Mo
08
Mär
2010
Förderer des Sports
Ein schönes Interview gewährt Herr Grenke dem Lokalsender in Baden Baden, und dankbar entnimmt man diesem Interview, daß sich an der Haltung des Internationalen Clubs nichts geändert hat. Die Realitäten kommen im geistigen Hauhalt dieses Clubs einfach nicht vor. Man geht mit 14 Mio. den Bach runter, es gibt eine Quote im mutmaßlich klitzekleinen einstelligen Bereich, was vor allen Dingen des kloine Handwerkerle trifft, aber Herr Grenke sieht seinen Club weiterhin an zentraler Stelle des Geschehens. Denn, man höre, der Zweck des Clubs „Förderung des Galopprennsports“ lebt ja weiter! So mauscheln diese lokalpatriotisch gestimmten Förderer des Sports weiter zusammen, weil man zwar nicht mehr gestalten kann, aber Sand ins Getriebe werfen. Klaro, der neue Betreiber, also quasi der Unterpächter, wie Herr Grenke anschaulich erläutert, der könne natürlich machen, was er wolle, logo! Allerdings möge man zusehen, wie er ergänzt, daß da nun schnell ein möglichst einfacher Pachtvertrag zustande komme, nicht wahr, weil ansonsten das Frühjahrsmeeting gefährdet sei. Oho! Man kann sich lebhaft vorstellen, wie einfach und klar der Club, die Gemeinde, die Sparkasse, der Tribünenverein und das Land zusammen stehen, und wie furchtbar kompliziert der neue Pächter die Sache macht.
Die Herren Stüber, Specovius, Werler und Grenke sind sich in Attitüde und Duktus so ähnlich, das könnten Brüder sein. Die könnten sogar vierspännig gehen, völlig taktrein.
http://www.goodnews4.de/preview_interviewtv.php?iid=888
So
07
Mär
2010
Alphabet Soup
Und weil nichts spannender ist als der Mensch als in die Zeit geworfenes Individuum, sind die spannendsten Geschichten die, in denen es menschelt. Gerade menschelt es wieder gewaltig in dem Forum, und das Strickmuster ist immer das Nämliche; völlig alberne Anlässe weiten sich zu Dramen mit Weltuntergangs Qualität aus. Meistens ist es für Außenstehende völlig unmöglich, die geistige Quelle eines solchen Internet Disputes auszumachen. Ja, es gibt eine erste Wortmeldung, und ja, man kann dann diese ganze Geschichte von Rede und Gegenreden und duplizieren und quadruplizieren chronologisch nachschmecken, aber oftmals schreitet ein selbsternannter Zensor ein, der zuverlässig die falschen Stellen ausmerzt. Vor allen Dingen geben diese Wortmeldungen aber auch unverstümmelt kaum Sinn. Wenn es ganz gemischt wird, addieren sich dunkle Raunereien über Boardmail oder PM`s oder dergleichen technische Wunderdinge dazu. Dann ist alles zu spät. Das einzige, was diese Debatten am Leben hält, ist die offenkundige Unfähigkeit der Diskutanten, sich auszudrücken. Und die Wut darüber, daß man so gar nichts daran ändern kann.
So
07
Mär
2010
Rohrkrepierer
Da nun Herr Henschker in Sachen Turfnachrichten zurück rudert, weil eben doch keine großartige Negativbevorzugung seiner Plattform vorliegt, und da nun auch ihm dämmert, daß die Jaxx AG möglicherweise auch in Bereichen konzernweit tätig ist, die nach hiesigen Gesetzen verboten sind; da nun also dieser künstlich aufgebauschte Fall Turfnachrichten keiner war, kann man sich in der Tat noch mal mit dieser Klausel beschäftigen. Der Sinn dessen, oder was sich der Draftsman dabei gedacht hat, bleibt nebulös. Wahrscheinlich glaubte er, damit im Bedarfsfall einen Ausweg aus der Deutschen Zuständigkeit zu haben, quasi einen Schalter, der von Rot auf Grün umgelegt werden kann, wenn im Inland Ungemach droht. Jedoch, das ist natürlich Humbug, daß so was funktioniert. Im Gegenteil, durch diese Klausel bringt man sich nach meiner Ansicht erst recht ins Visier von eifrigen Kommunalbeamten. Ich tät die Klausel abschaffen (deren Wirksamkeit auch nach AGBGB fraglich ist), aber mich fragt natürlich keiner.
Ansonsten bleibt der Fall so, daß sich diese Amateurauslegung der Gesetze leider auch als Rohrkrepierer erwiesen hat, denn siehe einer an, Turfnachrichten ging es im speziellen Fall gar nicht um den Turf, sondern um eine Nachricht. Das wenige an wegfallenden Werbeeinnahmen mag man verschmerzen, aber das wenige an Renomee` hat man verspielt. Das ist sehr schade, denn Herr Henschker kann auch anders. Aber genauso wenig, wie der Rennsport die Buchmachergilde zu alimentieren hat, genauso wenig schuldet er Journalisten Stories.
Sa
06
Mär
2010
AGB
„2. Übertragung des Vertrags- und Kundenverhältnisses
JAXX behält sich vor, das Vertragsverhältnis als Ganzes oder einzelne Dienstleistungen
auf die JAXX UK Limited, Seventh Floor 90 High Holborn London WC1V 6XX, zu
übertragen. Sie erklären sich damit einverstanden, dass JAXX zu diesem Zweck Ihre
Daten an die JAXX UK Limited, London weitergibt.“
Das ist eine sehr interessante Klausel, die das Haus Jaxx in seinen AGB am Ende platziert hat. Zum Verständnis, es handelt sich laut Herrn Frank Henschker um einen fortgesetzten Fall der böswilligen Schlechtbehandlung des Internet Portals „Turfnachrichten“ durch das Karlsruher Regierungspräsidium. Das hat nämlich Turfnachrichten die Werbung für Jaxx.de verboten. Weil die angeblich verbotene Glückspiele anbieten. Es geht also im Kern darum, daß Turfnachrichten nicht schlechter als z.B. das DVR behandelt werden möchte, weil die in der Tat weiter für Jaxx.de werben. Offenbar, weil es keiner verboten hat.
Nun gibt es aber leider keinen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, nach dem Motto: Wenn der was Verbotenes macht, möchte ich das auch. Die Frage bleibt also, macht Jaxx GmbH was Verbotenes? Zumindest haben sie eine Generalklausel, nämlich die oben zitierte, die quasi beliebig den Vertragspartner des Spielers in das Belieben von Jaxx GmbH stellt, so daß man sagen muß, es handelt sich nicht nur um ein Angebot der Jaxx GmbH, sondern gleichzeitig auch um eins der Jaxx UK Ltd. Und die wiederum bietet im Internet unter Jaxx.com auch Dinge an, die in Deutschland per Staatsvertrag nicht angeboten werden dürfen. Natürlich in Deutsch, wegen der besseren Lesbarkeit, und identischer Optik.
Aus Sicht des Galopprennsports, die hier radikal und subjektiv vertreten wird, ist der Jaxx Konzern ein lästiger Wettbewerber des Totalisators, den man bekämpfen muß, insoweit nicht nur vermittelt wird, sondern auch gehalten. Inwieweit das DVR gut beraten ist, für diesen Wettbewerber zu werben, mag dahin gestellt sein. Ich täte es nicht, wenn ich dadurch per Saldo Umsätze für den Totalisator generieren könnte. Ob Turfnachrichten werben darf oder soll, ist für den Galopprennsport nicht weiter interessant, und bemisst sich aus Sicht des Sports ebenfalls nur nach dieser Elle – per Saldo Schaden oder Nutzen.
Herr Henschker meint dann im Übrigen, daß durch dieses Werbeverbot bei Turfnachrichten der Wettbewerber Racebets bevorteilt würde. Nun ja, daß mag im Einzelblick auf Pferdewetten der Fall sein, aber es ist bis jetzt nicht bekannt, daß Racebets ähnliche Aktivitäten wie Jaxx UK im allgemeinen Glückspielmarkt entfaltet. Aus Sicht des Rennsports sind erstmal alle die Wettbewerber des Totalisators, die nicht nur vermitteln, sondern auch ins eigene Buch nehmen. Am Ende zählt dann wieder nur der Saldo für den Rennsport: macht die Beteiligung an Racebets per Saldo Sinn, dann sollen die ruhig bevorteilt werden. Wenn nicht, sollten alle bekämpft werden.
Fr
05
Mär
2010
Finish
Imbongi und Soumillion, zwei, die das Geld des Wetters heldenhaft verteidigen, um ein Bonmot der geneigten Internetpresse zu gebrauchen. Obwohl alles in der Geraden verrammelt und zu war, nachdem schon der Start in die Büx ging, haben die beiden das noch hingefummelt – Imbongi mit Athletik, Soumillion mit Artistik und Vertrauen. Vorbildliches Finish. Ansonsten war das heute für den patriotisch gestimmten Wetter eine Catastrofe. Die Deutschen Pferde können nicht mithalten, wobei Klima und Untergrund Tapeta eine Rolle spielen mögen. Aber wie so oft, es fehlt am Kick in der Geraden – bis auf Walzertraum Fehlanzeige. Man wartet jetzt gespannt auf Meldungen, wonach sich Herr Steigenberger über den Ritt von diesem oder jenem Jockey beschwert.
Fr
05
Mär
2010
Walzertraum
Held in the back, came into the lane 8 wide, finished strongly, could not make up that much. Good effort.
Fr
05
Mär
2010
Northern Glory
Was placed behind leaders, could not quicken in the straight, stayed on.
Fr
05
Mär
2010
Abbashiva
Raced very keenly early on, led well into the stretch, faded.
Fr
05
Mär
2010
Outclassed
Nun hat es wieder nicht gereicht, obwohl sich Oliver Peslier eine neue Taktik zu Recht gelegt hatte (oder befolgt), und Titurel von der Spitze aus geritten hat. In der Geraden war schnell und heftig Schluß. Outclassed, auch wenn es Trainer und Besitzer nicht wahrhaben wollen. Quijano ging derweil mehr hinten, aber in der Geraden ging ebenfalls wenig bis nichts. Auch outclassed, aber mit acht Jahren ist das auch kein Wunder. Mag sein, an einem guten Tag geht noch mal was.
Jedenfalls sieht man derzeit, daß die deutschen Pferde in Dubai mit der Konkurrenz nicht Schritt halten können. Es fehlt der Wumms, den man in der Geraden braucht. Es geht bestenfalls weiter, wie bei Northern Glory, aber nicht nach ganz vorne. Andererseits sehen manche Brummer, die vorne wie von den Sehne geschnellt abgehen, auch sehr künstlich aus, wenn Sie verstehen, was ich meine, meine Dame. Fast zu schnell, um ganz und wahrhaftig und ausschließlich auf Hay, Water and Oats zu beruhen.
Abbashiva lief neulich recht ermutigend. Heute sitzt der Local Hero Ajtebi drauf, dessen Ritte in Meydan zwischen inspiriert und übermütig changieren. Die Hufgeschichte mahnt zur Vorsicht, ebenso die Konkurrenz, aber der Patriotismus zum Engagement.
Fr
05
Mär
2010
Ferrari für Alle
Es war abzusehen, daß die Entwicklung in Baden Baden Verwirrung hervorrufen würde. Nun werden gute, alte Zeiten des Fußballs bemüht, als alles besser und schöner war, und Günther Netzer einen als Opel Manta verkleideten Ferrari fuhr, und die Bratwurst einsfuffzich kostete. Das ist lange her, aber die Bratwurst kann auch heute schmecken, wenn sie ordentlich hergestellt und gebraten wird. Holzkohle ist nach wie vor die beste Unterlage. Aber jetzt wird eine Privatisierung des Rennsports vermutet, als schleichender Prozeß, der diese grundgute und mutmaßlich öffentlich-rechtliche Vergnügung in das zwielichtige Reich des Kapitalismus führt. Denn eine kapitalistisch orientierte Betreibergesellschaft soll in Baden Baden den Rennbetrieb richten.
Wie schon oft mitgeteilt, aber wieder einschlägig: wenn es eine erzkapitalistische Freizeitbeschäftigung gibt, dann den Galopprennsport. Es mag in der DDR volkseigene Rennställe gegeben haben, aber die zählen nicht. Ansonsten war der Rennsport immer kapitalistisch, er ist es, und er wird es immer sein. Wenn er es nicht wäre, wäre es kein Rennsport. Denn an einer Zahl kommt niemand am Ende des Tages vorbei, an den Aufwendungen, die nötig sind, um den Sport zu betreiben. Und da haben die Besitzer der Pferde den weitaus überwiegenden Teil zu stemmen. An dieser einfachen Wahrheit rüttelt keine Exegese der Fußball Geschichte, und kein Erbbaurecht der öffentlichen Hand. Und auch keine selbstlosen Malwochenenden der Vereinsmitglieder. Und trotz Alledem, trotz all der Millionen und Abermillionen, die die Besitzer der Rennpferde seit Urzeiten verballern, es will sich einfach keine gesunde Rendite einstellen. Mag das wohl daran liegen, daß der Sport so amateurhaft organisiert ist? Damit auch diejenigen, die sich kein Pferd leisten können oder wollen, am faszinierenden Millionärssport das Rad drehen können? Ich nenne Herrn Engelbert Halm stellvertretend für all die pferdelosen Amateure, die Profiarbeit verrichten wollen, aber nicht können. In Bad Doberan, dem Eldorado der Amateure, gab es grob gerechnet zwei oder ein Mitglied im ganzen großen Verein der Galoppsportenthusiasten, welches ein Pferd hatte. Die anderen aber hatten das Sagen, bis die Insolvenz in etlichen Jahren unvermittelt über den Verein hereinbrach. Ähnlich verhält es sich in Iffze.
Nun endlich soll der Rennbetrieb nach kapitalistischen Gesichtspunkten organisiert werden, also vor der Hand von Leuten, die die Materie kennen und Gewinne erwirtschaften wollen. Das klingt sehr vernünftig und sinnvoll. Wenn das gelingt, werden auch wieder mehr Leute ein Pferd halten und anspannen, damit diejenigen, die keins haben oder haben wollen, was zum Erleben und mitfiebern und drauf zocken haben. Wenn also die Sozialisierung des Spaß` wieder möglich wird.
Do
04
Mär
2010
Personalie
Personalentscheidungen waren im Sport meistens Rohrkrepierer, siehe den Geschäftsführer Vorstand beim Direktorium. Oder den Vorgänger des neuen Geschäftsführers Iffezheim, Herrn Stüber. Jetzt also Herr Tiedtke, der damit einen der wichtigsten Posten bekleidet, den der hiesige Rennsport zu vergeben hat. Endlich eine Personalie, bei der Sachkenntnis und Fleiß im Vordergrund stehen, und nicht schleimende Sülzerei oder Zugehörigkeit zu einer Strippenzieher Truppe. Es wird bestimmt nicht einfach in Baden Baden, aber zumindest stimmen die Voraussetzungen mit Infront und Herrn Tiedtke. Hals&Bein!
Mi
03
Mär
2010
Liebe Freunde
Während sich der Deutsche Galopprennsport an ganz Turfdeutschland anbinden möchte, und mit dem Deutschen Sportverlag eine Buchmacher Ehe eingeht, geht abseits dieser medienträchtigen Geschichte das harte Leben weiter. Es wird berichtet von einem Buchmacher, der einmal bezahlt für die Bilder, aber mittels eines Kabels unter der Straße in verschiedenen Lokalen zeigt. Oder einem anderen, der auf einem Laptop Bilder in einer Nische seines Ladenlokals zeigt, für die er nichts bezahlt hat, und dann auf diese Rennen auch Wetten annimmt. Dann gibt es noch einen Buchmacher, der lange nicht einsehen wollte, daß man für Trabbilder auch was zahlen muß. Das sind bestimmt keine Ausnahmen von der Regel des ordentlichen Vertriebspartners, dessen Lied seit Jahr und Tag in schrägen Tönen daher gepfoffen wird. Es sind drei eher prominente Namen, die sich auf diese Art regelmäßig abseits einer Partnerschaft positionieren, und zum Vollmachen des Glücks soll nun einer auch noch gerichtlich gegen die Vermittlung von Pferdewetten durch Hamburger Lottoannahmestellen vorgehen. Das Alles ist sehr schwer erträglich, eigentlich und bei Lichte gesehen überhaupt nicht, und eine rotzfreche Politik, die es mir z.B. schwer machen würde, mit diesen Leuten an einem Tisch über Gemeinsamkeiten zu debattieren. Nach meiner Ansicht gehören alle diese Organisationen aus dem Rennsport rausgeschmissen; keine Bilder, keine Daten, kein gar nichts. Es sind Leute, die ihre Sache auf fremdem Boden bauen, ohne Pacht oder Miete zu bezahlen. Und dann hergehen, und was von Grundrechten faseln. Es gibt kein Grundrecht eines Buchmachers, daß ihn der Rennsport alimentiert. Er möge sehen, wo er bleibe.
Di
02
Mär
2010
0:9
Das war ein Wochenende mit o:9 Punkten; St.Pauli, 96 und der HaEsVau. Alle drei Spiele in der Loge von J.J. in München erlebt, was das ganze kulinarisch mehr als erträglich machte, aber spochtlich doch sehr sehr enttäuschend. Der HaEsVau hat sich in der zweiten Halbzeit ohne Not zurückgezogen, Pauli hat offenbar Angst vor dem Aufstieg, und die Roten schreiben gerade eine besondere Geschichte im Profifußball. Der Vorabend gesalbt mit 45`Mouton und 55`Haut Brion aus dem Keller des nämlichen Gastgebers, der damit bewies, daß auch Fußballer nach der Karriere was Vernünftiges anfangen können. Große Münchener Gastfreundschaft und milde 12 Grad.
Währenddessen auf dem Schreibtisch zu Hause eine Monographie aus den Häusern HVT und Winrace zum Thema Pferderennsport und Wetten. Nichts wirklich Neues außer deprimierenden Zahlen, aber ein Beweis, daß der Schulterschluß der Traber mit diesem Vermarkter funktioniert. Zumindest wissen die, wo der Hase legal hinläuft, und die undichten Stellen sowie die Quellen, aus denen sich das gesamte Gebilde Rennsport finanziell speist, werden korrekt und expressis verbis benannt. Beim DVR und seinen Satelliten ist man sich bis heute nicht so sicher, ob die legale Matrix, die den Sport bestimmt, wirklich verstanden wird. Diese Frage stellt sich natürlich auch im Zusammenhang mit dieser kolportierten Beteiligung an Racebets, deren wirtschaftlicher Sinn nur sehr schwer zu ergründen bzw. zu enträtseln ist. Was frommt dem Sport, was frommt den Gesellschaftern, das sind a priori zwei Seiten einer Medaille, die sich durchaus Konkurrenz machen. Da hilft das Mantra, man wolle endlich auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb stehen, erstmal nicht weiter. Entscheidend werden die Zahlen sein, also zuerst der Preis der Beteiligung. Diese Zahlen kennt man nicht. Dann wird das Gerangele um die Politik des Hauses losgehen, also wer bestimmt, was gemacht wird. Auch das sieht erstmal nicht so recht ermutigend aus, denn die Herren werden sich ganz sicher nicht so richtig in die Karten kucken lassen. Zum guten Beschluß macht man sich mit dieser Beteiligung natürlich auch befangen, was grundsätzliche Bekämpfung der Außerlandesschaffung der Gelder anbelangt. D.h. Initiativen zur Novellierung von Besteuerung dieser oder ähnlicher Tätigkeiten, auch Quellensteuer genannt. Und das Urheberrecht, das benötigt auch ganz dringend eine Novellierung, damit man dann 2012 endlich die Preise aufrufen kann, die den Betrieb auskömmlich alimentieren. Oder die den Wettbewerb rausdrängen.
Sa
27
Feb
2010
Bücherwurm
Die Buchempfehlung des Tages wie so oft auf ein angelsächsisches Werk. Warum? Weil es nur dort entsprechende Werke gibt. Im Winter ist viel Zeit fürs Lesen, fast genauso viel wie im Sommer oder Frühling, und man soll manches auch zweimal oder öfter lesen, weil sich dann oft neue Aspekte auftun, die den Horizont erweitern. Im Falle dieses Buches ist erst jetzt dem Leser diese ewige Zwietracht Man o`War – Sir Barton klar geworden, die sich wie ein roter Faden durch Man o`Wars Karriere zog, aber nur einmal einen Knoten fand, ganz am Ende, in Kanada. Ein Markting Gimmick der uralten Sorte. Bis dahin eine jeden Wikipeda Artikel weit in den Schatten stehende Fakten- und Anekdotensammlung, angereichert um solche über Sam Riddle und Clarence Kummer und Loftus und Feustel und Belmont und Ross und die ganze Blase, die mit diesem großartigen Pferd zu tun hatte. Und zum Schluß natürlich Will Harbut: „He was de mostest hoss“
Dorothy Ours, Man o`War, A Legend like Lightning
Sa
27
Feb
2010
Dürreperiode
„Ich schalte auch gelegentlich das Gehirn ein.“
Behauptet ein Diskutant in Frau Arnolds Forum ganz unverhohlen, um aber im Wesentlichen die Kehrseite dieser Terminierung zu demonstrieren. Im Winter gibt es wenig sportliche Anlässe, und wenn nur im Ausland, was vielen das Verständnis zusätzlich erschwert. Also wird scharf über gesellschaftsrechtliche Aspekte von GmbH&Co. KG`s diskutiert, oder stochastische Zuchtproblematiken, oder Benimm Regeln, denn da fühlen sich manche fit und zuständig.
Ein schöner Satz zum Benimm&Komment: „Das ist mein Wohnzimmer. Bitte fühlen Sie sich wie zu Hause, aber fassen Sie nichts an!“ Das hat mir sehr gefallen, das erinnert an die hämischen Schilder mit der Meisterschale und Schalke und den Dortmunder Demonstranten: Nur Ankucken, nicht Anfassen!
So verdorrt dann jedes noch so staubgesaugte Wohnzimmer, trotz Häkeldeckchen auf den Armlehen und Filzpantoffeln für die Besucher. Altbackene Luft mit leichtem Furzaroma.
Sa
27
Feb
2010
Kultur&Dekadenz
Am Wochenende besteht die Möglichkeit, Kultur zu erleben. Gestern gab es ein Konzert in der Musikhalle, die Wiener Philharmoniker und Lorin Maazel. Es wurde die Pastorale gespielt, die sechste Sinfonie von Beethoven. Da ist eine Musik, bei sich bei mir sehr oft der Eindruck galoppierender Pferde dazu gesellt, obwohl in der ganzen Sinfonie kein einziges Hufgetrappel vorkommt, sondern nur die Vöglein im Walde nicht singen, sondern schwelgen, und dazu die Winde wehen und Donner grollen. Aber wie auch immer, mit geschlossenem Auge entstehen schnell Bilder in Zeitlupe von sagen wir mal Athenagoras, der über die saftige Hügelkuppe auf den Betrachter zugaloppiert, und bei genauem Hinsehen ist es die Gerade von Longchamp, und drauf sitzt Harro Remmert in Hellblau. Am Pfosten sind es dann zwei leichte Längen im Arc. Dazu paßt diese große Musik sehr gut. Man kann sich statt Athenagoras auch jedes andere Lieblingspferd dazu vorstellen, jeder kann da seinen Favoriten nehmen, kein Problem. Die Wiener Philharmoniker spielen das ganze sehr saftig und in Breitwand, aber die beste Interpretation ist die mit Carlos Kleiber und dem Bayrischen Staatsorchester aus den frühen 80ern.
Das erfreut hoffentlich meinen alten Freund Herrn Weller. Die dritte Sinfonie von Bruckner danach war nicht so recht passend. Aber das ist natürlich Geschmacksache, zumal der Schlagwerker groß zugange war. Jedenfalls ein großartiges Konzert, das an die großen des NDR Sinfonie Orchesters und Günther Wand erinnerte. Dieser am Ende greise Mann konnte Brahms wie kein zweiter, und die Musikhalle war sein Hometurf.
Wobei bei dieser Sinfonie nur der erste Satz zum Vollblut paßt, aber der hervorragend. Wegen des Rasanz jedoch das Finale. So muß das gespielt werden.
Weiter in die Schweiz, aus der Herr Henschker geradezu euphorisch berichtet. Auf dem See hat Rolling Home, eines unserer Lieblingspferde, überlegen Start Ziel gewonnen, was das Ereignis sofort und grundsätzlich sympathisch macht. Herr Henschker findet auch die Art und Weise der Vermarktung sympathisch, oder sagen wir mal das Ergebnis für den Sport. Das mag so sein. Jedoch zeigt sich hier auch sehr deutlich, warum der Sport in manchen Kreisen nicht so recht reüssiert. Viel Pelz, viel Schminke, viel Schaumwein. Aber wahrscheinlich hat der Mann Recht, denn irgendwie muß die Kohle angeschafft werden, und leider ist die Zahl verständiger Fans mit Barbour Jacken und Durst auf Bier beschränkt. Aber es muß ja nicht so aufdringlich sein, durchgängig durchweht vom Geist der Festgeldkonten und steueroptimierten Anlage. Im ganz schlimmen Fall taucht auch noch Herr Westerwelle als Referent auf. Nicht auszudenken! Das wäre dann der endgültige Tod des Rennsports. Das muß mit aller Macht verhindert werden.
