3.

Zum Beschluß dieser persönlichen Betrachtung kommt ein kurzes Interview mit Herrn Tiedtke zu passe, nachzulesen bei Galopponline.de. Wie bisher ist das Schicksal des Rennsports im Rahmen der Glückspielproblematik unklar; wenn es zum Schlimmsten kommt, was zumindest nach Auffassung einiger Länder so sein soll, dann wird es in Zukunft statt keine Steuern (o,8%), fünf % geben, und zusätzlich Beschränkungen bei der Vermittlung und der Vermarktung. Dann wird es keinen Rennsport mehr geben, das wird dann sein. Jedenfalls keinen, der in Deutschland stattfindet. Es mag dann Bauernrennen geben oder Charity Gerenne der tollen Pferdchen bei Wetten Daß. Mehr nicht. Wer weiter züchten und anspannen will, wird das im Ausland machen, also dahin verkaufen und da laufen. Möglicherweise werden nach wie vor Pferde in Deutschland trainiert, aber nicht mehr 3.000.

 

Natürlich wird sofort von einschlägigen Kreisen die Schuldfrage gestellt werden, und passender Weise auch gleich beantwortet. Es wird Köln sein, wer denn sonst. Aber gegen die Kräfte der Politik, die jeden Groschen wie auch immer einziehen und behalten wollen, mit allen Mitteln und unter allen guten und abstrusen Begründungen, gegen diese Kräfte ist kein Kraut gewachsen. Das Thema Administration des Glückspiels steht auf völlig krummen und schiefen Argumenten, nämlich denen, wonach Spiellust ein Übel sei, welches der Staat zu kontrollieren habe, um insofern monopolistisch das Geld zu verdienen, welches als Ausdruck des Übels die Leute arm macht, weil man es zu ihrem Besten gleich ganz zu Hälfte behält, um es mildtätigen Zwecken und dem allgemeinen Haushalt zuzuführen. Gegen solche Argumentationsketten, welche in einem Schüleraufsatz zur 6- führen würden, ist kein vernünftiges Kraut gewachsen. Aber diese Argumente haben den Rang eines philosophischen Dogmas erreicht, eines dogmatischen perpetuum mobiles, welches nicht und nicht erweichbar ist, nicht mit guten Worten, evtl. mit gutem Geld, aber selbst das erscheint fraglich. (Interessant wäre mal zu untersuchen, ob ein Korrelat zwischen absoluten Spieleinsätzen und allgemeiner Zufriedenheit mit der Politik herrscht, in dem Sinne, wonach schlechte Politik in gesteigerte Einnahmen des Staates aus den Glückspielen transzendiert. Wonach dann die Quadratur des Kreises erreicht wäre, also das Gipfelkreuz effektiver Politik.) 

 

Der Rennsport wird also auf sich zurück geworfen, wenn dieses Szenario Wirklichkeit wird, und dann weht der Wind so eisig ins Gesicht, daß nichts mehr gehen wird. Das Publikum, welches mal wieder zum 123ten Mal mehr Werbung fordert und mehr Fernsehpräsenz und mehr Freikarten für sich selbst verlangt; dieses Publikum verlangt, der Sport als gemeinnützige Amateurveranstaltung möge mit der Schlagkraft eines mittleren Unternehmens daher kommen, also zumindest mit den Resultaten, die ein Apparat eines Unternehmens vergleichbarer Größenordnung erzielt. Oha, wie das? Offenbar wissen alle diese Schlaumeier nicht, mit welchen Marketing- und Werbebudgets 32 Millionen Umsatz erkauft werden müssen, wie viel Man Power dahinter steckt, wie viel kreative Leute dazu bezahlt werden müssen. Und die 32 Millionen sind ja nur der schmale Wettumsatz. Dazu kommen die Einnahmen aus Eintritt und Sponsoring etc. Für Summen jenseits der 50 Millionen Umsatz kommen Abteilungen von Spezialisten zum Einsatz, unternehmerische Strukturen und Ressourcen, die weit weit außerhalb aller Möglichkeiten des Rennsports angesiedelt sind.

 

Das vergessen die allfälligen Kritiker gern, und zwar, weil sie von all diesen Realitäten und Logiken noch weiter entfernt sind, als die Politiker.

