Hoppegarten

Selten so geirrt wie im Fall Gereon, zumindest gestern. Das Pferd sah bombig aus, aber in der Geraden ist er auseinander gefallen. Einfach so, ohne Gegenwehr. Da scheint was nicht zu stimmen, mutmaßlich im Kopf, aber wer will da reinkucken bei den Pferden.

 

Das soll aber die Siegerin nicht beeinträchtigen, die mit selten gesehener Überlegenheit die Gerade runter ballerte. Immerhin den Jahrgang getroffen, aber nicht das Geschlecht. Das Rennen war am Anfang ein Hundegalopp, so daß am Ende 2.33+ raus kamen, Schneckentempo kann man auch sagen. Trotzdem war es offenbar für Lucas Cranach immer noch zu schnell, denn der hechelte am Anfang Längen hinter dem Feld her, und bekam die Temposteigerung von Night Magic Ende Gegenüber erstmal gar nicht mit, so daß der Abstand noch größer wurde. Umso erstaunlicher, daß er am Ende für den zweiten Platz nur knapp geschlagen war. Form aus Hamburg bestätigt, wenn nicht gesteigert. Dito Sir Lando, der ein sehr solides Pferd ist. Die beiden aus GB können sich nicht beklagen, sie hatten es selbst in der Hand, aber waren nicht gut genug. Cavalryman ist ein kleiner drahtiger, aber mit etwas wenig Substanz, Dandino hingegen viel Pferd, aber wohl nicht ganz von der benötigten Klasse, wie auch die Leistungen zuvor zeigen. Scalo ist auch kein Riese, aber sehr harmonisch, und ein Ackerer, wie der heftig erackerte zweite Platz zeigt. Aber 7 Kilo mehr gegen die Siegerin Danedream gehen nicht. Night Magic hat durchaus Allüren nach Art der Diva, kapriziös von Anfang bis Ende. Gesattelt wird im Stall, Führring extraweit und spät hinter den anderen, Aufgalopp mit Aplomp, unterwegs offenbar mal so mal so. Schwer zu planen, wie man das Rennen angehen soll. Minarik wurde es dann zu langsam, mutmaßlich wohl mehr dem Pferd, aber dieser etwas heftige Zwischengalopp könnte am Ende den zweiten Platz gekostet haben. Wir haben auch überlegt, da mitzulaufen, aber es war bestimmt eine gute Idee, nicht den Hasen zu machen. Es wäre bestimmt ne Zeit von unter 2.30 rausgekommen.

 

Kurze Bemerkung zum Reiter: Andrasch Starke reitet seit 20 Jahren in der absoluten Spitze. Gestern konnte man wieder sehen, warum. Immer eine excellente Position im Rennen, und dann konsequent zu Ende geritten. Er weiß, was er hat, und was er kann. 

 

Der Jahrgang 2008 hat auch das Handicap gewonnen, Point Blank mit Steffi Hofer Start-Ziel. Auch hier gab es reichlich Kilos, insgesamt immerhin 8, oder sechzehn Pfund, die Empire Storm weggeben musste. Der insofern heroisch gekämpft hat, aber Handicap ist Handicap, was soll man machen. In dieser Klasse geht es nicht immer, sondern nur manchmal, wenn alles stimmt, und am Ende ist entscheidend, daß ein Pferd regelmäßig seine Höchstleistung bringt. Empire Storm macht das jedes Jahr, und ist mit viel Spaß bei der Sache. Kompliment an Züchter und Trainer und Reiter. Und natürlich an die Besitzerin, die seit langem zeigt, daß sie was vom Fach versteht.

 

Es waren ansonsten viele Leute auf der Bahn, wie fast immer in Hoppegarten, und alle sahen so aus, als ob sie wüssten, worum es geht. Die Menschen hier sind seriös am Rennsport interessiert, was schon mal die dreiviertel Miete ist. Es ist ein wichtiger gesellschaftlicher Termin, und daher wird sich auch entsprechend angezogen, mit Diplomatenfrack und gewagten Cocktailkleidern offenherzig. Leider trübt die Akustik den Genuß des Renntags, und zwar nicht nur die variable Lautstärke, sondern die Dauerberieselung mit Wort und Klang. Man kommt sich wie beim Radio vor, alles wird erklärt und animiert und beschrieben und informiert, und man kommt gar nicht Recht zur Besinnung. Und dazu lassen sie ihren besten Mann auf der Tribüne schmoren. Unverständlich, sehr unverständlich.

 

PS: Als Einstimmung auf Gloroius Goodwood ein serh schöner Artikel über Sir Henry Cecil im Independent.

 

http://www.independent.co.uk/news/people/profiles/henry-cecil-i-dont-like-to-be-defeated-ndash-beat-depression-get-on-2319955.html

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Montagsmaler (Montag, 25 Juli 2011 18:17)

    Gruss aus der ältesten Berliner Kneipe "Zur letzten Instanz"
    Sehr teurer Renntag gestern ...und ja zuviel Musik ,aber sonst okay. Sie sind aber auch immer dort wo die Musik spielt...

  • #2

    Cavalryman (Montag, 25 Juli 2011 19:19)

    bei Fabre Dritter im Arc und Gr.1-Sieger
    kann für Godolphin kein Listenrennen gewinnen
    jetzt Stockletzter
    ob sie ihn nun einmotten?

  • #3

    di (Dienstag, 26 Juli 2011 08:09)

    die Letzte Instanz war wie die Alte Försterei, eine Enklave der rebellischen und unangepaßten. Pils mit Stasi Grusel Gefühl und Bulette. Als Gast zu DDR Zeiten kam man sich fast wie ein Dissident vor. Aber nur fast.

  • #4

    Judge (Dienstag, 26 Juli 2011 09:29)

    Herzlichen Dank für diesen Link zu diesem großartigen Artikel!!!!