Fr
26
Feb
2010
Weltstadtflair
Zwei Ritter von der traurigen Gestalt geben ein allerletztes Interview, Herr Stüber als Überzeugungstäter, Herr Specovius als assimilierter. Mehr Innenansicht des Geistes, der seit Jahrzehnten dort geweht hat, hat es selten gegeben. Herr Stüber kann sich gar nicht genug freuen, eine gute Sache zu einem guten Ergebnis gebracht zu haben, und das Ergebnis seines Wirkens unwidersprochen als gute Tat zu genießen. Dazu paßt der Harlekinshawl, den Herr Specovius um den Hals geschlungen hat. Herr Rechtsanwalt Hofer als offenbar etwas weiter vom Enthusiasmus entfernter Fachmann sieht die Sache, weil das nicht anders möglich ist, wesentlich nüchterner, bezieht also die Sach- und Rechtslage in seine Bewertung der Dinge ein. Denn wenn auch eine Zukunft mit Infront möglich scheint, die Vergangenheit ist mitnichten erledigt, und sie wird ihre prospektiven Schatten lange werfen. Nach wie vor wuchert das unheimliche Geflecht von verschiedenen Rechtssubjekten und Vertragsbeziehungen, und nach wie vor werden die Beteiligten versuchen, das Beste via Besserungsschein aus dem verkorksten Fall zu machen. Das wird alles nicht so furchtbar einvernehmlich ablaufen, wie Herr Stüber treuherzig und bestimmt ehrlich glaubt. Aber er glaubt ja auch, daß Baden Baden Weltstadtflair hat, was so ungefähr das allerletzte ist, was Baden Baden in die Waagschale der weltweiten Hippodrom Szene werfen kann. Egal, er hat bereits jetzt einen Tisch gebucht, wie er das Publikum wissen läßt, so daß also Hoffnung besteht, zumindest einen VIP auf der Schwarzwaldterrasse beim Verzehr von Kuchen und Sekt bewundern zu können.
Ach ja, das Leben ist schön. Besonders im Rizzi – Taverne, Teehaus, Bräustüberl.
Gastronomisches Weltstadtflair in Baden Baden.
http://www.goodnews4.de/preview_interviewtv.php?iid=883
Mi
24
Feb
2010
Iffze Galore
Das Elend geht in die nächste Runde. Herr Werler hat in ungewöhnlich deutlichen Worten den Dauerdissenz beschrieben, der die verschiedenen Akteure in Iffezheim zusammen schweißt. Land, Stadt, Gemeinde, Sparkasse, sowie der Internationale Club und diverse Gläubiger als Juristische Personen, dazu Erbbauverträge, Pachtverträge, Untergesellschaften etc. Das ist eine völlig verworrene Gemengelage, in der jeder gegen jeden kämpft, weil vor der Hand nichts zu verteilen ist, als die zukünftigen und also zweifelhaften Nutzungserlöse nebst Posten. Man vergesse nicht den Insolvenzverwalter, dessen Bestreben ebenfalls kommerziell bestimmt ist, also Masse anzuhäufen. Es zeigt sich jetzt in aller Deutlichkeit, wie sehr diese Aktion Tribünenbau mit seinen Sondergesellschaften und Nutzungsrechten einer einfachen Lösung im Wege steht, weil eben die Rechte an Grund und Boden und die jenigen an den Gebäudlichkeiten, die darauf stehen, auseinander fallen. Insofern müssen sich alle daran Beteiligten fragen, ob das eine so großartige Idee war, das damals so zu machen, und zwar ganz unabhängig von der Frage, ob es überhaupt kommerziellen Sinn gemacht hat. Das betrifft auch das Wirken des Herrn Zellmann, in dessen Amtszeit diese Dinge mit Aplomb und Rasanz ins Werk gesetzt wurden. Und danach stellt sich endlich auch die Frage, wie lange man den Internationalen Club noch gewähren lassen will, also die Leute, die ihn ausmachen und die für ihn handeln. Es muß ganz einfach dieser Club aus dem öffentlichen Bild dieser Insolvenz und der Zukunft verschwinden, mithin seine königliche Hoheit nebst Herrn Stüber und der ganzen Entourage.
Eine abgespeckte Version des Frühjahrsmeetings kann sich Herr Werler vorstellen, wie er sehr gequält mitteilt. Das sind im Kontext solcher Interviews und seiner Vorgänger nicht so frohe Botschaften, wie das manche Kommentare weiß machen wollen. Das sind entschieden düstere Botschaften
Di
23
Feb
2010
Taschenvollmachen
Kann man mit Pferdewetten Geld verdienen? Im Prinzip ja, aber nicht im Leben. Das ist sehr schwer, weil sich viele Dinge gegen den Wetter verschworen haben, die äußeren Umstände, die inneren, und überhaupt die Schwierigkeit, Dinge, die die Zukunft betreffen, vorher zu sagen. Aber der Reihe nach.
Am Anfang steht die Erkenntnis, daß auch so genannte Profiwetter nur mit Wasser kochen, solange sie nicht bescheißen. Aber das zählt nicht. Diese Leute sind froh, wenn sie den Kapitalmarktzins schlagen, irgendwas zwischen 4 – 10%. Das hört sich nicht nach viel an, aber dazu muß der Totoabzug oder die Buchmacherspanne geschlagen werden, was die Sache in ein anderes Licht rückt. Jeder Wetter, der in den Deutschen Toto wettet und nach einigen Wetten pari steht, hat um und bei 30% verdient, weil er die Abzüge in der nämlichen Höhe geschlagen hat. Wer beim Bookie wettet, muß dessen Takeout schlagen. In Deutschland sind die Festkurse z.B. bei rabets mehr oder weniger willkürlich, und zwar in beiden Richtungen. Es gibt in der Regel schlechte Kurse, schlechtere als am Toto, aber manchmal rutscht einer durch, wenn der Kursmacher ein Pferd nicht kennt. Aber wie auch immer, das ist die Startposition, immer erstmal hinten.
In Deutschland werden im Moment die Winterrennen auf den Sandbahnen in Neuß und Dortmund veranstaltet. Da kann man nicht wetten. Da läuft Not gegen Elend, oder Gosse gegen Rinne, wie die Traber sagen. Es laufen Rekonvaleszenten, es reiten unbekannte Amateurreiterinnen, es schneit, es regnet. Hoch spritzt der Dreck, das Geld ist weck. Es laufen völlig unbekannte Pferde aus Belgien mit obskuren Formen. Und so sind die Rennverläufe dann folgerichtig unvorhersehbar, unauslotbar, und daher unkalkulierbar. Extrem kurz stehende Favoriten, rätselhafte Vorstellungen, versiebte und vergeigte Chancen, Pferde, die schon nach wenigen Galoppsprüngen aussichtslos geschlagen sind. Abstände wie auf der Autobahn. Das geht also gar nicht.
Man blickt ins Ausland, nach Großbritannien und Irland vor allen Dingen. Da haben sie im Moment National Hunt Sport, also Hindernis Rennen. Dazu bissi was Sandbahn Flach, aber das sind auch keine Leckerbissen. Aber die Hindernis Rennen, die machen Spaß, die sind höchstklassig, und da kann man einigermaßen gut wetten. Zum einen sind die Pools groß, also der Umsatz stimmt, und zum anderen stimmen die Formen besser. Da gewinnt auch nicht jeder Favorit, aber gefühlt mehr. Und man kann mit mehr Vertrauen wetten, weil mehr Informationen zur Verfügung stehen. Zusätzlich gibt es einfach bessere Bilder als vom pitschnassen Hippodrom Neuß, dem grauslichsten weit und breit.
Meydan und USA sind reizvoll, weil die Bilder aus Meydan sehr schön sind, aber die Formen schwer auszuloten; manchmal gewinnen welche mit der halben Bahn, um dann für den Rest des Jahres in der Versenkung zu verschwinden. Das Klima ist speziell, wie auch die Exoten aus Brasilien oder der Türkey. Und mit Jamie Spencer gewinnt Crowded House einfach nicht, nicht in diesem Leben. Godolphin ist da eine Macht, aber manchmal gehen die allerheißesten unter, oder die zweite Farbe mit Ajtebi gewinnt. Dennoch, zusehen macht Spaß, und wetten geht ganz ordentlich, weil auch die Favoriten meistens mehr als pari zahlen. Wenn deutsche Pferde laufen, ist jedoch Vorsicht geboten; zum einen ist die Konkurrenz meistens eine Nummer zu groß, und zum anderen sind die angebotenen Kurse mehrere Nummern zu klein. Wenn schon, dann zum Bahnkurs, der auf dem Stream mit den Bildern fast immer akkurater angezeigt wird. Am besten, man wartet bis zum letzten Moment. In den USA werden die Rennen nach bestimmten Schemata gelaufen, die sich Nation weit gleichen: immer gegen den Uhrzeigersinn, gleiches Layout der Bahnen mit engen Bögen, und sehr viel Informationen über Rennzeiten und Trainingszeiten. Damit läßt sich im Prinzip viel anfangen, aber man darf den Wald vor lauter Bäumen nicht aus den Augen verlieren.
Dann gibt es noch die Ante Post Wetten, wie es auf gut englisch heißt, also Langzeitwetten. Das sind eigentlich die Wetten, die am meisten auf guten Hintergrundwissen basieren, und die am meisten Freude machen, weil im Erfolgsfall das schöne Gefühl hinzutritt, schon immer mehr als racebets gewusst zu haben. Auch drückt sich das natürlich im Kurs aus. Aber selbst Rolling Home in St. Moritz zahlte angeblich bei PMU weitaus mehr als bei racebets Wochen vorher – 159:10 gegen 110:10, was dem Autor damals auch als sehr generös erschien. Ein anderes schönes Beispiel ist Cheltenham Gold Cup. Da gab es bereits vor Wochen 32:10 für Denman und 29:10 für Kauto Star. Schwer vorstellbar, daß ein anderer gewinnt, so daß, wenn man beide spielt, immer was übrig bleiben sollte. Na ja, sehen wir mal.
Die Kunst beim Wetten ist das Stillhalten, wenn’s läuft. Und wissen, besser Bescheid zu wissen. Beides ist nicht einfach.
So
21
Feb
2010
Multiple Chaos
Manche Fragen sind so unglaublich einfältig, daß man sich fragt, wie man überhaupt darauf kommen kann. Galopponline fragt also, ob Denman den Goldcup nach 2008 auch 2010 gewinnen kann, und bietet außer ja und weiß nicht noch: AUF KEINEN FALL an.
Das nennt man glaube ich eine Multiple Choice Konstellation, wenn also dem Leser mehrere vorgefertigte und vor der Hand mögliche Antworten angeboten werden. Nun ist Denman zwar neulich in Newbury reiterlos geworden, aber immerhin nach allen bekannten Formen und Kursen zweiter Favorit für den Gold Cup. Und dann so einen Unfug zu schreiben, AUF KEINEN FALL; das ist ein Fall für ganz simple Gemüter. Wie soll das gehen, daß Denman auf keinen Fall gewinnen kann? Hat er Startverbot, hat er Mumps, zieht er ins Altersheim? Oder in den Kindergarten, um zukünftig bei der Redaktion von GOL zu helfen? Das wäre immerhin eine sinnvolle Begründung für diese Antwort.
So
21
Feb
2010
Rolling Home
Im reifen Alter von sechs Jahren über weite 2.000 Meter auf dem See gewonnen. Das ist schön. Rolling Home, gezogen von unserem Freund Hannes Gutschow, hat trotz aller Hindernisse noch mal richtig Form gefunden. Ein Riesentier, ein Grandseigneur von untadeligem Benehmen, der allen Freude macht, weil er ein so freundliches und intelligentes Pferd ist. Leider hat er vor dem Henkel Rennen Fiebag gehabt, und das Rennen hat dann erstmal die Karriere von 90+ GAG gestopt, aber mit viel Geduld und Spucke und Erholungsurlauben im Gestüt Kerbella ging es wieder zurück zum Erfolg. Die neuen Schweizer Besitzer werden hoffentlich noch viel Freude an ihm haben, wie alle anderen, die bisher mit ihm zu tun hatten.
Sa
20
Feb
2010
Wikipeda, also bin ich.
Und noch eine Gespensterdebatte, geführt von Leuten, die mit Sicherheit noch nie ein Pferd in Training hatten, geschweige bei Andreas Schütz. Aber natürlich ganz haargenau wissen, warum und weshalb sich im Moment keine Erfolge in HongKong einstellen. Wiederum die Wikipeda Fraktion, die ihr Wissen nicht aus Erlebtem, sondern Abgelesenem und zufällig gehörtem bezieht. Bestenfalls zweite Hand, aber mehr dritte und noch weiter hinten. Und die darüber hinaus überhaupt keine Ahnung vom Metier hat. Wie stets werden angebliche Fakten zur Beweisführung bemüht, aus alten Zeiten, und es ufert schnell zu Monsuns Vererber Qualitäten aus, speziell für Zweijährige. Schiaparelli taucht auf, sowie angebliche Trendbesitzer, die aus Trendgründen ihr Pferd dorten haben trainieren lassen. Und am Ende zuverlässig der Vorwurf des Pferdeschinders. Schwachsinnige Debatte, geführt von Schwachköpfen.
Sa
20
Feb
2010
Für Herrn Weller aus München
Speziell für Herrn Weller aus München:
http://www.emiratesracing.com/media-centre/videos
Aber auch für alle anderen.
Sa
20
Feb
2010
Mondanbeller
Heiße Debatten lösen immer wieder Tatsachen aus, also Dinge, die sich natürlich einer Debatte entziehen. Die neueste Debatte entzündet sich hieran:
Weil, es darf nicht sein, was nicht sein soll. Zwei Dinge geben jedes Mal zu denken; zum einen der Tierschutzgedanke, der bei diesen Gelegenheiten immer diejenigen beschleicht, die das Treiben ansonsten mit frohem Mut betrachten und befördern, ja sogar ihr Auskommen damit bestreiten. Also, entweder man ist aus grundsätzlichen Tierschutzerwägungen gegen den Rennsport (was nachvollziehbar ist), oder man ist es nicht. Aus Anlaß eines Photos, welches ja gerade für Eingeweihte keine besondere Rennsituation wiedergibt, ist da nichts Überraschendes oder Neues, was nunmehr den Tierschutzgedanken ermöglicht. Das sind olle Kamellen, das weiß jeder.
Die andere Besonderheit ist das Gejammere, so was schade dem Ansehen des Rennsports, welches ja bekannter Weise sowieso im Arsch sei. Mal abgesehen von der Frage der Ästhetik, die sich jedes Mal im Einzelfall neu stellt, wieso glauben diese Leute, daß solche Dinge sich nach Fragen der Werbung beurteilen lassen? Die Wirklichkeit ist, wie sie ist, und kein Photoverbot oder Veröffentlichungsverbot ändert daran etwas, ganz abgesehen davon, daß ein solches Verbot bzw. die Unterdrückung dieser Photos natürlich auf Zensur hinausliefe. In die gleiche Kerbe zielen die Kasperiaden angesichts von Berichterstattung über sektschlürfenden Schreckschrauben nebst Stüber in Baden Baden. Auch das ist nicht gestellt, auch das ist die nackte, brutale Wirklichkeit. So ist der Sport, ein Aspekt des ganzen Kaleidoskops.
Das Bild finde ich im Übrigen sehr spannend. Dramatik und Rasanz, Farben und Dynamik. Eine sehr schöne Komposition, eine Kollaboration des Rennsports mit einem guten Photographen.
Sa
20
Feb
2010
Northern Glory
Die deutschen Pferde laufen meistens ins Mittelfeld, weil der dash am Schluß fehlt. Northern Glory lief auf den dritten Platz, weil er gut drauf war, und der Reiter Karoly Kerekes ebenfalls. Sehr gut temperierter Ritt, nicht zu offensiv, aber immer da, von wo es weitergehen konnte. Dazu in der Geraden mit Schmackes bis zu Ende geritten. Gute Vorstellung.
Fr
19
Feb
2010
Märchenland
Meydan – es klitzert und funkelt, ein Traum, ein Träumchen aus Glas und Gras und Tapeta, den fünfhundert Trupps Indische Elephanten nicht durchmessen können. Man fühlt sich gleich eingetaucht, fast untergetunkt in das märchenhafte Wüstenemirat am Golf von Arabien mit seinen Palästen und Wasserpfeiffen und Dubai Old City und Dubai Airport mit diesem Verlosen von Ferrari und Porsche. Daneben geht es auch exklusiv zu, im Nachbaremirat, Shardsha, wo es noch arabischer zugeht, ohne Alkohol aber mit achtspurigen Magistralen als Viadukte über künstliche Seen, die von echt Venezianischen Kandelabern ohn`Zahl gesäumt und illuminiert werden. Was für ein Landstrich!
Über allem aber hält seine Rulerhoheit Maktoum schützend die Hand, die entrepeneurhaft alles ansich zieht, was zukunftgewandet und fortschrittlich der Welt den Takt vorschlägt, alles neu und alles garantiert erstmalig und am schönsten, hellsten, strahlendsten. Man denke, über eine Milliarde hat dieses Wunderland des Pferderennens gekosten, tausende und abertausende von fleißigen Händen und Füssen haben Tonnen und Abertonnen heißen Wüstendsand bewegt, mit Eselkarren und Ochsenkarren bei unvorstellbaren Temperaturen und bloßen Händen. Ganze Plantagen an Citrusfrüchten wurden errichtet, mit Klimaschränken und separaten Wasserklosetts, dazu Krummschwertschmieden und Dattelkernröstereien, alles für das Gelingen und Wohlbefinden der hochmögenden Gäste aus aller Herren Länder.
Jetzt wurde auch ein Rückzahlplan für die um und bei € 100.000.000.000 (einhundert Milliarden) Verbindlichkeiten vertraulich öffentlich gemacht. Danach sollen davon 60% zinslos über die nächsten 7 Jahre gezahlt werden, mit Staatsgarantie, oder es werden 60% genauso zurückgezahlt, ohne Zinsen, plus Beteiligungen an der Staatlichen Immobilien Gesellschaft. Das dann aber ohne staatliche Garantien. Zwei faire Angebote, wie ich meine.
Do
18
Feb
2010
Musir
Very very impressive – Musir, C.Soumillion, M. de Kock.
Do
18
Feb
2010
Wunderquoten
Aber jetzt, jetzt juckts in den Fingern – Thor`s Echo. Ehemaliger Breeders Cup Sprint Gewinner, wenn auch schon in 2006. Aber neulich an nämlicher Stelle sehr gut als Oldie verkauft. Steht am Toto recht lang, bei den Festkurs Spezialisten von Racebets natürlich wesentlich kürzer. Aber deren Quotenermittlung ist sowieso ein Rätsel. Während ich dies schreibe, steht er bei denen Festkurs 94:10, am Toto angeblich 75:10, aber laut Bildschirmseite bei 12/1, also 130:10.
Do
18
Feb
2010
Titurel
Leider kein Volltreffer für Titurel. Das Rennen war zu kurz, der Untergrund zu neu, und der Rennverlauf zu weit hinten.
Do
18
Feb
2010
Opferlamm
Hoch geht die See in Karlsruhe und bei Herrn Henschker, der hinter der Aktion Werbebannerverbot jaxx sehr werbewirksam eine gezielte Aktion des Wettbewerbs vermutet. Das glaube ich aber nicht. Das glaubt nicht einmal die betroffene AG. Diese Aktion ist eine von anderen mehr, die sich insgesamt gegen diese Branche richtet. Es geht um Karlsruhe, aber nicht um jaxx allein. Beweisen kann man natürlich im Moment nichts, aber die Indizien deuten auf diese Sicht der Dinge. Kleine, verzweifelte und tapfere Entitäten gab es in Gallien, aber nicht in dieser Sache. Halb so schlimm, no worry.
Und noch was, weil es so schön ist: der Verweis auf Herrn Schuberts angebliches Eingeständnis bei diesem Sender, daß da eine Interessenkollision bei ihm vorliegt; also das hat er wesentlich eher eingeräumt, weil es so ist, und nicht einem Sender gegenüber. Verwelkter Lorbeer.
Mi
17
Feb
2010
R.I.P.
Immer wieder liest man die Nachrufe auf Verstorbene des Rennsports, wenn von Galopponline verfasst, mit einem Unbehagen. Nicht der Tod ist daran schuld, sondern es stellt sich schnell das Gefühl ein, daß hier Unbefugte schreiben. Niemand kann all die vielen Leute des Rennsports im Inland und im Ausland persönlich kennen (obwohl die hiesigen Verhältnisse das bald möglich machen), aber zumindest sollte ein Nachrufer eigene Kenntnis vom Werk des Verblichenen haben, also seine Lebensleistung kennen, soweit sie für den Rennsport Relevanz hatte. Daran hapert es aber ganz gewaltig und ganz oft, wenn der Trauerrand her muß bei GOL. Dann gerinnen selbst die einfachsten Dinge zum peinlichen Gewurschtl, und die bei Wikipeda machen Überstunden. Es stirbt also Dick Francis, aber nicht etwa hoch betagt, wie man bei dem Alter nicht schlecht formuliert, nein, bei diesen Jungs „an Altersschwäche“. Das mag zwar richtig sein, in einem technisch-medizinischen Sinne, aber es ist natürlich nur eine patzige Übersetzung von „infirmities of the age“, was sonst. Dann werden Daten hergezählt, seit wann seine Frau verstorben ist etc., als wenn der Redakteur noch gestern mit ihr telephoniert hätte. Wozu diese vergebliche Faktenhuberei? Noch schlimmer wird es, wenn in fernen Ländern junge Auszubildende zu Tode kommen. Wenn so eine Meldung im www erspäht wird, dann gibt es kein Halten mehr. Name nebst Vorname, Arbeitgeber, nähere Umstände des Todes, alles Sachen, die außer den Betroffenen und seine unmittelbare Umgebung niemanden was angehen, weil sie höchstens lokalen Charakter haben, und auch keine Signalwirkung davon ausgeht. Kurz, es wird eine Intimität mit dem jeweiligen Fall vorgegaukelt, die nichts als profane Befingerung posthum ist. Jetzt ist leider wieder ein junger Mann vom Pferd abgeworfen worden und gestorben. Ich schreibe aber nicht, wer und wo. Er soll seine Ruhe haben.
Mi
17
Feb
2010
Lentenor
Lentenor läuft heute Abend in Gulfstream Park, 8. Rennen. Das ist einer der kleineren Brüder von Barbaro. Der Trainer Michael Matz redet öffentlich von Derby Route, wenn das heute geht. Das ist ungewöhnlich für den Mann. Wenn das Pferd lernt, den Kopp beim Galoppieren runter zu nehmen, könnte er was können. Wird wohl sehr kurz stehen, Morning Line 40:10.
Mi
17
Feb
2010
Lost in the Fog
Das hatte ich ganz vergessen in der Trauer über 96 – Lost in the Fog.
Das war zusammen mit Lavaman das populärste Rennpferd Kaliforniens der letzten Dekade, aber einer, der mal aus San Francisco kam und nicht aus dem Süden, wie die meisten. Er stand bei Greg Gilchrist, lief in Golden Gate Fields und den mittlerweile abgewrackten Bay Meadows, und ging sporadisch auf Reisen. Das ganze hat ein Filmteam begleitet, und herausgekommen ist was sehr schönes und informatives.
Es gibt sehr schöne Bilder, untermalt von spärlicher Musik, und im Wesentlichen kommen die Leute zu Wort, die mit dem Pferd zu tun hatten. Vor allen Dingen Harry Aleo, der mittlerweile hoch betagt verstorbene Besitzer, der Ronald Reagan für den größten Präsidenten aller Zeiten hielt und auch sonst so manche Lebensweisheit zur Hand hatte. How to make money when your horse loses. Die Reise geht nach Aqueduct, nach Saratoga, nach Churchill Downs, Russel Baze sitzt fast immer drauf, und das Pferd gewinnt fast immer. In Saratoga die King`s Bishop Stakes, Gruppe I. Da war die Kamera auf der Tribüne, und man lernt, warum es so schön ist, solche Rennen zu gewinnen.
Dann das langsame Ende, eingeläutet im Breeders Cup, noch mal das Aufbäumen in Louisville mit dem Sieg trotz schwerer Krankheit. Sehr anrührende Kommentare von Gilchchrist, das Telephonat von Aleo mit der Klinik. Ohne Klamauk und falsche Geigen.
Der Transport der DVD ging problemlos und in einer Woche. Sehr empfehlenswert.
