Baden Baden

Eine Revolution, nicht mehr, und nicht weniger, hat in Baden Baden stattgefunden. Bei allerbestem Wetter und proppevoller Bahn am Schlußtag wurden Pferderennen unter neuer Regie abgehalten, und wenn die Zahlen auch schwer zu entziffern sind, weil Alimente die Töpfe teilweise gestützt haben, der Weg scheint richtig und Erfolg versprechend. Das Publikum hat mitgemacht, weil es erkannt hat, daß nur so die Zukunft des Sports möglich ist. Einzelheiten zählen im Moment nicht, zumal es gestern fast unmöglich war, sich in dem Gedränge und Geschiebe mit all den Dingen zu beschäftigen, die neu oder besser sind. Als simpler Sattelplatz Besucher hat man weder Anlaß noch Muße, sich diese ganzen Verköstigungs- und Ruheplätze anzusehen, die sich unter den Tribünen etabliert haben, weil es ausreicht, an dem altbewährten Weinstand rumzulungern, der dieses Mal vom Weingut Nägelsforst betrieben wurde. Es gab wie immer viele Sorten, probiert wurden Riesling und Grauburgunder und Appolinaris, und alles schmeckte sehr gut für dreifuffzich. Es gibt einen Fernseh, man kann vom Gartenstuhl aus die Leinwand am Führring sehen, wenn man sich klein macht, und der Platz ist also insgesamt völlig angemessen, um einen Spätsommertag auf der Rennbahn zu verbringen. Die Rennen kann man sich als groß gewachsener ganz gut vom Sattelplatz ansehen, ansonsten von der Besitzertribüne. Die Bratwurst war so lala, aber die Schlange vor dem Stand sehr lang.

 

Das ganze Konzept beruht darauf, den Renntag zu orchestrieren, also einem Protokoll zu folgen, und das dann auch durchzuhalten. Optische und akustische Zeichen werden gesetzt, der Ablauf entfaltet sich schlüssig und eingängig. Nicht viel anders als sonst, aber mit kleinen Nuancen, die den Eindruck vermitteln, hier habe sich jemand was bei gedacht. Besonders gut gefallen hat mir die weitgehende Absenz von schrillen Tönen und aufdringlichem Geschwätz mit so genannten Prominenten. Die Ansagen von Delius und Suborics waren knapp und präzise, die Idee mit dem Interview nach dem Rennen gut, aber verbesserungswürdig. Das sollte man fest einplanen und mit den Ansagen zum Rennergebnis und Toto abstimmen, weil es da zu Vermischungen kam. Besonders muß Manfred Chapmann gelobt werden, der stimmlich und inhaltlich auf dem Höhepunkt war.

 

Zwei Rennen lagen uns besonders am Herzen – der Ausgl. II mit Earl of Winds, und natürlich der GP. Earlymann ist wie immer großartig gelaufen, he ran his heart out, aber 1.800 gegen solche ist mindestens 200 Meter zu kurz. Besser noch 2.200. Er konnte diese schnelle Pace am Anfang wie erwartet nicht mitgehen, und in der Geraden hat er zwar viel Boden gut gemacht, aber mehr als guter 5. war gestern nicht drin. Immerhin, es gab die Spesen für die tolle Besitzertrainerin Martina Grünewald, und das schöne Gefühl, nicht umsonst angespannt zu haben.

 

Der große Preis war eine verdiente Sache für Night Magic, die ausgesprochen leicht und locker zum Zuge kam. Entscheidend waren die Team Tactis, die Stall Salzburg sich hatte einfallen lassen, mit einem Pacemaker, der keiner war. Marvin Suerland ließ eingangs der Gegenseite das Tempo mit Northern Glory völlig einschlafen, und de Vries und Dettori und die anderen Kutscher schliefen selig mit. Ein Hundegalopp die Gegenseite lang, und am Ende kamen 2.32+ heraus, für den schnellen Boden eine sehr mäßige Zeit. Es darf sich also keiner der Geschlagenen beschweren, das konnte man evtl. verhindern. Nicht beschweren wird sich Dr. Jacobs als Besitzer von Quijano, der in seinem letzten Rennen auf deutschem Boden großartiger Zweiter wurde, was sowohl Manfred Chapmann als auch alle Besucher einstimmig und anrührend feierten. Ein großer Moment, als Quijano und Andrasch Starke vor den Tribünen und mit gebührendem Abstand zu den anderen die Ovations entgegennahmen, und Dr. Jacobs dem ständigen Reiter seines besten Pferdes für diese lange und erfolgreiche Zeit dankte.

 

Der Deutsche Rennsport hat eine neue Chance bekommen, wahrscheinlich die letzte. Man sollte sich daher ein Beispiel nehmen und von Baden Baden lernen. Ich bin mir sicher, daß die Erfahrungen und Kompetenzen des Teams um Dr. Jacobs gerne geteilt werden.

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Kommentare: 1
  • #1

    veltheim (Montag, 06 September 2010 13:42)

    Baden Racing kann man nur gratulieren .gut gemacht!!
    sogar das ZDF brachte in der sportsendung einen
    bericht darüber .
    weiter so . wenn sich german racing und die RV ein
    beispiel daran nehmen,kann wieder großes entstehen !
    mir hat es dort gefallen ,obwohl einiges noch
    verbesserungswürdig ist .der service ,sowie das toto
    personal.aber rom ist auch nicht an einem tag erbaut
    worden.