Glücksspiel

 

Glücksspiel und Wetten sind scheinbar eng verwandt, aber in entscheidenden Aspekten sehr verschieden. Zum Glücksspiel braucht man Würfel, Karten oder bemalte Ping Pong Bälle, zum Pferdewetten Pferde, Jockeys, Rennbahnen und einen Apparat, der das ganze organisiert. Das Letztere kostete Geld, viel Geld, das andere kostet wenig bis nichts. Damit ist das Problem umrissen. Die Leute wetten gern, egal wie groß die Chance auf Gewinn ist; auf den Ausgang von Fußballspielen, auf die Ziehung der Lottozahlen, auf den Fall der Roulette Kugel, auf die Hütchen mit den Erbsen, auf Pferderennen. Und weil sich das rechnet und damit es reibungslos funktioniert, ersetzen professionelle Spieler den Nachbarn oder Kollegen oder Freund, mit man ansonsten wettet. Diese professionellen Spieler heißen dann Lotto und Keno, Mafia, Albaner Toni, Casino Bad Oeynhausen oder Simon Springer. Neuerdings sind hinzugekommen racebets.com, JAXX, Goldesel, Betfair, Betbull und allerlei andere Leute und Organisationen. Auf Vollständigkeit kommt es gar nicht an.

 

Nur beim Pferdesport wetten die Leute tatsächlich gegeneinander, niemand sonst hält die Wette, oder zahlt aus eigener Tasche aus. Es ist der Totalisator, der das ermöglicht, eine treuhänderische Verwahrung der Wetteinsätze sowie Verteilung der Gewinne pro rata, also auch deren Berechnung.

 

Nun ist es beim Wetten so, daß jede Wette eine digitalisierte Null Eins Entscheidung ist, also entweder ist die Wette gewonnen, oder sie ist verloren. Dazwischen geht nichts. Der Antagonismus läßt sich auch so darstellen, es gibt nur Gewinner oder Verlierer. Und weil nun die oben beschriebenen professionellen Wetter nicht gern verlieren, sondern nach Satzung und Gesetz sogar verpflichtet sind, möglichst und per saldo zu gewinnen, organisieren sie ihre Wetten so, daß dieser Geschäftszweck auch erfüllt wird. Die Hütchenspieler der Mafia um Albaner Toni arbeiten mit Tarnkappen und blöden Touristen, Lotto und Kano arbeiten mit 50% Abzügen und der Illusion einer Großchance auf Lebenslanges Faulenzen, die Casinos bieten zumindest faire Konditionen und den Schlagerliebhabern ein zuhause sowie Lufthansa Cocktails. Der Rennsport bietet wie gesagt ein unbestechliches Geldverwahr- und Auszahlsystem und ein einzigartiges Kulturerlebnis, das aber leider viel kostet. Und nur zu einem Bruchteil von den Wettern finanziert wird, dem berühmten Viertel, welches oft mehr ein Drittel ist. Den Großteil der Pferderennen finanzieren die Eigentümer der Pferde. Albaner Toni braucht ansonsten einen Tapeziertisch und seine Familientruppe als Mitschauspieler, Lotto braucht eine Waschtrommel nebst Motor und Filzstift, um die Nummern auf die ebenfalls benötigten Ping Pong Bälle zu malen, und das Casino braucht ein Casino mit Tisch und Kugeln. Alle diese Systeme brauchen also eine Hardware, ein Produkt, ein Ereignis, mit welcher und auf welches gewettet werden kann.

 

Nun kommt der Beruf des Buchmachers. Der ist im RennWettLotterie Gesetz beschrieben, welches im Jahre 1922 in die Welt gesetzt wurde, und bis heute gültig ist. Der Buchmacher benötigt nur Papier und Bleistift, und ansonsten gute Nerven und einen scharfen Verstand, der rechnen kann. Denn der Buchmacher spielt auf eigenes Risiko, aber er hat keinen Anteil an der Investition der Hardware, also der Pferderennen, und daher hat er einen Wettbewerbsvorteil vor dem Totalisator, der um und bei 30% liegt. Das wäre etwas so, als wenn zwei gleich gute Pferde sagen wir mal 2.000 Meter laufen sollten, bei gleichen Gewichten, aber während das eine an der 2.000 Meter Marke startet, startet das andere an der 1.400 Meter Marke. Bei den Buchmacherverwandten ist es ähnlich, also diesen Vermittlern und Verteilern nach hierhin und dorthin; es genügt eine Rechenlogistik und eine Internetplattform als Theke. Denn diese Berufszweige erwarten als freie Unternehmer in einer freien EU eine ungehinderte Ausübung ihrer Tätigkeiten, und sie verabscheuen alle Hindernisse des grenzüberschreitenden freien Unternehmertums, denn das will der Kunde nicht, und der Kunde ist König bzw. Bauknecht weiß, was Frauen wünschen. Und so kommt alles, wie es kommen muß, diese Leute verdienen an einem Produkt, für welches sie nicht wirklich zahlen, sondern für welches sie als Astabsägeverhinderungsmaßnahme Alimente nach Gutdünken herreichen.  Und daher leidet das Produkt, weil die Herstellungskosten immer mehr in die Höhe gehen, aber die Beiträge dazu nicht mehr in der erforderlichen Höhe eintreffen. So ist ein Ende bald absehbar.

 

    

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Kommentare: 3
  • #1

    j.w. (Mittwoch, 11 Februar 2009 16:32)

    man würde sie ja gerne einen gottverdammten pessimisten schimpfen. nur sind ihre zeilen ja fast noch zu freundlich formuliert ...

  • #2

    Caradak (Donnerstag, 12 Februar 2009)

    Lieber Herr Schmelz,

    Ihre Blogeinträge werden jetzt auch im Traber-Forum diskutiert, siehe:

    http://www.trotto.de/forum/viewtopic.php?f=63&t=521

    Darüber hinaus fiel mir auf, dass Ihr Blog auch schon in einem anderen Turf-Blog im "Wendy-Forum" (mein Terminus) angepriesen wird, siehe

    http://www.reitforum.de/blog.php?b=323

  • #3

    di (Freitag, 27 Februar 2009 19:35)

    gott was es alles gibt, man ist erstaunt. wer ist denn dieser zaungast, der da alles so fleißig einstellt?