R.I.P.

Immer wieder liest man die Nachrufe auf Verstorbene des Rennsports, wenn von Galopponline verfasst, mit einem Unbehagen. Nicht der Tod ist daran schuld,  sondern es stellt sich schnell das Gefühl ein, daß hier Unbefugte schreiben. Niemand kann all die vielen Leute des Rennsports im Inland und im Ausland persönlich kennen (obwohl die hiesigen Verhältnisse das bald möglich machen), aber zumindest sollte ein Nachrufer eigene Kenntnis vom Werk des Verblichenen haben, also seine Lebensleistung kennen, soweit sie für den Rennsport Relevanz hatte. Daran hapert es aber ganz gewaltig und ganz oft, wenn der Trauerrand her muß bei GOL. Dann gerinnen selbst die einfachsten Dinge zum peinlichen Gewurschtl, und die bei Wikipeda machen Überstunden. Es stirbt also Dick Francis, aber nicht etwa hoch betagt, wie man bei dem Alter nicht schlecht formuliert, nein, bei diesen Jungs „an Altersschwäche“. Das mag zwar richtig sein, in einem technisch-medizinischen Sinne, aber es ist natürlich nur eine patzige Übersetzung von „infirmities of the age“, was sonst. Dann werden Daten hergezählt, seit wann seine Frau verstorben ist etc., als wenn der Redakteur noch gestern mit ihr telephoniert hätte. Wozu diese vergebliche Faktenhuberei? Noch schlimmer wird es, wenn in fernen Ländern junge Auszubildende zu Tode kommen. Wenn so eine Meldung im www erspäht wird, dann gibt es kein Halten mehr. Name nebst Vorname, Arbeitgeber, nähere Umstände des Todes, alles Sachen, die außer den Betroffenen und seine unmittelbare Umgebung niemanden was angehen, weil sie höchstens lokalen Charakter haben, und auch keine Signalwirkung davon ausgeht. Kurz, es wird eine Intimität mit dem jeweiligen Fall vorgegaukelt, die nichts als profane Befingerung posthum ist. Jetzt ist leider wieder ein junger Mann vom Pferd abgeworfen worden und gestorben. Ich schreibe aber nicht, wer und wo. Er soll seine Ruhe haben.

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