Secretariat I

 

Superlative sind selten angebracht, und werden daher inflationär gebraucht. In diesem Fall aber geht es um das wahrscheinlich beste Rennpferd der modernen  Zeiten, um Secretariat. Das Pferd dominierte in den Jahren 1972 und 1973 den Rennsport in den USA, und erlangte den Status eines Nationalhelden, angesichts Watergate und Vietnam verständlich. Interessant, daß Reiter und Trainer nicht aus den USA kamen, sondern aus Canada: Ron Turcotte und Lucien Laurin. Besitzerin die Dame Penny Tweedy. Ein Jahr vor Secretariat gewann dieses Trio mit Riva Ridge ebenfalls das Kentucky Deby. Hier das Derby von Secretariat. Leider sind die Bilder verschwommen, aber es genügt zu wissen, daß Secretariat jede 1/4 Meile schneller als die vorhergehende lief, und am Ende einen neuen Rekord aufstellte. Zweiter Sham, der mit seiner Zeit ebenfalls alle vorherigen Derbies gewonnen hätte.

 

Als nächstes kamen dann zwei Wochen später die Preakness Stakes an die Reihe, 100 Meter kürzer als das Derby, und die zweite Perle der amerikanischen Triple Crown. Diesmal ging es noch unglaublicher zu. Beachten Sie den ersten Bogen; Secretariat geht als letzter rein, und kommt als erster raus. Ein unfassbarer move von wenigen Galoppsprüngen. Turcotte wird von Bill Nack in seinem großartigen Buch über Secretariat zitiert, es wäre, als wenn ein Mann mal kurz seine Manschettenknöpfe zeigt, ein ganz kleiner Lupfer mit dem Handgelenk am Zügel, worauf das Pferd seine Siebenmeilenstiefel anzog. Wieder Zweiter, der tapfere Sham.

 

Und dann kam der berühmte 9. Juni 1973, die Belmont Stakes, dritte Perle der Triple Crown. Egal wie man es dreht und wendet, es findet sich kein Rennen in den Bildarchiven der Welt, welches einen beeindruckenderen Sieger zeigt. Sein alter Widersacher Sham, den der stärkste Reiter seiner Zeit ritt, Laffit Pincay, war nach dem Rennen fertig als Rennpferd. Dreimal gegen Secretariat gelaufen und tapfer dagegen gehalten, hatte ihn im Schlussbogen für alle Zeiten gebrochen. Hören Sie die berühmteste Sentenz eines Race Callers, Chic Andersons unsterbliches: „he is moving like a tremendous machine!“ Am Ende waren es 31 Längen Vorsprung, und Weltrekord über 2.400 Meter. Das war Big Red.

 

Hubertus Schmelz

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