Der Kritiker

Was den Leuten so durch den Kopf geht, es ist erstaunlich. Herr Göntzsche stellt in seiner Postille vom März langatmige Betrachtungen zum Thema stilisierter Pferdekopf an, der der Dachmarke, einem Unwort an sich, als Stilmittel dient. Man bespricht die Ohren des Pferdekopfes, die Mähnenrichtung, und andere Sachen. Herr Philipp kommt als Maler zu Wort, sowie ein Werbefachmann. Am Anfang steht allerdings ein Satz von schlichter Wahrheit: „Galopp Intern hat sich in all diesen Jahren nicht übermäßig kritisch mit den Neustrukturierungsüberlegungen auseinandergesetzt….GI hat es, im Gegensatz zu anderen, auch tunlichst vermieden, der Geldsammelaktion „Knüppel zwischen die Beine zu werfen“. Diesen Vorwurf kann uns wirklich niemand machen, wir haben uns an der Spezialdisziplin zahlreicher Rennsportangehöriger, dem „Zerreden“, nicht beteiligt.“

 

Sehr richtig, Galopp Intern hat sich vielmehr dem Privatleben der Rennsportangehörigen gewidmet sowie dem Geldverdienen am Sport, insbesonders durch Werbung für Buchmacher. Der Herausgeber hat im Übrigen dafür gesorgt, daß ein ganz spezieller Conference Stil auf den Rennbahnen Einzug gehalten hat, der so irgendwo zwischen Kaffeefahrt Animation und Deutsches Schlagerderby changiert. Neulich, in Hannover, hat der großmächtige Medienvertreter ein forsches „Deutschland über Alles“ in seine launige Moderation des Ponyrennens einfließen lassen. Einfach mal so. Das paßt dann doch auch wieder gut zu der Welt von German Racing, die sich all die vielen Imageberater des Sports zurecht fummeln, die Nikos und Ekkies und Pits und wie sie alle heißen, die mit heißem Herzen und heißer Nadel heißen Dampf produzieren. Leider kommt der Charakter des Rennsports nicht mehr vor, der Kern der Sache, die keinerlei Erklärung bedarf, weil die Leute auch nicht dööfer sind als vor 20 Jahren, und da konnten eigentlich alle einen Wettschein ausfüllen, und wer der Sieger ist, wußten die Leute auch. Nämlich, wer als erster wieder da ist. Ist nicht so schwer, kann man schaffen. So werden also Scheinprobleme erörtert, warum die Bahnen leer sind, obwohl die Bahnen nicht leer sind, sondern erstaunlich gut gefüllt, weil es den Leuten nach wie vor Spaß macht. Es würde ihnen noch mehr Spaß machen, wenn die Pferde endlich pünktlich losliefen, dem spektakulärstem Problem, welches der Rennsport hat. Was sich neulich wieder vor dem Busch Memorial an der Startstelle abgespielt hat, spottet jeder Beschreibung. Wettbewerbs verzerrende Katastrophe. Damit verbunden, und zwar eng, ist die Wortkreation Abwetten, die sich magisch diesem Schauspiel verbindet. Kommt gleich nach Wiederbedeckung. Abwetten ist ein Konstrukt, welches sich als Passe Partout eingeschlichen hat in die grundsätzliche Schlamperei der Organisation des Sports, und das schönste an diesem Kunstproblem ist, daß es gar keins ist. Die Leute auf der Bahn sind da, und sie wetten, trotz Moderation aus dem Hause Göntzsche und trotz mancher Schlange. Sie haben ein Budget, und das wird verbraten. Das Problem des Sports sind die vielen Wetten, die nicht im Sport ankommen, weil der Wettbewerb sie annimmt.

