Keine Bundesliga

Die Ferndiagnose stellt das Mittel der Wahl dar, also die Erkenntnis, daß man am besten über Dinge schreibt, wenn man gesunde Distanz zu ihnen hält. Das geht dann im Rennsport so, indem man nicht zu den Rennen hingeht, indem man nicht Pferde unterhält, indem man nicht die Funktionäre anspricht, indem man nicht den Rennverein anschreibt. Man hält sich insofern lieber raus, weil es sich so besser argumentieren läßt. Der Rennsport eignet sich besonders gut für diese Methode, weil ja stets was im Argen liegt, man braucht die Themen quasi nur aufzuheben, überall lauern heiße Eisen und kalte Bauern, und wie in der Polletikk und beim Fußball sind die besten Experten die, die sich vornehm zurück halten. Bzw. verletzungsbedingt nicht mitmachen können, obwohl sie früher großes Talent hatten und in der Kreisliga echte Chancen auf Mehr hatten, damals, als Knaben und Aufstreber.

 

Eine der erfreulichsten Debatten kreist seit Urzeiten um die Quoten. Weil jeder Hans und Franz behaupten kann, er habe in diesem oder jenem Rennen gewettet, schwafelt jeder mit, und räsoniert über das Gebahren der Rennvereine hinsichtlich der Kursmanipulation zulasten der Wetter. Unerhört, eine echte Wettmafia ist da zugange, sinistre Manipulatoren, die sich den Wanst voll schlagen. Einer ruft`s dem andern zu, Elsner Schuh! Elsner Schuh!

 

Auf die Idee, mal hinzugehen in die Totoleitung und zu fragen, ist scheint`s noch nie nicht jemand gekommen. Oder wenigstens zu schreiben, weil man ja lieber am heimeligen Computer wettet. Weil Antworten möglicherweise die Analyse beschweren würden. Die ganz schlauen behaupten dann, sie bekämen keine Antwort, aber das ist natürlich frech gelogen. Natürlich bekommt man Antwort, wenn man auf der Bahn hingeht und die Leute fragt, aber die Antworten passen leider nicht ins Bild, wie es auch nicht ins Bild paßt, daß zwischen Expertise und Engagement von Woeste und Tiedtke und Halm und Borchers Universen liegen, und zwar weit entfernte. Oder Vergleiche zu Meimann und Scheel zu noch tieferen Abgründen führen, zu echten Schlammlöchern, deren Dreck noch heute an den Schuhen des Rennsports klebt. Hinzu tritt dann noch der Anrufer, nennen wir ihn mal Sockenschuß, der also stets die Leute anruft, mittels cold call, um dann mit näselndem Bariton nach Art der faulen Leutenants Sachen fragt, die ihn nichts angehen. Sagennnsemal, und schon geht die Klappe zu, weil das kann kein Schwein ertragen und aushalten.

 

Und so teilt sich die Rennsportwelt in die Abteilung, die mehr oder weniger mühevoll den Laden irgendwie am Laufen hält, und denjenigen, die am Spielfeldrand stehen und die auf dem Platz lustvoll anfeuern und abkanzeln, eine Mischung aus Heckle&Jeckle und Mutter Tennisgenie. Longline, Oliver, longline!, wie schon Polt so recht genau wußte. Wie auch, daß im Biergarten stets der Krug zum Munde geht, niemals umgekehrt. Gell, Herr Weller?

 

In Bremen gestern waren bestimmt zum ersten Rennen fast 100 Zuschauer auf der Bahn, jede Wette. Später kamen dann noch mal 400 dazu. Aber es war knatterkalt, trotz eitel Sonnenschein, und der Wind pfoff sehr pfiffig um die Ecken. Der Wurststand machte vor Schreck ganz spät auf, dafür gab es biodynamische Nußmischungen mit wahlweise nur Salz oder Curry oder Hausmischung, 100 Gramm zweifuffzich. Felix hat eine Suppe aus Kartöffler und Lauch probiert, ich dann aber nicht mehr, weil der Vorkoster nicht so recht begeistert war. Dafür gab es noch Kakao, aber das bleibt ein Einzelfall. Der Rasen des Geläufs sah fast unglaubwürdig gut aus, immer noch fest gewoben und kurz geschnitten, und man gab den Wert mit 4,4 an. Die Rennen waren teils von persönlichem Interesse begleitet, zuerst ganz am Anfang mit dem schönen dritten Platz von Beltaine Fire, einer zähen Ackererin und Kämpferin, die etwas weiter bestimmt noch besser aufgehoben ist, und nächsten Jahr den Hafer verdienen wird. Fingers crossed! Dann liefen die beiden Pferde Labrice und Aviator für unseren Trainer Torsten Mundry, und wenn auch die Gegner overmatched waren, so müssen auch diese Rennen gewonnen werden, und das war dann so, zudem in gutem Stil. Und schließlich noch Dynamite Cat, gezogen von Hannes Gutschow, die nach einer Dreierserie eigentlich noch mal dran war, aber leider hat sich der junge Reiter so ungefähr jede Sackgasse in der Geraden rausgesucht, die da war, und dazu noch zwei, die gar nicht da waren. Naja, 4. mit knapp einer Länge geballert, so kann`s gehen. Den Trainer Figge sen. habe ich zum allerersten Mal ohne seinen Besitzer auf einer Rennbahn gesehen, den netten Herrn Wernicke. War bestimmt nicht leicht, im hohen Norden so ganz allein.

