Wirrköpfe

Nun kann der Münchener Rennverein e.V. endlich richtig Kasse machen, wie die SZ vermeldet. Das ist auch dringend nötig, weil die Resterlöse aus dem ersten Grundstücksverkauf von € 700.000 leider alle sind. Es sollen nun also noch mal 40-50 ha verhökert werden, nicht benötigte Ländereien, wie es so schön heißt. Damit hat das Lebenswerk des umtriebigen Chefnazi Christian Weber, welches hier schon mal kurz beleuchtet wurde, doch noch ein positives Ende gefunden. Fernwirkung von staatlichen Subventionen. Ein mittlerer Millionenbetrag soll zur Debatte stehen, oha. Non olet. Aber letztlich profitieren wir alle davon, das ist auch wahr. Man sollte es nur wissen.

 

Während in Köln böse Geister den lieben Rennsportfans das live Sehen der Rennen verderben wollen, wenn man aufgeregten Schreibern in Foren glauben darf, vorneweg Herrn Rumstich, der sich mächtig echauffiert. Aktivieren der Aktiva nennt man das, also das Verkaufen der Bilder z.B. an Dritte wie Buchmacher, eine lang ersehnte Einnahmequelle, bis man feststellte, daß es die Kunden der Buchmacher sind, die das am Ende bezahlen. Wer auch sonst? Der Kunde soll für die Ware bezahlen, unerhört! Wenn man sich schon nicht selbst am Rennsport aktiv beteiligen will, dann wenigstens für lau ankucken. Es dient ja schließlich einem guten Zweck, nicht wahr, denn jeder Fan, der zwar nicht wettet, sondern nur so nebenbei den Bildschirm laufen lässt, ist ein gewaltiger Pluspunkt in der Bilanz des Not leidenden Sports. Aber wahrscheinlich werden die Gelder schnurstracks in die Taschen gieriger Berater in Köln geleitet, erzähl mir doch nix!

 

Und dann die großmächtige Enthüllungsstory des Herrn Dr. Richter, Aachen. Die Bodenwertangaben aus Hamburg sind gefälscht worden, so sein petitum, denn der Boden war nicht 4,2, sondern mindestens 6. Weil das Harro Remmert gesagt hätte und Peter Schiergen gesagt hätte und noch diese und jene. Und um das ganze auch statistisch zu untermauern - Zahlen lügen bekanntlich nicht – hat er großflächige Kolonnen an Zahlen und Zeiten zusammen kompiliert, um dem Ganzen noch mehr Schwung und Rasanz zu verleihen. Und zu dieser aufgeplusterten Wissenschaftshuberei klatschen seine Spießgesellen Beifall.

 

Wenn es nun nicht so gewesen wäre, daß die Rennleitung just die veröffentlichten Werte gemessen hätte, mit dem dafür vorgeschriebenen Gerät und der simplen Prozedur, also einem Gewicht in das Erdreich, einem Gewicht von definiertem Gewicht, definiertem Design, aus definierter Höhe. Das wird dann als Eindringtiefe in cm gemessen. Kann ein guter Mann schaffen. Das ist das Procedere, welches die RO vorschreibt, aber damit wird nun lediglich die Viskosität des Bodens beschrieben, nicht aber seine Morphologie. Die aber war im Eimer, um die ging es. Der Boden war durch die mechanische Beanspruchung der Rennwoche aufgewühlt und aufgelockert, darunter aber durchaus so hart bzw. weich, wie offiziell beschrieben. Das war ein Manko, aber nicht durch den Bodenwert zu beschreiben. Dazu kamen die beiden Walzenbreiten innen, die bis zum Derbytag ausgesteckt waren. Die waren naturgemäß besser. Das konnte man mit bloßem Auge sehen.

 

Jedenfalls wird wieder eine große Verschwörungstheorie gestrickt, zu Lasten der kleinen Leute, zu Gunsten einer nicht näher definierten Kaste von Profiteuren, die irgendwie nur Schlechtes für den Rest wollen. Daß diese Theorie völliger Unfug ist, tatsächlich nicht gestützt wird, vom Urheber nicht vor Ort überprüft, ohne Motivation daherkommt, Alles scheißegal. Hauptsache, der Finger wird in eine selbst verursachte Wunde gelegt.