Di
16
Feb
2010
Prager Frühling
Früher ging die Zeit bei Olympia wie im Fluge dahin; Manfred Schnelldorfer kurvte mit Frack und Fliege auf dem Eis rum, Erich Kühnhackl ohne, es gab den Thoma Jörgli und Sappradibursch von seiner Exz. wie hieß er doch gleich. Jedenfalls hat es immer viel Spaß gemacht mit den Olympioniken im Schnee und den Berichterstattern dazu. Einer war sogar im echten Leben Zahnarzt, oder sollte es zumindest werden. Aber dann kamen eigentlich mit der Frau Mittermeier und dem Herrn Neureuther neue Zeiten auf, mehr so Zeiten, die ein Harry Kirvesniemi schon nicht mehr verstand, den Moravetz immer mit Behle verwechselte, als er durch den nordischen Tann stapfte mit Zipfelmütze und Eis im Bart. Es wurde bedrückend, trotz Ingemar Stenmark und Gustavo Thöni und all den anderen Olympioniken. Am schönsten war es 1968 in Grenoble, als Golonka und Vaclav Nedomansky ganz allein die beste Mannschaft aller Zeiten, Firsov und Co., bezwangen. Das war zweifellos der Höhepunkt Olympias, als das Ideal des Sports völlig deckungsgleich mit dem Leben wurde. Für einen Moment, der unvergesslich bleibt. 5:4.
Heute hört man nur noch tönerne Lederhosenimitate, Tatjanas und Kevins aus Ostwestfalen-Lippe, die trotzig eine bronzenen Medaille beweinen, gleich nebenan vom Container, der wo die Crew beheimatet ist, die wo den dings mit seinem neuen Bremser einwachst. Was für mediokres Personal, was für grauenreiche Kommentare und Darsteller, die jeden Erwachsenen duzen und verhaut sagen können.
Da sind Pferde anders. Sie sind uneitel, unprätentiös, unkorrumpierbar.
Das macht sie interessanter, denn sie machen einem nix vor.
Di
16
Feb
2010
Feiner Ritt
Wie verschieden doch Rennen gesehen werden – feiner Ritt, schreibt der eine, schön eingeklemmt der nächste, ein Fachmann aus Bayern. Ich tendiere zum feinen Ritt. Aus der Außenbox ohne großes Geraschelle an die zweite Position an die Rails, das Pferd gut in der Hand auf kurzem Weg. Das ist erstmal die von jedem Trainer ersehnte Position hinter der Pace, ohne Pullen und Murren. Da der Pilot einen ordentlichen Galopp ging, konnte man da sehr schön hinter bleiben. Dann kam einer außen, Soumillion, der deckte den Weg nach vorne zu. Das ist so, weil diese Spur frei und nicht verboten ist. Dafür ging der zweite Spur, und der vordere ging in der Geraden weiter, so daß eigentlich nichts falsch war denn: die anderen sind auch schnell. Quijano konnte immer weiter an den Rails galoppieren, hatte zum Schluß freie Bahn, und wurde reell geschlagen guter Dritter. Wenn Starke ihn eingangs weiter nach außen genommen hätte, wäre der Weg weiter gewesen und der Schwung und Rhythmus perdu. Das wird oft übersehen bei Kritiken an Rennreitern, daß nämlich das Momentum der Pferde nicht gern gestört wird, also abruptes Rausnehmen oder heftiges Anfassen. Das führt oft zu gegenteiligem Erfolg. Insofern sieht das für mich wie ein feiner Ritt aus, wo zwei Pferde am Ende schneller waren, und der Reiter Andrasch Starke das Beste rausgeholt hat.
http://www.dubairacingclub.com/popups/video.php?id=953e1b68&width=704&height=576
Di
16
Feb
2010
Absitzen
Schwupp, mit einem Mal steht da UR Unseated Rider, und der Markt für den Gold Cup ist wieder belebt. Denman wackelte schon ein Hindernis vorher mächtig, und McCoy konnte nur mit Akrobatik den Fehler aussitzen, aber dann war absehbar Schluß. Denman wollte nicht und konnte nicht, und so konnte Ruby Walsh auf Tricky Trickster zeigen, wie man ein Jagdrennen auch von weiter hinten knapp gewinnen kann. Aber so was kommt immer mal vor, daß muß kein Fingerzeig für Cheltenham sein, denn es sah irgendwie nach einer mentalen Nachlässigkeit von Denman aus, nichts Dramatischem. Es fehlte aber auch deutlich der letzte Tropfen Kondition, was aber in Cheltenham bestimmt nicht so sein wird. Dennoch, gegen Kauto Star wird es schwer.
Mo
15
Feb
2010
Rathsherren
Die Situation in Baden Baden ist sehr geeignet, den Stellenwert des Rennsports exemplarisch auszuloten. Abseits des Insolvenzrechts, und ohne Kenntnis der Einzelheiten ist eines klar, nämlich das Band einer Gemeinde und einer Region mit dem Sport. Und das ist manifest. Iffezheim, Baden Baden und die Region sind offenbar sehr interessiert an diesem Sport, zumindest an den Einnahmen, die die Meetings außerhalb der Bahn generieren. Gastgewerbe plus Nutzer des Images einer vermeintlich mondänen Beschäftigung durch mutmaßlich mondänes Personal. Es ist echtes Geld, was im Hirschen bezahlt wird für Kost und Logis. Natürlich haben die örtlichen Gremien das Hippodrom schon immer subventioniert, weil ja sonst die immensen Schulden von 14 Millionen nicht entstanden wären. Die Überschuldung bestand schon lange, wurde aber immer wieder durch Patronatsakte von Kommunen und öffentlichem Geldhaus kaschiert. Nun ist erstmal Sense, aber wahrscheinlich nur, weil auch die langatmigsten und gutmütigsten eingesehen haben, daß das Personal des internationalen Clubs selbst bescheidenen nationalen Qualitätsanforderungen nicht genügt. Nur wird es aber allerhöchste Zeit, daß diese Region dem Sport mitteilt, ob es die durch ihn generierten Gelder auch in Zukunft haben möchte bzw., wie sie sich den Fortgang der Geschäfte vorstellt. Es kann das nur durch Zugeständnisse der Gläubiger geschehen, und zwar im Hinblick auf den Wunschbetreiber, der gern als Investor bezeichnet wird, und durch Zugeständnisse an die Besitzer und Aktiven. Wenn die Karawane in Baden Baden halt machen soll, dann nicht nur wegen der frischen Schwarzwaldluft und der Eichhörnchen, sondern auch wegen attraktiver Ausschreibungen. In Bad Doberan hat die Sparkasse seit Jahren die Hand über die Bankrotteure gehalten, weil sich die Region das dortige Meeting gerne als einer der wenigen Attraktionen hält. Am Ende richtet sie sogar aus, zumindest de facto, also pekuniär. Ich schätze, so was wird in Baden Baden bzw. Iffezheim auch nötig werden.
Sa
13
Feb
2010
Big Gun
Newbury, heute 15:30 (pünktlich zum kick-of 96 ./. Werder), Aon Chase. Denman mit Tony McCoy. Listen to the commentary below, four or five from home: „And now Kauto Star has a mountain to climb to retain his crown!”
Sa
13
Feb
2010
Gesangsverein
Die jüngeren werden sich noch an Petula Clark erinnern und ihren Ohrwurm „Downtown“. Das war so ungefähr 1811, da war unser Heinz zwölf. Das folgende Dokument ist allerdings etwas neuer und eine gelungene Einstimmung für Cheltenham. Haben Sie bitte Spaß!
Sa
13
Feb
2010
Bankrotteure
Der Mann heißt Dan Liebman und bekleidet den Posten des Chefredakteurs von Bloodhorse, der bunten Publikation der amerikanischen Züchter, jedenfalls der Kentuckians. Also eine Art Zentralorgan, welches auch unter www.bloodhorse.com erreichbar ist. Dan Liebman kommentiert regelmäßig Vorkommnisse im Rennsport. Der andere Mann heißt Ahmed Zayat, ein Egypter, der seit einigen Jahren unter Zayat Stables einigermaßen große Räder im Rennsport dreht, sportlich mit u.A. Pioneerof The Nile, Sieger letztes Jahr im Santa Anita Derby. Der dritte im Bunde dieser Geschichte heißt Fifth Third Bank, und die will 34 Millionen US $ von Herrn Zayat zurück, die sie ihm über die Jahre geliehen hat, damit er Pferde kaufen und einen Rennstall unterhalten kann.
Nun ist Herr Zayat mit den Raten in Rückstand geraten, hat zwischenzeitlich auch mal Vollkaskoversicherungsgelder in Millionen Höhe einkassiert, und alles ist sehr verworren, so daß er sich unter das Insolvenzrecht gestellt hat. Soweit eine ganz normale Geschichte von Soll und Haben. Aber nun kommts: Herr Liebmann beschreibt den Fall, beschreibt die Rolle von Banken und Entrepeneuren, und kommt zu dem hervorragenden Schluß:
We need the help of the banks. And we need people like Ahmed Zayat.
Da hat Herr Liebman den Nagel unfreiwillig auf den Kopf getroffen: der Sport braucht seit jeher Blöde, die am Ende der Eimerkette den Napf aussaufen und die Zeche bezahlen. Wie schön, wenn sich endlich mal zwei bekloppte streiten, ein größenwahnsinniger Egypter und eine schwachköpfige Bank. Profitiert haben die Züchter, Agenten, Auktionäre und alle anderen Dienstleister, die ihre offenen Rechnungen noch schnell liquidieren konnten. Aber man kennt ja auch bei uns diese Masche, nach der Leute wie dortmals der Herr vom Stall Nordpol oder die österreichischen Likörfabrikanten oder die turkmenischen Clanfürsten im Sport wie Goldesel verehrt werden. Und hier wie dort gibt es eine journalistische Begleitmusi, die jeden dieser großmächtigen Katastropheure bejubelt und feiert, als wenn’s wirklich super wichtige Leute wären, monetär geldlich und auch geschäftsmäßig clever und charakterlich sowieso, wenn Sie verstehen, was ich meine!
Aber Pioneerof The Nile war wirklich gut:
Fr
12
Feb
2010
Weicheier
Dackel
Die weichen und die harten beschäftigen immer die Liebhaber von harten Sachen ganz besonders. Denn bei denen tauchen diese Attribute vor allen Dingen auf, in Diskussionen über Rennpferde und Vererbung. Sie meinen damit Verletzungsanfälligkeit, die sie dann als vererbbare Weichheit identifizieren. Der war weich, der war hart, so einfach malt sich das Bild, und weil die deutschen Pferde in der Masse eher der Kategorie Spätentwickler angehören, wird das mit dem Euphemismus harter Steher umschrieben, oder, als Steigerung, eisenharter Steher. Im Vergleich zu internationalen Trends, die durchaus zu Meilern oder Fliegern, jedenfalls zu frühreifen Pferden, gehen. Aber was ist da dran, oder ist an dieser Kategorisierung überhaupt was dran? Woher kommt denn diese Spätreife, ist sie vererbbar? Erstmal ist die Vegetation in Deutschland derjenigen in Frankreich, Großbritannien und Irland hinterher. Das Klima verschiebt sich zwar, aber als Parallelogramm. Daher findet das deutsche Derby immer nach dem Englischen und Französischem statt, vom Italiänischen zu schweigen. Irland macht die Ausnahme, aber das hat was mit England zu tun.
Schäferhund
Daher rührt, daß deutsche Pferde in der Spitze – um die geht es in der Zucht – etwas mehr Zeit haben, sich auf das Derby vorzubereiten, die entscheidende Zuchtprüfung. Mehr Zeit, weniger Druck, weniger Verletzung unterwegs. Denn die haben was mit Belastung zu tun, qualitativ als Stress, und entwicklungs- bezogen auf das Alter. Je früher und mehr bestimmtes Training, je mehr Verletzungen. Mit Vererbung hat das erstmal nichts zu tun. Deshalb haben die Amerikaner so viele Ausfälle unterwegs zum sehr frühen Kentucky Derby am ersten Mai Sonnabend. Es gilt also, daß Frühreife und Grundschnelligkeit ihren Preis haben, wie auch mehr PS: In dem Fall mehr und frühere Auslese. Insofern kann ich diese Einteilung nicht recht nachvollziehen. Mir erscheint das wie mit den Schäferhunden. Die haben Herrchen, die es gern hart mögen, aber nicht hart sind. Wer unverfälschtes will, der nimmt einen Rauhaardackel. Physiognomisch mag der verzüchtet sein, aber charakterlich vorbildlich. Hier noch für die Anhänger von weichen Flitzern zwei ältere Dokumente:
Und noch ein stadtbekanntes Weichei:
Fr
12
Feb
2010
Insolvenzrecht
Also jetzt barmt sich ganz Iffze um das Frühjahrsmeeting, weil es leider nicht so flutscht, wie allesamt es seit Monaten herbeten.
Die schillerndste Figur dieser Theaterinszenierung ist zweifellos Herr Specovius, den die Untiefen des Insolvenzrechts an die Gestade dieser Veranstaltung geworfen haben; sodann folgt der unvermeidliche Herr Stüber, gell, der wo immer so schön seit Jahren verzählt, wie alles so großartig funktioniert. Nur grad jetzt nicht.
Und dann der Mephistopheles Werler, der Ortsvorsteher, der dräuend die Unwägbarkeiten des Kommunalrechts herbetet. Die Krone ist die durchgängige Bezeichnung Investor, mit der diese Lokalmatadoren den Bewerber um den Betrieb der Rennbahn bezeichnen, als wenn der Manna mitbrächte als Zubrot vom Himmel hoch. Immerhin ist der Internationale Club nun auch offiziell aus der Bewerbung mangels Masse. Als Fernwirkung steht jedoch der Prospekt von German Racing nicht so richtig gut da. Ist eh Wurscht, die paar Mark fuffzich.
Hubertus Schmelz
Fr
12
Feb
2010
Showdown
Am 9. April soll es in Oaklawn Park im Apple Blossom Handicap zum Duell Zenyatta gegen Rachel Alexandra kommen. Mal sehen, wie oft das noch geändert oder modifiziert oder abgesagt oder neu angesetzt wird. Das aber ist der Stand per jetzt. Stay tuned.
Hubertus Schmelz
Mi
10
Feb
2010
Mehr Zahlen
Herr Delius hat in seiner sehr lesenwerten Publikation Turf Times interessante Zahlen veröffentlicht, die mutmaßlich von einem Rennverein stammen. Es geht um die vermittelten Umsätze der Außenwettvermittler:
2009 bis 18.11. in € (2008 gesamt in Klammern)
German Tote (Shops) 2.468.585,80 (2.394.264,50)
RaceBets Internet 2.466.400,50 (2.563.616,00)
BSG Buchmacher 2.252.232,50 (2.356.441,00)
Jaxx 2.239.875,50 (2.391.504,00)
IFEB Buchmacher 1.192.330,50 (1.808.397,50)
Pferdewetten.de 826.939,50 (414.338,00)
German Tote (Internet) 705.761,70 (502,277,60)
Springer (Internet) 646.970,00 (204.535,50)
APW 486.581,50 (1.387.909,00)
Wettstar 414.805,00 (428.983,00)
Trago 359.332,00 (464.686,40)
Equi 8 193.256,50 (-)
Magnabet 129.846,00 (315.982,60)
Crossbet Trab 118.239,00 (176.783,50)
Lotus Internet 101.765,00 (86.631,00)
Trabrennbahnen 97.247,50 (99.931,50)
Crossbet Galopp 95.068,50 (168.992,00)
Man sieht, daß German Tote sowohl einzeln als auch, was dann logisch ist, kumulativ an der Spitze steht. Man sieht auch, daß Racebets nur Dritter ist, wenn man Jaxx/Pferdewetten.de als Konzern konsolidiert. Man kann daraus auch errechnen, daß Racebets mit seinen 2,5 Millionen Umsatz etwa 16% der Außenumsätze macht. Die Frage bleibt, was in das Buch genommen wird, denn die veröffentlichten Geschäftszahlen für Racebets aus dem Jahr 2008 lassen da wenig Rückschlüsse zu. Es wurde erstmals ein Überschuß von € 450.000 erwirtschaftet, was nicht schlecht ist und darauf hindeutet, daß durchaus Reserven für die Vermittlung in den Toto da sind. Denn diese Umsätze haben höchstens € 250.000 Provision erbracht, wogegen in jedem Fall die Kosten zu rechnen sind.
Da nun also diese Beteiligung an Racebets beschlossene Sache zu sein scheint, wird der Kaufpreis für den 40% Anteil sehr wichtig, denn es erhebt sich die Frage, was dann noch für die echten Maßnahmen im eigenen Haus übrig bleibt. Man muß dann auch darüber nachdenken, ob man das Jaxx/Pferdewetten Gebilde besser in den Sport integrieren kann. Pferdewetten.de ist eine defizitäre Veranstaltung, die Fluxx keine Freude macht, und Jaxx nebst dem Anteil an der Telebörse von 80% paßt auch nicht recht zu Fluxx, weil da wenig Kompetenz im Haus ist. Ich würde versuchen, denen die Kunden abzukaufen. Das gäbe dann eine wirklich starke Position – German Tote, Racebets, Jaxx/Pferdewetten.de von über 50% der Marktanteile.
Hubertus Schmelz
Di
09
Feb
2010
Rechenkünstler
Für die Rechenkünstler, die den Prospekt entweder gar nicht, oder nur bruchstückhaft, oder ganz, aber ohne Verständnis gelesen haben, hier noch mal der simple Rechenweg:
4 Millionen ergeben nach Prospekt S.8 7. Investitionen und Finanzierung 11% Anteile an der Wettbetriebs GmbH. 15 Millionen ergäben demnach 46,5% Anteile an der Wettbetriebs GmbH. Dazwischen jeweils pro rata abzüglich einer Liquidiätsreserve.
Die Wettbetriebs GmbH wiederum soll sich mit zunächst 40% an der Racebets Gesellschaft beteiligen. Ich bin jetzt zu faul, diese Gesellschaft exakt zu benennen, entweder Bettertainment GmbH oder so ähnlich. Das spielt auch keine Rolle. Also 40%. Wenn das also aus den 4 Millionen bezahlt wird, dann bedeutet das, daß den Kommanditisten, also den Zahlern der 4 Millionen, durchgerechnet 11% von 40% gehören, m.a.W. 4,4%. Selbst wenn der Kaufpreis der 40% unter den 4 Millionen liegt, wovon ich mal ausgehen würde, dann ändert das nichts an der schlichten Formel 11% von 40%.
Daran beißt keine Maus den Faden ab, und auf diese Dinge haben ich und andere oft und oft hingewiesen. Nun ist zu spät zum Murren, nunc est bibendum.
Hubertus Schmelz
Di
09
Feb
2010
Gerüchte
Zu den unausrottbaren Gepflogenheiten einer interessierten Öffentlichkeit gehört die Behauptung, dieser oder jener wolle was werden. In dem Fall, daß DI, also ich, was im Rennsport werden oder haben wolle, ein Amt, am besten ein bezahltes, und daß dieser mutmaßlichen Absicht ein sorgfältig ausbaldowerter Masterplan zugrunde liege. Diese immer wieder vorgebrachte Behauptung stützt sich im Wesentlichen auf zwei Dinge: meine fortwährende Kritik an den Dingen, so wie sie sind, und zum Zweiten auf die Lebenserfahrung der jeweiligen Behaupter, wonach es sie selbst wie selbstverständlich an vermutete Fleischtöpfe in diesem Sport zieht, das also als allgemein gültiges Gesetz zu betrachten sein. Und natürlich meine Eitelkeit nicht zu vergessen (und da haben sie allerdings völlig Recht).
Das ist aber im Ganzen dann doch falsch. Um es gleich zu sagen, natürlich traue ich mir das zu, denn wie sonst könnte ich seit Jahr und Tag mit dem Brustton der Überzeugung Amtsträger und Politik im Sport so vehement kritisieren; weil ich glaube, es oft besser zu wissen, und es auch besser zu können. Aber ich will es nicht, und strebe auch nichts dergleichen an. Die Damen und Herren in den Ämtern mögen also beruhigt weiter machen, denn ich will ihren Job nicht. Ich werbe allerdings für konkrete personelle Veränderungen, weil ich glaube und hoffe, daß diese beworbenen Personen auch eine andere, und bessere, Politik machen können.
Hubertus Schmelz
Di
09
Feb
2010
Quality Road
Nachdem, das letzte Rennjahr in den USA ganz von den beiden Damen Zenyatta und Rachel Alexandra dominiert wurde, gibt es erfreuliche Konkurrenz in der Division der Älteren:
Quality Road, letztes Jahr noch Favorit im Kentucky Derby, dann am Renntag wegen Verletzung abgemeldet, zwischenzeitlich wieder ganz gut in Form, im Breeders Cup Classic vom Start verwiesen, scheint nun endlich aufgeblüht zu sein. Letzten Sonnabend gewann er nach einem ordentlichen Aufgalopp Anfang des Jahres das Grade I Donn Handicap in Gulfstream Park. Wegen der Gegner sicher nicht so furchtbar großartig, aber der Ton und die Zeit haben die Musik gemacht. 12+ Längen und Rekordzeit, dazu eine Beyer Zahl von 121 sind eine sehr deutliche Musik. Man weiß ja nicht so recht, wie die Amerikaner in Dubai nennen, aber sollte das Pferd dort laufen – im Classic natürlich – dann mit allerersten Chancen. Da hätten auch die Damen einen sehr schweren Stand. Davon abgesehen sollte es vielleicht sogar zu einem Duell a` trois im Laufe des Jahres in den USA kommen – Zenyatta, Rachel Alexandra, Quality Road. Dazu werweiß was für gute Dreijährige. Spannende Aussichten.
Hubertus Schmelz
Mo
08
Feb
2010
Forum
An dieser Stelle soll auf www.galopper-forum.de hingewiesen werden, das einzige uns bekannte Internet Forum dieser Art. Es stellt insofern auch eine der ganz wenigen authentischen und unredigierten Meinungsschaufenster des deutschen Galopprennsports dar, wenn auch zu Zeiten nicht unumstritten unter den Benutzern und den Initiatoren. Aber vielleicht spiegelt der manchmal sehr kontroverse Stil auch den jammervollen Zustand des Sports getreu wieder. Jedenfalls sollten Leser, die sich hier informieren oder erbauen oder ärgern wollen, auch dort mal hingehen. Das Forum braucht dringend Zuspruch, und nicht nur passiv.
Hubertus Schmelz
Mo
08
Feb
2010
Herrenreiter
Und wie bestellt und daher auch gleich abgeholt erscheint die folgende Sentenz in einem Forum, die der Autor, ein Mann der Amateur Abteilung mit Hang zu verstaubter Rhetorik, schalkhaft als bissig bezeichnet:
„Man könnte noch bissig anführen, daß es Besitzer gibt, die der Meinung sind, wenn das Publikum deren Pferde laufen sehen darf, wäre das doch genug. Wenn das verehrte Publikum es auch noch Comode haben will, solle es woanders hingehen.“
Das ist also satirisch gemeint, aber weil der Rennsport nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren funktioniert, ist die Kehrseite dieser satirischen Leistung die Realität, wonach es in der Tat so ist, daß es unter keinen Umständen Pferderennen ohne Besitzer gäbe, ohne Wetter und notabene Publikum aber sehr wohl. Denn es gibt keine herrenlosen Rennpferde, jedes hat einen Besitzer (der aber in Wirklichkeit der Eigentümer ist, um es juristisch korrekt zu beschreiben). Z.B. in Dubai, wo sich der Rennsport großer Beliebtheit erfreut, wird offiziell kein Dinar gewettet. Also verfehlt die Satire leider ihr Ziel. Wenn der Autor dieser bissigen Zeilen geschrieben hätte, daß auch Wetter und Publikum zum Gelingen der Veranstaltung beitragen, sehr richtig. Und auch ihr finanzieller Beitrag soll durchaus gewürdigt werden, also Eintritt und Totoerlöse. Aber das sind leider Marginalien in dieser Gesamtbetrachtung.
Insofern hat der Sport jedes Interesse, das Publikum zum Bahnbesuch und regem Wetten zu animieren, und es liegt daher auch im Interesse des Sports, die jeweiligen Wünsche der Kunden aufmerksam zu eruieren und, wenn sinnvoll und möglich, zu erfüllen. Denn das Gaudium Pferderennen mit Wetten soll allen Spaß machen, Besitzern und wettendem Publikum. Aber so wie die Besitzer nicht in das Wettverhalten des Publikums hineinregieren, so sollen auch die Wetter nicht in die Entscheidungen der Besitzer reinfuhrwerken. Vor allen Dingen keine Amateure. Auch der weiterführende Hinweis, es gäbe im Sport Entscheidungsträger, die nicht Besitzer sind, geht leider völlig fehl. Diese Leute sind nämlich kraft Amt beauftragt, was zu tun, also im Zweifel auch was zu entscheiden. Es geht dabei um den Herrn Halm und seine Kollegen in den Vereinen, die Geschäftsführer. Ob die ein Pferd haben, ist bei der Stellenbeschreibung nicht problematisiert, und vielleicht hülfe es, wenn das zu den Zulassungsvoraussetzungen gehörte. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Wie auch die Qualifikation dieser Herren solo und in toto.
Mo
08
Feb
2010
Scheindebatte
Wer soll oder darf oder muß oder kann in Sachen Rennsport mitreden? Jeder, natürlich. Aber diese Frage wird trotzdem gerne diskutiert, weil sich im Sport diejenigen betätigen, die was einzahlen, also die Besitzer, sowie diejenigen, die das nur als Wetter tun, oder aber nur als Eintrittzahler. Gleichwohl wird eine erbitterte Debatte geführt, wobei die Frage völlig falsch gestellt wird, wenn es um das Mitreden geht. Denn es herrscht Redefreiheit hierzulande, die niemand beschneiden kann, und die auch diejenigen betrifft, die sich als Opfer vermeintlicher Redebeschränkungen wähnen. In Wahrheit geht es natürlich auch nur um die Frage, wer mitentscheiden darf, und die stellt sich auch nicht, weil nur Mitglieder von Vereinen und Verbänden Stimmrecht haben, also an formalen Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Insofern könnte man das Alles als Scheindebatte abhaken.
