Neuer Spiel

Warum fehlt soviel Geld? Die Leute gehen auf die Rennbahnen, gestern grad wieder in Bremen, aber es kommt per saldo nichts bei rum. Die Renntage sind sportlich ansprechend, wie ebenfalls gestern und z.B. noch mehr neulich in Hannover, aber die große Wettlust auf den Bahnen ist verschwunden. Wetten die, die früher mehr gewettet haben, nur noch außerhalb am Computer, oder kommen andere auf die Bahn, oder haben die, die auf die Bahn kommen, keine Lust mehr zu wetten. Man weiß es nicht. Eines drängt sich atmosphärisch auf, mehr gefühlt als gewusst, daß nämlich den Leuten der Schreck in die Glieder gefahren ist, was die Zukunft anlangt. Es hat sich rum gesprochen, daß nichts mehr verläßlich kalkulierbar ist, vor allem nicht das eigene Schicksal, eine Erfahrung, die für die meisten neu und überraschend war. Es mag heute was im Beutel sein, aber wer weiß, was morgen ist. Ich kann mir vorstellen, daß mancher eine eigene Moralbremse hat, die es ihm verbietet, angesichts derart unsicherer Konditionen Glückspiel zu tätigen, also high risk money zu verteilen. Die Wetter aus Leidenschaft sind sicher in die Welt der Elektronik abgewandert, also zu den Anbietern, die entweder selber halten, oder für 10-11% vermitteln. Das sind stolze Provisionen, die gezahlt werden, wesentlich höher als die Margen bei Sportwetten, die mehr bei 5% liegen. Ganz zu schweigen von Margen im Handel. Also, es geht den Anbietern gut, jedenfalls denen, die ihr Geschäft beherrschen. Es müssen daher diese Margen gekappt werden, gleichzeitig müssen die Kosten drastisch erhöht werden, wenn diese miesen Deckungsbeiträge jemals auf akzeptable Niveaus kommen sollen. Die bestehenden Verträge mit den Buchmachern laufen Ende 2011 aus. Sollen sie. Ich rate, vor der Hand nichts anzubieten. Sollen doch diejenigen kommen, die was vom Sport wollen.

 

Angesichts der katastrophalen Lage an der kommerziellen Front wird oft vergessen, daß die Veranstalter zusammen mit den Aktiven schöne Renntage auf die Beine stellen. Wie gesagt, gestern war wieder so einer. Das Geläuf paradiesisch, der berühmte Teppich, dazu schwüle Luft und gute Rennen, dominiert wie so oft in Bremen von Eddie Pedroza, der Lichtgestalt des deutschen Turfs. Ein Sportsmann, ein Pferdemann, der Eleganz mit Effizienz verbindet wie kein zweiter im Moment. Unter ihm gewinnen die Pferde nicht nur, sie lernen dabei auch was und haben Bock.

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Kommentare: 6
  • #1

    Jan Kleeberg (Montag, 23 August 2010 16:53)

    Der Renntag in Bremen war in der Tat sehr schön und gelungen. Allerdings war ich vom Besuch nicht besonders angetan.
    Das Problem Buchmacher ist aus meiner Sicht durch eine deutliche Reduktion der Abzüge sehr schnell in den Griff zu bekommen. Die Abzüge müssen auf ein Niveau gesenkt werden, bei dem die Buchmacher nicht mehr das Risiko eingehen möchten die Wette selber zu halten. Für die Vermittlung bekommen sie dann eine geringe - dem Aufwand angemessene - Vermittlungsprovision.

  • #2

    j.w. (Montag, 23 August 2010 17:20)

    das wäre ein guter gedanke. weniger abzüge = weniger provision. wenn die buchmacher dann auch noch endlich die gesetzliche steuer abführen müssen, dann kann`s klappen. dabei muß es egal sein wohin die wette verschwindet. sie wird hier getätigt, ist also auch hier zu versteuern. warum das die beamtenärsche nicht hinkriegen weiß der teufel. dazu noch, wie früher, einfache und übersichtliche wettscheine, dann traut sich auch wieder mal einer ohne informatikstudium an die kasse ...

  • #3

    Jan Kleeberg (Montag, 23 August 2010 17:40)

    weiterer Gedanke dazu: weniger Abzüge, mehr Geld in der Tasche der Wetter, mehr und höhere Wetten....
    Wenn die Schätzungen stimmen, dass 80% bis 90% des Wettaufkommens an den Rennbahnen vorbei gehen, sollte das Modell klappen.

  • #4

    di (Montag, 23 August 2010 19:00)

    herr borchert hatte eine einzige gute idee - die quellensteuer auf wetten. diese idee haben sundermann und zellmann konsequent verhindert. weil sie mit betbull verbandelt waren. der schlimmste fall in der langen geschichte von schlimmen fällen.

  • #5

    Jan Kleeberg (Dienstag, 24 August 2010 10:49)

    Quellensteuer bringt nur kurzfristig etwas. Anschließend wird diese über die Wettabwicklung mittels Internet in den Steueroasen umgangen. Ergebnis: gleiche Situation wie bisher.
    Einzig eine deutliche Senkung der Abzüge bringt etwas.

  • #6

    j.w. (Dienstag, 24 August 2010 19:48)

    bei den amis gehts ja auch. man muß nur wollen mögen ...