Der Sport und das Fernseh

 

Aber irgendwie bleibt sich der Rennsport über die Jahre treu. Es gab da im Herbst 2003 ein Unternehmen Raze.TV, eine geradezu revolutionäre Idee, Galopprennen via Satellit und Internet frei verfügbar zu machen, und Wetten in den Toto zu vermitteln. Dazu wurden Kooperationen mit verschiedenen Partnern geschlossen, u.a. der Fluxxcom AG, welche aus anderen Zusammenhängen Bildverwertungsrechte vom DVR hielt. Die wurden nun ausgenutzt, um dieses kühne Projekt in Szene zu setzen. Leider hielten die Versprechungen des Initiators hinsichtlich der Finanzierung einer normalen Belastung nicht stand, so daß das Ganze letztlich in die Hose ging. Aber ein entscheidender Punkt interessiert noch heute, nämlich die Rolle, die der Rennsport in dieser Geschichte gespielt hat. Und das war keine rühmliche. Ich habe diese Sache damals beraten, gegen Honorar, und im Zuge dieser Beratung auch den Kontakt zum DVR und der Betriebsgesellschaft gesucht. Man hat denen wie sauer Bier angeboten, am Inhalt der Sendung aktiv mit zu arbeiten, zu gestalten. Man hat vorgeschlagen, Interviews mit Aktiven zu machen, Chapmann haben wir als Kommentator gewonnen, und der wollte aus nahe liegenden Gründen aus dem Führring vor dem Rennen berichten, via Führring Kamera. Statt dieses Angebot dankbar anzunehmen, wurden die Bilder abgedreht, es wurden einstweilige Anordnungen erlassen, es wurden die Rechte bestritten, und als das nicht mehr ging, wurde eben nicht kooperiert. Kurz, die Zentrale in Köln, in Sonderheit Matthiessen und Borchert, hat alle Knüppel zwischen die Beine geworfen, die ihnen in die Hände gekommen sind. Die Gründe sind mir bis heute unerklärlich, denn die Finanzen hatten nichts mit dem DVR zu tun, und spielten insofern keine Rolle.  Man hat gesagt, bitte sehr, wir bieten Euch ein Schaufenster an, das könnt Ihr selbst dekorieren, wir stellen ansonsten alles zur Verfügung. Nix ging. Also haben wir ohne das DVR gesendet, aus dem Studio Hamburg, mit Garagenmitteln und Spaß und Ärger ohne Ende. Chappie kriegte statt der Kamera von Wiegräfe ein Mobiltelephon in die Hand gedrückt, und telephonierte seine Tipps in die Sendung, Eddie habe ich in Hannover nach dem Sieg in Dubai in der Jockeystube ebenfalls via Mobil interviewed, dito ging das in Bahrenfeld mit Wewering, weil wir auch Traben im Programm hatten. Die Technik war simpel, die Studiomoderation der beiden Damen sagen wir mal interessant, aber Felix und Uwe und ich wussten natürlich, worum es inhaltlich ging. Aber die ständigen Geldnöte des GF ließen eine weitere Zusammenarbeit mit mir nicht mehr zu, und so kam es, daß Fluxx die Sache aus Treue gegenüber den festen Mitarbeitern noch unter eigener Regie weiter betrieb. Höhepunkt des Schaffens war unsere Live Sendung vom Breeders Cup, voll und in ganzer Länge aus Santa Anita, mit Originalkommentar von NBC oder wem immer.

 

Man sieht, die Geschichte wiederholt sich gerade im Falle dieser Leute aus München, die ein ähnliches Programm machen wollen, und ebenfalls mit dem DVR keine guten Erfahrungen machen. Der Rennsport ist nur immer dann eifrig dabei, wenn Blender wie Sundermann oder diese Kasper von Premiere was von Taschenvollmachen raunen oder abräumen. Dann ist man sofort Feuer und Flamme. Wie auch bei betbull, weil, da gibt es Kohle und friends&family Programme, und dann öffnen die Bahnen in Köln und Baden Baden willig die Pforten, um die Konkurrenz des eigenen Totalisators mit Kußhand auf dem roten Teppich zu begrüßen. Inhalte, ach was, Hauptsache es zischt und brummt und raschelt, alles andere ist völlig schnuppe. Herr Kogler, der nachmalige Vorsteher von Premiere, hat zu Beginn der Veranstaltung in das Mikrophon einer ihn anschmachtenden Zaubermaus geflötetet, es ginge da in kurzer Zeit um Milliardenbeträge, die aus dem Wettgeschäft zu erlösen seien. Milliarden! Unglaublich, was für ein Unfug da geschwafelt wurde, und wer im Sport all diesen Hallodries aufgesessen ist und mit ihnen kollaboriert hat– all die Sunder- und Zell- und Zimmer- und Zwingmänner.

 

Hubertus Schmelz

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