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Kommentare: 25
  • #1

    HGTölke (Freitag, 11 November 2011 10:48)

    Nur mal eine Frage, waren Sie es nicht, der die Besteuerung an der Quelle so vehement gefordert hatte?Jetzt bedeutet diese das Ende? Ich gratuliere zu diesem Weitblick!
    Die momentan abzuführende Besteuerung beläuft sich übrigens auf 0,66%.
    RWLSteuer = 16,66% vom Umsatz.
    16 für die Pferde.
    0,66 für die anfallenden Kosten bei der Finanzverwaltung.

  • #2

    di (Freitag, 11 November 2011 11:18)

    wenn die steuer nicht mehr zurück gezahlt wird, dann ist das so.

  • #3

    der da oben ist übrigens (Freitag, 11 November 2011 11:27)

    ihr freund maitre, werter blogger.

  • #4

    di (Freitag, 11 November 2011 11:31)

    ahhhhh, maitre! wer mag das sein, ein herr hinrich georg tölke? nie gehört, nie gesehen. aber ein spitz-pass-up.

  • #5

    kassandro (Freitag, 11 November 2011 12:44)

    Blücher, parlo & Co hauen auf den DVR und sie lieber Schmelz auf den HRC ein. Der Grund ist in beiden Fällen derselbe. Die einen wollen in Köln und sie in Hamburg mitmauscheln, aber weil man sie nicht lässt, machen die dortigen Herren gleich alles falsch. Früher als man ihnen auch in Köln die kalte Schulter zeigte, war dort auch in ihren Augen alles schlecht. Geändert hat sich seitdem nicht viel. Trotzdem ist das, was unter Halm einst so übel war, unter Tiedtke plötzlich herrlich und gut. Ich bin von solchen Postenambitionen frei und habe mich deshalb mit Kritik an obigen Institutionen sehr zurückgehalten und viel leiber deren Kritiker kritisiert. Wenn natürlich mal ein Bock geschossen wird, dann helfe auch mit, einen ordentlichen Proteststurm zu entfesseln. Beispielsweise in der Video-Angelegenheit. Dort hat ihr Freund Tiedtke wirklich großen Mist gemacht, indem er die unentgeltliche Initiative eines Fans, dem Sport mehr Medienpräsenz zu verschaffen, niedergewürgt hat. Er hat dann auf den Proteststurm erfreulich zügig mit einer eigenen Initiative reagiert, die allerdigns mittlerweile fast völlig wieder eingeschlafen ist. Zurück bleibt ein Totalschaden der Marke Tiedtke. Baden Racing zeigt unterdessen wie man es richtig macht. ALLE Iffezheimer Rennen werden in guter 720p Qualität auf Youtube präsentiert.

  • #6

    rühl (Freitag, 11 November 2011 16:16)

    der Untergang im Sport war und ist schleichend, zuviele Köche,haben den Brei verdorben.
    Die Schuld beim Gesetzgeber zu suchen ist einfach und außerdem falsch.
    Die Zukunft für den Sport erfordert neue Strukturen,
    vielleicht mit Frankreich,( siehe Belgien /Schweiz )
    Die Hoffnung stirbt zuletzt!

  • #7

    kassandro (Freitag, 11 November 2011 18:20)

    Ich bin nicht so pessimistisch. Insgesamt geht es hier um relativ kleines Geld. Herr bilanziert weiter unter Erträge aus dem Wettgeschäft von 7,8 Mio. €. Hinzu kommen noch Einnahmen aus TV-Rechten und Buchmacher-Sponsoring, die dann natürlich ebenfalls wegfallen würden. Insgesamt liegen die Gesamterträge aus der Wettecke wohl unter 12 Mio. €. Bei einem Verbot der Auslandsvermittlung - Germantote würde für Deutsche Bahnen ebenso wie Winrace erhalten bleiben - würden von diesem Geld wahrscheinlich noch 5 Mio. € übrig bleiben. Insgesamt also ein Schaden von so 7 Mio € pro Jahr, was aus der Sicht des Sport-Sponsorings eher kleines Geld ist. Alleine die Trikot-Werbung des FC Hollywood dürfte das Doppelte oder gar das Dreifache bringen. Die Firma Henkel könnte so etwas beispielsweise aus der Portokasse ihres riesigen Werbeetats bezahlen.

