Lizenz Geschenk

Die Forderung von Berglar in TurfTimes nach Abschaffung der Züchterprämie ist natürlich angesichts der desolaten Kassenlage im Rennsport richtig. Es ist nicht genug für einen auskömmlichen Sport da, die Zahlen beweisen das seit 10 Jahren. Bezahlt wird der schmale Rest > 90% von den Besitzern. Eine ewige Wahrheit.

 

Züchterprämien sind eine schöne Sache, wenn man sich das leisten kann. Aber sie sind erstmal systemwidrig, denn: Es hat bereits ein Kauf statt gefunden, es wurde bereits der Kaufpreis entrichtet, und somit ist in fast allen Lebenslagen das Band zwischen Verkäufer und Käufer (abgesehen von Schlechtleistung etc.) zerschnitten. Es sei denn, man führt zusätzlich eine Lizenzvereinbarung ein, denn genau darum handelt es sich bei der Züchterprämie. Die Lizenzabgabe wird im Gewinnfall fällig, speist sich aus den gleichen Quellen wie der Rest, also den Besitzertaschen, und haftet somit der Kaufsache ewig an. Wo gibt es so was noch, außer eben im Recht der Lizenzen? Das ganze ist also nicht selbstverständlich, sondern Kaufpreis plus Geschenk Züchterprämie.

 

Die Argumente pro Züchterprämie haben außer der Freundlichkeit gegenüber den Züchtern keinerlei Gewicht, schon gar nicht angesichts der Internationalisierung, weil Protektionismus so gut wie nicht mehr durchsetzbar ist, zu schweigen vom politischen Wollen. Genauso schreien die Buchmacher mit Hinweis auf ein vorgebliches Recht zu verdienen. Das Recht zum Buchmachen und Züchten ist unbestritten, aber die Pflicht der Besitzer, das alles zu bezahlen, nicht.  Insofern hat Berglar völlig Recht.

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Ananova (Freitag, 19 März 2010 17:19)

    Ich bin auch für die Abschaffung jeglichen Protektionismus, dann aber bitte EU-weit. Gegenüber Frankreich und Italien sind die Inländerprämien in Deutschland doch wirklich lächerlich.

  • #2

    di (Freitag, 19 März 2010 17:29)

    ja, aber letztlich ist der rennsport so nicht mehr finanzierbar. wo soll die kohle denn herkommen? immer nur von den besitzern? ich gebe gern, aber ich muß erstmal was haben.

  • #3

    VolkerLinde (Samstag, 20 März 2010 10:42)

    Ihr Kommentar über die Züchterprämie ist leider genauso nicht zu Ende gedacht, wie die Idee von Herrn Dr. Berglar.

    Es kommt nicht darauf an, ob "man" selber Züchter ist und von der Züchterprämie profitiert, vielleicht sogar, ob es sich in den letzten Jahren gar nicht mehr lohnte.

    Die Züchterprämie ist das vielleicht wichtigste Lenkungsmittel unserer Zucht.
    Seit die EG-Körgesetzte übernommen wurden (Anerkennung) kann praktisch jeder mit jedem Hengst züchten wie er möchte.

    Alleine die Züchterprämie hilft in eine Richtung zu lenken: Die Leistungsprüfung.

    In keinem Land der Erde werden die Deckhengste so streng selektiert wie in unserer winzigen Zucht Deutschland. Jedes Rennpferd in Deutschland hat seit zig Jahren immer ein Elternteil von sehr hohem Leistungsniveau (95GAplus oder 94 mit Ausnahmegenehmigung, was schon verwässert).
    Jede Mutterstute hat immer ein Elternteil mit diesen hohen Anforderungen.
    Sehen Sie sich einmal die vielen Zuchtstuten in Frankreich an - Vater nicht gelaufen, selber nicht gelaufen, Grossvater Ausgleich IV - Stute wird wieder zu einem wenig geprüften Hengst gebracht.

    Schuld daran ist das Prämiensystem. Und Frankreich hat das jetzt selber gemerkt. Im neuesten Hengstbuch sind nur noch Nachkommen von leistungsgeprüften Deckhengsten prämienberechtigt.
    Richtig!
    Und wir sollen jetzt den umgekehrten Weg gehen?

    Auch wenn Sie nie züchten wollen oder werden, noch nie gezüchtet haben, so haben Sie von diesem System profitiert mit jedem Kauf eines gut gezogenen Pferdes.

    Zweitens.
    Wer glaubt denn wirklich, dass die "eingesparte" Züchterprämie in den nächsten Jahren tatsächlich in den Rennpreisen landet und nicht irgendwo in anderen Kanälen versickert.

    PS
    Herzlichen Glückwunsch an Herrn Gutschow, der aktuell die deutsche Züchterstatistik (International) anführt. Fragen Sie ihn mal nach seiner Meinung...

  • #4

    Judge (Samstag, 20 März 2010 11:35)

    Das mit der Züchterprämie ist doch ein Blödsinn. Angebot und Nachfrage, also der Markt, sollen es regeln. Der kommerzielle Züchter züchtet für den Markt, wird also über die Verkaufserlöse "entlohnt". Und der Owner-Breeder züchtet als Hobby, quasi just for fun und erzielt den ROI über die Rennpreise. Alles andere ist doch kalter Kaffee.

    Dieses Argument, dass jeder mit allem züchtet kann ich nicht gelten lassen, denn der Markt wird derlei Produkte nicht annehmen und der Owner-Breeder recht bald die Lust verlieren.

    Die Züchterprämie als Regulierungsinstrument sehe ich nicht.