So
08
Mär
2009
Am 2. Mai wird das Kentucky Derby Nummer 135 in Louisville ausgetragen, auf den Churchill Downs, der Gralsburg des Sandbahnsports. Wenn es nach den Amerikanern geht, das größte Ereignis des Galoppsports weltweit. Das mag dahinstehen, aber in der Tat, auf Dirt, wie das sehr plastisch heißt, gibt es nichts Dramatischeres und Aufregenderes. Dubai ist teurer, aber ganz auf Plastiksand gebaut. Louisville hingegen ist entschieden Tradition, mit regelmäßig mehr als einhundert Tausend Zuschauern, die sich rund um die Bahn und auch im Innenraum drängeln. Die Arrivierten schlürfen seit 1875 Mint Juleps aus Silberbechern, eine verdächtige Mischung aus Minze und Bourbon Whiskey und Zucker. Die anderen trinken Bier oder Dr. Pepper.
Das Rennen selbst ist eine Prozedur, die nur Pferde und Jockeys mit starken Nerven durchstehen. Fast immer nehmen 20 Pferde teil, es geht 2.000 Meter weit, und die ganze Atmosphäre atmet vom Satteln bis zum Absatteln Hektik und Gedrängel. Es gewinnt, wie oft in den vielen Derbies, nicht immer der Beste, denn der Rennverlauf ist meistens extrem undurchsichtig und für die Jockeys schwer zu lesen. Es regiert gerade in den hinteren Regionen der Zufall, und besonders and der ersten Ecke geht es sehr beengt zu, so daß sich mancher in der fünften oder sechsten Spur wieder findet. Im Schlußbogen wiederholt sich das, und wer von hinten kommt, muß oft die Overland Route nehmen, wie das so schön in Amerika heißt. Am Ende wird der Weg den Pferden dann regelmäßig sehr weit, denn amerikanische Vollblüter werden nicht auf Ausdauer gezüchtet, sondern auf hohe Grundschnelligkeit, Speed. Daher gibt es von Anfang an ein Höllentempo. Das macht den Reiz der Sache aus.
Es haben letzthin sehr oft Pferde gewonnen, die von Trainern vorbereitet wurden, denen man Horsemanship der guten, alten Art nachsagt – Barclay Tagg hat Funny Cide trainert, John Servis Smarty Jones, Carl Nafzger Street Sense, John Shirreffs Giacomo, Michael Matz Barbaro - während die Wundertrainer Todd Pletcher und Steve Asmussen trotz bis zu 5 Startern im Rennen noch nie gewonnen haben. Es hat wohl damit zu tun, daß die Vorbereitung auf das Derby sehr schwierig ist, und man sich ganz auf dieses eine Rennen konzentrieren muß. Das fängt mit den Zweijährigen im Jahr davor an, geht nahtlos über Winter in Florida und Kalifornien weiter, und alles muß dann in der Frühjahrskampagne aufs Gramm stimmen und passen. Große Ställe haben da offenbar Schwierigkeiten, vor allen Dingen, wenn sie mehrere Eisen im Feuer haben.
Bei den Jockeys ist naturgemäß schwer absehbar, wer wen reiten wird. Traditionelle Stalljockeys gibt es in Amerika selten, und zum Derby geht die Drängelei um die 20 Plätze jedes Jahr aufs Neue los. Garrett Gomez ist sicher gesetzt, genauso wie John Velasquez, Edgar Prado und Kent Desormeaux. Dann wird es schon schwieriger. Mike Smith könnte auf Stardom Bound sitzen (obwohl das gestern kein Riesenritt war), Ramon Dominguez auf einem der Jones Pferde, Robby Albarado dürfte dabei sein, und Julien Leparoux auch. Und natürlich Alex Solis. Der Rest wird sich wahrscheinlich kurzfristig finden.