Aber es gibt die berühmte Parität im DVR, wonach Besitzer Vereinigung und Rennvereine Stimmgleichheit haben, und zusätzlich die Amateure, die Besitzertrainer sowie die Trainer und Jockeys Stimmrecht haben. Das führt dazu, daß am Ende des Tages ein großmächtiger Konsens herbeigeführt werden muß, was die Freunde des Konsenses erfreut, aber Entscheidungen der prinzipiellen Art erschwert. Zusätzlich entsteht ein aufgeblähter Kommunikationsapparat. Nun wird hier schon länger der Standpunkt vertreten, daß Schluß sein muß mit dieser Parität, die ja in wirtschaftlichen Dingen niemals bestanden hat. Die Besitzer stemmen je nach Inhalt der Berechnung 80-90% der Veranstaltung. Das sind die Fakten, und das muß sich in der Entscheidungskompetenz wieder finden. Vor allen Dingen Amateure und Trainer und Jockeys haben auf dieser Ebene keine Aktien im Spiel, sondern sind expressis verbis als non-profit Organisation zu Gange, oder als Vertragspartner der Besitzer.
Insofern geht es nicht um Rederecht für Fans, welches unbenommen besteht und ewig fortbestehen möge. Es geht um Mitbestimmung.
Hubertus Schmelz
So
07
Feb
2010
Neues aus Waldhausen
So hieß früher eine schöne Abteilung des Schulfunks, eingeleitet bzw. umrahmt von der Overtüre des Vogelfängers. Da wurden dann in der Folge sehr wichtige Dinge aus dem dörflichen Leben abgehandelt, also ausgelaufene Pachtverträge oder die Schweinepest oder die Kartoffelernte im Wandel der Jahrhunderte.
Neues aus Köln gibt es nun auch endlich, weil die Kollekte zum großen Gesundbeten des Rennsports die heiß ersehnten 4 Millionen erbracht hat, wenn auch nur mit Ach und Krach und zweimaligem Anlauf. Je denoch, auch der Autor hat sich trotz mehrfach öffentlich geäusserter Kritik an Konzept und Umsetzung zu einer Beteiligung durchgerungen, also statt des Wein Predigens Wasser gesoffen. Jetzt wird man sehen, was mit dem Geld geschieht, aber eines erscheint wichtiger denn je: die ordentliche Ausstattung einer Marketing- und Verwertungsstrategie, also fähiges Personal nebst Apparat. Oberhalb der Wettbetriebs GmbH, direkt als merkantile Abteilung des DVR. Nur wenn das geschieht, wird sich nachhaltig was ändern.
Hubertus Schmelz
Do
12
Nov
2009
Robert Enke: Viel mehr als eine Nummer 1
Robert Enke
Selten hat ein Mann einer ganzen Stadt derartig mit seiner Persönlichkeit aufgeholfen, in diesem Fall mit seiner Integrität, Noblesse und seiner sportlichen Leistung. In Hannover noch nie, nicht im Sport, nicht in der Politik, nicht anderswo im öffentlichen Leben. Hannover, die graue Maus, sagen sie. Wir Hannoveraner antworten Robert Enke.
Hubertus Schmelz
Robert Enke war ein Glücksfall und Leuchtturm des hannoverschen Fußballs.
© Ulrich zur Nieden
Demut: Das ist vielleicht der seltenste Wesenszug bei Profifußballern in der Bundesliga. Robert Enke besaß die Gabe der Demut.
Freundlichkeit: Seit dem Sommer 2004 konnten sich die Fans beim Training der „Roten“ auf der Mehrkampfanlage, bei den Fanfesten in der Arena, bei den Fußballjugendtagen im Eilenriedestadion und auch bei jedem anderen Auftritt in der Stadt immer wieder überzeugen. „Robert, ein Autogramm bitte...!“ oder „Herr Enke, dürfen wir schnell ein Foto machen?“ Der Torwart hatte dafür immer Zeit. Zwanzigmal nach jedem Training, jeden Tag, bei jedem Wetter, nach Siegen ebenso wie nach Niederlagen, nach der Rückkehr von einem Länderspiel genauso wie nach einer Trainerentlassung – und davon hat er immerhin drei in fünf Jahren erlebt bei 96.
Präsenz: Für das Publikum da zu sein, war für Enke eine Selbstverständlichkeit. In Gesprächen machte er klar, dass er seine Wandlung zu einem Leuchtturm des hannoverschen Fußballs als skeptischer Beobachter verfolgte. Dass Rainer Schumann, der Schlagzeuger der hannoverschen Rockband Fury in The Slaughterhouse, eigens für ihn (und die Fans) die Stadionhymne „Robert Enke Nummer 1“ komponiert hat, das hat ihm natürlich geschmeichelt – aber dennoch hat er sich lange geziert, bis er sich drauf einließ, dass sie jeweils eingespielt und lauthals mitgesungen wird, wenn er eine halbe Stunde vor dem Anpfiff zum Aufwärmen den Rasen in der Arena betrat.
Bescheidenheit: Wirklich ergötzt hat er sich an der Zuneigung seiner Verehrer aber wohl nie so, wie es manch anderer Fußballstar tut. „Wie heißt du denn? Was soll ich denn schreiben, spielst du denn auch Fußball? Solche Fragen stellte er gern kleinen Jungs, die sich ihm auf dem Weg vom Trainingsplatz zum Kabinentrakt mit ihren Panini-Alben in den Weg stellten. Falsche Kumpelhaftigkeit, gespielte Fan-Nähe hat er dabei nie gezeigt. Vielmehr ehrliches Interesse, manchmal sogar Verwunderung. Ganz klar: Der Rummel war ihm nie ganz geheuer. Zwar keine große Lust, aber beileibe auch keine Last. Eher einfach eine Teil der Wirklichkeit, der er sich in Demut stellte. Das zeigt auch die Eigenart, dann und wann mit Bus und Bahn zum Training zu fahren.
Ziemlich ungewöhnlich für einen Nationalspieler, der vor seinem ausgebauten Bauernhof in Empede auch einfach in den sündteuren Luxusjeep steigen könnte. Es darf spekuliert werden, wie wenig ihm Luxus und Wohlstand bedeutet haben mögen. Nach einem Interview mit Reportern dieser Zeitung, mit denen er sich gewöhnlich im Hotel am Maschsee, einen Steinwurf von der Arena zusammensetzte, bestand er einmal darauf, die Getränke für alle zu bezahlen. „Komm, ich mach das, jetzt wo ich ein Scheißmillionär bin“, frotzelte er vielleicht eine Spur zu ernsthaft, um wirklich witzig zu sein. Seine Demut sorgte wohl sogar dafür, dass er selbst zu seinem Reichtum stets auf Distanz blieb.
Zusammengehörigkeit: Es wäre aber auch nie einem Fan oder einem Mitreisenden in der S-Bahn eingefallen, Enke zu bedrängen oder zu behelligen. Schließlich wusste man um die besondere Biographie Enkes in der Hannover und die „Roten“ eben beileibe nicht nur eine x-beliebige Station eines Profis in seiner Karriere waren. Hier Hannover als Fußballstadt, die sich ihrer Bundesligazugehörigkeit noch längst nicht dauerhaft sicher sein konnte. Und da der frühere Mönchengladbacher Torhüter, der nach dem Karriererknick beim FC Barcelona und dort die Aussortierung durch den heutigen FC-Bayern-Trainer Louis van Gaal, die Kündigung bei Fenerbahce Istanbul, ein halbes Jahr Arbeitslosigkeit und durch die 2. spanische Liga bei CD Teneriffa in die Bundesliga zurückkehrte. Sie richteten sich aneinander auf. Er wurde 96-Kapitän und Nummer 1 von Bundestrainer Joachim Löw mit großem Ansehen in der Nationalelf: „Wir brauchen Robert schnell wieder in Topform“, hatte Mannschaftskollege Per Mertesacker nach dem Länderspiel gegen Aserbaidschan in Hannover noch gesagt. Hannover und Enke – sie wuchsen zusammen. Sie feierten zusammen. Sie trauerten zusammen, als Enkes Tochter Lara, geschwächt durch einen angeborenen Herzfehler, nach einer vermeintlich harmlosen Nasenoperation starb. Und die Stadt wurde quasi mit Robert erneut Vater, als der Torhüter und seine Frau Teresa nach Jahren des Trauerns sich mit der Adoption von Tochter Leila einen Neustart ins Familienleben zutrauten.
Ehrfurcht: Das hat wohl die bisherige Beziehung Enkes zu Hannover und umgekehrt am treffendsten beschrieben. Für die Gefühlslage der hannoverschen Fußballseele in den kommenden Tagen indes scheint diese Vokabel viel zu klein. In Beileid und Mitleid werden Hannovers Fußballfans in den kommenden Tagen nach Worten suchen, um die Sprachlosigkeit zu überwinden. Und wenn der Sturm der Trauer sich legt, wird dieses Wort für Enke stehenbleiben: Demut.
[Volker Wiedersheim]
Quelle: http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fussball/Hannover-96/Robert-Enke-Viel-mehr-als-eine
So
08
Nov
2009
Breeders Cup 2009: Ladies Day
Zenyatta gewinnt den Breeders Cup Classic 2009
Da bleibt einem schier die Spucke weg, wenn solche Pferde laufen. Goldikova und Zenyatta haben gestern den Tag groß gemacht, und den Rennsport in das Licht gerückt, wo er an guten Tagen hingehört. Zwei Stuten, zwei Siege, ansonsten nicht vergleichbar. Eine unscheinbare aus Frankreich, eine mit Glamour aus Amerika, die aber doch eins verbindet: jederzeit Herr im Haus zu sein. Derartige Überlegenheit scheint auf jedem Meter des Rennens durch, weil die Pferde wissen, daß ihnen niemand das Wasser reichen kann, nicht hier und nicht heute, und so trödeln sie am Ende des Feldes rum, und machen sich dann erst im Schlussbogen, also sehr spät, auf den Weg nach vorn.
Goldikova gewinnt die Breeders Cup Mile zum zweiten Mal nach 2008
Und dann entfaltet sich die Geschichte jeweils wie abgesprochen, mit Kick and Rush (Goldikova) oder als Güterzug ohne Bremse wie bei Zenyatta. Zu diesen Ensembles gehören zwei Reiter von passendem Kaliber, Olivier Peslier und Mike Smith, die wie draufgeklebt auf diesen Stuten agieren. Aber manchmal paßt das alles zusammen, und dann merkt das auch der Unbedarfteste und Ahnungsloseste. Secretariat in Belmont Park war so ein Moment, Athenagoras in Hamburg, Sea Bird in Longchamp, Shergar in Epsom. Gestern gab es zwei solche Momente an einem Tag. Fast zuviel, um wahr zu sein.
Mo
27
Jul
2009
kgö
Ein alter Freund macht wieder viel Aufregung, Herr Göntzsche, der in einem publizistischen Amoklauf seine Absetzung als Mr. Ostseemeeting in Bad Doberan beklagt. Er nennt Namen, legt Finger in die Wunden, klärt auf, stellt richtig. Das wäre an sich nicht weiter bemerkenswert, wenn nicht an diesem Fall exemplarisch würde, woran der Rennsport u.A. auch krankt – einer völlig unverstellten Absahnmentalität, die das Handeln diverser gebetener und ungebetener Dienstleister betrifft. Herr Göntzsche, der insofern die Speerspitze vorstellt, bezeichnet sich als Journalist, und gibt ein gelbes Blatt mit Namen Galopp Intern heraus, welches als „Informationsdienst für Vollblutzucht und Galopprennen“ verstanden werden soll. Herr Göntzsche schreibt des weiteren vornehmlich in kleineren Lokalzeitungen, aber auch in der WELT und der BILD, über den Galopprennsport.
Daneben betätigt sich Herr Göntzsche seit Jahren als Impresario auf diversen Rennbahnen, Baden-Baden, Köln, Hannover, und auch in Bad Doberan, wo er zusätzlich den selbst verliehenen Titel sportlicher Leiter und Pressechef, zusammengefasst „Mr. Ostseemeeting“ in Anspruch nimmt. Jedenfalls bis in das Jahr 2008. Denn jetzt hat man dort umdisponiert, und plant ohne ihn. So was passiert, zumal wenn der Auftraggeber eigene Ressourcen vorhält, und wenn es sich um den größten Gläubiger des Vereins handelt, der offenbar auf die Kostenbremse tritt. Denn Herr Göntzsche hat ja niemals umsonst gearbeitet, sondern immer nur für Geld. Obwohl er Mitglied im Rennverein ist.
Es geht also um die exemplarische Vermischung von zwei Professionen in einer Person, mit dem Resultat der völligen Kongruenz. Er schreibt, was ihm frommt, und ihm frommt, was Penunze ist oder bringt. Nichts ideelles stört, nichts gemeinnütziges, keinerlei journalistische Objektivität, kein Berufsethos. Alles ist nur diesem einen Ziel verpflichtet, den Mann zu nähren und seine Geldkatze zu füllen. Der Rennsport ist also zur Alimentierung des Herrn Göntzsche da, und wenn das nicht funktioniert, dann gibt’s was zu lesen. Bei Galopp Intern wird da keine Rücksicht genommen, bei Springer der Schwanz wenn nötig eingezogen. Aber immer und zuverlässig der Tritt in die Weichteile, damit die Ostseesparkasse, Herr Vierk, Frau Samrey, Herr Schulze, der HRC, die Damen und seine rückratlosen Kollegen was zum hinter die Ohren schreiben haben.
Fr
24
Jul
2009
Hinterhermachen
Hinterhermachen ist Betrug am wettenden Publikum, und zwar durchaus im strafrechtlichen Sinn. Es geht dabei nicht um eine interne und burleske Angelegenheit unter Pferdeleuten, sondern um echtes Geld, welches den Leuten unter der falschen Vorspiegelung, man werde sich regelgerecht verhalten, aus der Tasche gezogen wird. Mutmaßlich, um sich selbst ein Zubrot zu verdienen, wahrscheinlich in Absprache mit anderen, also Besitzer und/oder Trainer des betroffenen Pferdes. Wenn diese Fälle, die den Rennsport seit Einführung der Wetten begleiten, ruchbar werden, dann schreitet die Renngerichtsbarkeit ein, und es werden Strafen gem. der Rennordnung gefällt. Das sind in der Regel Suspendierungen der Reiter, bekannte Höchststrafen 6 Monate am Zaun. Dann ist der Fall für den offiziellen Rennsport erledigt. Es gibt manchmal so was wie Beweiserhebungen, Aussagen, Beweiswürdigungen, Reklamationen, Berufungen, aber am Ende siegt der gemeinschaftliche Wille von Anklage, Beschuldigtem und Richtern, die Dinge nicht bis zum bitteren Ende aus zu diskutieren.
Das ist sehr unerfreulich für die betroffenen Wetter und den Sport in seiner Gesamtheit, weil seine Integrität zur Debatte steht. Letzthin haben sich zwei besonders krasse Fälle zugetragen – Almira und Easytango – die wahrscheinlich nicht die einzigen waren, aber so was wie die Spitze eines Eisbergs an krimineller Energie, soweit die erfolgreichen Bemühungen der beiden Reiter betroffen waren, ihre Pferde nicht nur am Sieg, sondern auch an einer Platzierung zu hindern. Diese Fälle werden dann unter dem Rubrum „grob fahrlässige Nichtwahrnehmung der Gewinnchancen“ geführt, eine contradictio in objecto nach der hier vertretenen Auffassung. Rennreiten ist eine aktive Tätigkeit, und Hinterhermachen erst recht, und da haben Fahrlässigkeitskriterien überhaupt keinen Platz. Der Reiter schläft ja nicht, denn dann fiele er runter, oder vergisst seinen Auftrag, sondern er unterlässt seine Kardinalpflicht, nämlich zu gewinnen. Das aber ist aktives Tun, nämlich Bremsen. Damit ist der Betrug sowohl objektiv als auch subjektiv sehr simpel ausgemacht. Das Motiv ist auch nicht schwer zu erraten, nämlich Geld, so daß der Fall recht schnell geklärt ist. Leider wird nicht nach diesem Schema verfahren, weil die Angst des Sports vor Instanzen und Risiken ausgeprägter ist als der Gerechtigkeitssinn. Aus dem gleichen Grunde werden Trainer und Besitzer nicht in die Mangel genommen, sondern starten munter 14 Tage später wieder, mutmaßlich erfolgreich. Das ist alles eine große Schande für den Sport, und einer der Gründe für seinen Niedergang.
Mi
22
Jul
2009
Pausen
Es ist alles gesagt, was zum Thema Abgesang des Rennsports gesagt werden konnte, und daher mußte mal Pause sein. Nach der Pause ist der Rennsport noch toter, wenn das überhaupt möglich ist, aber um wesentliche Aromen der Verwesung bereichert. Nehmen wir Hamburg, ein Meeting der Liliputaner, wenn man den Anspruch des Veranstalters an Grandezza und Auftrieb zum Maßstab nimmt. Leere Kulissen inmitten des Innenraums, sparsam und sinnlos mit Strandgut drapiert bzw. kaschiert, dazu deutlich geschliffene Zelte und leere Ränge. Rennen im Sonderangebot, Ehrenpreise als Massenartikel, und nur der Sekt des Hauses Franz Keller aus der Magnum Flasche hatte größeres Format. Die Bodenangaben waren auf 4,3 zementiert, und also durchgehend gelogen. Eine Schande, wie man als Mitglied des HRC beschämt eingestehen muß. Die Monsun Nachkommen sind entsprechend schlecht gelaufen, Suestado und Bolivia. Aber Herr Öttinger war zugegen, der Beschäler der Frau Beyer jun., die sich diesen kapitalen Fang im kritischen Alter nicht entgehen lassen konnte, und stolz und ohne Not vorzeigte. Gott wie peinlich! Insofern war sie im Hinblick auf ihre Aufgaben procul negotiis – fern den Geschäften. Der Sieger Wiener Walzer hat kein einziges deutsches Pferd im Pedrigree, was auch eine Leistung per se darstellt, aber eine züchterische. Vater Dynaformer ist auch Vater des großen Barbaro, und die Mutti stammt von Kingmambo. Das ist doch schön!
Mittlerweile ist ein Urteil des BFH publik geworden, und damit beschäftigt sich der Autor ein andermal.
Fr
15
Mai
2009
Erläuterung
Diese Auflistung alter Korrespondenz dient nicht nur der Befriedigung von Eitelkeiten, sondern auch zur Demonstration, wie mühselig und zäh diese Dinge voran gehen. Auch kann man exemplarisch sehen, wie man diese Hunde des offiziellen Rennsports zum Jagen tragen muß, jeden einzeln und an den Ohren gezogen und mit den Pratzen in den Boden gestemmt, wie bei Donald Duck. Daß diese Dinge dann doch endlich mal zu Potte kommen, ist im Wesentlichen den Indianern auf beiden Seiten geschuldet, zudem den Häuptlingen beim Partner sowie der Stadt. Inwieweit der Rennsport durch seine Vorsteher den Fall voran getrieben hat, ist weitgehend im Dunkeln geblieben, denn nach einer Inaugurationsveranstaltung im Mai 2007, an der der Initiator noch mittun durfte, legte sich eine nachrichtliche Ruhe über das Projekt. Zur Erläuterung noch kurz der Hinweis, daß wesentliche Teile der Logistik durch den Partner vorfinanziert wurden, so daß die anteilige Beteiligung des Sports durch anfänglich erhöhte Provisionszahlungen abgearbeitet werden wird. Am Ende soll dann ein dem Wetbewerb vergleichbares System stehen. Das macht Sinn. Da nicht nur diese Viererwette mit Siegwette angeboten wird, sondern auch die übrigen Wettarten spielbar werden, handelt es sich im Moment zumindest um ein echtes Zubrot für den Sport. Lotto Kunden haben mit normalen Zockern nichts gemein, da gibt es keinen Wettbewerb. Wie viel bei der Sache rumkommt, wird man sehen; die Planungen sind jedenfalls im Moment bescheiden.
Fr
15
Mai
2009
Aus alten Archiven
6.2.2007
sehr geehrtes lotto hamburg,
ich schreibe ihnen als mitglied des hamburger rennclub, dem es leider nicht besonders gut geht. schuld sind u.a. die buchmacher und internetvermittler, die die umsätze des totalisators in den letzten jahren halbiert haben. da wir beide den gleichen dienstherren haben und der gleichen sache verpflichtet sind, dem gemeinwohl, könnte es sinnvoll sein, über eine zusammenarbeit nachzudenken. ich verfolge aus gegebenem anlaß die entwicklung des glückspielmarkts sowie der dazu gehörigen rechtsprechung mit interesse, also den kampf um das urteil des VerfG und den EuGH. der rennsport ist dabei bisher ungeschoren davon gekommen, weil er um das kulturgut pferd getrieben wird und letztlich in einer nische vor sich hin verkümmert. ich kann mir vorstellen, daß für lotto und toto eine sportwette pferderennen gut passen könnte, jedenfalls in maßen und gut dosiert. darüber würde ich gerne mit ihnen sprechen. die derbywoche steht in fünf monaten an, die zeit drängt also.
mfg,
26.2.
sehr geehrtes lotto hamburg,
vielen dank für den freundlichen empfang und die gelegenheit, die sache des galopprennsports vorzutragen. ich habe dem hrc von unserem gespräch berichtet und als wesentlichen punkt die einbettung jeglicher vermarktungsaktivitäten in ein gesamtkonzept "hamburg tut was für den rennsport" geschildert. ich glaube, insoweit besteht einigkeit. ich werde versuchen, dieses konzept mit kontakten aus den medien zu fördern, namentlich ndr und bild hamburg. ich habe den hrc gebeten, der hrc möge die politische schiene sowie seine vermarktungsbeauftragte entspechend bearbeiten. kontakte zum direktorium für vollblutzucht und rennen und zur besitzervereinigung halte ich sowieso. damit sind die protagonisten benannt. für die technische abwicklung werde ich ihnen kurzfristig ein schnittstellen diagramm zukommen lassen, für die erbauung und visuelle einstimmung des themas wird ihnen dvd material zugestellt.
mit freundlichen grüßen,
26.2.2007
sehr geehrter vorstand des hrc ,
ich habe heute den termin bei lotto hamburg wahrgenommen. wir haben sehr freundschaftlich und aufgeschlossen über die möglichkeiten gesprochen, einzelne rennen und wettarten während der derby woche durch lotto hamburg vermarkten zu lassen, insbesonders das derby als siegwette sowie die geplanten viererwetten. lotto hamburg ist generell positiv gestimmt, weil die interessenlage ähnlich ist und pferderennen in der derzeitigen lage der oddset wette als legale sportwette mit kulturgutcharakter und gemeinnützigen aspekten gut paßt. es müssen technische und legale möglichkeiten geprüft werden, aber das sollte eigentlich kein problem darstellen. lotto hamburg stellt sich vor, ein engagement zugunsten des notleidenden sports in einen größeren marketingrahmen zu betten, also etwa nach dem motto hamburg rettet den galopprennsport, also unter einbezug von politik, medien und co-sponsoren. ich denke, daß so etwas genau demjenigen entspricht, was für den sport dringend nötig ist, nämlich eine konzertierte aktion. ich rege an, daß mit anderen sponsoren die möglichkeiten einer solchen aktion besprochen werden, welche von der politik unterstützt werden müßten, also türaufmachen und antichambrieren.
lotto hamburg hat 500 annahmestellen und vor allen dingen kundschaft und know how. das sollten wir versuchen, für den hrc und den sport zu nutzen.
mfg,
26.2.2007
sehr geehrtes dvr
vielen dank noch nachträglich für ihren besuch in hamburg, der hoffentlich dazu beigetragen hat, daß die dinge, die auf uns zukommen, klar geworden sind. ich hoffe sehr, daß sich unstimmigkeiten zwischen köln und hamburg über dieses oder jenes nicht nachhaltig und störend auswirken; wie sie gemerkt haben, gibt es auch stimmen im hrc, die diese dinge sehr pragmatisch und ohne dünkel sehen.
ich habe heute wie geplant mit lotto hamburg gesprochen, und die resonanz war sehr erfreulich. lotto hamburg ist generell bereit, als vermarkter von bestimmten wetten mitzuwirken, und möchte dieses ausdrücklich im rahmen eines gesamtkonzepts "hamburg tut was für den rennsport" einbetten. dazu muß lokal und überregional was getan werden. es wäre sehr schön, wenn das dvr dazu betrüge, dieser gemeinsamen anstrengung zum erfolg zu verhelfen. wir werden jetzt mit lotto die rechtlichen und technischen dinge klären, und dann ein konzept erstellen. hierzu bitte ich höflich um anregungen..
mit freundlichen grüßen.
