Secretariat II

 

Zu Secretariat und seinen Bildern gehört als Lektüre auf jeden Nachtkasten und in jede Hosentasche eines echten Rennsport Fans Bill Nacks „Secretariat – The Making of a Champion“. Das ist der Klassiker der Gattung Rennsport Literatur, das Urmeter eines ganzen Genres. Seabiscuit ist schön zu lesen, aber dieses hier ist die Referenz. Nack schreibt aus erster Hand, weil er dabei war, und zwar nicht nur bei den Rennen, sondern auch beim Training und bei den Gesprächen und Debatten zwischen der exzentrischen Besitzerin, der Dame Penny Tweedy geb. Chenery, Trainer Lucien Laurin, Jockey Ron Turcotte, Pfleger Eddie Sweat und vielen anderen aus der engeren und weiteren Entourage dieses Pferdes. Das ist alles vorbildlich recherchiert und spannend wiedergegeben, die Rennen genauso wie die Stories drum herum. Allein die Schilderung der abstrusen Verschwörungstheorien von Angle Lights Wood Memorial Sieg, einem Stallgefährten von Secretariat, sind das Geld des Buches wert. Frau Tweedy witterte Verrat des kanadischen Trainers zugunsten des kanadischen Besitzers von Angle Light, und machte daraus auch keinen Hehl gegenüber den beiden. Allein, es war natürlich der Abszess unter der Oberlippe, der Secretariat an diesem Tag behinderte, und nicht Angle Light. Nack wird dem mutmaßlich besten Pferd aller Zeiten gerecht. Das Buch ist ganz große Literatur des Galopprennsports.

 

 

Warum so viel über Secretariat? Ich habe Man O`War nicht erlebt, auch nicht Kinscem oder Schwarzgold oder Nearco oder Phar Lap.. Secretariat habe ich zumindest als Zeitgenosse erlebt, und die Bilder, auch bewegte, gab es  1973 auch in Deutschland. Das war das Jahr von Athenagoras, an anderer Stelle beschrieben, der ebenfalls mit GAG 104 nicht wenig Klasse hatte, und dessen Derbysieg mein erster live und vor Ort war. Also kann ich Secretariat ganz gut aus der Distanz beurteilen, was bei den Altvorderen schwerer möglich ist. Wenn das Pferd nur auf Sand und bis zu 2.000 Meter und gegen seinen Jahrgang gewonnen hätte, dann wäre das nicht spektakulär gewesen; Secretariat hat aber Ältere geschlagen, ist über Europas klassische Derbydistanz in 2.24 gelaufen, und hat auch auf Gras gewonnen. Diese Kombination macht ihn einmalig und herausragend, und seine Optik tut das ihre. Ich glaube, der würde sie heute noch alle wegmachen, bequem und überlegen.

 

Hubertus Schmelz

 

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Kommentare: 2
  • #1

    volle pulle (Montag, 27 April 2009 00:15)

    schon mal gemerkt,so etwas kennen die üblichen
    forum schreiberlinge nicht,wer ist secretariat ?
    schade drum!

  • #2

    tiedcottage (Montag, 27 April 2009 05:24)

    viele, ältere erfahrene rennsportgrößen in the uk
    nannten "himself/ireland" das beste rennpferd aller zeiten. der täte die heutigen auch alle wegmachen.
    sorry, anderes genre - aber genau so viel qualität