  • #8

    j.w. (Freitag, 11 November 2011 20:11)

    rechnen sie einfach mal alle offenen + verdeckten subventionen dazu, kassandro, dann kommen sie auf schon beachtliche zahlen. dazu kommt, das der sport und die zucht hierfür bei interessierten zwar als "kulturgut" firmiert, praktisch aber eigentlich absolut überflüssig ist. für 90 oder 95 % alles in frage kommenden. liest sich bestimmt nicht recht optimistisch, ist aber so. wetten kann die bagage heute überall über das internet. und das sogar auf rennen die andere subventionieren ...

  • #9

    kassandro (Freitag, 11 November 2011 20:49)

    Diese offenen + verdeckten subventionen stehen ja nicht zur Debatte. Hier geht es ausschließlich um die Verluste, die aus einem Verbot der Auslandsvermittlung erwachsen würden. Wenn es dem Staat gelänge die Internet-Zockerei im Ausland tatsächlich zu verhindern, würde sich die Pferdewette im Inland wieder deutlich erholen. So ein Szenario ist allerdings schwer vorstellbar.

  • #10

    Kinderclub (Freitag, 11 November 2011 21:03)

    Das hat etwas.
    Der Staat bremst die Internetzockerei ins Ausland aus, keine Chance mehr für den Wetter, auf englische, irische, französische Hochkaräter zu zocken, dafür dann der (froh-) lockende Agl. IV GAG+14 in Bad Harzburg.
    Ich klopf mir auf die Schenkel.

  • #11

    alles hausgemacht (Freitag, 11 November 2011 22:50)

    Noch vor 10 Jahren wurden auch ohne „Abteilungen von Spezialisten“, „unternehmerische Strukturen und Ressourcen“ Umsätze erzielt, von denen man heute nur träumen kann. Doch man hat sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Ist nicht mit der Zeit gegangen.

    Je mehr die Umsätze runtergingen, desto mehr wurden die Abzüge erhöht. Und das Resultat ist eben, dass die Leute mehr über Germantote bei der PMU wetten als auf deutsche Rennen.

    Dazu kommt der glorreiche Vertrag mit den Buchmachern, die bei höherer Vermittlung weniger für die Bilder zahlen brauchen. Dies sorgt in schöner Regelmäßigkeit für Platzquoten von 10:10, weil die Bookies große Summen auf sichere Platzpferde platzieren. Dies vergrault dann auch noch die letzten verbliebenen deutschen Zocker.

  • #12

    Peter (Samstag, 12 November 2011 00:28)

    Die können verbieten oder regide besteuern, was sie wollen. Bevor ich nur eine Kopeke in einen unattraktiven Pool eines Amateursports im eigenen Land wette, hack ich mir ne Axt ins Bein.

  • #13

    Neu im Rennsport (Samstag, 12 November 2011 01:48)

    und ich möchte in meinem Europa exakt so wetten wie der Ire, der Schotte, der Engländer....
    und was das restriktive Internet angeht, da setze ich voll und ganz auf unsere ach so tapferen Piraten....
    jagt die Dr.Dr. Mehrins, die Dr.Dr. Schmutzibuckels, jagt die ganze gelbe Kotze zum Teufel, auf Nimmerwiedersehen!!!!!

  • #14

    di (Samstag, 12 November 2011 07:42)

    es geht nicht um verbieten, es ginge um verhindern. aber das ist natürlich schnee von gestern, wie alles vergangene vom verpaßten internet etc. nunc est bibendum. wer ansonsten die racebets 4 mio plus deren erträge ausgleicht, kann das gerne machen. vor allen dingen diejenigen, die ansonsten höchstens und murrend eintritt zahlen, aber sonst nix. im moment gehen gerade die wiedergänger durch die lande - mehr werbung, mehr fernseh, mehr prominenz, mehr biathlon. mehr schwachsinn.

