Harzer Roller

Zum zweiten Mal nach 2009 veranstaltete der Harzburger Rennverein gestern zwei so genannte Superhandicaps, einen Ausgl. III mit Skala -10 für ältere, und einen Ausgl.IV mit Skala +5 für ältere. Es gab jeweils 11.500 für den Sieger und für die fünften und sechsten auch noch 650. Insgesamt € 20.000. Einsatz waren € 600. Es liefen 16 bzw. 13 Pferde. Die Bahn ist so wie immer, eine Berg- und Talbahn mit scharfen Ecken und kurzen Geraden.

 

Muß das sein? Es wird darauf hingewiesen, daß die Umsätze in diesen Rennen sehr gut waren, was sicher richtig ist. Es wird auf die Attraktivität der großen Felder abgestellt, was aber relativ zu sehen ist. Es wird insgesamt auf die belebende Wirkung und große Resonanz bei den Besitzern hingewiesen. Aber was für eine Resonanz ist das? € 600 Nenngeld sind der Ursprung dieser sprudelnden Quelle, sind also im Vorweg von denjenigen aufzubringen, die hinterher was zurück kriegen. Plus von denjenigen, die aus diesen oder jenen Gründen nicht teilnehmen konnten oder wollten. Nennungsschluß war früh im Jahr, wenn ich richtig informiert bin. Man hat also finanziell einen weiteren Durchlauferhitzer installiert, wie das im Sport ja sowieso üblich ist. Man hat aber auch eine krasse 180 Grad Kehrtwende von dem Grundprinzip des Galopprennsports vollzogen, wonach der Bessere mehr verdient als der Langsamere. Jetzt ist es völlig egal, ob ein Pferd 45 Kilo kann oder 70, Hauptsache, die Form stimmt hier und heute. Beide gehen mit 11.500 nach Hause. Abgesehen von dieser eklatanten Systemwidrigkeit an sich stellen Preisgelder in dieser absoluten Größenordnung das System Galopprennsport in Deutschland auf den Kopf, weil nirgends auch nur annähernd solche Gelder für solche Qualitäten ausgelobt werden. Wenn 45 Kilo Pferde in einem Handicap in Deutschland dreimal mehr Geld verdienen können als reelle Ausgl. II Pferde, dann stimmt was nicht.

 

Dazu ist die Bahn nach meiner Ansicht nicht für derartig große Felder geeignet. Es geht zu wie auf dem Schnäppchenbasar, wer als erster zugrapscht, hat gewonnen. Sinnvolle Renntaktik verkommt in den Zufällen der Boxen Auslosung und kleinerer Rempeleien, Spätkommer kommen zu spät. Wer an dieser ominösen letzten Ecke nicht mit vorn ist, wird in der Regel nicht mehr hinkommen. Bergab daher halsbrecherische Manöver.

 

Alles in Allem eine sehr zwiespältige Sache, die der Verein da inszeniert. Der gute Wille ist durchaus anzuerkennen, aber das Resultat kann nicht so recht überzeugen, weil es finanziell eine Mogelpackung ist, und zudem von zweifelhaftem sportlichem Wert. Die Systemwidrigkeit stellt allerdings das größte Manko dar.

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Kommentare: 2
  • #1

    j.w. (Sonntag, 25 Juli 2010 12:09)

    der grundgedanke ist problematisch. dieses "meetingdenken". diese rosinenpickerei. und deren ausweitung. hat schon hh und bb an der rand der pleite und einen schritt weiter gebracht. aber auch das ist ja schon ketzerei ...


  • #2

    OMMM (Mittwoch, 28 Juli 2010 22:49)

    Schade ,daß sich einige Besitzer für so etwas
    hergeben .Boykottieren sollte man diese Nennungen .