 

Dann war Schluß für uns, weil it is getting late pretty early out there, wie ein Spieler der New York Yankees mal das linke Feld im neuen Stadium beschrieb, wo die Sonne früh tief steht, was man auch sehr schön auf der Autobahn beobachten konnte, im Rückspiegel, schräg hinten links.

 

 

als post scriptum noch die erfreuliche Information für Freunde des Hauses Kerbella, daß All the Winds gestern in einem Novice Hurdle in Cheltenham guter Dritter wurde. Wenn er springen lernt, wird das a horse to follow.

 

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Kommentare: 22
  • #1

    j.w. (Sonntag, 13 November 2011 10:55)

    wenigstens die eine beobachtung kann unwidersprochen bleiben. die biergartenanleitung. ansonsten haben sie im ergebnis schon recht, nur wäre es halt auch eine möglichkeit wenn die verschiedenen totoleitungen ihre klientel ungefragt über vermeintliche ungereimtheiten aufklären würden. ich normalem verständlichen deutsch. meist sieht doch der fragende nur den zeigenfinger dieses herrn/dame, der auf die ausgehängten totobestimmungen verweist. so einen blödsinn zu lesen haben sie als jurist lernen müssen. der normale mensch nicht ...

  • #2

    j.w. (Sonntag, 13 November 2011 10:57)

    so eine editierfunktion wäre schon hilfreich. dann müßten tippfehler nicht für die ewigkeit halten. "in normalem verständlichen deutsch" sollte es heißen ...

  • #3

    TT (Sonntag, 13 November 2011 11:42)

    wir aus dem Norden lesen undere Texte vorher durch bevor wir sie sbschicken. Die Editierfunktion ist Ihr liebstes Kind, nicht wahr?

  • #4

    kann man aber von ihrem (Sonntag, 13 November 2011 11:48)

    obigen text nicht behaupten, oder sie merken selbst beim durchlesen nicht.

  • #5

    das " s " fehlt, (Sonntag, 13 November 2011 11:49)

    war zu schnell und habe auch nicht nochmal gelesen :-)

  • #6

    TT (Sonntag, 13 November 2011 12:18)

    und Sie mherken auh nixs

  • #7

    j.w. (Sonntag, 13 November 2011 12:24)

    ein "a" fehlt auch. aber zwei dinge auf einmal merkt man sich im norden halt schwer ...

  • #8

    di (Sonntag, 13 November 2011 12:39)

    na ja, die totobestimmungen sind nun mal so, wie sie sind. sogenannte agb für das wetten. was will der wetter wissen, was da nicht drin steht, warum sollen nur die totobetreiber lesen, was da steht? wie so oft im rennsport wird auch zu diesem thema alles mögliche unterstellt, ohne daß die leute bescheid wissen.

  • #9

    KurfürstFW (Sonntag, 13 November 2011 17:48)

    Wenn es tatsächlich nur der subjektive Aufschrei wäre, der da die Höhe der Quoten bemängelt. Aber nein, die Schreiber derartiger Artikel sind tatsächlich der Meinung die Quoten werden je nach Lust und Laune durch den Totoleiter ermittelt und der dabei entstehende Überschuß (sonst macht doch die ganze Verdächtigung keinen Sinn) den stecken sich die Rennvereinsfunktionäre in die eigene Tasche.

  • #10

    amelie (Sonntag, 13 November 2011 19:01)

    Quatsch, keiner denkt, dass sich da ein Funktionär was in die eigene Tasche steckt.
    Aber bei 10-10-10 bleibt die Kohle im Sack.

  • #11

    kassandro (Sonntag, 13 November 2011 20:54)

    Nun, ich hab ja hier schon einmal einen Vorschlag gemacht, wie sich solch ärgerliche Quoten vermieden werden könnten. Es gäbe dann für die Platzwette sogar Eventualquoten. Aber auf mich hört ja keiner. Durch die Eventualquoten würde auch die Transparenz erheblich erhöht und die Vorwürfe der Schummelei kämen erst gar nicht auf. Mein Vorschlag hat natürlich auch einen Haken. Wenn jemand nicht auf die dann möglichen Eventualquoten schaut und trotzdem einen Favoriten auf Platz wettet, dann ist es möglich, daß er im Gewinnfall nicht einmal seinen ganzen Einsatz zurückbekommt.

