Scheindebatte

Wer soll oder darf oder muß oder kann in Sachen Rennsport mitreden? Jeder, natürlich. Aber diese Frage wird trotzdem gerne diskutiert, weil sich im Sport diejenigen betätigen, die was einzahlen, also die Besitzer, sowie diejenigen, die das nur als Wetter tun, oder aber nur als Eintrittzahler. Gleichwohl wird eine erbitterte Debatte geführt, wobei die Frage völlig falsch gestellt wird, wenn es um das Mitreden geht. Denn es herrscht Redefreiheit hierzulande, die niemand beschneiden kann, und die auch diejenigen betrifft, die sich als Opfer vermeintlicher Redebeschränkungen wähnen. In Wahrheit geht es natürlich auch nur um die Frage, wer mitentscheiden darf, und die stellt sich auch nicht, weil nur Mitglieder von Vereinen und Verbänden Stimmrecht haben, also an formalen Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Insofern könnte man das Alles als Scheindebatte abhaken.

 

Aber es gibt die berühmte Parität im DVR, wonach Besitzer Vereinigung und Rennvereine Stimmgleichheit haben, und zusätzlich die Amateure, die Besitzertrainer sowie die Trainer und Jockeys Stimmrecht haben. Das führt dazu, daß am Ende des Tages ein großmächtiger Konsens herbeigeführt werden muß, was die Freunde des Konsenses erfreut, aber Entscheidungen der prinzipiellen Art erschwert. Zusätzlich entsteht ein aufgeblähter Kommunikationsapparat. Nun wird hier schon länger der Standpunkt vertreten, daß Schluß sein muß mit dieser Parität, die ja in wirtschaftlichen Dingen niemals bestanden hat. Die Besitzer stemmen je nach Inhalt der Berechnung 80-90% der Veranstaltung. Das sind die Fakten, und das muß sich in der Entscheidungskompetenz wieder finden. Vor allen Dingen Amateure und Trainer und Jockeys haben auf dieser Ebene keine Aktien im Spiel, sondern sind expressis verbis als non-profit Organisation zu Gange, oder als Vertragspartner der Besitzer.

 

Insofern geht es nicht um Rederecht für Fans, welches unbenommen besteht und ewig fortbestehen möge. Es geht um Mitbestimmung. 

 

Hubertus Schmelz

 

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Kommentare: 6
  • #1

    VolkerLinde (Montag, 08 Februar 2010 11:57)

    Eigentlich nichts Neues. In der Besitzervereinigung haben nur die "Besitzer" ein Stimmrecht. "Nur Mitglieder" können Anträge stellen, aber sie haben kein Stimmrecht.

    Also selbstverständlich - immer so gewesen.

    Profit und NonProfit ist wohl kaum zu trennen. Das sehe ich als zu starke Vereinfachung.

    Nahezu jeder Trainer ist auch Besitzer. Gleiches gilt für viele Jockeys.

    Als Gestüt bin ich natürlich Besitzer, Züchter, sowie NonProfit und Profit in einem.

    In meinem Verein (HRC) waren und sind die Vorstände auch überwiegend Besitzer. Wird in anderen Vereinen ebenso sein.
    Und dann gibt es noch Teilhaber, also Besitzer, die nur einen Anteil an einem Stall besitzen. Sind also keine Vollbesitzer.

    Und wenn schon Klassenunterschiede zwischen Rennsportteilnehmern gemacht werden :

    Wieviel mehr wert ist die Stimme eines Besitzers, der mehrere Pferde sein eigen nennt gegen den Besitzer, der gerade einmal ein Pferd besitzt? Oder nur einen Anteil?
    Ganz schwierig, das sieht wohl jeder aus seiner eigenen Sicht.
    Bleiben wir doch im Moment bei den derzeitigen Bestimmungen:
    Wer mehrheitlich an einem Pferd mindestens beteiligt ist und Mitglied in der Besitzervereinigung ist, hat eine Stimme.
    "Auch", wenn er Trainer, Jockey, Amateur oder Rennvereins-Vorstand ist.
    Volker Linde
    Gestüt Lindenhof, Hamburg

  • #2

    di (Montag, 08 Februar 2010 14:01)

    lieber herr linde,

    nicht, daß wir uns falsch verstehen. ich bin nicht der auffassung, daß man diese bruchteilsgemeinschaften noch weiter aufdröseln sollte. ich rede hier daher auch nicht von der bv. ich meinen die mehrheitsverhältnisse im dvr. ich möchte, daß die bv dort die majorität bekommt, weil sie auch die majorität beim bezahlen stellt.

    di, auch hamburg

  • #3

    Veltheim (Dienstag, 09 Februar 2010 13:54)

    wahrscheinlich meinen sie eine strukturreform,
    wenn sie denn greift!

  • #4

    VolkerLinde (Dienstag, 09 Februar 2010 19:19)

    Das Problem liegt doch ganz anders:

    Wie seit über einem Jahr bemängelt ist das Problem in unserem Sport die Verwicklung der Personen in den einzelnen Gremien.
    Wenn sich dort nichts ändert, dann wird sich auch durch Ihre gutgemeinten Ideen nichts ändern , di.

    Sehen Sie sich doch einmal die Personen im Vorstand der BV an.

    Und dann sehen Sie sich die Personen in den wichtigen grossen Rennvereinen an.

    Und dann sehen Sie sich die Personen im DVR an.

    Bis auf wenige Ausnahmen überschneidet sich der Personenkreis. Für über 40 Funktionärsposten gibt es nur wenig mehr als die Hälfte induvidueller Personen.
    Und wenn wir Herrn Rolf Leisten glauben wollen (sollen), dann liegt es einfach daran, dass es zu wenige Personen mit (seinem?) Wissen gibt, in unserem Microcosmos.
    Insofern bleibt es im Moment noch dabei: Die BV hat die absolute Mehrheit - auf jeden Fall, wenn man die BV-Funktionäre mitrechnet, die auch aus anderen Funktionen entsprechend abstimmen.

  • #5

    di (Dienstag, 09 Februar 2010 19:55)

    ich möchte natürlich auch, daß solche huckeduster verschwinden. das geht aber nicht. man muß sie also kalt stellen. daran möchte ich aktiv mitwirken. demokratie wirkt nun mal in alle richtungen,

  • #6

    VolkerLinde (Dienstag, 09 Februar 2010 20:48)

    Das hoffe ich doch!

    Denn Sie wirken ja mit an dem Vorschlag zur Neuformulierung der Satzung der BV. Vielleicht und hofftentlich auch an der Satzung des DVR, was eigentlich einher geht.

    Wenn nun die BV wirklich eine eigene Stimme haben will, mit der sie die Mitglieder - also die Besitzer und Züchter - ganz demokratisch egoistisch nach deren Meinung und Zielen vertritt, dann dürfen diese Vertreter nicht gleichzeitig andere - zum Teil gegensätzliche Ziele - vertreten. Erst waren das privatwirtschaftliche Ziele im Wettmarkt.
    Nun sind auch die Gegensätze zwischen den RV und der BV zu berücksichtigen.
    Nur ein ganz einfaches Bespiel:
    Der Besitzer (vertreten durch die BV)will möglichst hohe Geldpreise.
    Der Rennverein hat andere Interessen, muss aus vielerlei Gründen haushalten, versucht also Rennen so günstig wie möglich auszuschreiben. Am liebsten fremdfinanzierte Auktionsrennen. Oder Altergewichtsrennen mit Gr-<Pferden um einen Sack Kartoffeln. VolkerLinde