Sport am Wochenende

Ein aufregendes Wochenende, wie immer Anfang Oktober. Ich erinnere mich gerne an Soldier Hollow und Olivier Peslier, die Manduro und Christophe Soumillon im Prix Dollar 2006 nach allen Regeln der Renn- und Reitkunst in Schach hielten. Eine denkwürdige Meisterleistung. Zazou war heuer nicht von diesem Kaliber, und hatte nach einer langen Kampagne, die zweijährig immerhin Gruppe I in Paris auf dem Programm hatte, nur noch Flasche sehr leer. Das war schade, aber auch absehbar. Budai als zweiter hat hingegen sehr zäh gerackert und gekämpft, und dürfte damit im Moment mit Night Magic und Scalo Deutschlands bestes Rennpferd sein. Aber, Gruppe II, nicht Gruppe I. In dieser Gruppe spielt derzeit eine Musik, die unsere nicht können, also mehr als 100 Kilos. Bei Scalo und Night Magic bin ich mir auch nicht so sicher, ob sie das können.

 

Der Sonntag hat das deutlich demonstriert, kein deutsches Pferd, welches irgendwelche Chancen auf Geld hatte. Auch nicht Liang Kay, dem sie jetzt eine Legende andichten, wonach ohne die Behinderung von Cape Blanco u.s.w. u.s.f. . Die Behinderung war deutlich, natürlich, aber das Pferd war zu diesem Zeitpunkt nicht auf einem Weg in die Geldränge, sondern lief im Pulk mit. Nicht so schlecht wie Walzer Traum, auch nicht so schlecht wie Zazou im Dollar, aber nicht wirklich mit Chance auf vorne. Bei der Gelegenheit eine weitere, uralte Legende, nämlich die von Acatenango, dem auch viele weiter vorne wenn und eventuell attestieren. Bis auf den Nicker kurz nach dem Start, und dem hastigen aufholen von Cauthen, hatte der keine Entschuldigung, wenn man diesen bei Pferden albernen Begriff mal anwenden will; die sechs vor ihm waren einfach schneller und besser an dem Tag. Auch Nebos wird großes Pech hinterher gesagt, genauer Lutz Mäder ein schlechter Ritt, aber leider hat sich bisher kein Dokument gefunden, woraus man das ersehen könnte. Die Erinnerung an die Fernseh Übertragung ist dunkel, und Behinderungen gibt es in diesem Rennen fast immer. Da leiden alle drunter.

 

Dieses Jahr gab es reichlich Gedränge und Geschupse, weil auf Tuchfühlung geritten wird und mit Haken und Ösen. Es kommt das Phänomen der Pacemaker hinzu, die dann irgendwann als Treibgut im Strom dahin dümpeln, und den anderen im Weg sind. Es hat diverse Behinderungen gegeben, und bis auf den Japaner Nakayama Festa haben alle was abgekriegt. Der Sieger Workforce musste mit dem Stemmeisen durch die anderen, und machte dabei seinem Namen alle Ehre. Es hat insofern der beste an dem Tag gewonnen, auch dank seines Reiters Ryan Moore, der Lester Piggott in Stil und Engagement immer ähnlicher wird, und natürlich dank der Trainingskünste von Sir Michael Stoute, der nun endlich den verdienten Sieg einfahren konnte. Vom Rest hat mir Lope de Vega sehr gut gefallen, der auf 2.000 Meter ein ganz schnelles Pferd ist. 2.400 sind einfach zu lang für den.

 

Höhepunkt des Wochenendes war jedoch der Foret, den Goldikova und Olivier Peslier gegen Paco Boy und Dick Turpin gewannen. Was soll man zu den beiden noch schreiben, was nicht schon geschrieben wäre – beide die jeweils besten in ihrem Metier. Die Stute ist immer Herrin der Lage, fast arrogant, und Peslier einfach der beste Kutscher weit und breit, trotz Frankie und Kieren und Ryan Moore und Hanagan the Managan, dem kommenden Mann, und Soumillon und Pasquier und Lemaire und Mosse und Hughes, meinem anderen Favoriten. Peslier hat die Peitsche eigentlich nur zur Dekoration, die Arbeit machen die Hände und der Kopf. Ein Mann ohne Schwächen, jederzeit und überall. In meinen Augen der Beste seit Yves Saint-Martin.

