Hinterhermachen

Hinterhermachen ist Betrug am wettenden Publikum, und zwar durchaus im strafrechtlichen Sinn. Es geht dabei nicht um eine interne und burleske Angelegenheit unter Pferdeleuten, sondern um echtes Geld, welches den Leuten unter der falschen Vorspiegelung, man werde sich regelgerecht verhalten, aus der Tasche gezogen wird. Mutmaßlich, um sich selbst ein Zubrot zu verdienen, wahrscheinlich in Absprache mit anderen, also Besitzer und/oder Trainer des betroffenen Pferdes. Wenn diese Fälle, die den Rennsport seit Einführung der Wetten begleiten, ruchbar werden, dann schreitet die Renngerichtsbarkeit ein, und es werden Strafen gem. der Rennordnung gefällt. Das sind in der Regel Suspendierungen der Reiter, bekannte Höchststrafen 6 Monate am Zaun. Dann ist der Fall für den offiziellen Rennsport erledigt. Es gibt manchmal so was wie Beweiserhebungen, Aussagen, Beweiswürdigungen, Reklamationen, Berufungen, aber am Ende siegt der gemeinschaftliche Wille von  Anklage, Beschuldigtem und Richtern, die Dinge nicht bis zum bitteren Ende aus zu diskutieren.

 

Das ist sehr unerfreulich für die betroffenen Wetter und den Sport in seiner Gesamtheit, weil seine Integrität zur Debatte steht. Letzthin haben sich zwei besonders krasse Fälle zugetragen – Almira und Easytango – die wahrscheinlich nicht die einzigen waren, aber so was wie die Spitze eines Eisbergs an krimineller Energie, soweit die erfolgreichen Bemühungen der beiden Reiter betroffen waren, ihre Pferde nicht nur am Sieg, sondern auch an einer Platzierung zu hindern. Diese Fälle werden dann unter dem Rubrum „grob fahrlässige Nichtwahrnehmung der Gewinnchancen“ geführt, eine contradictio in objecto nach der hier vertretenen Auffassung. Rennreiten ist eine aktive Tätigkeit, und Hinterhermachen erst recht, und da haben Fahrlässigkeitskriterien überhaupt keinen Platz. Der Reiter schläft ja nicht, denn dann fiele er runter, oder vergisst seinen Auftrag, sondern er unterlässt seine Kardinalpflicht, nämlich zu gewinnen. Das aber ist aktives Tun, nämlich Bremsen. Damit ist der Betrug sowohl objektiv als auch subjektiv sehr simpel ausgemacht. Das Motiv ist auch nicht  schwer zu erraten, nämlich Geld, so daß der Fall recht schnell geklärt ist. Leider wird nicht nach diesem Schema verfahren, weil die Angst des Sports vor Instanzen und Risiken ausgeprägter ist als der Gerechtigkeitssinn. Aus dem gleichen Grunde werden Trainer und Besitzer nicht in die Mangel genommen, sondern starten munter 14 Tage später wieder, mutmaßlich erfolgreich. Das ist alles eine große Schande für den Sport, und einer der Gründe für seinen Niedergang.    

 

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Kommentare: 2
  • #1

    volle pulle (Sonntag, 26 Juli 2009 12:10)

    nicht nur roß,sondern auch reiter nennen!

  • #2

    Ananova (Mittwoch, 29 Juli 2009 13:47)

    Soweit ich mich erinnern kann, wurden 1981 mehrere lebenslange Sperren ausgesprochen; Peter Remmert wurde Jahre später begnadigt.