  • #12

    TT (Sonntag, 13 November 2011 21:41)

    So ein Schwachsinn,"da bleibt die Kohle im Sack"
    Diese Schreierei wegen der geringen Platzquoten ist doch lächerlich. Ich weiß doch vorher, dass die Platzquoten gering sind, wenn der Favorit oder Favoriten reinlaufen.
    ich kann ja jede Menge andere Wetten spielen.Statt den drittplazierten Platz spielen, kann man auch den Sieger auf Sieg spielen ist eh besser

  • #13

    kassandro (Sonntag, 13 November 2011 21:52)

    Na ja, da macht einer eine Platzwette auf einen Außenseiter, gewinnt und bekommt dann nur sein Geld zurück. So ein Wetter - meistens sind das Anfänger - fühlt sich dann natürlich verarscht und sagt sich dann "nie wieder wetten". Genau diese Verarschung gäbe es bei meiner Platzwette nicht mehr.

  • #14

    TT (Sonntag, 13 November 2011 22:02)

    das Pferd ist aber manchmal auch nur Aussenseiter für den Sieg und nicht unbedingt für den dritten Platz. 100 oder 200 steht das Pferd vielleicht für den Siegfall, aber eben nicht für den dritten Platz.

    apropo Bundesliga
    beim 1.FC Köln ist Overath heute mit seinen Kollegen zurückgetreten

  • #15

    kassandro (Sonntag, 13 November 2011 22:20)

    Nein, nein auch eine vermeintliche Krampe, der man keinen Platz zutraut, kann eine Platzquote von 10:10 einfahren, wenn ein stark bewetteter Favorit ebenfalls in den Plätzen einläuft. Genau das können die Leute nicht begreifen und sorgt für so viel Verdruß.

  • #16

    KurfürstFW (Sonntag, 13 November 2011 22:49)

    Die Platzquoten werden wie alle anderen Quoten nach Abzug der RWS (16,66%) und der RV-Abzüge (6 bis 7% auf S/P und 12 bis 13 % auf ZW/DW) durch die Zahl der Gewinner geteilt. Allerdings immer nur auf das Wettaufkommen auf der Bahn. Wenn nichts im Topf ist kann man nichts auszahlen. Jetzt kann sich mal einer hinsetzen, der Spass an Statistik hat und ich bin mir sicher: "Viele Besucher auf der Bahn und hoher Umsatz = hohe Quoten"

  • #17

    TT (Sonntag, 13 November 2011 22:59)

    mit den Platzwillingen ist es doch ähnlich,
    die werden kaum gespielt, folglich kann es darauf auch bei den krümmsten Einläufen keine hohe Quoten geben, weil nicht mehr im Topf ist.

  • #18

    kassandro (Sonntag, 13 November 2011 23:05)

    Der Ärger mit der Platzwette kann es bei hohen Umsätzen genauso geben wie bei niedrigen. Entscheidend ist, daß die Platzwette durch die anderen beiden plazierten Pferde so häufig getroffen wird, daß für den getroffenen Außenseiter nach den Abzügen nichts mehr übrig bleibt.

  • #19

    TT (Montag, 14 November 2011 09:23)

    Das ist doch alles klar und streitet keiner ab,
    Das Neulinge sich darüber ärgern ebenso, als alter Hase lasse ich solche Wetten eben sein, weiß ich doch vorher, dass ich nur den Einsatz oder knapp drüber zurückbekomme.

  • #20

    #10 bei 10-10-10 bleibt die Kohle im Sack (Montag, 14 November 2011 13:53)

    solange die hierfür Verantwortlichen im Galoppsport nicht in der Lage resp. nicht Willens sind, neben S auch die Evtl.quoten für P, Zw., Dreier anzuzeigen! Technisch ein Klacks, andere Ländern bieten diesen Service seit Jahren

  • #21

    kassandro (Montag, 14 November 2011 18:17)

    Welche Länder bieten den Eventualquoten für Platz-, Zweier- und Dreier-Wette? Bei der Zweierwette ginge das gerade noch. Allerdings beim Derby mit 20 Startern hätte man bereits 380 verschiedene Quoten irgendwo aufzulisten. Bei Platz- und Dreierwette wären es noch viel, viel mehr. In Deutschland sind außerdem die Umsätze zu gering um aussagefähige Eventualquoten für diese Wettarten zu bekommen.

  • #22

    TT (Dienstag, 15 November 2011 11:19)

    zumal sich die Quoten rucki zucki ändern. Wer nur deshalb zum Schalter läuft, weil eine bestimmte Quote angezeigt wird und seinen Schein deshalb abgibt, wird sich schnell Wundern, dass es danach wieder ganz schnell andere Quoten geben kann. Es soll auch Leute geben, die 15 Minuten vorm Start ein Pferd wettten, weil es 150 steht und sich nach dem Rennen wundern, das es nur noch 30 steht. Man sollte nicht nach Quoten wetten, sondern was reinläuft, da ist die Quote erstmal zweitrangig.