Ent- oder weder

Eine Nachricht nach Köln:

 

 

"Unser Sport ist im RWLG verfasst, sowie in den Zuchtbestimmungen. Wir betreiben den Sport als verlängerter Arm des Staates auf gemeinnütziger Basis, wenn auch der BFH in Sachen Dinslaken andere Ansichten für das Abhalten von Rennen vertritt. Die Finanzierung des Sports erfolgt zum überwiegenden Teil durch die Besitzer, die um und bei 90% der Gesamtrechnung bezahlen. Für jeden Euro Gewinn muß man statistisch 3 Euro hergeben. Ich nenne das idealistisch. Zur Finanzierung haben die Rennvereine das staatliche Totalisatormonopol nebst Steuerprivileg verliehen bekommen. Wie wir wissen, sind die Toto Einnahmen in den letzten 10 Jahren dramatisch verkommen; der status quo ist nicht leben und nicht sterben, gesteuert wie nach der Uhr durch die Buchmacher. Daran wird sich ohne weiteres nichts ändern. Die Frage, die sich erhebt, wie kann man das ändern? Es gibt nach meiner Ansicht zwei politische Ansätze für den Sport: Entweder, man sucht innerhalb der bestehenden Gesetze eine Lösung, oder man strebt neue Gesetze an.

 

Wenn man das RWLG so belassen will, dann führt nach meiner Ansicht kein Weg an einer kompletten Konfrontation mit den Buchmachern vorbei. Entweder realistische Beteiligung an den Gestehungskosten der Gesamtveranstaltung durch drastische Erhöhung der Preise für Daten und Bilder, oder Ausscheiden aus dem Spiel. Das ginge frühestens ultimo 2011. Das Argument, dagegen stünde die BGH Entscheidung, kann ich nicht nachvollziehen. Dort heißt es, und das sind für mich die wichtigsten Sätze der Entscheidung:

 

Das Berufungsgericht hat bei der gebotenen Interessenabwägung einen wesentlichen Umstand nicht in seine Erwägungen einbezogen. Nach dem für das Revisionsverfahren als richtig zu unterstellenden Vortrag der Beklagten war das für die die Wettannahmestellen betreibenden Unternehmen A und B angesetzte Entgelt deswegen so niedrig, weil die hinter der Beklagten stehenden Rennvereine den neu am Markt auftretenden Unternehmen den Marktzutritt erleichtern und damit das ihnen selbst zugute kommende Totalisatorgeschäft fördern wollten. Ein solches Vorgehen ist nicht zwingend Ausdruck einer die Kläger diskriminierenden Preisgestaltung, sondern kann sich als Förderung der eigenen geschäftlichen Betätigung darstellen. Ob dies der Fall ist, hat das Berufungsgericht in dem wieder eröffneten Verfahren im Einzelnen zu prüfen.

 

Danach ist der Sport sehr wohl in der Lage, seinen Eigenvertrieb im Interesse einer auskömmlichen Ertragslage zu favorisieren. Es kommt auf die überzeugende Darstellung der Gesamtrechnung an. Die Herstellungskosten der Bilder sind nicht relevant; die Kosten der Veranstaltungen sind zu saldieren. Ich verweise zudem auf den Fall Traber/Winrace. Das HansOLG hat letztinstanzlich entschieden, daß die Buchmacher durchaus mit einer Klausel geknebelt werden können, nur gegen ausschließliche Vermittlung in den Toto Daten und Bilder zu bekommen. Das wird von den Buchmachern auch so unterschrieben, wenn auch nicht immer gelebt. Ich plaidiere also explizit für 1. Benennung der Buchmacher als Wettbewerber, und 2. für eine konsequente Bekämpfung dieser Wettbewerber, wenn es bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen bleibt.

 

Jedoch, es ist zu überlegen, ob der Sport nicht besser führe, wenn er seine Sonderstellung qua RWLG aufgäbe, und sich dem allgemeinen Sport anschlösse. Wenn tatsächlich eine Lizenzregelung für die Sportwetten ansteht, dann würde unser Sport sicher nicht schlecht im Kielwasser der großen Verbände fahren, wenn sichergestellt wäre, daß aus dem Gesamttopf eine angemessene Alimentierung stattfände. Hier hilft auch der Hinweis auf die weg gebrochenen Steuern, die indirekt nicht nur dem Sport fehlen, sondern unmittelbar auch der Staatskasse. Mir hat der bekannte Buchmacher Albers aus Hannover mal aufgebracht zugerufen, ob ich wisse, von wann das RWLG sei – 1922, wie wir wissen. Da hat er Recht. Der Sport ist trotz dieser Sonderstellung heute auf den Hund gekommen, und es stellt sich auch insofern die Frage, ob die Sonderstellung noch was nützt. Ich glaube nicht. Es wäre im Rahmen einer solchen Lizenzvereinbarung auch der Zündstoff aus dem systemimmanenten Konflikt mit den Buchmachern, weil sich der auf der staatlichen Ebene abspielte. Dem Staat gegenüber würde der Sport wieder als Erfüllungsgehilfe des Zuchtziels auftreten, und nicht als hilfloser Bittsteller, der seine Instrumentarien nicht nutzen kann."

 

Hubertus Schmelz

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Niniski (Montag, 24 Mai 2010 14:06)

    So weit, so gut, bzw. so weit, so schlecht.

  • #2

    Fritz Rühl (Montag, 24 Mai 2010 18:29)

    Die Sportwetten gehören unter staatliche Aufsicht. Deshlalb ist es vernünftiger die Lizenzregelung zu wählen.Aus der Staatskasse kann dann eine angemessene Rückführung an die Rennvereine erfolgen. Das bisherige Malta System hilft nur wenigen und bestimmt nicht den Rennvereinen

  • #3

    veltheim (Montag, 24 Mai 2010 20:52)

    aber die rennvereine haben sich doch teilweise,
    selbst an die buchmacher verkauft,bzw.,gebunden !

  • #4

    Fritz Rühl (Dienstag, 25 Mai 2010 07:25)

    man muß aus Fehlern lernen,
    Frankreich macht es vor, deshalb die Lizenzregelung.660 Mio.€ für den Sport gegen 35.Mio in Deutschland!

  • #5

    di (Dienstag, 25 Mai 2010 09:14)

    ja, frankreich ist das beispiel. es geht bei uns natürlich um geringere beiträge, aber das prinzip macht sinn.

  • #6

    j.w. (Donnerstag, 27 Mai 2010 15:21)

    franreich schöpft die bestehenden gesetzlichen möglichkeiten voll aus. d nicht. nrw ist zuständig aber auch hier schon anscheinend deutlich überfordert. da müßte ein wechsel her. für den anfang würde das reichen ...