Bayrisches Zuchtrennen

Wo beginnen mit den Jubeladressen und Glückwünschen? Und dabei hatte alles so unverfänglich begonnen an jenem letzten Sonntag im Juli, auf dem Flughafen Fuhlsbüttel, als es draußen wie aus Eimern schüttete in Hamburg bei 14 Grad, und unterwegs das Wetter nicht richtig besser wurde, aber bereits der Flughafen Franz-Josef (Seppl) Strauß viel trockener war, und erst in der S-Bahn, wo es fast schon warm wurde, und dann am Bahnhof Riem, da war es Sommer. Es drängten sich Hundertschaften auf dem Perron, dann ging es einen Treidelweg längs der Gleise nach, hin zu einer Schranke, die zu war, bzw. unten, weil eine Draisine vorbei kam, eilig und hurtig. Schnell drängelten die Rennbahnbesucher dann auf die Bahn, wegen dem Kaffee umsonst, von dem wir aber keine einzige Tasse getrunken haben, sondern etwas Ayinger Hell Bier.

 

Sattelplatz unbekannt, Eintrittskarte gab es trotzdem, und dann herrschte da das große Gedränge und Geschiebe auf dem Rennplatz München-Riem. Den hatte ich schon mal besucht, einmal, vor etwa 30 Jahren, und daher fuhr uns dann Herr Gervai jun. zum Flughafen, dessen Vater damals die große Jockeynummer in Riem war, zu Zeiten von Telemach und Co. Seine große Stunde war der Preis von Europa, mit Pawiment, zu über Tausend, als der Wind eisekalt um die Ecken in Köln Weidenpesch pfoff, und Nebos, der große Nebos, tapfer kämpfte nach dem Arc.

 

Gestern war kein Nebos dabei, aber trotzdem gab es ein buntes Programm, und man konnte ganz oben auf der Galerie bzw. dem Balkon stehend den Blick schweifen lassen über eine Anlage von imposanter Großzügigkeit und Gepflegtheit, so das man fast das Eisen Vier rausgeholt hätte, so tadellos geschoren waren die Grüns. Aber auch das Geläuf, das muß man sagen, ein märchenhaft flauschiges Geläuf, grün und breit, und ein richtig üppiger Einlauf, der so manchen schon zu voreiligem Handeln verleitet hat, aber das Ziel steht weit hinten.

 

Das Rennen war nach Drehbuch, obwohl vor dem Rennen die Stute Elle Shadow wuchtig wie ein Kerl und massig daher schritt, mit dräuendem Blick, nichts Gutes im Schilde führend, während der Ire Famous Name etwas weniger klotzig daher kam, mehr drahtig und angefasst, und Russian Tango sah wieder besser aus als in Hamburg, sehr viel kupferfarbenes Pferd und ziemlich gelassen. Durban Thunder war etwas feucht hinter dem Sattel, und stand auch leicht zehenfüßig und kribbelig im Ring, aber nichts Besonderes bei dem Pferd. Trotzdem, die Stute hielt ich für nicht schlagbar, zu imperial erschien sie mir. Aber das Rennen, wie gesagt, lief für Messrs. Durban Thunder & Co. wie gemalt schon im ersten Bogen, als sich die beiden Favoriten weit dahinter einreihten, zu weit für meinen Geschmack, denn wer kann gegen Durban Thunder 8,9 Längen aufholen, auf seiner besten Distanz, ohne Hindernisse und auf gutem Geläuf? Niemand, wie abzusehen war. So entwickelte sich das Ganze wie ein Film von Anfang bis Ende, und auf einem schönen Photo sieht man den Trainer des Siegers im Innenraum auf Zielhöhe, die Arme im Jubel gereckt, davor das Pferd bereits verhalten, der Jockey gelassen im Bewusstsein, eine sehr gute Arbeit gewissenhaft erledigt zu haben.

