Allerlei

Das Ansehen des Rennsports. Was ist das? Wie schädigt man das Ansehen des Rennsports? Diese Formulierung geistert seit Jahr und Tag durch die Rennordnung und das gedankliche Habitat von Ordnungsfanatikern, denen das Ansehen des Rennsports eine Herzensangelegenheit ist. Diese Formulierung macht die Generalklausel aus, mit der sich alles das, was den Leuten, die das entscheiden, nicht paßt, in die Tonne treten läßt. Wer das macht, hat verstochen. Nun ist es natürlich so, daß diese Generalklausel überhaupt grober Unfug ist, weil sich gar nicht messen läßt, welches Ansehen bei wem besteht und möglicherweise beschädigt wurde. Kein Richter kann das entscheiden, weil es keine Parameter gibt. Eine Jury ist nicht viel mehr als ein Mann, und die Bild Zeitung ist sogar weniger als der geringste unter Euch. Und was ist das eigentlich für ein Ansehen, welches der Rennsport voraussetzungsgemäß hat? Ist es das Ansehen einiger Zigarre rauchender Bankiers, oder des prügelnden Jockeys, oder des unfähigen, aber tiptop gekleideten Funktionärs? Ist es das Ansehen der Buchmacher at large, der Vertriebspartner? Oder das der publizistischen Putzerfische bzw. dasjenige, was sie verkünden? Kann man das Ansehen der Pferde schädigen, wenn man laut Esel dazu sagt, oder Raupe? Man sieht, das Ansehen ist eine ganz schön mannigfaltige Sache, zudem sich die Dinge in verschiedenen Köpfen oft verschieden darstellen. Was dem einen sien Uhl, ist dem anderen sien Nachtigall.

 

In Bremen hat zumindest die Sonne geschienen, aber es war sehr windig und kühl. Am Eingang stand wieder dieser Heidi Fisk Stand, und nun ist endgültig klar, warum diese Brötchen nicht mehr das sind, was sie sein müssen. Sie sind leichenblaß, fast schneeweiß. Wattig und pappig, sehr sehr fade fast und nicht zu essen. Der korrekte Brathering konnte gegen dieses Inferno der Labbrigkeit nicht anschmecken. Auch die einstmals knusperigen Pommes frittes nur noch ein Schatten ihrer selbst. Wenn schon bei kurzen Stücken die Enden zum Boden zeigen, also der Schwerkraft folgen, ist nichts Gutes mehr zu erwarten. Und so kommt dann auch die Mahlzeit im Ganzen unter die Räder. Die Wurst hat schon letztes Jahr Verfallserscheinungen gezeigt, die brauchte man nicht mehr. Also eine dicke fette 5- für das Essen in Bremen. Die Pony Reiterei steht aber in voller Blüte, und die Fachmänner stehen jetzt geschützt an der Albers Front am Getränkestand. Da weht ein ordentlicher Wind, so daß die Zigarre von ganz alleine glüht.

 

Was Bremen sehr schlau macht ist das Sparprogramm, nämlich was die Herren Delius, Kappes, Göntzsche und Consorten angeht. Die haben alle Funk- und Sendepause, und Herr Martin macht das daher mit Herrn Wissel im Duett, und mindestens genauso ordentlich. Sportlich ragte der Ritt der engagierten Dame Murke heraus, die das Pferd Giardini sehr cool und spät, aber effektiv in die Schlacht warf. Belohnung verdienter Erster. Offen gestanden habe ich selten einen besseren Ritt einer Dame gesehen, aber ich habe nicht sehr viele gesehen. Toll! Es war auch schön, den erfahrenen Arturo mit Herrn Hammer-Hansen nicht und nicht verlieren zu sehen, um keinen Preis. Die Dreijährigen machen immer einen etwas unkoordinierten Eindruck um diese Jahreszeit, also mit Wumms, aber auch Wackelei.  Der Ittlinger Langley könnte besser sein, war ab er deutlich fiter als der Rest. Der Sieger im ersten Rennen Shoshoni hatte den Vorteil des extrem gut getimten Ritts von Herrn Pietsch, der seine reiterliche Klasse demonstrierte. Wir sind dann nach dem sechsten, dem Hauptrennen, gefahren. Die A1 geht jetzt so einigermaßen, und auf dem Stück bei Rosengarten konnte man richtig schnell fahren.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    A Magicman (Freitag, 02 April 2010 22:12)

    Also ging das nicht nur mir so mit dem Fischbrötchen, das nach nichts schmeckte. Dafür sind sie nach meinem Dafürhalten aber teurer geworden.

    Möge es bald wieder Harzburg werden mit dem besten Fischstand der Republik. Turfdeutschlands.


    Langley hat gewonnen, ob das für das Derby reicht, bezweifle ich. Der Rest stand ab Mitte der Geraden, er marschierte unbeirrt weiter, allerdings ohne den von Ihnen zitierten Wumms und ohne Aha-Effekt.

  • #2

    veltheim (Freitag, 02 April 2010 22:20)

    und die bratwürste erstmal.....lecker....lecker
    landschlachterei........

  • #3

    veltheim (Freitag, 02 April 2010 22:22)

    ist doch normal bei den 3j.,zumal der winter
    heuer sehr lang war......

  • #4

    tiedcottage (Sonntag, 04 April 2010 09:57)

    wg. der formulierung "schädigung des ansehens des ..... usw." schrieb mein freund galileo galilei:
    Man solle messen, was sich messen lässt, und das, was sich nicht messen lässt, messbar machen."

  • #5

    einstein (Sonntag, 04 April 2010 18:35)

    Klasse Beiträge,
    es ist eine Freude das zu lesen!!
    Unbedingt weitermachen!!!!!

  • #6

    Schopenhauer (Sonntag, 04 April 2010 20:11)

    Pappige und wattige Brötchen, schlabbrige Pommes frites:

    Gerade in Kleinigkeiten, als bei welchen sich der Mensch nicht zusammennimmt, zeigt er seinen Charakter.

    Hier der Charakter des Veranstalters.

  • #7

    tiedcottage (Sonntag, 04 April 2010 22:58)

    das ist schon richtig @schopenhauer, selbstdisziplin ist alles, aaaber, die taktstockführung von arturo toscanini war der ihren von hier bis "egypt" überlegen.
    so ist das läben äben.

  • #8

    Ordnungsfanatiker (Montag, 05 April 2010 09:53)

    Wichtig iss auf'm Platz. Auch auf'm Rennplatz. Lekkere Brötchen, lekkere Pommes, nich viel Laberei von Kappes und Konsorten, dann gehts auch mit dem Umsatz aufwärts.