Do
14
Mai
2009
Blickwinkel
„Die Bemühungen, dem Pferderennsport wieder einen Zugang zum engmaschigen Vertriebsnetz von Lotto zu erschließen, haben den vom Vorstand des Direktoriums beabsichtigten Erfolg nun erreicht.“
Selten hat man so einen verlogenen Quatsch gelesen. Der Vorstand des Direktoriums hat jahrelang nicht die geringsten Bemühungen unternommen, wieder bei Lotto – in dem Fall Hamburg - unter zu kommen. Diese Bemühungen sind einzig und allein private Initiative, deren Resultat der Rennsport in Form von Vorständen und Präsiden in Hamburg und Köln irgendwann nicht mehr ignorieren konnte. Diese Bemühungen gehen zurück an den Anfang des Jahres 2007, und ohne diese privaten Bemühungen hätte es diesen Verlauf überhaupt nicht gegeben. Wie immer sonnen sich die Sonnenmoritze von Elbe und Rhein im Glorienschein dieser Sache, aber wie immer haben andere die Sache ins Laufen gebracht. Aber seis drum, Hauptsache, endlich kommt das in Gang.
So
03
Mai
2009
Kommt ein Vöglein geflogen

Mine That Bird hat unter der brillianten Anleitung von Calvin Borel zum interessanten Kurs von 510:10 gewonnen. Mit 6 ½ Längen, nachdem er in den ersten Bogen mit gefühlten 20 Längen Abstand zum Vorletzten ging. Eingangs des Schlußbogens ging das Inhalieren der Gegner los, und Mitte der Geraden war die Geschichte erledigt. Wie vor zwei Jahren Street Sense, immer an den Rails lang, wo der Weg am kürzesten ist. Borel gehört diese Bahn, nachdem er auch mit Rachel Alexandra die Oaks am Freitag gewonnen hat. Ein gereifter Meister. Der Vater von Mine That Bird, Birdstone, hat 2004 Smarty Jones die Triple Crown vermasselt, als er ebenfalls als großer Außenseiter die Belmont Stakes gewann. Das liegt also in der Familie. Ansonsten waren mit Pioneerof the Nile, Musket Man und Papa Clem konstante Pferde dahinter, so daß die Form was wert sein sollte. Wenn solche Außenseiter gewinnen, menschelt es immer sehr in der Berichterstattung. Also der Hinweis auf den Trainer, Bennie "Chip" Woolley, der mit düsterer Sonnenbrille und düsterem Hut aussieht wie ein mürrischer Kellner aus dem Titty Twister, derzeit wegen eines Moped Unfalls an Krücken geht, dieses Jahr schon einen Sieg vorher hatte, und das Pferd mit dem Hänger aus New Mexico in 21 Stunden hergekarrt hat. Unterwegs gabs einen Boxenstop in Lone Star Park, da wurde ein Arbeitsgalopp absolviert. Man sieht, es geht auch so. Hoffentlich gibt’s keine Überraschung bei der Dopingprobe.
Fr
01
Mai
2009
First Ladies

Heute beginnt das Derby Wochenende in Louisville, und möglicherweise laufen die beiden besten Pferde bereits heute – die beiden Stuten Rachel Alexandra und Zenyatta. Wenn es Unverlierbare gibt, und es gibt sie bekanntlich nicht, aber wenn, dann diese beiden.
In den Kentucky Oaks – Grade I, 1.800 Meter, $ 500.000, Sand – gehen die besten dreijährigen Stuten an den Start, u.A. als 16:10 Favoritin Rachel Alexandra, die unter der Woche eine atemberaubende Arbeit hingelegt hat, die auch einen Start bei den Jungs am Sonntag nahe gelegt hat. Unglaublich vor allen Dingen der Ausgalopp bis weit in die Gegengerade. Danach ist das Pferd nicht zu schlagen, was in den letzten vier Rennen auch niemandem gelungen ist. Trainiert von Hal Wiggins, geritten von Street Sense`s Derbysiegreiter Calvin Borel, der hier zu Hause ist. Zum Einstimmen das hier:

Noch besser ist der Rennrekord der fünfjährigen Zenyatta, die ungeschlagen ist. Zenyatta läuft in den Louisville Stakes – Grade II, 1.700 Meter, $ 350.000, Sand – zwei Stunden vorher. Das ist nicht nur die beste ältere Stute in den USA, sondern möglicherweise überhaupt das beste Pferd, welches das Land zu bieten hat. Eine riesige, aber elegante Street Cry Tochter, die meilenweit ihren Jahrgang überragt hat, aber leider nie gegen die Jungs angetreten ist. Zenyatta trägt die Farben von Derbysieger Giacomo und Tiago, also von Ann und Jerry Moss, und wird wie diese (die Pferde, nicht die Besitzer) von John Shirreffs trainiert. Reiter natürlich der unvergleichliche Mike Smith. Was soll da schief gehen? Oder wie die elektronische Presse so gern fabuliert – ein Dream Team! Grad les ich, daß der Start fraglich ist, wegen dem Wetter. Also abwarten. Als Appetizer oder zum Ausgleich, je nach dem, gibt es jetzt erstmal einen link zu einer Arbeit von Zenyatta, gefilmt vom Kopf von Mike Smith. Ein seltenes Dokument, eine großartige Symphonie der Bilder und Töne.
Hubertus Schmelz
Do
30
Apr
2009
Who beat whom?
„Vor zwölf Monaten setzte sich mit Big Brown der Favorit in Szene, ihm könnte I want Revenge durchaus nacheifern. Wichtig: Schon zweimal ließ er mit Pioneerof the Mile einen der Hauptkonkurrenten hinter sich. Auch wenn die Reise von New York nach Kentucky nicht zu unterschätzen ist, müssen sich alle anderen an ihm messen. (30.04.2009) „
schreibt Galopp-Online.de ganz animiert über I Want Revenge, den Favoriten für das Kentucky Derby am Sonnabend in Louisville. Hier ist auch schon viel über dieses Ereignis geschrieben worden, u.A. auch über I Want Revenge und über Pioneerof the Nile, aber nirgends steht zu lesen, daß das Pferd Pioneerof the Mile heißt, und noch weniger ist bekannt oder wurde geschrieben, daß I Want Revenge bereits zweimal gegen Pioneerof the Nile gewonnen hat. Bekannt ist hingegen, daß Pioneeof the Nile bereits zweimal gegen I Want Revenge gelaufen ist, und jedes Mal gewonnen hat, wobei I Want Revenge einmal zweiter, und einmal dritter war. So sehr es zu begrüßen ist, wenn sich die jungen Redakteure des Internet Mediums Galopp-Online.de des ausländischen Rennsports annehmen, so schmerzt es doch immer wieder lesen zu müssen, wie wenig sie davon verstehen.
Hubertus Schmelz
Mi
29
Apr
2009
Egal
Der Rennsport lebt von der Idee, daß der bessere gewinnen möge. Gemildert wird das durch ein Handicap System, wonach auch mal der schlechtere dran ist, damit alle irgendwann Spaß haben. Aber der Grundsatz lautet, nur vorne gibt’s Geld. Und so ist das Zuchtziel definiert, und so ist die Hierarchie vertikal und nicht horizontal aufgebaut. Daher gibt es für die schnelleren mehr Geld als für die Langsamen. Das ist ein Axiom des Rennsports seit Jahrhunderten. Nun haben sich zwei Rennvereine was Neues ausgedacht, letztes Jahr Köln, nunmehr Bad Harzburg. Das Kölner Modell ist gescheitert, das aus Bad Harzburg angeblich gut unterwegs: Es werden drei Handicaps II – IV mit jeweils € 22.222 Gesamtdotierung ausgeschrieben. Unabhängig von den jeweiligen Nenngeld Einzelheiten bedeutet dies eine radikale Abkehr vom bisherigen System, wie es oben beschrieben wird, und wie es allgemeine Gültigkeit im Sport hat. Es bedeutet, daß es letztlich egal ist, ob ein Pferd 50 Kilo GAG hat oder 75, denn für beide geht es um den gleichen Topf. Ich bezweifele, daß das eine gute Idee ist.
Hubertus Schmelz
Di
28
Apr
2009
Ausgeträumt
Das geht wies Brezelbacken – Midshipman, The Pamplemousse, Old Fashioned, Quality Road, und heute auch noch Square Eddie, den ich mir als Ersatz für The Pamplemousse rausgesucht hatte. Und das sind nur die ganz prominenten Derby Pferde, die unterwegs ins Lazarett gegangen sind, und also nicht am Sonnabend starten. Bis dahin ist noch Zeit, da kann es also noch manchen erwischen. Man sieht, was das für eine grauenvoll anstrengende Prozedur ist, für dieses Rennen zu trainieren und sich über die Vorbereitungsrennen zu qualifizieren. Daher darf sich jetzt auch der Buchmacher freuen. Ansonsten hat die Arbeit von Pioneerof The Nile gestern sehr sehr gut ausgesehen, nicht wegen der Schnelligkeit, sondern der Art und Weise, wie er sich auf dem Untergrund bewegt hat. Bisher hat er alle seine Rennen auf Kunst gewonnen, Churchill Downs jetzt zum ersten Mal Sand. Noch besser sah allerdings Rachel Alexandra aus, hohe Favoritin für die Oaks am Freitag. Die scheint unschlagbar zu sein. Wenn bis dahin nichts passiert.
Hubertus Schmelz
So
26
Apr
2009
Secretariat II

Zu Secretariat und seinen Bildern gehört als Lektüre auf jeden Nachtkasten und in jede Hosentasche eines echten Rennsport Fans Bill Nacks „Secretariat – The Making of a Champion“. Das ist der Klassiker der Gattung Rennsport Literatur, das Urmeter eines ganzen Genres. Seabiscuit ist schön zu lesen, aber dieses hier ist die Referenz. Nack schreibt aus erster Hand, weil er dabei war, und zwar nicht nur bei den Rennen, sondern auch beim Training und bei den Gesprächen und Debatten zwischen der exzentrischen Besitzerin, der Dame Penny Tweedy geb. Chenery, Trainer Lucien Laurin, Jockey Ron Turcotte, Pfleger Eddie Sweat und vielen anderen aus der engeren und weiteren Entourage dieses Pferdes. Das ist alles vorbildlich recherchiert und spannend wiedergegeben, die Rennen genauso wie die Stories drum herum. Allein die Schilderung der abstrusen Verschwörungstheorien von Angle Lights Wood Memorial Sieg, einem Stallgefährten von Secretariat, sind das Geld des Buches wert. Frau Tweedy witterte Verrat des kanadischen Trainers zugunsten des kanadischen Besitzers von Angle Light, und machte daraus auch keinen Hehl gegenüber den beiden. Allein, es war natürlich der Abszess unter der Oberlippe, der Secretariat an diesem Tag behinderte, und nicht Angle Light. Nack wird dem mutmaßlich besten Pferd aller Zeiten gerecht. Das Buch ist ganz große Literatur des Galopprennsports.
Warum so viel über Secretariat? Ich habe Man O`War nicht erlebt, auch nicht Kinscem oder Schwarzgold oder Nearco oder Phar Lap.. Secretariat habe ich zumindest als Zeitgenosse erlebt, und die Bilder, auch bewegte, gab es 1973 auch in Deutschland. Das war das Jahr von Athenagoras, an anderer Stelle beschrieben, der ebenfalls mit GAG 104 nicht wenig Klasse hatte, und dessen Derbysieg mein erster live und vor Ort war. Also kann ich Secretariat ganz gut aus der Distanz beurteilen, was bei den Altvorderen schwerer möglich ist. Wenn das Pferd nur auf Sand und bis zu 2.000 Meter und gegen seinen Jahrgang gewonnen hätte, dann wäre das nicht spektakulär gewesen; Secretariat hat aber Ältere geschlagen, ist über Europas klassische Derbydistanz in 2.24 gelaufen, und hat auch auf Gras gewonnen. Diese Kombination macht ihn einmalig und herausragend, und seine Optik tut das ihre. Ich glaube, der würde sie heute noch alle wegmachen, bequem und überlegen.
Hubertus Schmelz
So
26
Apr
2009
Secretariat I

Superlative sind selten angebracht, und werden daher inflationär gebraucht. In diesem Fall aber geht es um das wahrscheinlich beste Rennpferd der modernen Zeiten, um Secretariat. Das Pferd dominierte in den Jahren 1972 und 1973 den Rennsport in den USA, und erlangte den Status eines Nationalhelden, angesichts Watergate und Vietnam verständlich. Interessant, daß Reiter und Trainer nicht aus den USA kamen, sondern aus Canada: Ron Turcotte und Lucien Laurin. Besitzerin die Dame Penny Tweedy. Ein Jahr vor Secretariat gewann dieses Trio mit Riva Ridge ebenfalls das Kentucky Deby. Hier das Derby von Secretariat. Leider sind die Bilder verschwommen, aber es genügt zu wissen, daß Secretariat jede 1/4 Meile schneller als die vorhergehende lief, und am Ende einen neuen Rekord aufstellte. Zweiter Sham, der mit seiner Zeit ebenfalls alle vorherigen Derbies gewonnen hätte.

Als nächstes kamen dann zwei Wochen später die Preakness Stakes an die Reihe, 100 Meter kürzer als das Derby, und die zweite Perle der amerikanischen Triple Crown. Diesmal ging es noch unglaublicher zu. Beachten Sie den ersten Bogen; Secretariat geht als letzter rein, und kommt als erster raus. Ein unfassbarer move von wenigen Galoppsprüngen. Turcotte wird von Bill Nack in seinem großartigen Buch über Secretariat zitiert, es wäre, als wenn ein Mann mal kurz seine Manschettenknöpfe zeigt, ein ganz kleiner Lupfer mit dem Handgelenk am Zügel, worauf das Pferd seine Siebenmeilenstiefel anzog. Wieder Zweiter, der tapfere Sham.

Und dann kam der berühmte 9. Juni 1973, die Belmont Stakes, dritte Perle der Triple Crown. Egal wie man es dreht und wendet, es findet sich kein Rennen in den Bildarchiven der Welt, welches einen beeindruckenderen Sieger zeigt. Sein alter Widersacher Sham, den der stärkste Reiter seiner Zeit ritt, Laffit Pincay, war nach dem Rennen fertig als Rennpferd. Dreimal gegen Secretariat gelaufen und tapfer dagegen gehalten, hatte ihn im Schlussbogen für alle Zeiten gebrochen. Hören Sie die berühmteste Sentenz eines Race Callers, Chic Andersons unsterbliches: „he is moving like a tremendous machine!“ Am Ende waren es 31 Längen Vorsprung, und Weltrekord über 2.400 Meter. Das war Big Red.
Hubertus Schmelz
So
26
Apr
2009
Bermuda Dreieck
„DVR "verliert" ein Pferd.....
Da laufen im 7. Rennen Hoppegarten 12 Pferde mit Wetten. Einer wird Längen letzter und in der Ergebnissliste taucht das Pferd noch nicht einmal auf...der lief aber mit! Ehrlich, habs mit eigenen
Augen gesehn, fiel im Führring auch jedem Zuschauer ins Auge. Wurde ja auch genannt.
BermudaDreieck???????
ich beschwere mich nicht, ich bemerke. außerdem denk ich, nenne ich beim DVR, dort
gehen auch meine Nenngebühren hin wo dann weiterverteilt wird. Auch meine Abrechnungen läufen ja dortdrüber......sollte ich falsch liegen, senke ich mein Haupt in Demut.
Pferd wird genannt für xyRennen, Daten gehen in die Starterliste welche beim Direktorium einzusehen ist......dito später die entsprechenden Ergebnisse. Pferd is wech....ich wundere mich.
Mal zur Klärung; die Mitarbeiter des Direktoriums haben sich zum positiven entwickelt und einige machen da schon immer einen guten Job - das stellte ich hier gar nicht in Frage aber wenn ich es recht verstehe: dann hat die jeweilige Rennleitung die Daten falsch bzw unvollständig übermittelt? Dann wundert es mich jedoch trotzdem wenn ein genanntes Pferd in den Rückmeldungen des RV einfach abtaucht. Auf der einen Seite wird um diese vom Direktorium gepflegten und verwalteten Daten gekämpft wie eine Löwin um ihr Junges andererseits fällt es im System nicht auf das im Rennen ein Pferd in die endlosen Weiten des Cyberspace verschwindet?“
Das es so was wirklich gibt, ist schwer vorstellbar, man denkt natürlich sofort an eine fein ausgedachte Satire zum Sonntagmorgen, eine Delikatesse an Hintersinn und Humor. Aber das ist nicht so. Über so was macht sich die Autorin tatsächlich ernsthafte Gedanken, und andere Matadore steigen ein in eine Diskussion über die Qualitäten der Mitarbeiter des DVR. Ich schätze Gedankenfäden an sich sehr, auch wenn sie durch dies und das mäandern und sich auch mal im Abseitigen verirren, aber eine solche Irrfahrt an Belanglosigkeiten und Albernheiten geht doch zu weit. Wenn der Rennsportfan keine anderen Probleme nebst Analysen hat, dann hat er auch keinen besseren Rennsport verdient, denn dann ist alles so in Ordnung, wie es ist.
Hubertus Schmelz
Fr
24
Apr
2009
Take it or leave it
Aktuell ist es so, daß Stillstand der Rechtspflege herrscht. Das Pferd Earl of Winds, GAG 80,5, steht seit geraumer Zeit in den Startboxen und scharrt erwartungsfroh mit den Hufen. Allerdings ist es schwer, ein Rennen zu finden, wo er rein paßt. Es gab in Deutschland bisher ein Altersgewichtsrennen in Krefeld, da hat Aspectus gewonnen, der um und bei 95 Kilo kann; dann gab es einen Ausgl. II in Hannover über 2.000 Meter, aufgemacht mit – 16, da hätte er also 64,5 Kilo zum Beginn der Saison geschleppt. Dann gibt es in Düsseldorf am 3. Mai einen Ausgl. II -20, der ist aber nur über 1.400 Meter, und so bleibt am 9. Mai ein Ausgl. II in Hoppegarten, -20 über 1.600 Meter. Das paßt ganz gut. 9.Mai. Alle Reformen am System sind gut gemeint, aber für die Galerie, wenn sich die Startmöglichkeiten nicht verbessern. Es gibt keinerlei Auswahl mehr, sondern Take-it-or leave it, und das macht Training nach alter Art schwer, wenn nicht unmöglich. Zumal gerne noch die Ausschreibungen in letzter Minute geändert werden, Skalen und Distanzen. Für Neulinge im Sport mag das alles noch schwer zu duchschauen sein, aber wer länger mitmacht, den faßt der Jammer ganz unvermittelt an. Ja, die Saison ist noch lang, und es wird noch viel Wasser die Leine runter fließen, aber das ist ein Zustand, der die Selbstauflösung weiter voran treiben wird. Rennsport ist nur sinnvoll möglich, wenn sich Pferde ihrem Leistungsniveau entsprechend trainieren und einsetzen lassen, und dazu braucht man Alternativen. Frankreich mag eine sein, aber der Aufwand verwässert den Spaß und die Möglichkeit des eigenen Erlebens gewaltig, denn man möchte dabei sein, wenn’s um die Wurst geht. Also geht’s nach Hoppegarten, immerhin, da kennen wir den Weg gut.
Hubertus Schmelz
So
19
Apr
2009
Medienrummel
Moderator Hansi del Rio
„Einen wunderschönen guten Tag, meine lieben Zuseher und Fans, wir begrüßen Sie recht herzlich aus dem Studio in München Zussmershausen, gell, wir das sind meine Gäste als Fachleute, der Willi Kobiashvily aus Altötting und für die Galopper sozusagen angereist unser Fachmann für die ganz schnellen Pferderl, gell, der extra angereiste Michi Timmermann, grüas Gott Michi, grüas Gott Willi. Also, mal sehen, was haben wir da heute für Sie mitgebracht bzw. vorbereitet, also da gibt es heuer den dritten Wertungslauf der silbernen Armbanduhr für Amateurinnen in Traunstein, meine sehr verehrten Zuseher und Zuseherinnen, eine spannende Angelegenheit für all die Amateurinnen Fans, gell, und dann ist da noch der große Preis von Zittau, mal sehen ob wir das noch in die Sendung schaffen, wegen der Zeit am Ende, meine lieben Zuseher und Zuschauerinnen, das könnte dann etwas knapp werden! Aber vorher wollen wir gemeinsam mit Ihnen, meine lieben Zuschauer und Zuschauerinnen, die Taschen vollmachen und Abräumen mit Willi und Michi, die sich alles gut vorbereitet haben vor der Sendung und am Bildschirm bei Ihnen daheim. Es läuft jetzt bald bereits das zweite Rennen in Traunstein, da schalten wir dann gleich sofort auch hin. Willi, was sagst du da jetzt dazu, als Fachmann förmlich, was gibt es da zu gewinnen im Extremfall für unsere Zuseher und Zuseherinnen, denn Wetten wollen wir doch auch, nicht wahr, das macht doch schließlich das Salz in der Suppe aus, wenn die Protagonisten richtig nach vorne laufen!“
Willi
„Ja grüas Gott, tja, also ein sehr offenes Rennen, also, der Favorit steht da jetzt 12 oder 14 an der Tafel, der Buxhoeffele Diamant, nicht war, der tut auch sehr gut auschauen beim Heat, der tät mir schon gefallen, also dann noch Hanover Pride aus Gifhorn angereist, der ist immer brandgefährlich mit seiner Schnelligkeit, äh, oder der neuner, der wo vom Kipfl Henner gefahren wird, der steht eher bei 180 jetzt, hat aber neulich in Enschede nicht überzeugt, also eher nicht. Dann noch die 1, die muß natürlich auf Schein, und die drei natürlich auch, die darf man überhaupts nicht vergessen, gell, die fahrt ein Freund von mir, der Armbruster Rudi, der is immer enorm gefährlich in Traunstein, der kennt hier jedes Mauseloch, gell! Also ich tät sagen mir nehmen die 1, die zwei, die vier, die neun, die zehn auf alle Fälle und evtl. noch die 7.“
Hansi
„Was tätst jetzt wetten, Michi, meine lieben Zuseher und Zuseherinnen, denn wir wollen jetzt rasch den Wettschein ausfüllen für Sie, am Bildschirm direkt im Computer, es geht ja Alles wie geschmiert im Technikzeitalter, also nehmen wir jetzt die 10, Michi, an die Stelle mit dem Kreuz, also der Zehner steht jetzt an der ersten Stelle, so, und jetzt noch an die dritte Stelle, damit wir auf Nummer sicher gehen, gell, so, das hat auch hervorragend geklappt, also die zehn, und wen noch, Michi?“
Willi
„Tja, ich sag ja auch die vier an zweidrei, das muß mit der sieben hin und zurück, wegen der Sicherheit und dem Armbruster, der wo hier immer enorm gefährlich ist, denn darf man hier niemals auslassen!“
Hansi
„Allllllsoooooooo, jetzt ein Kreuz gschwind für die sieben und die zehn aber auch andersrum, dann noch die sechs dahinter, wegen der Vorsicht, denn es kann alles passieren. So, mal sehen, wie viel Einsatz, machen wir mal einen Euro, es soll sich ja lohnen, oha, da funktioniert der Rechner nicht richtig, also wenn ich das richtig lese sind das 526 Wetten, also das macht dann insgesamt also das kann aber jetzt nicht stimmen, da liegt bestimmt eine Fehlerleistung vor, meine lieben Zuseher und Zuseherinnen daheim an den Bildschirmen,……………..
Willi
„Das Renne geht los!“
Hansi
„Wir machen jetzt egal den Haken dran und übergeben nach Traunstein zu Engelhard Souffle, Ihrem Kommentator!“
Souflee
„ Innen macht sich jetzt Bavarian Freighter an die Stangen außen Tiroler Landluft vor Bueffhode Diamant und dahinter Susi W. Im ersten Bogen ist das Feld RROOOOOT DREIII ROOOOOOT DREII!!!!! Den ersten Kilometer in 1.26 glatt also nicht allzuschnell weiter Fredimann an der Spitze vor ROOOOOT die SIEEEEEBEN ROOOOOOOOOOOOOT!! Danach Susi W. weiter drinnen dran aber außen macht jetzt ROOOOOOOT ZEEEEHN ROOOOT ROOOOT die ZEEEHN!!!!!!!!!!!!!!! Alles dicht beisammen in der Überseite jetzt Fredimann fällt zurück aber Gustl hat einen Lauf ganz in der siebten Spur GUSTGUSTLGUSTLGUST…………………………Tiroler Landluft zum Schluß ganz leicht vor ähm mal sehen wer kommt da noch Tiroler Landluft wie gesagt ganz weit draußen mit einem Überraschungssieg und dann mit einer ganz feinen Leistung doch noch Herbergsvater, der Favorit auf dem Schein und beim Publikum Herbergsvater sehr leicht auf den Platz. Musik.
Hansi
„Puuuh, das war jetzt aber sehr sehr spannend am Ende, mal schauen, Michi, obs geklappt hat, die drei war leider weg weil angaloppiert, aber die neun müsste knapp dahinter gewesen sein im Bogen kurz vor dem Ziel………….
Willi
„ Na, schad wars, ganz knapp vorbei, wenn der siebener nicht soweit hinten gewesen wär, dann wär es vorne bestimmt enger gewesen, also wir hatten jetzt den Hanover Diamant vor dem Herbergsvater, der war ja richtig auch nur zweiter, also bis dahin schon mal sehr gut, dann war der dingens auch dabei, ich sag ja der Armbruster Rudi ist hier immer brandgefährlich,……………….