 

Dann kam der Jubel und die Freude, und am meisten haben sich mit uns und mir speziell Herr Weller und sein kleiner Hund und Herr Smrczek gefreut, je gesondert, einer aus alter Verbundenheit, der andere aus schierer Freude über die Tatsache, daß die Kleinen auch mal gewinnen, und nicht immer nur die Großen. Beide, weil sie Pferdeleute sind. Dazu Dutzende vor Ort und weiter weg, persönlich und telegraphisch elektrisch, so viele, daß man sie nicht zählen kann und einzeln erwähnen, aber alle zusammen als dann doch wieder große Familie des Rennsports, die alle von diesem faszinierenden Sport und diesen faszinierenden Tieren angerührt und zusammen geschweißt werden. Dermot Weld war da, der große Trainer aus Irland, der Trainer von Famous Name, der sich mit uns vor dem Rennen unterhielt und danach, gracious in defeat, eine Ehre der besonderen Art und ein tolles Erlebnis. Der Münchener Rennverein hatte seine besten Leute aufgeboten, alle drängten in den kleinen Empfangssaal zum Schampus, es wurden Reden gehalten und Grußadressen auf deutsch und englisch gehalten, und alle summten und brummten aufgeregt und ausgelassen durcheinander.

 

Aber im Ernst, so ein Tag hat enorm viel Potential zum Aufpulvern, wenn man dem Sport verbunden ist, und solange noch ein Groschen übrig ist, wird man weiter machen, in Erinnerung daran und den Glauben, daß sich so was wiederholt eines schönen Tages. Es hat in unserem Fall immerhin 12 Jahre gedauert mit der Gruppe I, fast auf den Tag, seit Belenus den Preis von Europa gegen Hibiscus in dieser denkwürdigen Schlacht die Gerade runter gewonnen hat, Kevin Woodburn gegen Andrasch Starke, und daran sieht man auch, was für ein Reiter der Extraklasse das ist. Wie auch Terence Hellier, der dem Pferd ein Rennen serviert hat mit genau den kleinen Hühs und Hotts, die man unterwegs von außen kaum sieht, die aber das Luftholen ermöglichen und die die Struktur des Rennens ausmachen, ohne die es nicht geht. Aber gestern war die Krönung, weil für den kleinen Stall Tinsdal mit seinen wenigen Leuten das ein eigenes Pferd ist, von einem von uns gezogen und aufgezogen, und seit Fohlen Tagen das Prunk- und Schmuckstück der Veranstaltung. Hat bis jetzt alles in allem 6 Jahre Beschäftigung bedeutet, und es ist die schönste Beschäftigung der Welt, wenn sich so was wie gestern ereignet.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Freunden und Gratulanten, bei Manuela Sohl und Hannes Gutschow, Torsten Mundry und Frau und allen am Stall und Terence Hellier und Herbert Engels, seinem treuen Reisebegleiter. Wir bedanken uns auch beim Münchener Rennverein, der ein großzügiger Gastgeber war, und der das Geläuf in so hervorragendem Zustand hergerichtet hat. Und wir bedanken uns bei Herrn v. Gumppenberg, der Durban Thunder 100 Kilo gegeben hat. Das ist ne Menge Holz und Verpflichtung, und wir hoffen, daß das Pferd dem auch in Zukunft gerecht wird.

 

PS: Das Pferd wird bei racebets für den GP von Baden angeboten. Da wird er aber nicht laufen.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 40
  • #1

    1 (Montag, 01 August 2011 17:17)

    Nur mal kurz testen,
    wie es sich anfühlen könnte
    erster zu sein :-)

  • #2

    Über den Wolken mit der AirHorseOne (Montag, 01 August 2011 19:01)

    Tja, demnächst also mit
    dem Helikopter nach Ascot
    und nicht mehr im InterRegio
    nach Wambel
    Einer flog übers Nähkästchen...

  • #3

    di (Montag, 01 August 2011 19:20)

    ach was, wir reisen immer so, wie es sinn macht. nach münchen macht nur flugzeug sinn, nach hooksiel nur fahrrad. bad harzburg ist was für leidenschaftliche autofahrer, bad doberan auch. köln zug.

  • #4

    Basalt (Montag, 01 August 2011 19:25)

    Üble Nummer von RaceBets ständig Pferde zum Festkurs anzubieten, die für das entsprechende Rennen gar keine Nennung haben. Grenzt schon fast an Betrug!

  • #5

    di (Montag, 01 August 2011 20:10)

    er hatte eine, ist aber heute rausgenommen worden. daher der hinweis.

  • #6

    TT (Montag, 01 August 2011 20:12)

    Quatsch Betrug.
    Wer Langzeitwetten bzw. Festkurse wettet, muß damit rechnen, dass ein Pferd eventuell nicht läuft. Das ist Berufsrisiko oder Wettrisiko sozusagen.

