Hein Bollow erzählt Geschichten

Hein Bollow ist vor über Neunzig Jahren in Nienstedten geboren, und wie es sich für einen Mann seines Alters gehört, quietschfidel. Die Bühne für seine Vortragskunst stand am Wochenende im Gasthaus Zum Hirschen in Hügelsheim, und der doppelte Derbysieger unterhielt das Publikum von fruh bis spat. Eine Perlenkette von Anekdoten und Histörchen, alles sauber recherchiert in der Erinnerung des Meisters, und gekonnt vorgetragen, so daß keine Pointe verfehlt wurde und alles blitzte und funkelte und strahlte. Höhepunkt die Geschichte mit dem damaligen Außenminister Kinkel und Uwe Seeler und dem Segler Schünemann und noch einem Altvorderen des Hamburger Sports, Kaliber Max Schmeling. Und dem Kinkelschen Staatsgast Herrn Minister Cook aus Großbritannien, der in einem früheren Leben Sportjournalist war, wie Hein Bollow wusste und erzählte, wohingegen er, Hein Bollow, ja nun leider kein Englisch konnte, aber natürlich und trotzdem den Lester Piggott kannte und den Gordon Richards und den Dings aus Irland, also jedenfalls nach einer Viertelstunde hatten sich die beiden Rennsportfreunde innigst in eine Ecke verzogen, und von Herrn Minister Klaus Kinkel wollte überhaupt keiner mehr was wissen, und auch nicht von Uns Uwe, wie der Erzähler verschmitzt und hocherfreut berichtete. Was für ein Coup der bilateralen Außenpolitik! So ging das den ganzen Abend im Hirschen, und selbst Fangfragen meisterte dieser Wunderknabe der Erinnerung lässig. Wie hieß der Sieger im ersten Rennen auf der neuen Bult 1973? Ein paar Sekunden überlegen, dann ohne Schwanken: „Odenwald vom Gestüt Asta mit Peter Remmert, meiner!“ Stimmt natürlich.

 

Unseren kennt er sehr gut, weil er seit Jahrhunderten mit Hannes Gutschow befreundet ist, und deshalb begleiten alle Pferde, die von dieser Scholle stammen, die besten Wünsche von Hein Bollow. Mehr Unterstützung geht nicht. Nach dem Rennen dann, wenn er gerade nicht Ehrenpreise übergibt, nach dem Rennen sieht man ihn freudestrahlend im Fenster über der Waage nach unten grüßen, Freunde des Hauses mit besonders heimeliger Geste nebst Daumen hoch. Der beste Mann, den der Deutsche Rennsport je hervor gebracht hat.

 

Im Hirschen ist Spargelzeit, aber so langsam dauert die gefühlt von Weihnachten bis Nikolaus. Aber man kann die Spargelgerichte mit den verschiedenen Beilagen auch ohne den Spargel bekommen, z.B. die kleinen Hühnchen aus der Wantzenau, von gegenüber dem Rhein, dem Elsaß. Die werden nur gebraten, kroß, und mit Rosmarin gewürzt. Von einem Nachbarweingut www.weingut-kopp.com haben sie sehr schönen Grau- und Spätburgunder im Hirschen, beide wirklich sehr gut gemacht und schmackhaft. Diese Kombination mit dem Hähnchen war überzeugend schlicht und sehr gut zu essen und trinken. Nach den langen und aufregenden Tagen auf der Rennbahn ist so was ganz wichtig.

 

Auf der Rennbahn war was los, aber nicht so viel, wie erwartet. Man konnte sich gut bewegen, es gab wenig Gedränge, und am Weinstand war Gut Nägelsforst wieder Ausrüster, eine bewährte Lösung. Wasser kalt und mucksmäuschenstill für dreifuffzich, die Weine auch kurant und bekömmlich. Zu Essen gab es kleine Salzbrezeln, die ständig und unaufgefordert nachgefüllt wurden. Wer schwitzt, braucht Salz. Denn leider war es sehr stickig, besonders am Sonntag, wo alle darauf warteten, daß der große Guß losging, aber er ging nicht los, sondern es war nur sehr drückend und hitzig. Der Sport war gut, aber nicht so gut, wie früher durchgehend, weil doch sehr viele Handicaps der mittleren und unteren Preisklasse den Braten fett machen müssen. Aber was will man machen, wenn parallel in Straßbourg auf einem Kartoffelacker für weniger Leistung mehr Geld bezahlt wird. Da brauchen potentielle Starter ganz viel Patriotismus.

 

Das Hauptrennen fanden wir besonders spannend, weil wir mitmachen durften. Aber gewonnen hat völlig zu Recht die Stute Night Magic, die vorne mutig stiefelt und am Ende auch nicht schwächelt, sondern hart beißen kann. Ein sehr sehr gutes Pferd. Russian Tango ist ein Bulle mit viel Substanz, der immer weiter geht, wenn er mal in Gang ist. Dahinter Dritter zu werden war für uns eine ganz große Ehre und Freude, und wir sind sehr stolz auf Durban Thunder. Terry Hellier hat ihn wie erhofft gut regulieren können, und wenn die wenigen Passagen, wo er dann doch noch pullte, abgeschaltet werden können, dann ist noch ein Schnaps mehr drin im Tank. Man muß für solche Pferde sehr dankbar sein, denn die sind extrem rar.

