Etwas Geduld bitte

Geduld ist der Name des Spiels, wohingegen make hay while the sun shines auch was für sich hat. Aber nur mit Geduld und Spucke kommt man auf die Länge zu Spaß und Freude am Rennsport. Leider kennt die Politik der Züchter für den Markt dieses alte Hausrezept nicht mehr, weil diese Politik postuliert, daß nur der schnelle Erfolg neue Besitzer animiert. Jedenfalls züchtet man mit einigem Erfolg den neuen Besitzer, der sich von den Hausnummern der Auktionsrennen blenden läßt, aber schnell den Spaß verliert, wenn es in die Badstraße geht oder gleich ins Gefängnis, ohne Los. So mutiert Baden Baden zum Durchlauferhitzer mit geringen Halbwertzeiten. Aber so geht das nicht. Pferde haben eine biologische Entwicklung, die trotz aller euphemistisch Frühreife genannten frühen Reife bis ins Alter von 4 oder 5 reicht, und der berühmte Kopf entwickelt sich wahrscheinlich noch langsamer. Für diese grundsätzliche Zeitdauer sollte man Verständnis haben, wenn langfristig Erfolg angestrebt wird. Schnell machen für ein zwei Rennen ist keine so große Kunst, wie manche Zeitraffer ihrer Clientele einreden; eine Karriere von Dauer zu managen allerdings schon. Das wichtigste Requisit ist das Auge des Trainers, ihre oder seine Fähigkeit, Talent korrekt einzuschätzen, und dann sinnvoll zu entwickeln. Das nächst wichtigste Requisit ist die Fähigkeit, dem oder den Besitzern klar zu machen, das so was auch mal dauern kann, auch wenn die anderen schon um die Wette laufen, und die Kunden mit den Hufen scharren. Wer gewinnen will, braucht ein Pferd mit mindestens 100%, besser noch einen Schnaps mehr. Man kann sehen, ob ein Pferd gut drauf ist, weil ein funktionierender Stoffwechsel sich im Glanze der Speckschwarte ausdrückt, und nur ein Pferd mit positiver Grundeinstellung zum Laufen wird gut laufen. Auch das kann man sehen, weil dasselbe Pferd manchmal keine Lust hat oder nicht so richtig gut in Schuß ist, und man an den Unterschieden erkennt, wie der status quo ist. Besitzer sollten in ihrem eigenen Interesse lernen, diese Nuancen ihres Pferdes zu erkennen. Es hilft, die Chancen realistisch einzuschätzen, und es vermeidet falsche Hoffnungen und Verdruß. Wenn einer gut drauf ist, dann soll man aber auch laufen, weil Training keine Rennen ersetzen kann, und zuviel Schraube anziehen irgendwann mal zum Durchdrehen führen kann. Make hay while the sun shines. Aber dann gibt es noch das Problem des one to many, des einen Rennens, wo es eigentlich vorher noch sehr gut aussah, aber leider der Tank doch schon auf Reserve lief. Das ist schwer zu erkennen, weil es eigentlich nicht zu erkennen ist, und da hilft nur im Zweifel gegen den Angeklagten weiter.

 

In Hamburg scheint seit einigen Tagen die Sonne, es hat um und bei 36 Grad, und der letzte Regen ist weiß nicht mehr gefallen. Der Rasen im Garten ist vergilbt, weil nur die Geranientöpfe Wasser kriegen. Ich erwähne das im Hinblick auf das Meeting, welches ja nun in einer Woche angeht. Wasser ist eine wertvolle Ressource, auch in Hamburg, und es mag so sein, daß trotz Beregnung der Boden in Horn sagen wir mal jahreszeitlich wird. Insofern wird die oben erörterte Problematik eine Rolle spielen – Laufen, wenn der Boden eigentlich zu fest ist, oder lieber kein Risiko für die Gesundheit des Pferdes eingehen. Das kann eine sehr schwere Entscheidung sein, zumal, wenn das Pferd gut drauf ist und das Rennen wie gemalt aussieht.

 

Für das wettende Publikum ist das alles meist sehr entfernt, weil die intimen Kenntnisse über die einzelnen Bewerber fehlen. Vor Jahren wurde Fährhof massiv vom Vorstand des HRC angegangen, weil sie Sabiango nicht anspannten. Damit hätte man dem HRC eine prominente Einnahmequelle vorenthalten, verkleidet in den Vorwurf, dem Publikum was vorzuenthalten. Die Leute sollten sich allesamt daran gewöhnen, daß niemand für das Wetter zuständig ist, und daß Pferderennen eine Veranstaltung in natürlicher Umgebung ist. Bodenpflege kann nur begrenzt ausgleichen, was von oben kommt oder nicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    tiedcottage (Sonntag, 04 Juli 2010 19:06)

    und folgen sollten sie einzig ihrem bauchgefühl
    run or not ist die entscheidung des besitzers -
    einzig und allein.
    er zahlt für die jahre der reconvalescenz -
    oder sonnt sich in der glory

  • #2

    Micha (Samstag, 07 August 2010 18:38)

    Man sollte die Rennsportfreunde auch mal bei 36 Grad Hitze 3000 Meter über die Bahn jagen !