Ferrari für Alle

Es war abzusehen, daß die Entwicklung in Baden Baden Verwirrung hervorrufen würde. Nun werden gute, alte Zeiten des Fußballs bemüht, als alles besser und schöner war, und Günther Netzer einen als Opel Manta verkleideten Ferrari fuhr, und die Bratwurst einsfuffzich kostete. Das ist lange her, aber die Bratwurst kann auch heute schmecken, wenn sie ordentlich hergestellt und gebraten wird. Holzkohle ist nach wie vor die beste Unterlage. Aber jetzt wird eine Privatisierung des Rennsports vermutet, als schleichender Prozeß, der diese grundgute und mutmaßlich öffentlich-rechtliche Vergnügung in das zwielichtige Reich des Kapitalismus führt. Denn eine kapitalistisch orientierte Betreibergesellschaft soll in Baden Baden den Rennbetrieb richten.

 

Wie schon oft mitgeteilt, aber wieder einschlägig: wenn es eine erzkapitalistische Freizeitbeschäftigung gibt, dann den Galopprennsport. Es mag in der DDR volkseigene Rennställe gegeben haben, aber die zählen nicht. Ansonsten war der Rennsport immer kapitalistisch, er ist es, und er wird es immer sein. Wenn er es nicht wäre, wäre es kein Rennsport. Denn an einer Zahl kommt niemand am Ende des Tages vorbei, an den Aufwendungen, die nötig sind, um den Sport zu betreiben. Und da haben die Besitzer der Pferde den weitaus überwiegenden Teil zu stemmen. An dieser einfachen Wahrheit rüttelt keine Exegese der Fußball Geschichte, und kein Erbbaurecht der öffentlichen Hand. Und auch keine selbstlosen Malwochenenden der Vereinsmitglieder. Und trotz Alledem, trotz all der Millionen und Abermillionen, die die Besitzer der Rennpferde seit Urzeiten verballern, es will sich einfach keine gesunde Rendite einstellen. Mag das wohl daran liegen, daß der Sport so amateurhaft organisiert ist? Damit auch diejenigen, die sich kein Pferd leisten können oder wollen, am faszinierenden Millionärssport das Rad drehen können? Ich nenne Herrn Engelbert Halm stellvertretend für all die pferdelosen Amateure, die Profiarbeit verrichten wollen, aber nicht können. In Bad Doberan, dem Eldorado der Amateure, gab es grob gerechnet zwei oder ein Mitglied im ganzen großen Verein der Galoppsportenthusiasten, welches ein Pferd hatte. Die anderen aber hatten das Sagen, bis die Insolvenz in etlichen Jahren unvermittelt über den Verein hereinbrach. Ähnlich verhält es sich in Iffze.

 

Nun endlich soll der Rennbetrieb nach kapitalistischen Gesichtspunkten organisiert werden, also vor der Hand von Leuten, die die Materie kennen und Gewinne erwirtschaften wollen. Das klingt sehr vernünftig und sinnvoll. Wenn das gelingt, werden auch wieder mehr Leute ein Pferd halten und anspannen, damit diejenigen, die keins haben oder haben wollen, was zum Erleben und mitfiebern und drauf zocken haben. Wenn also die Sozialisierung des Spaß` wieder möglich wird.

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    veltheim (Samstag, 06 März 2010 10:43)

    im moment sieht es aber eher nach ²ausspannen" aus ,
    dem zu folge ,die "nichtpferdebesitzer" auch weiterhin die oberhand behalten werden!