Hansi
„ Ja Sie sehen, sehr verehrte Zuseher und Zuschauerinne, unsere Experten sind wirklich sehr gründlich vorbereitet, fast hätten wir schon gleich im ersten Rennen so richtig abgeräumt und die Taschen vollgemacht, also er kommen ja noch so viele Rennen, nicht nervös werden daheim an den Bildschirmen, wir arbeiten dran, keine Frage, aber erst mal eine kleine Einblendung.“
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Hubertus Schmelz
Mo
13
Apr
2009
45er Magnum
Jetzt hat der Markt einen Favoriten für das Deutsche Derby –
Quamun.
Lange hat man keinen solchen Büffel mehr gesehen auf den Rennbahnen, ein ganz eindrucksvoller Sieger und Sieg, der endlich auch wieder wie ein Gruppe I Pferd aus Fährhof aussieht. Das konnte man letztes Jahr schon sehen. Quamun lief nicht nur schnell, sondern auch überraschend routiniert, soweit man das am Fernseh beurteilen kann, geradeaus und determiniert und mit druckvoller und weiter Galoppade. Der Weg über 2.400 Meter sollte kein Problem sein. Die anderen sehr ansehnlichen dreijährigen Sieger am Wochenende waren Wiener Walzer und Oriental Lion, wobei letzterer womöglich der größere Steher ist, Wiener Walzer mit seiner Abstammung zum Niederknien Dynaformer-Walzerkönigin mehr in Richtung Arcadio tendieren könnte. Aber auch diese beiden waren sehr ansehnlich. Langsam kommt die Derby Szene in Bewegung, weil auch das Wetter mitmacht und der Haarwechsel komplett ist.
Hubertus Schmelz
Mo
13
Apr
2009
100 Minuten = eine Stunde
Um 15:30 sollte der Start erfolgen, so stand es im Programm. Es wurde dann etwa 16:10, oder war das alles eine Stunde vorher? Egal, in Leipzig gehen die Uhren anders. Aber nicht nur in Leipzig zeigt der Deutsche Rennsport, daß er im Kern eine sympathische Amateurveranstaltung ist, sondern überall und jederzeit in fast allen Aspekten. Diese quasi eingebaute Unpünktlichkeit der Deutschen Rennbahnen zeigt am deutlichsten, wie wenig man sich selbst ernst nimmt, und wie wenig man die Zuschauer ernst nimmt, die sich dieses Spektakel trotzdem noch immer antun, aber vorsichtshalber das Wetten weitgehend eingestellt haben, was nicht verwundert angesichts dieser lassez faire Haltung. Die Tollpatschigkeit der Startmannschaften, um auf den Anlaß der Leipziger Verspätung einzugehen, ist legendär, vor allen Dingen in den jungen Bundesländern, wo kein Renntag ohne entlaufene oder zickige oder sonst wie putzige Pferde und Manieren auskommt, immer gleich auch am Anfang. Es läuft seit Jahren stets das gleiche Programm, es ist zum Kotzen. Man kann die Uhr danach stellen. Goldkaetzchen hieß das Tier, aber genau, Stall Sonnenschein, ach nein, das war der andere schwierige Starter dieses Quartiers, aber das paßt alles gut zusammen, und Herr Trainer stand gemütlich am Start und hielt ein Schwätzchen, während man das brave Tier über die ganze Bahn zurück führte, in Seelenruhe. Ein beteiligter Reiter wurde während Dessen etwas ungehalten und klopfte mit der Gerte entnervt auf die Rails, aber dann wurde es irgendwann Ernst. Eine einzigartige Veranstaltung der Leipziger Art, ein Allerlei an Dickfälligkeit und Verarsche des Publikums und der Gegner.
Aber auch die Zentralveranstaltung Strukturreform leidet an Unpünktlichkeit, und also brauchen die Rennen auch nicht pünktlich abgehalten werden. Wieder sind fast zwei Monate seit jener legendären Versammlung der Besitzer verstrichen, und Nullkommanüscht hat sich erkennbar getan, außer, daß der eine XXL ins Amt gehievt wurde und der andere S raus ging. Na ja. Von Herrn Engelbert Halm hat man vorsichtshalber auch nichts gehört, auch kein Scharren oder Rascheln im Untergrund, rein überhaupt nichts, was auf eine Tätigkeit zugunsten des Sports schließen ließe, absolut nichts. Ein Mann, der seinen Aufgaben offenbar völlig geräuschlos obliegt, emsig schaffend und bauend am Jahrhundertwerk der Reform. Nun verlangt aber der Prospekt Arbeit, aber den sollte doch ein Investment Banker erstellen, so daß sich wiederum die Frage stellt, in welcher Funktion Herr Halm zumindest dieses Werk begleitet. Als juristischer Rathgeber wohl kaum, denn das überforderte seine Möglichkeiten möglicherweise ebenso, aber vielleicht als Rathgeber in essentiellen Fragen des Geschäftslebens, zumal des industriellen und Tschechischen, denn dort hat der Mann laut Eigenauskunft hoch erfolgreiche Unternehmensan- und Verkäufe absolviert. Oder so was in der Richtung, man nennt es wohl auch Merger oder Start-Up oder Top-Down bzw. Bottom-Up. Letztlich bleibt das jedem selbst überlassen, denn entscheidend ist der gute Wille, der in diesen Fällen immer für die Tat genommen werden soll. Und wenn Herr Halm seine Bezüge in sechsstelliger Höhe nicht so richtig verfrühstückt, dann wirken immer noch die Ehrenamtlichen als Ausgleich mit, die auch sehr engagiert und fachkundig den Rennsport nach vorne peitschen, wie man hört.
Also dreht sich der Rennsport umgekehrt proportional zur Zeitlupe dem Ausguß entgegen, wie damals die Raumpatrouille Orion, deren Start in einer Badewanne gedreht wurde, und wo sie Bügeleisen pfiffig als Quantentachometer benutzten. Alles ist am Ende nur eine Frage der Kaschierung und Sinnestäuschung, denn der Mensch ist leicht an der Nase und hinter die Fichte zu führen. Eine Stunde sind 100 Minuten.
Hubertus Schmelz
Di
07
Apr
2009
Baden-Baden
Was am meisten ärgert an all diesen Insolvenzen und Malheuren ist die Chuzpe, mit welcher die Akteure nach dem Fall zugange sind. Vorzüglich Herr Stüber, ein Mann von seltener Dickfälligkeit, der allen Ernstes eine blühende Zukunft sieht, dem Internationalen Club das Zeug attestiert, weiter zu machen wie bisher, denn mit ihm und dem bewährten Team und dem Verwalter geht jetzt alles wie geschmiert. Angeblich sind die Veranstaltungen allesamt gesichert, die nötigen Kapitalien zur Hand, und alle stehen eifrig in der Startlöchern. Wenn nur die blöden Gläubiger nicht wären, die erst so doof waren, die Kohle herzugeben, und jetzt so frech, auf einer Rückzahlung zu bestehen. Aber das kriegen diese lustigen Leutchen auch noch in den Griff, die Umkehr der Verantwortlichkeiten und Beweislast. Nicht diejenigen, die das alles zu vertreten haben, haben Schuld, sondern die, die das nicht weiter unterstützen, dazu das Wetter und die Wettunlust sowie Köln. Eine Melange zum Niederknien. Dabei sind das meiste hausgemachte Probleme, verursacht durch die natürliche Gier und Großmannssucht der Baden-Badener, die Herr Zellmann vor Jahr und Tag mit einem Turbocharger versah, als er seine Visionen eines Kapitalmarkt getriebenen Eldorados in die Tat umsetzte, Luxustribünen auf Pump, Betbull mit Cashflow, Bugatti als Taxi. Ein paar Pferderennen dazu als Marginalie und Arrabeske zum lauwarmen Schampus, damit das Volk was zum Johlen habe, ansonsten aber eine Chambre separee` Kultur der Großbetrüger und speckigen Jungfern. Akustisch begleitet von der Kernkompetenz Schlagermusi, die dem Geschmack der Clientele und der Impresarios gleichermaßen entspricht, also unterstes Niveau mit Ach und Krach erreicht. Herrn Zellmanns Aktivitäten, die von Herrn Sundermann angestachelt und vom Deutschen Sportverlag hechelnd und eilfertig publizistisch begleitet wurde, in unzähligen Interviews und Featureberichten. Alle diese Dinge sind eng miteinander verwoben und verstrickt, denn die dramatis personae haben die gleichen Fähigkeiten und Ziele. Zellmann, Stüber, Prinz Baden. In gewisser Weise repräsentiert Baden Baden den Nukleus der Deutschen Rennsport Misere, nämlich einen Buchmacher als Macher, dessen Visionen einer neuen Wettwelt durch das BVerfG rüde aber vorhersehbar gestopt wurden, und dito auch die Erwartungen des Kapitalmarktes, der ebenfalls daran schweren Schiffbruch erlitten hat. Und darauf dann folgend die Unfähigkeit zur Einsicht und Umkehr. Ich dachte immer, Bad Doberan stelle den Höhepunkt an Unfähigkeit und Schamlosigkeit dar, aber was da seit Jahr und Tag und regelmäßig aus Baden-Baden an Horrornachrichten und Grauslichkeiten dringt, stellt das alles bei weitem in den Schatten.
So
05
Apr
2009
Rückschau Vorschau
Ach du Schreck, kein The Pamplemousse unter den ersten drei, und dann die Nachricht, gestrichen. Das liest man nicht gern, wenn man das Pferd im Kentucky Derby gewettet hat, und die Geschichte dieser Streichung liest sich auch nicht besonders gut. Es hat offensichtlich eine Sache gegeben, die die örtliche Tierärztin gesehen hat, dann der behandelnde Arzt, und dann hat Dr. Arthur, der Chefvet in Californien, so ungefähr folgendes verlautbart: Es habe da eine warme Stelle gegeben, vorne links, irgendwas mit der Sehne und den Weichteilen, was man aber vor dem Rennen nicht mehr genau diagnostizieren könne, und daher habe Trainer Canani im Zweifel für das Pferd und gegen einen Start entschieden. Und Jockey Solis sen. ergänzte, man wolle nunmehr in die Bluegrass Stakes nach Keneeland gehen. Hoffen wir, das nichts dramatisches ist, obwohl die Planung für den 2. Mai ziemlich im Eimer ist. Damit war die Spannung aus dem Rennen und der Weg frei für Pioneerof The Nile, der wie gewohnt unspektakulär, aber sicher gewonnen hat. Vor dem erwarteten Zweiten Chocolate Candy. Der Sieger ist einfach ein sehr routiniertes und gutes Pferd, der das macht, was zählt – gewinnen.
Der andere Favorit hatte es wesentlich schwerer, aber er machte auch wesentlich mehr her. I Want Revenge blieb am Start des Wood Memorials stehen und verlor mehrere Längen, und in der Geraden rannte er hinter einem Wald von Pferden. Aber dann zog ihn Talamo raus, und in einer dünnen Lücke ging er Mitte der Geraden sehr dramatisch von den Gegnern weg. Das war durchaus spektakulär, ein offenbar stark verbessertes Pferd mit viel Wumms und Biß. Den sollte man im Derby nicht auslassen, wie auch Pioneerof The Nile nicht, den Profi unter den Derbypferden. Aber die Daumen werden für The Pamplemousse gedrückt, wen denn sonst.
So
05
Apr
2009
Satzung
Eine Überlegung hinsichtlich der Unvereinbarkeit von Amt und Beruf, also Buchmacher und Gemeinnütziger, erscheint angesichts des Rücktritts des Buchmachers v.Schubert von seinen Ämtern noch geboten: Die Satzungsänderung muß nach wie vor her, weil PMU kategorisch jede Zusammenarbeit mit Buchmachern ablehnt, und das sogar auch mittelbar, wie am Beispiel German Tote zu sehen ist. Denn weil das so ist, muß diese neue Idee mit Wetten XXL parallel zu German Tote stattfinden, was ja überhaupt keinen betriebswirtschaftlichen Sinn macht, sondern eben nur dem Umstand geschuldet ist, daß eine Kollision mit PMU vermieden werden soll. Was aber sogar für den mittelbaren Umgang gilt, muß noch wesentlich mehr für die unmittelbare Berührung gelten, also Buchmacher in entscheidenden Gremien des gemeinnützigen Sports. Mit Herrn v. Schuberts Rücktritt ist also nur ein konkreter Mißstand beseitigt worden, aber nicht das generelle Problem. Diese Satzungsänderung ist nach wie vor dringend nötig.
So
05
Apr
2009
Die Lottofee
Lotto, Toto, Rennquintett, so ging vor Jahren eine Melodie des Dreiklangs. Dann versandete im Jahre 2003 diese Veranstaltung. Jetzt lesen wir folgendes:
„LOTTO Hamburg plant, im 1. Halbjahr 2009 mit einem neuen Produktangebot in den rund 450 Annahmestellen zu starten: TRALOPPO – die Pferdewette bei LOTTO Hamburg.“
Das ist interessant. Lotto Hamburg setzt im Jahr knapp 200 Mio um. Die Oddset Wette ist rückläufig, das Internet für alles außer Pferdewetten tabu. Die Geschichte dieses Plans geht zurück in den Januar 2007. Da gab es die ersten Gespräche in Hamburg, als man den Lotto Leuten das Thema andiente und schmackhaft machte, und offenbar hat sowohl die Lotto Gesellschaft als auch die Stadt erkannt, daß man mit Pferdewetten eine legale Sportwette ins Angebot nehmen kann, die gut paßt und konkurrenzlos ist. Zumindest hat der Sport diese Chance nicht versiebt, denn wenn es auch lange gedauert hat, so scheint doch im Moment alles auf grün zu stehen.
450 Annahmestellen in Hamburg, 192,8 Mio. Umsatz in 2008. Das sind Zahlen, von denen jeder Marketingexperte träumt. Dazu eine Kundschaft, die ins Haus kommt, und die alles Mögliche probiert, um reich zu werden. Diese Gemengelage ist an Phantasie Produktion schwer zu überbieten. Und das ist nur ein kleiner Stadtstaat. Der Lotto Block macht in Deutschland um und bei € 7.000.000.000 Umsatz, sieben Milliarden. Selbst schwache Kopfrechner erkennen mühelos, welche Potentiale auch bei kleinsten Anteilen an diesem Topf zu heben sind. Da macht das ganze Theater um eigene Vertriebsstellen, ob mit Coral oder ohne, wenig Sinn. Erreichbare Kunden sind alle Lotto Kunden mit dieser Karte.
Das Argument, Rennquintett habe schon nicht funktioniert, geht fehl, weil sich die Zeiten geändert haben, und somit auch die Sach- und Rechtslage, mit der sich alle Mitspieler auseinandersetzen müssen. Es gelten neue Bescheidenheit und Bestimmungen, Staatsvertrag, Urteil BVerfG, EU Rechtsprechung, und das bedeutet auch, daß sich die Sichtweisen der jeweiligen Anbieter ändern. Daher macht Lotto Hamburg den Anfang. Die Frage ist, ob der Rennsport in der Lage ist, bei dieser Kooperation vernünftig mit zu spielen. Das ist auch eine Frage des Personals. Der Rennsport täte jedenfalls gut daran, in diesem Konzert bescheiden zu bleiben, also nicht zu versuchen, nach Art der Herrenreiter eine angemaßte Superiorität gegenüber dem popeligen Lotto heraus zu kehren. Das ginge garantiert in die Büx. Lotto kennt seine Kunden am besten, und es kann nicht Ziel der Sache sein, Millionen Rennsportfachleute auszubilden. Ankreuzen, Haken machen, Ende und fertig. Was her muß, ist eine ordentliche Präsentation des Sports, Pünktlichkeit, und allgemeine Verlässlichkeit, alles Dinge, an denen es derzeit bei Trab und Galopp gewaltig hapert. Im Übrigen sollte der Sport diese Initiative als das begreifen, was sie ist: eine ganz große Chance, das Ruder doch noch vor dem Rammen des Eisbergs rum zu reißen.
Sa
04
Apr
2009
Allerlei aus aller Welt
Das war früher eine schöne Abteilung der Sportwelt, als die Welt des Sports noch aufregend und voller Abenteuer war. Heute ist das auch noch war, aber die Abenteuer sind mehr auf der schlimmen Seite angesiedelt. Daher macht der Internationale Club zu Baden Baden endlich auch formal pleite, nachdem faktisch dieser Zustand seit Jahren bestand, und nur mit Schlagermusik und Trachtentanz verbrämt werden konnte. Schuld ist Köln bzw. die gescheiterte Strukturreform, auch der Wettumsatz brach ein, und überhaupt geht alles wie gewohnt weiter in diesem Schmierenstück der Dilettanten und Chaospraktiker. Seine Königliche Hoheit, wie sich der Vorsteher nicht verbittet angeredet zu werden, also seine adlige Magnifizenz und sein munterer Geschäftsführer werden es richten, vermehrt um einen Verwalter und Gläubiger aller Arten und Sorten. Toni Marschall wird singen, Herr Göntzsche gemeinsam mit Glubschtittigen Casinomäusen moderieren, und Alles wird am Ende wieder gut. So ist der Rennsport, nur so macht es richtig Spaß.
Während in Amerika heute Abend zwei wichtige Vorprüfungen des Kentucky Derby gelaufen werden, die Wood Memorial Stakes in Aqueduct (New York), und das Santa Anita Derby ebenda. Favorit in New York ist der Gotham Stakes Gewinner I Want Revenge, trainert von Jeff Mullins in Kalifornien, und geritten von dem jungen Joe Talamo. Das Pferd ist sehr gut, steht sehr kurz auch für Louisville, und braucht keinen Sieg, um im Kentucky Derby zu laufen. Es ist heute nur ein Vorbereitungsrennen, allerdings mit $ 750,000 dotiert. Genauso wie das Santa Anita Derby, dessen Sieger traditionell der beste Dreijährige der Westküste ist. Hier kucken Pioneerof The Nile (Baffert/Gomez) und The Pamplemousse (Canani/Solis)raus, dahinter Chocolate Candy (Hollendorfer/Rosario), der aus San Franzisco anreist. Alle drei brauchen ebenfalls keinen Sieg um jeden Preis, weil ihre Gewinnsumme, die über den Start im Kentucky Derby entscheidet, in jedem Fall reichen dürfte. Es wird also sehr spannend, wie die beiden Top Pferde das Rennen angehen. The Pamplemousse wird an oder bei der Spitze gehen, Pioneerof The Nile aus der Reserve kommen. Der Ton ihrer Musik wird am Ende mehr über die Chancen im Kentucky Derby entscheiden, als die Platzierung. Denn oft landen die Sieger dieses Rennens weiter hinten in Louisville, zuletzt Brother Derek und Colonel John. Kann also gut sein, daß der dritte Favorit Chocolate Candy gewinnt. Wer weiß.
Sa
28
Mär
2009
Dunkelheit und Stille
Sehr pünktlich mitten im Rennen gehen Bild und Ton aus. Es hat, wie sich später herausstellt, der Lehrling zu zweiten Mal gewonnen, wie auch der Trainer und Besitzer. Ein ordentlicher Arbeitstag. Man konnte noch sehen, wie Quijano nach wenigen Metern umgebügelt wurde. Egal was dann kam, da war das Rennen im weg und verloren. Das war ein dunkles Dress, doch wohl nicht der Lehrling? Der Sieger Eastern Anthem stammt von Kazzia ab, und das ist dann doch noch die ersehnte Deutschland Connection. Gratulation an Martina Grünewald.
Sa
28
Mär
2009
Favoritengrab?
Kip Deville ist zumindest nicht mit der Favoritenbürde belastet, was die Sache eventuell einfacher machen könnte. Das Duty Free ist auf dem Papier das beste Rennen des Abends. Im Moment ist erstmal Feuerwerk und Reiterspiele, schön bunt und laut und knallig, so wie es die Dubaiens gern haben, seine Hoheit und sein Gefolge und das neureiche Volk aus den Abendländern, die alle so gern hier rumscharwenzeln, um was zu ergattern vom angeblichen Märchenreichtum. Güldene Löffel und Wasserspender, man höre und staune! Die Rennen sind alle mit Millionen Preisschildern versehen, weil sich das leichter rechnet. Jetzt können die Südafrikaner alle mal richtig zocken, wie der Einpeitscher auf dem Sender bemerkt, weil Brown und de Kock mitlaufen lassen, Jay Peg und Archipenko und Bankable. Gay Waterhouse trainert Tuesday Joy, und Julio Canani Hyperbaric. Die Auswahl fällt wirklich schwer, denn es können auch Vodka aus Japan und Paco Boy aus England gewinnen. Aber wir wollen Kip Deville, den Schimmel.
Der war aber sehr weit geschlagen, wie auch alle anderen Favoriten und Gemeinten. Es hat Gladiatorius gewonnen, und drauf saß ein Mann aus den Emiraten, Ahmed Ajtebi, der angeblich bei uns noch Erlaubnis hätte und sich sehr gefreut hat. Es ging wieder Star Ziel und sah sehr sehr gut aus, ein sehr gutes Pferd. Die Übertragung kommt langsam in Fahrt, gute Interviews und ein Kameramann, der in die Jockeystube darf.
Sa
28
Mär
2009
Dubai Liver
Als nächstes der Sprint mit Indian Blessing und Marchand D`Or, dazu Diabolical, sehr attraktiv und interessant. Was kann wohl ein Japaner in so einem Rennen? Oder das Pferd aus Hong Kong? Vorher großes Theater mit Gary Stevens, der sogar Kallermatsch auf das Objektiv der Kamera schmeißt, damit auch die Europäer wissen, wie der Untergrund der Rennbahn beschaffen ist. Edgar Prado ist zuversichtlich.
Hat aber auch nicht geklappt, wieder der Favorit geschlagen. Die Stute war schon aus der Maschine etwas langsam, dann sah es unterwegs auf einmal sehr einfach aus, aber am Ende wieder von vorne dagegen gehalten und gewonnen. Big City Man – Indian Blessing – Diabolical.
Sa
28
Mär
2009
Live from Dubai
Desert Party in wenigen Minuten, kann er genug für Kentucky? Kann er genug heute? Gary Stevens meint, ja, und hat keinerlei Zweifel. Mal sehen. Hinter der Maschine sehr beeindruckend. Tja, was für ein Shocker, Alan Garcia hat Dettori sauber ausgekontert und von vorne gegen den großen Favoriten aus dem eigenen Stall gewonnen. Sehr gut das Tempo eingeteilt, erstklassiger Mann und Ritt.
Di
24
Mär
2009
Dubai
Dubai macht wie immer mehr Wind als Klasse, und daher fällt es schwer, Wetten anzusagen. Ich sage daher erstmal nur einen, Kip Deville, der im Duty Free auf weiten 1.777 Meter antritt. Aber von allen an diesem Tag laufenden Pferden scheint er mir die besten Leistungen gezeigt zu haben; 2007 Breeders Cup Mile gewonnen, letztes Jahr zweiter zu Goldikova, was angesichts der phänomenalen Leistung der Siegerin eine Klasseleistung für sich war. Ansonsten fehlt vor allen Dingen im Classic so was wie ein echter Crack. Albertus Maximus ist gut, aber nicht herausragend, der Rest auch nicht besonders aufregend. Spannend wird das UAE Derby mit Desert Party, der mit Eindruck gewinnen muß, wenn das mit dem Kentucky Derby Start was werden soll.
Di
24
Mär
2009
Zitat des Tages
„ Ebenfalls unverzichtbar scheint mir die Beseitigung von Defiziten im Management des Galopprennsports zu sein, und zwar ganz besonders auf dem Gebiet des Marketing. Die Strategie, die Koordination und sogar das Produktmanagement sind unzulänglich. Mir ist bisher immer noch unklar, wer dafür zuständig ist, und, ob überhaupt jemand. Ich habe allen Ernstes den Eindruck, dass es niemanden gibt, der sich systematisch, geschweige denn auf Fulltime-Basis um Marketing kümmert. Auf diesem Gebiet dümpelt es auf allen Ebenen dahin, mit wenig Planung. Mehr reaktiv als proaktiv werden hier und da Maßnahmen ergriffen. „
Richtig, das war Dr. Norman Albers, geachtetes Mitglied der Besitzervereinigung. Und wer hat das da oben gesagt?
So
22
Mär
2009
Zitat des Tages
„Das Direktorium sieht sich als selbsternannte PMU. Es versucht alles an sich zu ziehen, es will das Wettmonopol. Es hat keinen moralischen Anspruch darauf und schon gar keinen geschäftlichen, es hat eigentlich nur Verbandsarbeit zu leisten. Wir empfinden dies als Betrug an allen Rennsportinteressierten. Ganz ehrlich: Es geht möglicherweise nur noch über eine Insolvenz der Wirtschaftsbetriebe des Direktoriums und einen kompletten Neuanfang.“
Wer hat das gesagt?
So
22
Mär
2009
Antrieb
"Es fehlte der Antrieb."