  • #7

    TT (Montag, 01 August 2011 20:16)

    der Hinweis ist auch ehrenwert, damit Schlaumeier wie Basalt nicht auf die Idee kommen, sich hinterher zu beschweren, dass DT nicht läuft und der unverschämte Wettanbieter dafür doch trotzdem glatt Kurse anbietet.

  • #8

    Basalt (Montag, 01 August 2011 20:34)

    lassen Sie mal die Bemerkung, das ist nicht das erste Mal, dass das passiert. In letzter zeit sind da schon merkwürdige Angebote gekommen, vor Allem bei eigenen Pferden, die dann auch NS waren.

  • #9

    Godophin (Montag, 01 August 2011 20:35)

    Herzliches Gratula an alle Beteiligten.

  • #10

    j.w. (Dienstag, 02 August 2011 13:47)

    es war ein doch wirklich gelungener renntag. auch wettermäßig, was man am freitag eigentlich nie glauben wollte. und dann noch der sieg !!! nur eine kleinigkeit werde ich ihnen beim nächsten mal noch zeigen. speziell jetzt als gr.1. triumphator dürfen sie den führring auch durch dessen "haupteingang" betreten :-)

  • #11

    di (Dienstag, 02 August 2011 14:28)

    ich habe doch keinen gültigen ausweis mehr, da gehe ich dann lieber durch den lieferanteneingang. mein ausweis ist blau und zehn jahre alt. der neue ist grün.

  • #12

    Man spart wo man kann, (Dienstag, 02 August 2011 15:45)

    dafür lieber mal einen guten Tropfen leisten :-)

  • #13

    TT (Mittwoch, 03 August 2011 09:34)


    @basalt #8
    das bestimmen nicht Sie, was zu lassen ist.
    Wer schlau sein will, fällt auch nicht auf Festkurse für Nichtstarter rein.
    Egal welcher Wettanbieter welche Pferde anbietet.
    Sie wissen doch sonst auch immer so gut Bescheid und belehren so gerne insbesondere was Haras in France angeht;-)

  • #14

    kassandro (Mittwoch, 03 August 2011 10:01)

    Hamburg - Hooksiel mit dem Fahrrad ist eigentlich nicht schlecht für einen Riesling-Fan. Das ist zwar flaches Land, aber an der Küste bläst des öfteren ein ordentlicher Wind und so einer kann im Gegensatz zu einem ordentlichen Berg sehr frustrierend sein, denn bei einem Berg weiß man was man geschafft hat, beim Wind nicht.

    Was die Festkurse auf Nichtstarter angeht, muß ich TT voll recht geben. Als Ausgleich für das Nichtstarter-Risiko bekommt man höhere Quoten. Wer auf DT mit Festkursen wettet, sollte auf jeden Fall diesen Blog verfolgen, denn Herr Schmelz informiert schon lange im voraus, wo ernste Startabsichten bestehen. Das war auch beim Münchner Start so.

  • #15

    erbarme (Freitag, 05 August 2011 20:13)

    Der Allerschlaueste versucht sich mal wieder an einer
    Milchmädchenrechnung.

  • #16

    unter dem Tellerrand (Freitag, 05 August 2011 21:49)

    Ganz schön borniert,der Kerl.
    Ob es wohl Leute gibt,die aus anderen gründen ihren
    Lottoschein ausfüllen ?

  • #17

    rubicon (Freitag, 05 August 2011 22:03)

    Leute gibts !:-)

  • #18

    chanson d'amour (Freitag, 05 August 2011 23:17)

    Danke Parlo,Topo wird Dir ewig zu füßen liegen.
    Sachen gibts:-)

  • #19

    fürchterlich (Freitag, 05 August 2011 23:37)

    Wen interessieren diese Primzahlen ?