  • #15

    Vielleicht könnten wir ja die Rennen (Samstag, 12 November 2011 09:55)

    aufpeppen, indem wir Extras einbauen, wie Schiesseinlagen auf laufende Feldmarschälle. Die Strafsekunden müssen dann aber bei Galopp-Sieger genauestens registriert werden und die Umrechnung der Rennpreise in Taler und Reichsmark muss auch reibungslos funktionieren

  • #16

    KurfürstFW (Samstag, 12 November 2011 10:21)

    Was wäre denn, wenn nur die bisherige zentral gesteuerte Vereinsmeierei zugrunde geht und ein Buchmacher finanziertes System a'la GB entsteht ?

  • #17

    rühl (Samstag, 12 November 2011 12:45)

    Kurfürst FW
    bestimmt nicht wünschenswert, England gibt bei 16 Mrd. Wettumsatz 600 Mio. € an den Rennsport zurück, Frankreich bei 10 Mrd.€ dagegen -3 Mrd. €-"

  • #18

    Verbraucherschützer (Samstag, 12 November 2011 13:59)

    Wenn es um das Geld des Wetters geht, sollte er da wetten, wo er die besten Rahmenbedingungen trifft.

    @ rühl
    ..und wenn die Rahmenbedingungen für den Wetter in England besser sind als in Frankreich, sollte er sein Geld in England anlegen.
    Wenn Sie den Besitzern und Züchtern ihre Interessen zugestehen, sollten Sie dies für den Wetter auch respektieren.

  • #19

    ad alles hausgemacht #11 (Samstag, 12 November 2011 14:22)

    der glorreiche Vertrag mit den Buchmachern ... Dies sorgt in schöner Regelmäßigkeit für Platzquoten von 10:10
    Heute Bremen: 2.R, Germantote.de, 12 St., S-Evtl. 16,53,866 -> Pl. 10,10,10; Zw.58, 3er: 1593 sowie 4.R, GermanRacing.com, 10 St., S-Evtl. 15,96,392 -> Pl. 10,10,10; Zw.70, 3er: 1101
    mit solch Toten .com ich nix zum Racing

  • #20

    KurfürstFW (Samstag, 12 November 2011 15:19)

    @rühl, es ist doch nicht die Frage wie es in Fra funktioniert, das ist ja gar nicht die Alternative ! Frühstens wenn sich mal ein Buchmacher ins französische Geschäft versucht einzuklagen, wird man sehen. Ich rede nur von der vorhandenen Situation und der sich durch den GSV neu ergebenden Situation. Und da funktioniert das System in GB doch ganz gut (heute wieder gutdotierte Rennen auf 6 Bahnen). Ja und ich weiß das auch der Galoppsport in GB seine Probleme hat. Aber die gibt es eben weltweit.

  • #21

    rühl (Samstag, 12 November 2011 16:25)

    Kurfürst, da können Sie ruhig weiter träumen, Frankreich vergibt Lizenzen und damit basta.
    Hoffentlich lernt man in Deutschland aus dem Konzept Frankreich, trotz Öffnung des Marktes hat die PMU einen Umsatzzuwachs von 7,7%. Das sind Fakten und man sollte sie anerkennen ,auch wenn man es von Ihrer Warte aus, nicht gerne sieht. Die Aktiven ,/Rennvereine, /Besitzer , /Züchter sind die Nutznießer dieser Regel und auch der Staat ist mit seinen Steuereinnahmen zufrieden.- Der einzige Nachteil-- für Wenige --, es gibt keine Buchmacher in Frankreich.
    Aber damit kann man in Frankreich gut leben.

  • #22

    donvito (Samstag, 12 November 2011 18:39)

    das einzige, was sie vergessen ist: frankreich ist nicht deutschland. eigentich gar nicht sooo schwer auseinanderzuhalten.

  • #23

    rühl (Samstag, 12 November 2011 19:59)

    donvito,
    ich habe Kurfürst geantwortet, richtig lesen ist doch garnicht sooo schwer, oder ?

  • #24

    donvito (Samstag, 12 November 2011 22:44)

    ach so rühl, wusste gar nicht, dass man sie dann nicht ansprechen darf. ok, ihro würden, ich werde mich demnächst zusammenreissen, wenn durchlaucht seine elaborate, die sich zwar thread für thread wiederholen, hier zum besten plaudert.

  • #25

    rühl (Sonntag, 13 November 2011 07:11)

    ist auch besser so.