, Sanagas, Emy Coasting, Empire Storm, Earthly Paradise, Earl of Tinsdal, Durban Thunder, Samum, Donna Alicia – das sind alles aktuelle und konstante Produkte dieser züchterischen Philosophie, und das sind alles keine Zufälle. Es ist auch kein Zufall, daß die Gestüte Fährhof, Brümmerhof und Kerbella in einem Kreis von 100 km beheimatet sind, im Norden, wo die Sonne angeblich nicht scheint und die Böden zu sauer sind. Hier wurden und werden 100 Kilo+ Pferde gezüchtet, und das ist nach allen Regeln des Geschäfts die absolute Weltspitze.

 

Wenn schon die Rennpreise zu Hause nicht reichen, um eine adäquate Menge an Tieren zu züchten, dann soll man reisen.

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Kommentare: 5
  • #1

    kassandro (Freitag, 25 November 2011 17:41)

    Vergessen sollte man auch nicht die Großen Denker, z.B. die Sonne aus dem Oberharz, die zu euch in die finstersten Täler hinunterscheint und für die nötige Erleuchtung sorgt.

  • #2

    Tai Chi, (Freitag, 25 November 2011 18:31)

    der beste Zweijährige in 2011 kommt aus dem fernen Asien und der Monsun lässt seine Regenmassen jedes Jahr über Indien, Thailand usw. herunter

  • #3

    man Di, haste was angestellt ? (Samstag, 26 November 2011 01:25)

    früher waren die 100 doch
    ruck zuck voll.
    Zuviel Schnipp Schnapp, was,
    alter Mohel ?

  • #4

    kassandro (Samstag, 26 November 2011 22:09)

    Hab ich da auf dem Berg der Ahungslosen etwas verpasst? Der Schmelz ohne seine Jünger, da steht er ziemlich nackert da und das im Winter.

  • #5

    Tz Tz (Montag, 28 November 2011 18:58)

    Ich geb ihm dann nen Mantel