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Kommentare: 30
  • #1

    Da stellt (Montag, 06 Juni 2011 22:57)

    man sich doch die Frage warum Night Magic von vorne solche Rennen gewinnen kann und Durban Thunder angeblich nicht.....denn sie wissen nicht was sie tun......

  • #2

    nur gute zeiten (Dienstag, 07 Juni 2011 12:30)

    Meine Mutter behauptete damals schon,daß ihr großer
    wie Hein Bollow und HGW reiten könnte.
    Auch ohne Spätburgunder.

  • #3

    Judge (Dienstag, 07 Juni 2011 18:34)

    Die Weine aus dem Weingut Kopp waren lange ein Geheimtipp in der Region. Leider sind sie dies heute nicht mehr, weshalb auch der excellente "Weißer Burgunder - Alte Reben-" aus anno 2009 beim Winzer bald vergriffen war.
    Lediglich ein findiger Weinhändler aus Bühl-Vimbuch hatte sich ob der ausgezeichneten Qualität rechtzeitig und reichlich eingedeckt.
    Dort waren dann noch ein paar Fläschchen zu bekommen. Sehr zur Freude meiner Gattin.

    Der Jahrgang 2010 reicht zwar nicht ganz dahin, ist aber trotzdem gelungen.

  • #4

    di (Mittwoch, 08 Juni 2011 08:03)

    die weine aus dem haus koop haben uns überrascht, weil ansonsten nichts besonders aufregendes aus der gegend kommt. aber diese sind aufregend. sie haben auch einen ganz vernünftigen weißherbst im keller, der paßt ausnahmsweise auch unter die schirme in der warmen abendluft. leider ist es nach dem hauptrennen oft etwas ausgeleiert in der stimmung, weil die luft nach der aufregung bis dahin einfach aus dem reifen ist. es reisen viele ab an diesem tag, und wenn man hinten ist, kann es ein sehr hohler abend werden. aber so natürlich nicht.

  • #5

    kassandro (Mittwoch, 08 Juni 2011 13:01)

    Die Weine des Hauses Pieroths waren auch mal sehr aufregend. Als sich das ganze als Glykolschwärmerei entpuppte, waren die Kenner sehr nachtragend. Unter dem neuen Namen WIV Wein International rollt aber der Rubel wieder.

  • #6

    Grand cru (Mittwoch, 08 Juni 2011 18:13)

    Wer trinkt denn so was ?

  • #7

    Main (Mittwoch, 08 Juni 2011 22:18)

    Da kann ich ja gleich GWF weine trinken.

  • #8

    kassandro (Mittwoch, 08 Juni 2011 23:27)

    Pieroth war Anfang der 80er Jahre schon ein klingender Name im Weingeschäft. Mein Stiefbruder stieg damals zu den Reichen und Schönen auf und bei denen gehörte es einfach zum guten Ton regelmäßig von Pieroth direkt beliefert zu werden. Der Glykol-Skandal bereitete diesem schönem Idyll ein abruptes Ende und es nicht verwunderlich, daß sich daran heute keiner mehr an Pieroth erinnern kann oder will. Weintrinker sind extrem nachtragend. Der österreichische Wein ist in Deutschland bis heute ein "vino non grata" (falsches Latein). Da war auch ein groß angelegte Werbekampagne vor ein paar Jahren vergebens. Ein Land kann man eben im Gegensatz zu einer Firma nicht einfach umbennen. Allerdings kann sich auch WIV Wein International, also die ehemalige Firma Pieroth, nur hinter anderen wohlklingenden Marken verborgen an den Kunden wenden.

  • #9

    i like Di Blog (Mittwoch, 08 Juni 2011 23:57)

    Blücher ist ein großer Stümper .
    Schon immer gewesen.

  • #10

    tut alles weh (Donnerstag, 09 Juni 2011 00:05)

    was das Forum so labert .

  • #11

    schlimm (Donnerstag, 09 Juni 2011 00:11)

    ist es hier mitunter auch. sind die gleichen suffköppe am labern. macht uns nix vor.

  • #12

    schlimmer (Donnerstag, 09 Juni 2011 00:14)

    Aber meißtens nur Sie.Warum bleiben Sie denn nicht im Forum,Sie radfahrer ,Sie.

  • #13

    Ich übernehmen wieder (Donnerstag, 09 Juni 2011 10:36)

    Andreas Tiedtke sieht zum Verwechseln
    ähnlich aus wie Kim Schmitz. Zufall ???