 

Aber der Kampf gegen diese Truppe von Albers Springer Sieberts Weiss & Co. Ist nicht die Sache der verschworenen Schicksalsgemeinschaft um Herrn Woeste, weil seit Jahren keiner Ahnung hat, wie das geht, und weil man seit Jahren hilflos den Zustand bejammert, indem man diese Leute als Vertriebspartner bezeichnet, und sie mit großzügigen Daten- und Bildbezugsrechten ausstattet. Die große Lüge des Sports, das Gefasel von der Partnerschaft, und die große Lüge, daran könne man nichts ändern. Winrace zeigt mit den Trabverträgen, daß es geht. Bilder und Daten nur, wenn ausschließlich vermittelt wird. HansOLG. Die Buchmacher sitzen mit im Boot, daß ist wahr, aber sie rudern nicht mit, sondern lassen sich vom Sport rudern. Beweis: Die schlichte Tatsache ihrer Existenz. Man stelle sich mal vor, der Sport würde den Buchmachern Preise andienen, die den Sport in Summe einkömmlich machten, also soviel, daß die ganze Chose bezahlt würde. Das wär doch mal was, nicht wahr, Herr Dr. Albers, Preise in mehrfacher Millionenhöhe, so um und bei 60 Millionen. Das ist grob der Preis, der entrichtet wird von den Besitzern, damit die Pferde im Kreis laufen, und so den Damen und Herren aus der Buchmacherbranche ihr Auskommen sichern.

 

Aber von diesem Problem hat Herr Göntzsche noch nie geschrieben.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Fritz Rühl (Samstag, 01 Mai 2010 09:57)

    ..wie soll er auch, wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Leider gibt es zu viele , die an dem Brot" Galoppsport" essen.(ein Chor von beachtlicher Größe)
    Da München nun mit Dr. Poth einen Präsidenten hat, der sich nicht einkaufen läßt, wird schnell
    ersichtlich, wie man erfolgreich einen Verein,
    auch in der heutigen Zeit, führen kann.

  • #2

    veltheim (Samstag, 01 Mai 2010 11:07)

    was bleibt dem klausi auch anderes übrig ?
    1.will er seine leserschaft bedienen ,2.seine
    hauptklientel,die anzeigen kunden nicht verlieren.
    3.heißt die gelbe postille ja auch Galopp Intern,
    so wie in etwa die Bunte für arme !

  • #3

    j.w. (Samstag, 01 Mai 2010 12:25)

    ganz zu anfang war g.i. schon noch lesenswert. aber das war irgendwann im alten jahrtausend ...

  • #4

    hoppeditz (Samstag, 01 Mai 2010 20:37)

    im alten jahrtausend machte er sich u.a. in baden dafür stark, keine vorwetten mehr zu verlesen

    dafür interviewte er im führring die jacob-sisters und wir erfuhren etwas über multiple orgasmen im hohen alter

    er steht für mich, wie kein zweiter, für den niedergang des sportes, die totale abgewöhn- und verzicht-figur, das schreckgespenst der letzten 20 jahre meetings-geisterbahn

    um es auf eine kurze formel zu bringen:

    je weniger von diesen 'mussdochwirklichnichtsein', um so größer, absehbar, die chancen der neuen firma

  • #5

    veltheim (Samstag, 01 Mai 2010 20:49)

    andere sehen das anscheinend aber nicht so;denn
    das gelbe blatt wird weiterhin gekauft und
    auch fleißig inseriert darin.
    es soll sogar leute geben,die ohne den galopp
    rennsport ein nichts wären!
    so kann man nur hoffen,daß die RV eines tages
    auf die impressarios verzichten werden !
    aber man kennt sich ja !

  • #6

    rühl (Sonntag, 30 September 2012 14:13)

    muß ich im Jahre 2011 berichtigen, Herr Dr.Poth
    war der "Wolf im Schafspelz" er wurde abgewählt, .!

    Neuer Präsident ist- Herr von Boetticher, ein Segen für den Verein. Herr von Boetticher hat schon 1991 -94 den Verein aus der Krise geführt.