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Kommentare: 12
  • #1

    Richard (Donnerstag, 28 Juli 2011 09:18)

    Wahn, Wahn, überall Wahn

  • #2

    Dr.Dralle (Donnerstag, 28 Juli 2011 10:37)

    man kann diese völlig verblüffende, quasi-esoterische Bodenangabebetrachtungen an ungeraden Werktagen ohne Vollmondbeeinträchtigung nicht so ohne weiteres schlichtweg verwerfen

    ich erinnere an die Langzeitstudie über den trügerischen Einfluss der Kappenfarbe in außereuropäischen Turfregionen, die von Ignoranten bis heute angezweifelt und belächelt wird

    die mittlerweile gesicherte Erkenntnis, dass Jockeys mit blauer Kappe ungleich häufiger im Endkampf sind als Jockeys ohne Kappe, wurde bis weit in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts rigoros mit Nichtwissen sogar von promovierten Experten bestritten

    Lesebemühungen von Enthusiasten im Kaffeesatz haben durchaus ihre Berechtigung und sind tunlichst mit Respekt zu beachten

  • #3

    kassandro (Donnerstag, 28 Juli 2011 10:44)

    Es kommt selten vor, aber was die Youtube-Sabotage des DVR angeht, muß ich ihm voll und ganz recht geben. Hier geht es ja nicht um Liv-Videos, nur für diese gibt's Geld, sondern um solche, die frühestens einem Tag nach dem Ereignis auf Youtube eingestellt werden. Mit solchen Bilder können sie keine Mark verdienen, das wissen sie ganz genau, aber man kann mit diesen sehr gut noch Werbung für den Galoppsport machen. Viel besser als mit einer teuren Dauerwerbesendung auf einem drittklassigen Sender. Ich verlinke z.B. solche Videos auf der Wikipedia-Seite des Deutschen Derbys:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Deutsches_Derby_(Galopprennen)&action=edit&section=5
    Das ist die Medienpräsenz von Morgen, die Leute von gestern wie sie oder Herr Tiedtke freilich nicht begreifen können.

  • #4

    Dr. Dralle (Donnerstag, 28 Juli 2011 16:59)

    die gemessene zeit eines pferderennens beschreibt das zeitintervall (inter vallos = zwischen den pflöcken) zwischen boxenöffnung und imaginärer ziellinie, bezogen auf das siegerpferd

    die siegerzeit ist u.a. abhängig von den äußeren bedingungen, wie temperatur, luftdruck, luftfeuchtigkeit, windstärke, bahnspezifischen einflüssen, wie kursführung, aufzusummierende höhendifferenzen zwischen start und ziel, beschaffenheit des untergrundes, allgemeine geläufsqualität, beschaffenheit der grasnarbe, eindringtiefe des bodens, adsorptionsvermögen des bodenkorns, allg. tragfähigkeit, rennspezifischen gegebenheiten, wie zu tragendes gewicht, position im rennen, rennverlauf, abweichung von der ideallinie, behinderung durch andere pferde, lage im windschatten, kräfteverzehr bedingt durch mehrfache positive wie negative beschleunigung, zusammenspiel zwischen reiter und pferd, allg. reitweise des jockeys, peitscheneinsatz, einflußnahme des jockeys auf den richterspruch, nicht-platzierung des eigentlich besten und schnellsten pferdes, warum auch immer, um nur einige wenige faktoren zu benennen

    die beschränkung auf nur einen parameter, unter auslassung der gesamtheit aller beeinflussenden faktoren, bei zudem zweifelhafter repräsentanz (ein penetrometer misst halt nur die eindringtiefe eines körpers in einen anderen), wird der komplexität eines rennens nicht gerecht

  • #5

    schön wäre auch noch die addierte zeit (Donnerstag, 28 Juli 2011 18:29)

    aller teilnehmer, multipliziert mit dem alter der jaockeys. trainer und besitzer, geteilt durch die zuschaueranzahl und das ganze in verhältnis zum wettumsatz gesehen. erst dann würde man wohl auf wirklich relevante zahlen kommen, die dann natürlich von parlo über die rennen auf allen bahnen verglichen werden müssten.