Wird Herr Wöste in der Welt zitiert, offenbar sein Fazit zu Beginn seiner Regentschaft als Präsident des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen. Sogar ein sechstelliges Honorar für Herrn Engelbert Halm, und ein fünfstelliges für Herrn Borchert, vermochten keinen Antrieb auszulösen. Aber, die Männer an der Spitze des Deutschen Galopprennsports, also die Herren Wöste, Halm, Ostermann, Schubert, Baum und andere haben kein Problem mit der Vergangenheit, sondern schreiten mutig und hoffnungsfroh in die Zukunft. Und mit ihnen die überwältigende Mehrheit der Besitzer, die sich in diesem Sinne teils per Akklamation, teils per Abstimmung geäußert haben. Verfahrene Situation mit den Buchmachern? Egal, dann eben ohne sie. Streit? Wozu denn das, das Leben ist zu kurz zum Streit. Derweil sämtliche Publikationen, die sich außerhalb des Sports mit dessen Situation befassen, einen Trauermarsch blasen, und die so genannte Strukturreform als das bezeichnen, was sie ist, nämlich gescheitert, und auch ansonsten unisono und sehr richtig feststellen, daß der Rennsport so gut wie mausetot ist. Nur die dramatis personae stellen sich einen Persilschein nach dem anderen aus, alles richtig gemacht, wenn nur diese blöde Wirtschaftskrise nicht wäre, und der unnütze Streit zweier Super Partner. Man hat selten eine derartige Diskrepanz zwischen Binnenwahrnehmung und Außenwahrnehmung erlebt, eine fast völlige Paralyse des Denk- und Urteilsvermögens der Mandatsträger des Sports und seines Fußvolks. Es fällt als zwischenzeitliche Erholung jetzt nur das folgende ein:
http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A
Virales Marketing paßt sehr gut zu Herrn Engelbert Halm, und auch zu dieser Simultan Personalie Frau Albrecht, die seinerzeit so ausgesprochen geräuschlos wieder entfernt wurde. Aber der Geist, der beide ins Boot holte, regiert ungebrochen weiter. Zumindest wird nun endlich begriffen, daß sich der Rennsport erstmal selber helfen muß. Die Frage ist nur, wie? Wie formuliert man eine Geschäfts- und Anlagestrategie, an deren Ende ein Return on Investment stehen muß? Wo soll der herkommen, wie soll das gehen? Es wird natürlich nicht gehen, denn wenn man jetzt sagen wir mal drei Mark investiert, um eine zurück zu bekommen, dann würde selbst eine Verdoppelung der Erlöse nur zu einer Verringerung des Verlustes führen, nicht jedoch zu einem Gewinn. Man wird versuchen, alle möglichen Abschöpfungen abseits des Totalisators in diese Gesellschaft zu leiten, dazu Vermittlung in den Toto. Aber wo stehen die zukünftigen, externen Gelder bereit, die schon heute nicht hinten und vorne reichen? Werbung, Sponsorship? Wer macht das heute über das Maß hinaus, welches zur Zeit herrscht? Es sieht eher danach aus, als wenn das weniger wird. Und wer soll das dann verantworten und machen? Wenn man die Entscheidung der Besitzer und Herrn Wöstes zu Herrn Halm betrachtet, dann Herr Halm. Gott steh uns bei, denn das hieße, dem schlechten Geld noch gutes hinterher zu werfen. Eine abstruse Idee, die aber ganz folgerichtig als Fortsetzung der Personalpolitik umgesetzt werden müsste. Wer würde bei einer solchen Konstellation Freunden und Verwandten raten, in diesen Fond zu investieren?
Fr
20
Mär
2009
The Mousse is Lousse
The Mousse is lousse, wie einer der Besitzer ganz stimmig meint, aber so ganz super schnell war die Arbeit dann nicht. Leider kann man das nur sehr verkürzt und fragmentarisch sehen, jedoch besteht die Kunst nicht darin, das Santa Anita Derby im April zu gewinnen, sondern das in Louisville im Mai. Also möchte man nicht zu früh zu gut sein, sondern mit Reserven aus den Vorbereitungsrennen kommen. Hier die Arbeit:
http://www.youtube.com/watch?v=2qxP_j26DIM
In Kempton haben sie ein Rennen eingeführt, dessen Sieger automatisch eine Startberechtigung im Kentucky Derby sowie a bissi Handgeld von $ 100.000 bekommt, damit sich das Abenteuer auch lohnt. Der Sieger heißt Mufaaz, hier das Rennen:
http://www.youtube.com/watch?v=-BQXZitq5yY
Ob so was für das Kentucky Derby reicht, ist schwer ab zu schätzen, aber allein die Reisestrapazen und die Klimaumstellung machen den Pferden in der Regel sehr zu schaffen. Daher hat John Gosden vorher die Blue Gras Stakes in Keeneland auf dem Programm, als Anwärmer und Gewöhner. Die gehen auf Polytrack, also nicht auf dem Untergrund von Churchill Downs. Aber wenn ein Trainer aus GB weiß, wie das geht in Amerika, dann John Gosden. Mufaaz ist von Medicean und war bei seinem zweiten Start nicht weit hinter Donativum, der immerhin den Breeders Cup Juvenile Turf gewonnen hat. Mufaaz ist also kein schlechtes Pferd, und der Sieg in Kempton sah schon ordentlich aus, weil auch mit hartem Kampf verbunden. Solche Routine hilft sehr. Bei racebets.com geben sie 350 für Mufaaz, für The Pamplemousse 135. In England schwanken die Kurse zwischen 130 und 210 für The Pamplemousse, und 260 und 360 für Mufaaz. The Pamplemousse würden wir für 135 nicht mehr wetten, der steht im Derby wahrscheinlich nicht viel kürzer, aber man hat dann die Startgarantie sowie die zusätzliche Form aus dem Santa Anita Deby.
Während sich das Bild in Deutschland nach wie vor grau und düster malt, auch, was das Deutsche Derby angeht. Wer da läuft, welcher Sponsor antritt, das Alles ist im Moment nur zu raten. Die Reise zu den Sheiks aus Quatar war für die beiden Vorsteher des HRC nicht erfreulich, und unsere Kenntnis der arabischen Mentalität läßt befürchten, daß das auch weiterhin eine schwierige Kiste bleibt. Bei den Leuten muß man Demut mitbringen und Geduld. Durban Thunder hat leider eine langatmige Bronchitis gehabt, so daß wir nicht wissen, ob das Pferd überhaupt schnell laufen kann, geschweige, am ersten Juli Sonntag. Aber die Hoffnung ist die Mutter des Rennsports, und aussehen tut er wie ne Million. Also bleibt er stehen, damit seine Besitzer was haben, auf das sie sich freuen können.
So
15
Mär
2009
Traumhaft
Jetzt ging wieder das Fernseh los, nach einer Art Winterschlaf über Jahre, und Alles war wie gewohnt. Ein Chaos an hölzernem Gemache, zwei Experten und ein Hanswurst als Stichwortgeber, und der ganze Schamott eingebettet in Nullkommanix an redaktionellem Inhalt. Man schaltete zuverlässig zu spät zu diesem oder jenem Rennen, weil niemand im Hintergrund in der Lage ist, eine simple Regie zu leisten, weil niemand hinter dem Studio weiß, worum es geht. Pferdchen laufen im Kreis, wie es unvermeidlich aus dem Moderator heraus quoll, Pferdchen wie gesagt, die kleinen putzigen Pelztiere mit den lustigen Wägelchen hintendran, die wo immer so rasant Spaß ohne Ende bescheren. Aber immerhin haben es die Traber geschafft, ihre Fraktion des Rennsports ins Bild zu setzen, während es den Galoppern erwartungsgemäß schwer fiel, auch mal dran zu kommen. In dieser Hinsicht gildet aber das Votum des Vorstands der Besitzervereinigung, daß man sich mit diesen Habenichtsen nicht gemein machen möchte, weil die nämlich nur für 500 im Kreis laufen. Man stelle sich vor, 500! Da war Herr Ostermann ganz rigoros, so was kommt bei Galopp überhaupt nicht in die Tüte! Dann war doch Frankfurt dran, irgendwann, und statt eines Seifensieders aus dem Studio eiferte Herr Krischpin das Mikrophon voll, ein sehr engagierter, aber leider auch übermotivierter Viel- und Lautsprecher, der gehörig auf die Nerven geht mit seiner Akustik. Dann wurden viele virtuelle Wettzettel ausgefüllt, es klickte und klackte die Maus hin und her, man sah eingeblendete Tafeln mit Diesem und Jenem, und weil es so schön passt, eine gemafreie Computermusik als raschelnde Untermalung. Pause mit Volksmusik und Herrn Heck und einem Frau sucht Mann Dienst und Hanne Haller oder Vincent&Fernando, dem furiosen Duo aus dem Stubaier Nabtal. Diese Welt ruht ganz in sich, und alles paßt harmonisch in einen Traum von debilem Spießertum, den nichts Satirisches außer der Wirklichkeit bricht. Traumhaft. Wer mag glauben, daß das die mediale Zukunft des Rennsports ist?
So
15
Mär
2009
Was zusammen gehört
Nun vermeldet die Bettertainment GmbH, man habe wieder alle Anteile an der Racebets GmbH übernommen. An ersterer ist der Deutsche Sportverlag mit 50% beteiligt, also auch in dieser Höhe an Racebets, dem Buchmacher. Sportwelt, Galopponline und Racebets also wieder in inniger gesellschaftsrechtlicher Verwebung. Wie schön, daß sich die überwiegende Mehrheit der BV, ihr Vorstand in Sonderheit, in diesem Zustand wohl fühlt. Denn es geht nichts darüber, wenn entsprechender Sachverstand in den eigenen Reihen vorgehalten werden kann. Dazu der Sachverstand der Herren Baum und Albers, und fix fertig ist eine geballte Ladung hochkarätiger Wettartisten, die den Sport schwungvoll nach vorne bringen werden. Man spürt deutlich, daß es aufwärts geht. Zumindest ist aller Ballast an Befangenheit und Bedenken mit Schmackes über Bord geworfen worden.
So
15
Mär
2009
Proudinsky und Derby Preps
Proudinsky: He did us all proud! Und das zum zweiten Mal hintereinander, im Murvyn Muniz Jr. Memorial Handicap (was ein Renntitel). Ein Grade II Rennen über 1.800 Meter Grasbahn der Fair Grounds in New Orleans. Aus der äußeren Box 14 im ersten Bogen in der dritten Spur, ging es kurz hinter der Spitze ohne Probleme die Gegenseite lang; im Schlussbogen dann das übliche Gedrängel, aber Espinoza hat ihn da wieder gut durchgesteuert, und in der Geraden resolut als Wurstscheibe eines Sandwichs mit Nase hingefummelt. Das war eine sehr gute Vorstellung, eine der besten, die ein Silvano Produkt bisher gezeigt hat. Mit sechs Jahren besser denn je, und auf Gras bis etwa 2.000 Meter in Amerika mit an der Spitze. Trainer Bobby Frankel, Reiter Victor Espinoza.
Im attraktiven Beiprogramm das sehr interessante Louisiana Derby, welches Friesan Fire mit sieben+ Längen und völlig überlegen gewonnen hat. Das war mit Abstand die beste Leistung eines Derby Kandidaten an diesem reich mit Derby Preps bestückten Sonnabend. Das Pferd wird von Larry Jones trainiert, dem Mann mit dem Cowboy Hut, und stammt von A.P.Indy ab, hat also zwei dicke Pluspunkte in seinem Marschgepäck zum Derby. Der Minuspunkt könnte mangelndes Stehvermögen sein, aber diesen Minuspunkt teilt er mit fast allen Konkurrenten. Auch sein Stallgefährte Old Fashioned scheint nicht der allergrößte Steher zu sein, ein Unbridled`s Song Sohn, der als haushoher Favorit die Rebel Stakes in Oaklawn Park, Hot Springs bestritt. Aber leider ging das in die Büx, weil ihn ein 600:10 Außenseiter mit dem schönen Namen Win Willy weggemacht hat, sehr zum Entsetzen des Publikums und des Bahnsprechers Terry Wallace, die beide recht still und einsilbig wurden, als sich das Drama um den Favoriten Mitte der Geraden abzeichnete. Aber so geht das nun mal. Win Willy stammt von Monarchos ab, der 2001 das Kentucky Derby gewonnen hat. Geritten hat Clifton Berry, trainiert wird er von Mac Robertson. Larry Jones war mit Cowboy Hut am Platze, während seine Frau Friesan Fire in Fair Grounds betreute, also die bessere Wahl getroffen hatte. Manchmal streuen gute Pferde auch mal eine schwächere Form ein, aber es sah nicht so richtig gut aus, was hier von Old Fashioned abgeliefert wurde.
Der andere Favorit für das Kentucky Derby hat zwar gewonnen, sah aber auch nicht besonders prickelnd dabei aus; Pioneerof the Nile musste sich tüchtig rühren wie auch sein Reiter Garrett Gomez, um die San Felipe Stakes in Santa Anita zu gewinnen, zumal gegen sehr übersichtliche Konkurrenz. Auch hier die Distanz 1.700 Meter, also nur eine verlängerte Meile, und daher das große Fragezeichen Stehvermögen. Immerhin macht Pioneerof the Nile einen sehr routinierten Eindruck, und sein Trainer Bob Baffert steht zu Recht vor der Aufnahme in die Hall of Fame. Baffert, der stets eine Sonnebrille wegen einer Heuallergie trägt und dazu eine sehr attraktive schlohweiße Haarfrisur, soll mal laut Eigenauskunft in die Spalte Beruf? eines Hotels „Pornstar“ eingetragen haben; dem Mann ist also allerhand zuzutrauen. Auch ein vierter Deby Sieg. Dann gab es noch das Tampa Bay Derby in Florida, welches Muskat Man unter Daniel Centeno nach vielen Umwegen und Stops unterwegs so gerade noch gewann. Aber dieses Rennen sah nicht so aus, als ob da richtige Derbypferde mitliefen, auch nicht der Sieger, der von Derek Ryan trainiert wird.
Ansonsten ist zu berichten, daß die Stute Stardom Bound zwar die Santa Anita Oaks am letzten Wochenende gewonnen hat, aber wohl nicht ins Kentucky Derby gehen wird. Das ist schade. Zum Anderen hat sich ein neuer Kandidat sehr eindrücklich ins Gespräch gebracht, I Want Revenge, der ebenfalls am letzten Wochenende die Gotham Stakes in New York gewonnen hat, was umso bemerkenswerter ist, als er als „Shipper“ von der weit entfernten Westküste anreiste. Der Steven Got Even Sohn wird von Jeff Mullins trainiert und wurde von Joe Talamo geritten, aber ich habe das Gefühl, daß im Kentucky Derby jemand anderes drauf sitzen könnte. Wie auch auf Friesan Fire, den Gabriel Saez in New Orleans geritten hat, während der wohl bessere Ramon Dominguez mit seinem Trainer den falschen Old Fashioned rausgesucht hatte. Das könnte sich am ersten Mai Sonnabend ändern.
Wie auch immer, an unserem Mumm The Pamplemousse hat sich nix geändert.
So
08
Mär
2009
Run for the Roses
Am 2. Mai wird das Kentucky Derby Nummer 135 in Louisville ausgetragen, auf den Churchill Downs, der Gralsburg des Sandbahnsports. Wenn es nach den Amerikanern geht, das größte Ereignis des Galoppsports weltweit. Das mag dahinstehen, aber in der Tat, auf Dirt, wie das sehr plastisch heißt, gibt es nichts Dramatischeres und Aufregenderes. Dubai ist teurer, aber ganz auf Plastiksand gebaut. Louisville hingegen ist entschieden Tradition, mit regelmäßig mehr als einhundert Tausend Zuschauern, die sich rund um die Bahn und auch im Innenraum drängeln. Die Arrivierten schlürfen seit 1875 Mint Juleps aus Silberbechern, eine verdächtige Mischung aus Minze und Bourbon Whiskey und Zucker. Die anderen trinken Bier oder Dr. Pepper.
Das Rennen selbst ist eine Prozedur, die nur Pferde und Jockeys mit starken Nerven durchstehen. Fast immer nehmen 20 Pferde teil, es geht 2.000 Meter weit, und die ganze Atmosphäre atmet vom Satteln bis zum Absatteln Hektik und Gedrängel. Es gewinnt, wie oft in den vielen Derbies, nicht immer der Beste, denn der Rennverlauf ist meistens extrem undurchsichtig und für die Jockeys schwer zu lesen. Es regiert gerade in den hinteren Regionen der Zufall, und besonders and der ersten Ecke geht es sehr beengt zu, so daß sich mancher in der fünften oder sechsten Spur wieder findet. Im Schlußbogen wiederholt sich das, und wer von hinten kommt, muß oft die Overland Route nehmen, wie das so schön in Amerika heißt. Am Ende wird der Weg den Pferden dann regelmäßig sehr weit, denn amerikanische Vollblüter werden nicht auf Ausdauer gezüchtet, sondern auf hohe Grundschnelligkeit, Speed. Daher gibt es von Anfang an ein Höllentempo. Das macht den Reiz der Sache aus.
Es haben letzthin sehr oft Pferde gewonnen, die von Trainern vorbereitet wurden, denen man Horsemanship der guten, alten Art nachsagt – Barclay Tagg hat Funny Cide trainert, John Servis Smarty Jones, Carl Nafzger Street Sense, John Shirreffs Giacomo, Michael Matz Barbaro - während die Wundertrainer Todd Pletcher und Steve Asmussen trotz bis zu 5 Startern im Rennen noch nie gewonnen haben. Es hat wohl damit zu tun, daß die Vorbereitung auf das Derby sehr schwierig ist, und man sich ganz auf dieses eine Rennen konzentrieren muß. Das fängt mit den Zweijährigen im Jahr davor an, geht nahtlos über Winter in Florida und Kalifornien weiter, und alles muß dann in der Frühjahrskampagne aufs Gramm stimmen und passen. Große Ställe haben da offenbar Schwierigkeiten, vor allen Dingen, wenn sie mehrere Eisen im Feuer haben.
Bei den Jockeys ist naturgemäß schwer absehbar, wer wen reiten wird. Traditionelle Stalljockeys gibt es in Amerika selten, und zum Derby geht die Drängelei um die 20 Plätze jedes Jahr aufs Neue los. Garrett Gomez ist sicher gesetzt, genauso wie John Velasquez, Edgar Prado und Kent Desormeaux. Dann wird es schon schwieriger. Mike Smith könnte auf Stardom Bound sitzen (obwohl das gestern kein Riesenritt war), Ramon Dominguez auf einem der Jones Pferde, Robby Albarado dürfte dabei sein, und Julien Leparoux auch. Und natürlich Alex Solis. Der Rest wird sich wahrscheinlich kurzfristig finden.
Wer sind die Favoriten für den 2. Mai? Old Fashioned (Larry Jones) und Pioneerof the Nile (Bob Baffert) sind fast Jedermanns Top Pick, es gibt das dunkle Pferd Dunkirk (Todd Pletcher), es gibt die Wunderstute Stardom Bound (Bobby Frankel und fraglich), es wird in Dubai vorbereitet das Godolphin Pferd Desert Party (Saeed bin Suroor). Dazu Friesan Fire (Larry Jones) und Quality Road (James Jerkins). Das sind die Pferde, die im Moment die Wettmärkte anführen. Und natürlich unsere Wahl, The Pamplemousse, den der unvergleichliche Julio Canani trainert. Wenn es nach Sympathie ginge, dann würden die Pferde von Larry Jones vorne sein; das ist der Mann mit dem ewigen Stetson auf dem Kopf, der letztes Jahr Eight Belles trainiert hat, die sich als zweite nach dem Ziel so schwer verletzte, daß sie noch auf der Bahn getötet werden musste. Und im Jahr davor hat er Hard Spun im Rennen, der ebenfalls Zweiter wurde. Der Mann ist dran. Was aber auch für Bobby Frankel gilt, einen der ganz großen, alten Männer dieses Sports, der auch noch nie gewonnen hat. Bob Baffert hat schon mehrmals gewonnen und weiß daher, wie das geht. Aber die schillernste Figur in diesem Personal ist zweifellos Julio Canani, der peruanische Trainer von The Pamplemousse. Der Mann ist irgendwo in den Siebzigern – keiner weiß das so genau – trägt weite und bunte Hemden, und drückt sich erfreulich blumig und gewandt aus. Das alles in einer sehr schönen Mischung aus Englisch und Spanisch. Dazu passen die Besitzer und der Jockey, Vater und Sohn Solis. Solis sen. geht auf die Mitte vierzig zu, bewegt sich also eher auf dem hinteren Teil des Höhepunkts seines Schaffens, während Solis jun. sich schon in jungen Jahren als Scout bei der Auswahl von The Pamplemousse bewährt hat. Dazu der schöne Name, der sich einem Restaurant eines Mitbesitzers verdankt, und schon ist diese Hollywood Geschichte fertig. Daß das Pferd ne Menge laufen kann, das hat er bewiesen. Ein großer, extrem athletischer und eleganter Schimmel, der seine Rennen von vorne gewinnt, in dem er seinen Gegnern einfach davon läuft. Wenn er über den weiten Weg kommt, und wenn bis dahin nichts mehr passiert, dann sollte er am 2. Mai weit vorne sein.
Wer mitreden will, muß einige Sentenzen und Begriffe kennen. Daher hier ein Kurz Glossar:
Run for the Roses – KentuckyDerby
Blue Grass State – Kentucky
Churchill Downs – Rennbahn von Louisville, Kentucky
Twin Spires – die beiden Türme der Tribüne
Gate to Wire – Start Ziel
Clubhouse Corner – erster Bogen
Backstretch – Gegenseite
Final Turn – Schlußbogen
Stretch/Lane – Einlauf
Deep Stretch – kurz vor dem Ziel
Furlong – achtel Meile
Mile and a Quarter – Derbydistanz von 2.000 Meter
Marker/Pole – Distanzpfosten
3/4/6 Wide – 3/4/6 Spur
Overland Route – Außen rum.
Speed – Grundschnelligkeit, Tempo
Closer – Pferd, welches von hinten kommt
To rally – von hinten kommen
To pull an upset/shocker – Außenseiter Sieg
To bob heads – Kopf-an-Kopf rennen
To dig deep – Alles rausholen
To edge out, to nose, to nail – mit Barthaar gewinnen
Lukewarm Favorite – lang stehender Favorit
Mint Julep – alkoholisches Erfrischungsgetränk
Ansonsten wird es einige sprachliche Neuerungen geben. Nach dem frühen Tod von Luke Krytebosch, dem langjährigen Race Caller (Bahnsprecher) mit der unvergleichlich sonoren Kentucky Derby Stimme, wird Derby 135 von Mark Johnson kommentiert werden, einem Engländer. Johnson – der auch das Epsom Derby kommentiert - hat sich in einem Schaulaufen letztes Jahr gegen mehrere einheimische Sprecher durchgesetzt, und bereits Kostproben seines Könnens abgeliefert. Hier eine: Es heißt jetzt nicht mehr Favorite, es heißt jetzt „Market Leader“.
Di
03
Mär
2009
Investitionen
Es sollten mal 30 Millionen werden, die Investoren als Eigenkapital bringen sollten. Das wären angeblich 49% vom Buchwert des Rennsports, Abteilung Galopp, gewesen. Lassen wir mal den steuerlichen Aspekt der Aktivierung beiseite. Mit dem Geld sollten vor allem überregionale Vertriebslokale zusammen mit Gala Coral aufgebaut werden. Gala Coral sollte daneben auch den Betrieb übernehmen.
Nun ist Gala Coral zumindest bisher ein Investment schuldig geblieben, und insofern wird nun eine interne Rennsport Lösung favorisiert. Allerdings scheint die Idee mit den Shops und diesem Betreiber nach wie vor aktuell zu sein. Macht das Sinn? Ist es überhaupt realistisch und notwendig, 30 Millionen einzuwerben, oder 20, oder 10? Macht es Sinn, solche Shops bundesweit aufzumachen, in der vagen Hoffnung, da könne man später, wenn denn die Sportwette vielleicht dermaleinst legalisiert wird, klotzig mitverdienen?
Zunächst erscheint jede Verbindung mit Gala Coral höchst dubios; die Zahlen lügen nicht, und der Charakter der hinter Gala Coral stehenden drei Gesellschafter mahnt ebenfalls zu äußerster Vorsicht. Natürlich ist da jeden Tag enormer cash-flow, aber das ganze Gebilde steht auf völlig tönernen Füßen, und kann jederzeit zusammen brechen. Da wird dann ganz bestimmt keine Rücksicht auf Partner in Deutschland genommen, da geht es dann rund und grob zu. Des Weiteren ist fraglich, ob ein High Street Modell von Wettshops von GB auf Deutschland übertragbar ist, ob also die Expertise von Gala Coral überhaupt ausreicht, bei uns Erfolg zu generieren. Diese Shops müssen betrieben werden, von Personal, und wo soll das herkommen? Aus London? Von Racebets.com, oder Simon Springer, oder Herrn Albers?