Wer sind die Favoriten für den 2. Mai? Old Fashioned (Larry Jones) und Pioneerof the Nile (Bob Baffert) sind fast Jedermanns Top Pick, es gibt das dunkle Pferd Dunkirk (Todd Pletcher), es gibt die Wunderstute Stardom Bound (Bobby Frankel und fraglich), es wird in Dubai vorbereitet das Godolphin Pferd Desert Party (Saeed bin Suroor). Dazu Friesan Fire (Larry Jones) und Quality Road (James Jerkins). Das sind die Pferde, die im Moment die Wettmärkte anführen. Und natürlich unsere Wahl, The Pamplemousse, den der unvergleichliche Julio Canani trainert. Wenn es nach Sympathie ginge, dann würden die Pferde von Larry Jones vorne sein; das ist der Mann mit dem ewigen Stetson auf dem Kopf, der letztes Jahr Eight Belles trainiert hat, die sich als zweite nach dem Ziel so schwer verletzte, daß sie noch auf der Bahn getötet werden musste. Und im Jahr davor hat er Hard Spun im Rennen, der ebenfalls Zweiter wurde. Der Mann ist dran. Was aber auch für Bobby Frankel gilt, einen der ganz großen, alten Männer dieses Sports, der auch noch nie gewonnen hat. Bob Baffert hat schon mehrmals gewonnen und weiß daher, wie das geht. Aber die schillernste Figur in diesem Personal ist zweifellos Julio Canani, der peruanische Trainer von The Pamplemousse. Der Mann ist irgendwo in den Siebzigern – keiner weiß das so genau – trägt weite und bunte Hemden, und drückt sich erfreulich blumig und gewandt aus. Das alles in einer sehr schönen Mischung aus Englisch und Spanisch. Dazu passen die Besitzer und der Jockey, Vater und Sohn Solis. Solis sen. geht auf die Mitte vierzig zu, bewegt sich also eher auf dem hinteren Teil des Höhepunkts seines Schaffens, während Solis jun. sich schon in jungen Jahren als Scout bei der Auswahl von The Pamplemousse bewährt hat. Dazu der schöne Name, der sich einem Restaurant eines Mitbesitzers verdankt, und schon ist diese Hollywood Geschichte fertig. Daß das Pferd ne Menge laufen kann, das hat er bewiesen. Ein großer, extrem athletischer und eleganter Schimmel, der seine Rennen von vorne gewinnt, in dem er seinen Gegnern einfach davon läuft. Wenn er über den weiten Weg kommt, und wenn bis dahin nichts mehr passiert, dann sollte er am 2. Mai weit vorne sein.
Wer mitreden will, muß einige Sentenzen und Begriffe kennen. Daher hier ein Kurz Glossar:
Run for the Roses – KentuckyDerby
Blue Grass State – Kentucky
Churchill Downs – Rennbahn von Louisville, Kentucky
Twin Spires – die beiden Türme der Tribüne
Gate to Wire – Start Ziel
Clubhouse Corner – erster Bogen
Backstretch – Gegenseite
Final Turn – Schlußbogen
Stretch/Lane – Einlauf
Deep Stretch – kurz vor dem Ziel
Furlong – achtel Meile
Mile and a Quarter – Derbydistanz von 2.000 Meter
Marker/Pole – Distanzpfosten
3/4/6 Wide – 3/4/6 Spur
Overland Route – Außen rum.
Speed – Grundschnelligkeit, Tempo
Closer – Pferd, welches von hinten kommt
To rally – von hinten kommen
To pull an upset/shocker – Außenseiter Sieg
To bob heads – Kopf-an-Kopf rennen
To dig deep – Alles rausholen
To edge out, to nose, to nail – mit Barthaar gewinnen
Lukewarm Favorite – lang stehender Favorit
Mint Julep – alkoholisches Erfrischungsgetränk
Ansonsten wird es einige sprachliche Neuerungen geben. Nach dem frühen Tod von Luke Krytebosch, dem langjährigen Race Caller (Bahnsprecher) mit der unvergleichlich sonoren Kentucky Derby Stimme, wird Derby 135 von Mark Johnson kommentiert werden, einem Engländer. Johnson – der auch das Epsom Derby kommentiert - hat sich in einem Schaulaufen letztes Jahr gegen mehrere einheimische Sprecher durchgesetzt, und bereits Kostproben seines Könnens abgeliefert. Hier eine: Es heißt jetzt nicht mehr Favorite, es heißt jetzt „Market Leader“.
nailbaiting
meine nächste tochter wird ente vom lehel getauft.
nagelködern? wie das, halten sie ihre fingernägel ins wasser und hoffen auf eine ente? vom lehel? interssant.
die lehelente war ein münchner lokal (drum lehel) das dann ausgewandert wurde. gen westen.
zum "derby". es mag ja ein nettes rennen sein, aber ein richtiges derby wird auf gras gelaufen und führt über die klassischen 2400 meter. frankreich zum trotze. die amipferde sehen von weitem in dem
alter gut aus. sehr gut sogar. so irgendwie schwarzeneggerisch. kann man mögen. muß man aber nicht ...
wie immer herr weller, variatio delectat. es ist nun mal ein spektakel der besonderen art, das man in der tat mögen oder nicht so mögen kann. ich ziehe, wie sie wissen, seit 1973 das deutsche derby vor; jedoch, in dem jahr hatte Secreteriat bereits das kentucky derby gewonnen. da wär ich auch gern dabei gewesen. sie doch auch.
Ich war 1976 das erste Mal zum Derby und habe mir ein Glas mitgenommen 100 Jahre Kentucky Derby. Für Pferderennen habe ich mich damals eigentlich gar nicht interessiert(der Virus hat mich erst viel später gepackt)aber ein Spektakel war das allemal. Später war ich noch 2 mal zum Kenucky Derby. Es sit einfach unbeschreiblich.
schreiben sie mal was darüber, sowas will der mensch doch wissen!
was will die wissen,kennen wir doch.....
this flight to night.....
bleib drüben.....