  • #6

    natürlich - a bei (Donnerstag, 28 Juli 2011 18:31)

    jockeys

  • #7

    hoppeditz (Freitag, 29 Juli 2011 08:41)

    meines wissens kann man den wassergehalt des bodens nur gravimetrisch ermitteln, differenzwägung nach zwischenzeitlichem erhitzen deutlich über 100 grad celsius

    ein penetrometerwert gibt darüber keine auskunft

    die wasserdurchlässigkeit (permeabilität) eines bodens kann rechnerisch über die kornverteilung angenähert ermittelt werden und wird über den k index f-wert ausgedrückt, der z.b. u.a. eine aussage über die güte einer deponieabdichtung trifft (lehm/deposil k (f) = 10 hoch minus 10)

    ein penetrometer hilft hier nicht weiter

    ebenso steht die niederschlagsmenge nicht in direkter proportionalität zum penetrometerwert

    für otto, den normalen verbraucher, erscheint dies alles recht schwer verständlich und nachvollziehbar

    von daher würde sich bei der angabe des bodenwertes, der nun einmal über die eindringtiefe angegeben wird, anbieten mit publikumswirksamen, emotionalen korrekturfaktoren zu arbeiten

    da bietet sich zum einen ein bahnzu- bzw. abschlag an, denn die bodenstruktur im horner moor ist sicherlich anders gestaltet als der boden am grafenberg

    ebenso ist ein völlig willkürlicher zu-/abschlag in erwägung zu ziehen, hier bietet sich das arithmetische mittel aus z.b. 10 kalt-/warmduschern, 10 kath./ev./musl. gläubigen an

    auch ist an einem kontinuierlichem zu-/abschlag zu denken, angelehnt am alkoholspiegel im blute, je nach witterung

    die interessen der aktiven gilt es natürlich auch noch zu berücksichtigen, extreme bodenangaben sind in der regel moderat zu dämpfen

    nachdenkenswert wäre allerdings auch die rückkehr zu grob qualitativen aussagen, wie gut, tief, klebrig, da mit messwerten die mehrzahl der in dieser beziehung unbedarften zuschauer überhaupt nichts anzufangen weiß

  • #8

    dölf (Freitag, 29 Juli 2011 09:00)

    aufgewühlt, aber fundamental, teilweise schmierlappig.

  • #9

    Neu im Rennsport (Freitag, 29 Juli 2011 09:35)

    ich habe die dämlichsten Kommentare zu diesem Thema anderswo gelesen

    Korrekte Bodenangabe ist nicht der gemessene Wert des Penetrometers, sondern schlicht und ergreifend:

    'Papa Charly hat gesagt!!!!!!!'

    für extreme Vollpfosten gilt (despektierlich) das schwerer gängige Hinterrad eines Rollstuhls außerhalb des Geläufs, bzw. der Verschmutzungsgrad des rechten Adidas-Schlappens eines Reisefuttermeisters beim Überspringen einer Pfütze vor der Gästebox, bzw. die Eindringtiefe eines Leichtgewicht-Jockeys mit Kappe im Führring, bzw. das Hörensagen von Volkesmund ungleich mehr als ein nachvollziehbarer gemessener Wert zu einer exakt ausgewiesenen Zeit

  • #10

    hoppeditz (Freitag, 29 Juli 2011 10:10)

    geologische schichtenverzeichnisse würden zudem aufzeigen, dass rennbahn nicht gleich rennbahn ist, geläuf nicht geläuf sein kann

    so bin ich mir sehr sicher, dass am grafenberg ein lehmig/tonig/sandiger untergrund vorliegt (nähe auch zur alten ziegelei), wohingegen in köln, ca. 40 km entfernt, das benachbarte rheinufer einen eher kiesig/sandigen untergrund vorgibt, deutlich strapazierfähiger bei extremer witterung, belastbarer bei hohen niederschlagsmengen

    so dürften die ausschläge des penetrometers in köln viel schmaler ausfallen, die niederschläge viel schneller vom boden verarbeitet werden



  • #11

    hoppeditz (Freitag, 29 Juli 2011 10:11)

    5,2 ist eben nicht 5,2 anderswo

  • #12

    auf jeden Fall (Freitag, 29 Juli 2011 21:47)

    weiß der Kölner Rennbahnverwalter,
    dass es bei Boden 3,8 viele Nichtstarter gibt
    daher ist in Köln -wetterunabhängig-
    in der Regel der Boden 4,3 oder 4,4