Familie Hofer

Sehr richtig, Herr Weller, das war wohl nix mit Wiener Walzer. Jedoch trotzdem ein besonderes Ereignis, nach all den hunderten von Ausgl. IV Pferden auch mal Gruppe I Pferde zu sehen. Einer wie der andere toll raus gebracht, jeder ein individueller Typ, auch Burma Gold, der ein echter Brocken ist. Besonders sympatisch Jukebox Jury, ein Montjeu Schimmel mit ganz entzückender rosa Nase, dem die Intelligenz ins Gesicht geschrieben steht. Alles in allem der Beweis, daß besonders gute Pferde meistens auch besonders gut aussehen.

 

Der Rennverlauf war dann nicht eben maßgeschneidert für Wiener Walzer, der notgedrungen die Pace machte, die anderen bequem hinterher, bis auf Jukebox Jury, der Ende gegenüber schon keine rechte Lust mehr hatte und von Ffrench streng animiert werden musste. In die Geraden kam Wiener Walzer noch mit etwas Vorsprung, aber Dettori hatte Campanologist gut in Schwung und schnell ein Stück vorbei. Und Dettori ist kein Mann, der einen Vorsprung feiwillig wieder hergibt, und mit dieser einmaligen Mischung aus Finesse und Eleganz und Kraft ging das bis ins Ziel gut. Es gibt nach wie vor keinen, der das besser kann. Dahinter kamen sie tacktacktack rein, erstaunlich das späte revival von Jukebox Jury, noch erstaunlicher der dritte Platz des alten Herrn Quijano, den ich längst auf dem Altenteil wähnte, der aber den x-ten Frühling erlebte und großartig lief. Abgeschlagen nur Burma Gold, der vorhersehbar am Ende gegen diese Kaliber noch nichts zu bestellen hatte. Es folgten der obligate flying dismount von Frankie Dettori, leider abseits von den Leuten am Absattelring, wo unter anderem eine Gruppe animierter Herren aus UK emphatisch feierten. Deutlicher konnte man die völlig mißratene Procedur mit den Siegern nicht demonstrieren.

 

Tags zuvor konnte man hingegen erleben, wie ein Mann mit einer Rede sich und dem Sport große Ehre machte – Mario Hofer, der im Rathaus die Laudatio auf seine Tochter Steffi bei der Championatsfeier hielt. Eine bescheidene, geistreiche, humorvolle und tiefgründige und federleichte Rede, völlig ohne Pathos sowohl dem Anlaß als auch der Geehrten absolut angemessen. Solange der Sport solche Leute hat, ist er nicht am Ende. Den Beschluß der Betrachtung des frühen Witwers bildete der Satz „Mamma ist stolz auf Dich“, und das glaubt man gern und unbesehen. Der Sport ist stolz auf Mario und Steffi Hofer.

 

Das Wetter heute Morgen ist märchenhaft, sonnig und klar, etwas Wind, und nicht zu heiß. Today is Derby Day. Möge der beste gewinnen. Wenn der Trainer nachher Mario Hofer heißt, umso schöner.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kerstin Aronis (Sonntag, 18 Juli 2010 21:01)

    Gratuliere zu den beiden Siegen am heutigen Hauptrenntag an den Stall Tindsdal. Und auch zu den launisch geschriebenen Blogs :-) Sehr kurzweilig!