  • #20

    Letzte Disposition (Samstag, 06 August 2011 08:16)

    Durban Thunder evtl. nach Down Under

  • #21

    ... (Samstag, 06 August 2011 08:29)

    Australien würde ihm sicher gefallen

  • #22

    TT (Samstag, 06 August 2011 08:30)

    Die ganze Rechnerei von dem Mathematiker hat einen Haken.
    Die Platzeinsätze lassen sich eben nicht so einfach von den Siegeventualqauoten ableiten, wie er vorgibt.
    Ein Favorit wird eben von vielen nicht Platz gewettet, weil es sich vermeintlich nicht lohnt. Dafür wird dann eher einer gesucht, bei dem es sich lohnen könnte, der eine eher hohe Siegquote hat und deshalb auch eine hohe Platzquote vermutet wird.
    Das einzg Richtige an der Rechnerei ist, dass die Platzquoten allgemein steigen, wenn der Favorit raus ist.
    Die ganze Rechnerei bezüglich der Quoten ist eh immer nur graue Theorie, weil es viele Wetter gibt, die in kein mathematisches Schema reinpassen, weil sie nach Zahlen, Namen oder Aussehen wetten.

  • #23

    was er wohl denken mag (Samstag, 06 August 2011 08:32)

    wenn er zum ersten mal Kängurus in Augenschein nimmt

  • #24

    Die Besitzer (Samstag, 06 August 2011 08:38)

    sollen sich nach Durban Thunders Sieg sehr gefreut haben

  • #25

    durban thunda (Samstag, 06 August 2011 08:44)

    we do love this horse

  • #26

    Auch Herr Göntzsche (Samstag, 06 August 2011 08:51)

    hatte alle Rennsport Interessierten auf der Krefelder Rennbahn sofort vom Sieg Durban Thunders unterrichtet und noch einmal darauf hingewiesen, dass Letzterer in Hamburg-Rissen am Elbestrand groß geworden ist.

  • #27

    Göntzsche (Samstag, 06 August 2011 09:04)

    ein Tinsdal Fan


  • #28

    Ritt des Monats (Samstag, 06 August 2011 12:28)

    Hab gehört der Ritt von Hellier wurde für die Wahl zum Ritt des Monats von Turf Times ausgewählt. Verdient hätte er es.

  • #29

    kassandro (Samstag, 06 August 2011 13:03)

    Auch im Tippspielform stand Helliers Ritt zur Wahl und er hat keine meiner 3 Stimmen bekommen. Er hat Durban Thunder für meinen Geschmack einfach zu viel geprügelt und das hat kaum etwas gebracht. Bei DT bringen wie bei vielen Frontrennern Schläge kaum etwas. Loben muß man an Helliers Ritt, daß er im Schlußbogen sehr schön beschleunigt hat, als die Favoriten am Ende des Feldes nichts machen konnten.

  • #30

    loben und prügeln (Samstag, 06 August 2011 13:31)

    soll im Harz an der tagesordnung sein.

  • #31

    Experten Fachmann (Samstag, 06 August 2011 13:35)

    Man sollte sich nun vermehrt über Durban Thunders züchterische Perspektiven Gedanken machen.

  • #32

    papas großer bruder (Samstag, 06 August 2011 15:56)

    Jetzt schon?

  • #33

    hört sich gut an (Samstag, 06 August 2011 16:00)

    was kostet die denn.
    forum der ahnungslosen.

  • #34

    BBAG Vollblut spezial &horse power (Samstag, 06 August 2011 17:35)

    kannste haben .ruf dd an:-)

  • #35

    mülheim lady (Samstag, 06 August 2011 18:46)

    Das Magazin liegt in und um BB überall kostenlos aus.

  • #36

    donvito (Samstag, 06 August 2011 20:15)

    kassandro hat keine seiner drei stimmen an hellier gegeben. sowas aber auch. da wird der hellier aber besonders traurig sein wenn der kompremierte sachverstand ihn nicht bedacht hat. mensch da muss es geraucht haben unterm fahrradhelm.

  • #37

    Neu im Rennsport (Samstag, 06 August 2011 20:36)

    ich weiß sehr wohl, an wen meine drei Stimmen für den unappetitlichsten Vollpfosten hier gehen, da gibt es keine Qual der Wahl

  • #38

    #37 (Samstag, 06 August 2011 20:42)

    An den Dr. ?

  • #39

    kassandro (Samstag, 06 August 2011 23:47)

    Der Vollpfosten hat es natürlich wie weiland Adenauer gemacht und sich selber gewählt. Im Gegensatz zu Adenauer hätte es aber der eigene Stimme gar nicht bedurft.

  • #40

    selbst hier (Sonntag, 07 August 2011 07:53)

    blicken sie nicht durch

    aber gegen Dummheit kämpfen selbst Götter vergebens

    vielleicht hat der liebe Gott sie trotzdem ein wenig lieb