100 Minuten = eine Stunde

Um 15:30 sollte der Start erfolgen, so stand es im Programm. Es wurde dann etwa 16:10, oder war das alles eine Stunde vorher? Egal, in Leipzig gehen die Uhren anders. Aber nicht nur in Leipzig zeigt der Deutsche Rennsport, daß er im Kern eine sympathische Amateurveranstaltung ist, sondern überall und jederzeit in fast allen Aspekten. Diese quasi eingebaute Unpünktlichkeit der Deutschen Rennbahnen zeigt am deutlichsten, wie wenig man sich selbst ernst nimmt, und wie wenig man die Zuschauer ernst nimmt, die sich dieses Spektakel trotzdem noch immer antun, aber vorsichtshalber das Wetten weitgehend eingestellt haben, was nicht verwundert angesichts dieser lassez faire Haltung. Die Tollpatschigkeit der Startmannschaften, um auf den Anlaß der Leipziger Verspätung einzugehen, ist legendär, vor allen Dingen in den jungen Bundesländern, wo kein Renntag ohne entlaufene oder zickige oder sonst wie putzige Pferde und Manieren auskommt, immer gleich auch am Anfang. Es läuft seit Jahren stets das gleiche Programm, es ist zum Kotzen. Man kann die Uhr danach stellen. Goldkaetzchen hieß das Tier, aber genau, Stall Sonnenschein, ach nein, das war der andere schwierige Starter dieses Quartiers, aber das paßt alles gut zusammen, und Herr Trainer stand gemütlich am Start und hielt ein Schwätzchen, während man das brave Tier über die ganze Bahn zurück führte, in Seelenruhe. Ein beteiligter Reiter wurde während Dessen etwas ungehalten und klopfte mit der Gerte entnervt auf die Rails, aber dann wurde es irgendwann Ernst. Eine einzigartige Veranstaltung der Leipziger Art, ein Allerlei an Dickfälligkeit und Verarsche des Publikums und der Gegner.

 

Aber auch die Zentralveranstaltung Strukturreform leidet an Unpünktlichkeit, und also brauchen die Rennen auch nicht pünktlich abgehalten werden. Wieder sind fast zwei Monate seit jener legendären Versammlung der Besitzer verstrichen, und Nullkommanüscht hat sich erkennbar getan, außer, daß der eine XXL ins Amt gehievt wurde und der andere S raus ging. Na ja. Von Herrn Engelbert Halm hat man vorsichtshalber auch nichts gehört, auch kein Scharren oder Rascheln im Untergrund, rein überhaupt nichts, was auf eine Tätigkeit zugunsten des Sports schließen ließe, absolut nichts. Ein Mann, der seinen Aufgaben offenbar völlig geräuschlos obliegt, emsig schaffend und bauend am Jahrhundertwerk der Reform. Nun verlangt aber der Prospekt Arbeit, aber den sollte doch ein Investment Banker erstellen, so daß sich wiederum die Frage stellt, in welcher Funktion Herr Halm zumindest dieses Werk begleitet. Als juristischer Rathgeber wohl kaum, denn das überforderte seine Möglichkeiten möglicherweise ebenso, aber vielleicht als Rathgeber in essentiellen Fragen des Geschäftslebens, zumal des industriellen und Tschechischen, denn dort hat der Mann laut Eigenauskunft hoch erfolgreiche Unternehmensan- und Verkäufe absolviert. Oder so was in der Richtung, man nennt es wohl auch Merger oder Start-Up oder Top-Down bzw. Bottom-Up. Letztlich bleibt das jedem selbst überlassen, denn entscheidend ist der gute Wille, der in diesen Fällen immer für die Tat genommen werden soll. Und wenn Herr Halm seine Bezüge in sechsstelliger Höhe nicht so richtig verfrühstückt, dann wirken immer noch die Ehrenamtlichen als Ausgleich mit, die auch sehr engagiert und fachkundig den Rennsport nach vorne peitschen, wie man hört.

 

Also dreht sich der Rennsport umgekehrt proportional zur Zeitlupe dem Ausguß entgegen, wie damals die Raumpatrouille Orion, deren Start in einer Badewanne gedreht wurde, und wo sie Bügeleisen pfiffig als Quantentachometer benutzten. Alles ist am Ende nur eine Frage der Kaschierung und Sinnestäuschung, denn  der Mensch ist leicht an der Nase und hinter die Fichte zu führen. Eine Stunde sind 100 Minuten.

 

Hubertus Schmelz

   

 

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Kommentare: 1
  • #1

    volle pulle (Montag, 13 April 2009 10:57)

    one way ticket
    ansonsten leipziger allerlei