 

Das alles haben wir auf der Neuen Bult verfolgt, in dem German Tote Laden, und draußen schien die Sonne, und Earl of Winds lief, wie jedes Mal in diesem Jahr, ins Geld, und fast hätte er gewonnen, fast, aber dann waren North Star und Norman Richter einen Tick besser, aber nur einen Tick, und das waren auch die einzigen, denen wir den Sieg ansonsten gegönnt haben, außer Bonfire Night natürlich, aber der hatte eine längere Pause. So war er Zweiter, aber um halb zwei betrat ein Pferd mit dem Namen Earl of Tinsdal in München Riem zum ersten Mal eine Rennbahn, und das ist sein kleiner Bruder, von Black Sam Bellamy, und der konnte es gleich mit der gefühlten halben Bahn. Ein ganz toller Hengst in my view, schlaksig und sehr an Easy Way erinnernd, und noch unbeschreiblich grün, und daher mit großer Zukunft. Seine Brüder Earlsalsa und Earl of Winds sind sehr gute Referenz; dieser kann glaube ich noch mehr. Gratulation an Sunrace Stables und den Züchter Hannes Gutschow.

 

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Kommentare: 10
  • #1

    j.w. (Montag, 04 Oktober 2010 19:37)

    eine nach meiner meinung recht eigenwillige einschätzung der anhäufung von vorfällen. rennen kann man dieses reihenweise umgebügle wohl nicht mehr nennen. aber im alter schätzt man anscheinend die robustere art der sportausübung. zumindest wenn man anscheinend noch nie auf einem blüter gesessen hat ...

  • #2

    di (Montag, 04 Oktober 2010 19:58)

    ich stelle das nur fest, herr weller. ich heiße das nicht gut. ich habe auf einem alten hannoveraner gesessen, als knabe, beim voltigieren. bin auch runtergefallen, habe auch aua gehabt.

  • #3

    A Magicman (Montag, 04 Oktober 2010 20:37)

    Sie fragen im Galopper-Forum nach einem deutschen Pferd, das 104kg kann und wer eins kenne, der solle sich melden.

    Ich werfe Scalo in den Ring. Das sprichwörtliche heiße Messer durch die Butter in Köln. Landos Bester. 102kg kann der. An guten Tagen dann vielleicht auch mehr. Wenn der heile bleibt, dann bin ich auf's kommende Jahr gespannt. Auf den Arc.

  • #4

    Schichtl (Dienstag, 05 Oktober 2010 15:57)

    Aber den,ohne Scalo .

  • #5

    Paris Hilton (Dienstag, 05 Oktober 2010 19:30)

    Hi fans, have you been in Paris last Sunday - just joking, hihihi.

    Did you see all those elegant French and English women - even we in Los Angeles haven't such pretty creatures.

    But please tell me, what is a Scalo? Is this a new gadget to insert and create pleaaant feelings? This sounds really great.

    If so, where can I get it?

    Bye fans and many kisses from your devine Paris H.

  • #6

    Paralipomena (Dienstag, 05 Oktober 2010 23:02)

    Ein bisschen Rennen dann und wann
    auch Paralipomena faszinieren kann
    Drum kühnlich denk ich schon so weit
    Wir legen noch ein Ei zu zweit

  • #7

    Doitsch (Dienstag, 05 Oktober 2010 23:17)

    Workaforce, Work a force, sagte der Kommentator immer - und so ganz nebenbei, wo wären denn Sea the Stars und Workforce ohne Allegretta, Lombard, Birkhahn, Agio? Auf jeden Fall nicht in der Siegerliste dieses Monster Rennens. Also lassen wir mal die Kirche im Dorf, was die deutsche Zucht und die deutschen Pferde betrifft.

  • #8

    Paul (Mittwoch, 06 Oktober 2010 16:01)

    Gratuliere auch .

  • #9

    LadyOnyx (Montag, 01 November 2010)

    Gratuliere zum erneuten Sieg von EARL OF TINSDALE!!!!! Das war wieder sehr imponierend!!! Hals&Bein mit ihm für 2011!!!!

  • #10

    Earthly Paradise (Montag, 01 November 2010)

    Das Pferd heisst Earl of Tinsdal und gehört Jana Gutschow und ihrer Mutter Gisela Gutschow. Züchter ist Hannes Gutschow. Siehe auch hier:
    http://gestuet-kerbella.de/startseite/earl-of-tinsdal/
    Das Pferd ist nach einer Landschaft in Hamburg-Rissen benannt siehe weitere Infos hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Tinsdal. Wie auch der gleichnamige Stall. Also nix mit E am Ende....