  • #14

    Schlimme Zeiten für Holla (Donnerstag, 09 Juni 2011 10:39)

    Seine Lieblingshomepage Kino.to,
    betrieben von seinem alten Kumpel,
    dem Sachsen Wildpad aus Leipzig,
    wurde ausgehoben !

  • #15

    Er hat die falschen Freunde ! (Donnerstag, 09 Juni 2011 10:44)

    Der Wildpfad geht fremd und spielt
    Poker. Das geht gar nicht.

  • #16

    ... (Donnerstag, 09 Juni 2011 13:20)

    Uuuaahhh-goshshsh!

  • #17

    Godolphin (Donnerstag, 09 Juni 2011 15:33)

    Auch die Amis haben Augen im Kopf. War nicht zu übersehen. Trotzdem Gratula.
    http://www.equibase.com/static/chart/pdf/CNL060811USA7.pdf

  • #18

    lieber (Donnerstag, 09 Juni 2011 17:43)

    sportlicher radfahrer als feister fischer im trüben blog-gewässer.

  • #19

    schimmerlos (Donnerstag, 09 Juni 2011 18:07)

    Meinte eher die nicht so sportlichen radfahrer.

  • #20

    Ich brauche mehr Details (Donnerstag, 09 Juni 2011 18:29)

    was steht denn da Godolphin?
    kannst Du uns nicht ein schnelles Piece-Out mit den Key-Words einstellen ?

  • #21

    Godolphin (Donnerstag, 09 Juni 2011 18:39)

    flachst mich nur, da steht das ein dt. 3j. mit den Formen 6-7-8 in Amiland überlegen für 15:10 gewann, arg dünn. Letztens häts mehr gegeben aber Regen-Bahnwechsel-gestrichen. Schade.

  • #22

    Ufgefallen ? (Donnerstag, 09 Juni 2011 19:10)

    Der Sheik hat beim Epsom Derby
    letzten Samstag übrigens die
    Queen angefaßt, das wagt sich
    sonst nur noch Michelle Obama.

  • #23

    Borsig-Platz ohne Hein Bollow (Donnerstag, 09 Juni 2011 23:15)

    Auf dem Weg zum Einkaufszentrum an der Borsigstrasse die eine Frau zur anderen: Bettina hat nur ein Hobby, die Beine breit machen und sich Kinder anschaffen.

    Wenn man Bettina bei Zeiten zum Galopprennsport hinübergezogen hätte, ginge es jetzt vielleicht nicht nur ihr, sondern auch ihren Kindern besser. Weil Letztere gar nicht da bzw. existent wären.

    Die Borsigstrasse rechts und links bis zum Borsig-Platz schön mit schwarzgelben Flaggen stakkato geschmückt. BVB 09 - Echte Liebe, steht auf jeder derselbigen.

  • #24

    Der Gastkommentar, von irgendwem: (Freitag, 10 Juni 2011 12:41)

    I LOVE GERMANY!!!I WILL LIKE TO HAVE A JOB,FAMILLY and A HOUSE THERE!!My father should be a DIRECTOR on MERCEDES but he refused in '74 because he want to be in ROMANIA with his familly.I HOPPE SONE GERMANY IT WILL BE MY HOME.!!ALL RESPECT!!

  • #25

    ... (Freitag, 10 Juni 2011 13:50)

    it's amazing!

  • #26

    Ehectrizität (Freitag, 10 Juni 2011 22:27)

    ehectrisierend

  • #27

    Philosophieren heißt sterben lernen (Samstag, 11 Juni 2011 09:36)

    Wenn ich in meinen letzten Zügen liege, kann ich mir keinen Kopf machen, ob ein Wein evtl. unter die Schirme in einer warmen Abendluft passen würde.

    Die Dekadenz hat die GRÜNEN längst in ihrem Grifff.

  • #28

    Ich trinke nur noch grünen Tee, (Samstag, 11 Juni 2011 09:42)

    aber bitte aus Japan. Bei den Cäsiumwerten der heurigen Ernte kann ich Etwas für die Umwelt tun. Ich halbiere meine Stromrechnung, da ich im Dunkeln so leuchte, dass ich keine Lampen mehr brauche.

  • #29

    Herr S. ist noch sehr grün (Samstag, 11 Juni 2011 10:00)

    Herrn Schmelz würde ich, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Gebrauchtwagen abkaufen oder ein Pferd, und würde ihn auch blind unterstützen, wenn er bei den Grünen Claudia Roth oder Renate K. beerben wollte.

  • #30

    di (Samstag, 11 Juni 2011 10:04)

    das ist aber nett! jedoch, das personal bei den grünen macht teilweise schwindelig, frau roth zum beispiel. das muß man sehr mögen, wie auch den backenbartkünstler herrn özdemir. jedoch, im großen und ganzen sehr pfiffige und integre leute, die oft die richtigen ideen hatten. naturbelassener rennsport und naturbelassener wein sind doch zuallererst grüne themen, nicht wahr! wie auch die brücke über die mosel, da kommt selbst der ruhigste ins protestieren.