Sinn macht die Internetpräsenz, wenn’s sein muß mit Buchmacherlizenz, wodurch German Tote wegen PMU ausscheidet, aber Quersubventionen intellektueller und logistischer Art möglich bleiben. Auch kann man gegenüber dem Wettbewerb durchaus stark sein, denn das Argument, die Traber stünden auf juristisch unsicherem Grund, trägt nur insoweit, als alles a la longue fraglich ist. Im Moment ist es so, daß Winrace eine erstklassige Position vis-a-vis den Buchmachern hat, und da könnte man sich durchaus dranhängen. Wer ausschließlich in den Toto vermittelt darf mitmachen, wer nicht, bleibt in der dunklen Stube. Dazu sollte nun endlich das mehrmals angekündigte staatliche Lotto Geschäft als Vertrieb und Sachinvestor kommen. Dann wäre ein realistischer und pragmatischer Anfang gemacht.
Das ganze kostet deutlich weniger ohne diese Shops, und erscheint auch als Beteiligungsmodell realistisch. GmbH & Co KG.
Di
03
Mär
2009
Gala Coral II
Buchwert von Gala Coral per heute: NULL
Gala Coral is ‘worthless’ as private equity counts costs
The private equity owners of Gala Coral have conceded that their investments in the gaming group, which was once valued at £5 billion, are worthless, only a year after pumping £125 million into the company in an attempt to prop it up.
Candover, one of Gala Coral’s three owners, said yesterday that it had written down the value of its holding in the company to zero, having previously written it down by 50 per cent about a year ago.
The Times has learnt that Cinven has also written off its investment in Gala, while SVG Capital, the listed feeder division of Permira, the gaming operator’s third owner, wrote down its investment to a nominal figure in December.
Mo
02
Mär
2009
The Freak
Überlegen sechs Längen, und hinterher trocken wie ein Zwieback. Ein Freak. Alle stimmt, und sogar die etwas hohe und knallige Galoppade paßt zu diesem eleganten Kraftpaket. Dazu die Ruhe selbst, vor dem Rennen, beim Aufgalopp, Start, unterwegs und danach. Alles easy und relaxed. Dazu passen die menschlichen Darsteller, Solis sen., mit 45 noch mal eine echtes Karriere Highlight – man denke nur an Johar 2003 -, Solis jun. als Scout und Mitbesitzer, die Grillbude gegenüber der Rennbahn von Del Mar, dem das Pferd seinen Namen verdankt, und Julio Canani, der Trainer aus Peru, der so etwa 70 Jahre alt ist, es können aber auch ein paar mehr sein. Der Mann trägt weite Hemden und seine Gedanken auf der Zunge, ganz nach dem Geschmack der Öffentlichkeit, die solche Geschichten und Akteure in Zeiten des Plastiklebens schätzt. Hoffen wir, daß das noch eine Weile so weiter geht, denn der Weg nach Louisville ist sehr steinig und gefährlich. Erstmal ist Station im Santa Anita Derby Anfang April. Hals&Bein.
http://www.youtube.com/watch?v=6RjzNixub5g
So
01
Mär
2009
Der Investor
Gala Coral ist der Name des Investors, der so eine außerordentliche Strahlkraft auf die Herren (Damen gibt es nicht) des Präsidiums und Vorstands und sonstige Strukturreformer ausübt. Als Investor, als Dienstleister, als Schlüssel zum Erfolg. Wer braucht da Barry Schroeder? Die Frage erhebt sich, was hat es mit Gala Coral auf sich, warum hat das bisher nicht geklappt, warum geht es da nicht vorwärts? Die einen behaupten, Barry Schroeder habe sich mit Gla Coral überworfen, die anderen sagen, die Weltfinanzkrise habe in dieser Nacht auf den Tag der Unterschrift alles zunichte gemacht.
Ich sage, daß Gala Coral massive finanzielle Probleme systemisch hat, also zusätzlich zu den Auswirkungen der Finanzkrise eine sehr zweifelhafte Bude ist. Man sehe sich die Zahlen zu 27/9 2008 an: Vorsteuerverlust 397 Millionen Pfund, Netto Verschuldung 4,4 Milliarden Pfund, Zinsbelastung +12% auf 491 Millionen Pfund, Cash Flow -20% auf 314 Millionen Pfund. Schreibt „The Guardian“ im Dezember:
“Debt investors, who dominate Gala's ownership structure, are closely assessing the group's capacity to service its debt. Top-line operating profit of £362m is 7.51 times year-end net bank debt. In September 2007 the figure was 7.07, suggesting pressure on the heavily borrowed business has continued to mount.
Deputy chairman Neil Goulden met Gala's lending banks this week, insisting the group was on track to repay £80m of debt that matures during the year without eroding cash reserves of £125m. This, he told them, will leave the group well positioned to repay £150m of debt that falls due the following year.
Gary Hughes, chief financial officer, insisted Gala did not come close to breaching banking covenants during the year, but in May it negotiated a deal with lenders to reset loan covenants after the firm's three private equity backers agreed to inject £124m to retire some of Gala Coral's ballooning debt early. As a result, bank debt fell slightly to £2.7bn while "investor-funded debt" increased to £1.6bn.”
Einzige Gesellschafter von Gala Coral sind www.permira.co.uk, www.cinver.co.uk und www.candover.co.uk . Das sind so genannte Private Equity Gesellschaften, also Unternehmen, die Geld von Investoren einsammeln, zusätzlich Kredite aufnehmen, also Leverage betreiben, und dann Unternehmen kaufen, die für diese Kredite haften. Diese Private Equity Gesellschaften hat jemand mal als Heuschrecken bezeichnet, und im Moment sind diese Heuschrecken weltweit ziemlich im Arsch.
Ich glaube, man sollte Gala Coral nicht am Deutschen Rennsport beteiligen, weil man damit einen finanziell maroden Partner beteiligt, und letztlich Private Equity Gesellschaften, denen einzig am so genannten Exit gelegen ist, also raus mit Profit. Zusätzlich addieren sich die Risiken des Gesamtpotfolios dazu – geht es woanders schlecht, wird hier Kasse gemacht. Ganz schnell, schnipp schnapp.
So
01
Mär
2009
Die Versammlung
Es ist mit überwältigender Mehrheit beschlossen worden, die verbleibenden 3 Anträge abzulehnen. Es ist weiter durch das Präsidium und den Vorstand festgestellt worden, daß nur aufgrund der Finanzkrise kein Investor gefunden werden konnte. Denn alles war bereits fix fertig, alle haben alles Erdenkliche getan, Herr Halm hat unverzichtbare und wertvolle Beiträge zum derzeitigen Stand der Strukturreform geleistet, und Herr Wöste will nur mit Herrn Halm zusammen arbeiten. Und als Plan B wird nunmehr ein Investmentbanker beauftragt, einen Prospekt zu erstellen, welcher ein Beteiligungsmodell von mindestens € 1.000 für jedermann vorstellen soll, dessen juristische Einordnung noch unklar ist. Das alles hat die Mitgliederversammlung mit überwältigender Mehrheit gutgeheißen und quergeschrieben.
Es haben ansonsten viele Redner das Wort ergriffen, und im Wesentlichen vorgetragen, wie aussichtsreich die Zukunft nunmehr erscheint, und wie unanständig und skandalös (Baum) die Anträge zu Herrn Halm seien. Ein Herr Göhner (?) hat das ebenso brilliant vorgetragen, Herr Wahler hat das sehr prononciert begründet, und er hatte ja schon damals Recht, als er Herrn Halm als Kellner bezeichnete und sich als Koch. Herr Leisten hat ergänzt, wie wichtig und unschätzbar wertvoll die Arbeit von Herrn Halm zum Gelingen der Strukturreform gewesen seien, und sein älterer Bruder bemerkte u.A., ich solle mir das hinter die Ohren schreiben. Denn auch die Anträge auf Satzungsänderung hinsichtlich der Buchmacher stellten einen Generalverdacht gegenüber dem Vorstand und dem Präsidium dar (Ostermann). Herr Recke empfahl eine Beachtung, wie hoch die Beiträge der Vorstandsmitglieder zum Trainingsaufkommen sei, nämlich oft sechsstellig, und der Herr mit dem Antrag möge erstmal einen Ausweis mit dem B vorzeigen, bevor er solche Anträge stelle. Herr Albers erläuterte im Übrigen, daß alles bei den Buchmachern rechtlich einwandfrei ablaufe, und Herr Leisten wollte generell nicht auf den Sachverstand der Buchmacher verzichten.
Es ist also auch durch mehrmaliges eindringliches Befragen der Antragsteller durch Herrn Ostermann das meiste an Anträgen aus der Welt geschafft worden, bis auf diejenigen, die sich mit Herrn Halm beschäftigen, aber die sind mit überwältigender Mehrheit abgeschmettert worden. Denn, wie oftmals vorgetragen wurde, wie können die Mitglieder der BV sich überhaupt anmaßen, eine Personalie zu kommentieren, die ausschließlich in die Kompetenz der Präsiden des DVR fallen? Ja, das muß man anerkennen, daß es wohl in der Tat keine natürlichen Personen auf der Welt gibt, schon gar nicht die Besitzer, die außerhalb dieses Gremiums diese Personalie beurteilen können und auch dürfen. Aber bezahlen. Aber der Blick geht nach vorn, wie gesagt, denn recht eigentlich ist das alles eine erfreuliche Entwicklung, bis auf diese Finanzmisere.
Sa
28
Feb
2009
Ghostbusters
sind das einzige, was hier noch hilft. Ein einmaliges Schauspiel, eine Vorführung der besonderen Art. Eindrucksvoll und zum Hinterdieohrenschreiben, wie ein Herr Leisten launig anmerkte. Morgen mehr.
Fr
27
Feb
2009
The Pamplemousse
Morgen finden sowohl die außerordentliche HV der Besitzervereinigung als auch die Sham Stakes statt. Über die Besitzer und ihre Sorgen und Nöte ist genug geschrieben und debattiert worden, über die Sham Stakes zumindest hierzulande noch gar nichts. Aber das macht nichts, denn hier soll jetzt weniger über dieses Vorbereitungsrennen für das Kentucky Derby geschrieben werden, sondern nur kurz was zu The Pamplemousse, den Favoriten, der zum Teil Alex Solis jun. gehört und von seinem Vater, Alex Solis sen. geritten wird, und den der Peruaner Julio Canani trainert. Der Name kommt vom Eßetablissement eines Mitbesitzers. Das Pferd hat was drauf, wie man in der folgenden Sequenz sehen kann:
http://www.youtube.com/watch?v=BD0BPwIHWHA&feature=related
und hat dann folgerichtig auch die San Rafael Stakes gewonnen. Weil man sich immer nur dann blamieren kann , wenn man sich was traut, schon jetzt mein Eindruck, daß das ein Derby Pferd ist. Wenn der Weg nicht zu weit wird, kann er dabei sein. Steht drüben etwa 300, hier noch 240. Das ist eigentlich zuwenig
So
22
Feb
2009
Beim Direktorium weiß man gar nicht...
Beim Direktorium weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Vielleicht soll man sich an der Satzung lang hangeln, denn die ist von § 1 bis § 19 durchnummeriert.
Es beginnt ganz harmlos mit Name und Anschrift und Geschäftsjahr, aber bereits in § 3 „Zweck“ findet sich dieser schöne Satz: „Bei der Vergabe der Leistungsprüfungen ist die grundsätzliche Autonomie der Rennvereine zu wahren.“ Dann kommen in § 4 die Aufgaben, die also vom Zweck zu unterscheiden sind, und da findet sich dann u.a.: „Das DVR erlässt die RO ……nebst Festlegung der Renntermine…“. Weiter unten dann das Folgende: „Die überregionale wirtschaftliche und werbliche Nutzung behält sich das Direktorium jedoch vor.“
Das ist doch sehr interessant, denn es bedeutet, daß dieser Kampf ums goldene Kalb der Rechte etc. ein Mummenschanz war, wie auch die Terminsdebatte. § 4 der Satzung ermöglicht dem DVR, die Termine zentral zu steuern, und es ermöglicht dem DVR, die Wertschöpfung zentral zu steuern. Ob das redaktionell glücklich gelöst wurde, und ob man das überhaupt so möchte, ist erstmal egal.
Nun zu § 5. Der hat es in sich. Er ist betitelt „Gemeinnützigkeit“, und beschäftigt sich daher mit den Bezügen des Präsidenten und des geschäftsführenden Vorstands sowie den Reisekosten. Es soll aber niemand durch unverhältnismäßig hohe Ausgaben begünstigt werden. Was verdient Herr Borchert, was Herr Halm? In diesem § 5 findet sich auch die Befugnis des Vorstands, von der Satzung abweichende Geschäfte im Rahmen von § 58 AO zu tätigen. Vermutlich versteckt sich dahinter die Wirtschaftsbetriebe GmbH.
§§ 6-9 befassen sich mit den Mitgliedern des DVR, also den RV, der BV, den regionalen Verbänden etc. Das ist alles nicht so furchtbar wichtig, aber eine kleine Geschichte ist doch erwähnenswert. Es können laut Satzung nur RV Mitglied sein, die mindestens 50 A Rennen im Jahr veranstalten, oder € 300.000 an Rennpreisen ausschütten. Wer da nicht drunter fällt, muß wenigstens Mitglied eines der beiden Regionalverbände sein. Nun wird man sich an diese Posse aus Bad Doberan erinnern, wo sich ein neuer Verein konstituiert hat. Der hat dann beim DVR eine Lizenz zur Abhaltung von Rennen beantragt, durch den Herrn Klaus Göntzsche, und Herr Halm als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DVR hat das zugesagt. Als man ihm nun mitteilte, daß das gar nicht möglich sein, weil satzungswidrig, fiel aus seinem Munde die bemerkenswerte Sentenz „Dann heilen wir das eben mal schnell.“ Soviel zum Rechtsverständnis des Herrn Halm.
Richtig spannend wird es aber mit § 11 Mitgliederversammlung. Da steht der entscheidende Satz dieser Satzung, ganz beiläufig und ohne Arg:
„1. Die Mitgliederversammlung besteht aus den nicht weisungsgebundenen Delegierten der dem Direktorium angehörenden Verbände und Vereine und dem Vorstandsvorsitzenden, der nicht Delegierter zu sein braucht.“
Das ist die Sollbruchstelle zwischen dem Willen der Basis und dem Machen der Delegierten, der Freibrief für alle möglichen Entscheidungen und Absprachen und Kungelei, die letztlich auf keine Mitglieder Rücksicht nehmen muß. Man wird sich erinnern, daß sich eine korrespondierende Stelle in der Satzung der BV findet, wonach auch deren Vorstände nicht weisungsgebunden sind. Als bemerkenswerte Unachtsamkeit erscheint insofern die Vorschrift, wonach wiederum die Präsiden der BV an Weisungen des Vorstands gebunden sein sollen, was ja nun wegen der Satzung des DVR nicht geht. Da hat man nicht aufgepaßt. Man kennt natürlich die Begründung für diese Regel, also kontra imperativem Mandat wegen der Räterepublik und Rußland und überhaupt der Bundestag mit seinen freien Abgeordneten, aber zum einen ist das DVR nicht Rußland oder die Sovietunion, und zum anderen gelten die imperativen Mandate z.B. im Bundesrat. Es geht ja dabei auch nicht um die ständige Einmischung in das Tagesgeschäft; es geht um die Notwendigkeit, dem erklärten Willen eines Souverains Geltung zu verschaffen.
Daß das nicht immer so geht, macht der Fall des Hamburger Renn Clubs deutlich, wo vor mehreren Jahren die Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit den Entschluß fasste, sämtliche Wetten mit 50 cent Mindesteinsatz zu versehen. Dazu braucht man als Veranstalter und Totalisatorbetreiber die Zustimmung der Ordnungsbehörden, was eine Angelegenheit des Hamburger Platzes ist. Ansonsten gelten die Vorschriften über den Wettbetrieb:
§ 4 Wettabschluß
.
(2) Der Mindesteinsatz für jede Wettart wird von den Rennveranstaltern festgelegt
und ist auf dem Wettschein anzugeben.
Damit müsste es dann sein Bewenden haben, glaubt man. Aber dem war nicht so, denn: Angeblich habe es da eine Abstimmung innerhalb der BGG gegeben, wurde seitens des Vorstands des HRC mitgeteilt, und die habe ein 50/50 Patt hinsichtlich dieser Hamburger Antrags ergeben, und somit sei das nach den Regularien der BGG als Ablehnung zu werten, und daher habe man im Direktorium nach dieser Mitteilung einer angeblichen Abstimmung und deren Ergebnis als oberstes Organ den Willen der BGG vollzogen und Hamburg das nicht genehmigt. Das ist eine abenteuerliche Geschichte. Ein Rennverein beschließt durch die Mehrheit seiner Mitglieder, was in seine Zuständigkeit fällt, und ein paar Leuten gefällt das nicht, und darum wird das nicht gemacht. Dazu die Chuzpe, mit der dieses feinsinnige Konstrukt von wechselnden Zuständigkeiten und angeblichen Satzungszwängen gesponnen und exekutiert wird. Einer ruft`s dem andern zu, Elsner Schuh, Elsner Schuh! So funktioniert im Zweifel dieser Sport, und wenn gar nichts mehr geht, dann kommt die Generalklausel der Rennordnung:
696. Der Vorstand des Direktoriums kann jede Maßnahme treffen, die im Interesse des Zucht- und Rennbetriebes, insbesondere seiner ordnungsmäßigen Durchführung, geboten erscheint. Er kann in einem Ausnahmefall von der Rennordnung abweichen, wenn dem Gesamtinteresse der deutschen Vollblutzucht und seiner Leistungsprüfungen vorrangige Bedeutung einzuräumen ist.
Sa
21
Feb
2009
Gehnse doch rüber!
war früher ein wohlfeiler Rat, den ordentliche Bürger langhaarigen Gammlern gaben, die an den Verhältnissen rum mäkelten. Oder machenses doch besser, was etwa in die gleiche Kerbe haut, und nur unwesentlich geistvoller ist. Denn, es geht erstmal darum, den status quo zu analysieren, um dann zu kucken, was wer eventuell besser machen kann. Bilanzieren heißt das im richtigen Leben. Auf den Rennsport bezogen bedeutet das, Hosen runter, Bestandsaufnahme der grob gerechneten 2-3 Jahre, in welchen von einer Struktur Reform die Rede geht, aber keine erfolgt ist. Es reicht da nicht, die Weltwirtschaftskrise zu zitieren, die zwar unleugbar da ist, aber nur mittelbar auf Gesellen wie Barry Schroeder oder Gala Coral Einfluß hat, weil die auch vorher schon mittellos waren oder mit 4,4 Milliarden verschuldet und überhaupt im Würgegriff dreier Private Capital Gesellschaften, die je nach Tagesform und Lust und Laune den Stecker rausziehen. Solche Partner sind systemisch obskur, Weltwirtschaftskrise hin oder her. Es zeigt sich insofern auch die ganze Unbedarftheit, mit der die dazu beauftragten bzw. die hierfür bezahlten an diese Sache heran gegangen sind. Oder handelt es sich um ein System der gegenseitigen Anziehung von Glücksrittern? Egal, die Geschichte dieser Reformbemühungen ist zugleich auch eine Geschichte des kompletten Scheiterns, welches zumindest in der Person des getuteten und hofierten Investors Barry Schroeder nebst Entourage völlig absehbar und folgerichtig war. Mit Ansage bzw. zur Quote von 11 zu 10 am Start.
Wenn jetzt der so genannte Plan B ins Spiel gebracht wird, also eine Hinwendung zur wesentlichen Finanzierung durch die Besitzer selbst, dann ist diese Idee ganz sicher nicht auf dem Mist der jetzt Handelnden gewachsen, sondern u.a. vom Autor dieser Zeilen seit Jahr und Tag gefordert worden. Insofern schon jetzt und hier die Retourkutsche auf die Aufforderung des besser Machens: Sehr gern, meine Herren, kein Problem. Was daneben die angeblichen Aktivitäten anlangt, die hier in Bausch und Bogen reklamiert werden, das rastlose Reisen und Kommunizieren mit Hüh und Hott, das Zahlen von sechsstelligen Anwalts- und sonstigen Beratungskosten, so sollen da mal die Bücher aufgemacht werden, welche Berater und Anwälte sich da worüber Gedanken gemacht haben, und was davon heute noch Verwendung findet, und was davon überhaupt nötig war, weil es mit Bordmitteln nicht zu bekommen war. Um all diese Dinge geht es, keine Pauschalien, sondern Prüfung der Vorgänge, damit man weiß, wo man steht. Bzw. nicht steht.
Dann kann man sich Gedanken machen, wer was möglicherweise wie besser machen könnte.
Do
19
Feb
2009
Kooption II
Kooptieren kann man auch im vorauseilenden Gehorsam, wie das einschlägige Beispiel des Wechsels im Amt des Präsidenten des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen zeigt. Es übergibt die Fackel Herr Borchert an Herrn Woeste, und zwar so:
Albrecht Woeste: Natürlich haben wir darüber gesprochen, ob meine Person überhaupt für den Posten des Vorsitzenden des DVR erwünscht ist. Herr Borchert hat mir signalisiert, dass es so sei. Somit würde ich mich auf diese neue Herausforderung freuen, zumal es im Moment ein wirklich sehr freundschaftliches und konstruktives Miteinander gibt.
Aha, das ist sehr schön. Herr Borchert, der in seiner 10 jährigen Amtszeit des Öfteren ganz isoliert vom Rest der Galoppsportwelt und einsam auf dem Waagedach der Hamburger Derby Bahn stand, ausgerechnet er also verleiht dem Wunsch nach Herrn Woeste Ausdruck. Wessen Wunsch mag das sein? Denn siehe:
Albrecht Woeste: „Es gab bereits vor längerer Zeit ein sehr intensives Gespräch mit
Jochen Borchert. Dass nun von ihm der Vorschlag kam, mich zum neuen Vorsitzenden des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen zu wählen, war somit keine große Überraschung für mich. Im Übrigen kenne
ich Jochen Borchert schon sehr lange.
Wir arbeiten in der von Johannes Rau ins Leben gerufenen Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege eng zusammen. Er ist Vorstands-Vorsitzender dieser Stiftung, ich
habe einen Sitz im Vorstand. Als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Düsseldorf oder als Kammerpräsident in der NRW-Landeshauptstadt kann ich zudem auf einige Jahre Verbandserfahrung
zurückgreifen.“
Mag sein, daß es der Wunsch des verblichenen Landesvaters war, aber ob es der Wunsch der Rennsport Aktiven ist, das ist zumindest zweifelhaft, ganz sicher aber nicht bekannt, denn niemand hat die befragt. Wobei diese Dinge auch nichts mit dem Rennsport zu tun haben, man sich aber seit längerem kennt und schätzt. Darum geht es, man schätzt sich und kennt sich. Auch das ist schön, für die beiden Herren, für die Nordrheinwestfälische Naturschutzpflege, für die Heimat und für das Kulturwesen, aber für den Rennsport ist das alles nicht unmittelbar relevant. Relevant ist jedoch die nahtlose Fortsetzung der Politik per ordre mufti, einer ausgekungelten Pseudowahl, die die Galerie ruhig stellen soll, aber zutiefst undemokratisch ist. 10 Jahre Borchert haben gezeigt, wo das enden kann, im Zweifel in völliger Agonie und ohne echte Legitimation. Das Nämliche gilt für den Fall Meimann, und auch der Fall Halm macht sich auf, zu einer endlosen und qualvollen Diktatur der Unfähigkeit zu werden. Denn Herr Woeste hat ja bereits seine Vorstellungen hinsichtlich einer engen Zusammenarbeit mit Herrn Halm wissen lassen, möchte also den Rennsport mit einer Tandem Personalie beglücken.
Das ist alles ein grand malheur de kack, wie mein Vater zu sagen pflegte.
Mi
18
Feb
2009
Kooptieren
Gehört zum Standardinstrumentarium des Vereinswesens, recht eigentlich Vereinsmeierei genannt. Kooption bedeutet, jemanden ohne Mandat in ein Amt zu holen, oder auf einen Posten. Vorstände und Präsiden von Vereinen und Verbänden machen das gern, weil somit eine geräuschlose Kontinuität in der Personalabfolge gewährleistet wird. Dazu gesellt sich oft die willkürliche Blockwahl, oder Wahl en bloc, womit sich derartige Gremien als hart am Rande der Erpressung arbeitende Monolithen erweisen. Entweder, wir alle, oder keiner steht mehr zur Verfügung. Alles das dient der Zementierung eines vermeintlichen Mainstreams, also der Fernhaltung einzelner, womöglich unbequemer Neulinge. Gerechtfertigt wird dieses undemokratische Gebaren meistens mit so genannten Sachzwängen, oder Vereinfachungsmodalitäten, spätestens bei der nächsten ordentlichen Wahl jederzeit zu heilen bzw. zu sanktionieren. Nur daß dann leider oft wieder die Blockwahl ihr Haupt erhebt, so daß undsoweiterundsofort. Es wundern sich oft die Präsiden und Vorstände in Verbänden und Vereinen über manch Unmut der da draußen im Lande und an den Fernsehgeräten, sich völlig gewiss ihrer selbstlosen und aufopferungsvollen Arbeit, ihrem altruistischen Dienst an der Sache und sonst nichts. Das ist falsch. Die Sache stinkt, zumindest die Sache Rennsport, sie stinkt zum Himmel, und neben Unfähigkeit klebt schlichte Eitelkeit diese Männer an ihre Stühle. Man merkt das ganz deutlich im persönlichen Gespräch, wenn die Contenance im Nu flöten geht.

