Taschenvollmachen

Kann man mit Pferdewetten Geld verdienen? Im Prinzip ja, aber nicht im Leben. Das ist sehr schwer, weil sich viele Dinge gegen den Wetter verschworen haben, die äußeren Umstände, die inneren, und überhaupt die Schwierigkeit, Dinge, die die Zukunft betreffen, vorher zu sagen. Aber der Reihe nach.

 

Am Anfang steht die Erkenntnis, daß auch so genannte Profiwetter nur mit Wasser kochen, solange sie nicht bescheißen. Aber das zählt nicht. Diese Leute sind froh, wenn sie den Kapitalmarktzins schlagen, irgendwas zwischen 4 – 10%. Das hört sich nicht nach viel an, aber dazu muß der Totoabzug oder die Buchmacherspanne geschlagen werden, was die Sache in ein anderes Licht rückt. Jeder Wetter, der in den Deutschen Toto wettet und nach einigen Wetten pari steht, hat um und bei 30% verdient, weil er die Abzüge in der nämlichen Höhe geschlagen hat. Wer beim Bookie wettet, muß dessen Takeout schlagen. In Deutschland sind die Festkurse z.B. bei rabets mehr oder weniger willkürlich, und zwar in beiden Richtungen. Es gibt in der Regel schlechte Kurse, schlechtere als am Toto, aber manchmal rutscht einer durch, wenn der Kursmacher ein Pferd nicht kennt. Aber wie auch immer, das ist die Startposition, immer erstmal hinten.

 

In Deutschland werden im Moment die Winterrennen auf den Sandbahnen in Neuß und Dortmund veranstaltet. Da kann man nicht wetten. Da läuft Not gegen Elend, oder Gosse gegen Rinne, wie die Traber sagen. Es laufen Rekonvaleszenten, es reiten unbekannte Amateurreiterinnen, es schneit, es regnet. Hoch spritzt der Dreck, das Geld ist weck. Es laufen völlig unbekannte Pferde aus Belgien mit obskuren Formen. Und so sind die Rennverläufe dann folgerichtig unvorhersehbar, unauslotbar, und daher unkalkulierbar. Extrem kurz stehende Favoriten, rätselhafte Vorstellungen, versiebte und vergeigte Chancen, Pferde, die schon nach wenigen Galoppsprüngen aussichtslos geschlagen sind. Abstände wie auf der Autobahn. Das geht also gar nicht.

 

Man blickt ins Ausland, nach Großbritannien und Irland vor allen Dingen. Da haben sie im Moment National Hunt Sport, also Hindernis Rennen. Dazu bissi was Sandbahn Flach, aber das sind auch keine Leckerbissen. Aber die Hindernis Rennen, die machen Spaß, die sind höchstklassig, und da kann man einigermaßen gut wetten. Zum einen sind die Pools groß, also der Umsatz stimmt, und zum anderen stimmen die Formen besser. Da gewinnt auch nicht jeder Favorit, aber gefühlt mehr. Und man kann mit mehr Vertrauen wetten, weil  mehr Informationen zur Verfügung stehen. Zusätzlich gibt es einfach bessere Bilder als vom pitschnassen Hippodrom Neuß, dem grauslichsten weit und breit.

 

Meydan und USA sind reizvoll, weil die Bilder aus Meydan sehr schön sind, aber die Formen schwer auszuloten; manchmal gewinnen welche mit der halben Bahn, um dann für den Rest des Jahres in der Versenkung zu verschwinden. Das Klima ist speziell, wie auch die Exoten aus Brasilien oder der Türkey. Und mit Jamie Spencer gewinnt Crowded House einfach nicht, nicht in diesem Leben. Godolphin ist da eine Macht, aber manchmal gehen die allerheißesten unter, oder die zweite Farbe mit Ajtebi gewinnt. Dennoch, zusehen macht Spaß, und wetten geht ganz ordentlich, weil auch die Favoriten meistens mehr als pari zahlen. Wenn deutsche Pferde laufen, ist jedoch Vorsicht geboten; zum einen ist die Konkurrenz meistens eine Nummer zu groß, und zum anderen sind die angebotenen Kurse mehrere Nummern zu klein. Wenn schon, dann zum Bahnkurs, der auf dem Stream mit den Bildern fast immer akkurater angezeigt wird. Am besten, man wartet bis zum letzten Moment. In den USA werden die Rennen nach bestimmten Schemata gelaufen, die sich Nation weit gleichen: immer gegen den Uhrzeigersinn, gleiches Layout der Bahnen mit engen Bögen, und sehr viel Informationen über Rennzeiten und Trainingszeiten. Damit läßt sich im Prinzip viel anfangen, aber man darf den Wald vor lauter Bäumen nicht aus den Augen verlieren.

 

Dann gibt es noch die Ante Post Wetten, wie es auf gut englisch heißt, also Langzeitwetten. Das sind eigentlich die Wetten, die am meisten auf guten Hintergrundwissen basieren, und die am meisten Freude machen, weil im Erfolgsfall das schöne Gefühl hinzutritt, schon immer mehr als racebets gewusst zu haben. Auch drückt sich das natürlich im Kurs aus. Aber selbst Rolling Home in St. Moritz zahlte angeblich bei PMU weitaus mehr als bei racebets Wochen vorher – 159:10 gegen 110:10, was dem Autor damals auch als sehr generös erschien. Ein anderes schönes Beispiel ist Cheltenham Gold Cup. Da gab es bereits vor Wochen 32:10 für Denman und 29:10 für Kauto Star. Schwer vorstellbar, daß ein anderer gewinnt, so daß, wenn man beide spielt, immer was übrig bleiben sollte. Na ja, sehen wir mal.

 

Die Kunst beim Wetten ist das Stillhalten, wenn’s läuft. Und wissen, besser Bescheid zu wissen. Beides ist nicht einfach.

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    veltheim (Dienstag, 23 Februar 2010 08:43)

    sandbahnrennen in deutschland ,ein graus für jeden
    turf freund.
    mich beschleicht so langsam das gefühl,daß diese
    rennen nur für die sportwelt abgehalten werden.
    unwörter des jahres:endlich sandbahnrennen!
    wintermeisterschaft der amateure und was weiß ich
    nicht alles!
    alles krampf!!!

  • #2

    di (Dienstag, 23 Februar 2010 08:47)

    sehr richtig

  • #3

    tiedcottage (Dienstag, 23 Februar 2010 11:30)

    ein wundervolles rennen, der cheltenham gold cup, aber, odds on für kauto star(4/5), grenzt an wahnsinn. ein jagdrennen uber einen weiten weg, gegen die besten die es gibt, bei allen unwägbarkeiten eines solchen rennens, sind:
    viel nervenkitzel für wenig geld oder
    not worth it!

  • #4

    Overdose (Montag, 01 März 2010 22:31)

    Da läuft Not gegen Elend, oder Gosse gegen Rinne, wie die Traber sagen. Es laufen Rekonvaleszenten, es reiten unbekannte Amateurreiterinnen, es schneit, es regnet. Hoch spritzt der Dreck, das Geld ist weck.

    Wenn man dies hier liest, wo sind Ihre Gruppe-Pferde? Wo ist ihr Intersse am Sport? Von Arroganz nicht zu überbieten. Bleiben Sie bitte in Hamburg und störenn Sie diese weiter mit Ihren Weisheiten, aber - bekommen Sie dort noch ein offenes Ohr? Nur mal so eine Frage am Rande...